Ampere 32-Kern-ARM-CPU: AppliedMicros X-Gene 3 erlebt eine Wiedergeburt

Volker Rißka 13 Kommentare
Ampere 32-Kern-ARM-CPU: AppliedMicros X-Gene 3 erlebt eine Wiedergeburt
Bild: Ampere

Eine Führungsetage mit nahezu vollständigen Wurzeln bei Intel, dazu eine Adresse fast um die Ecke der alten Wirkungsstätte: Hinter der neuen Firma Ampere Computing steckt AppliedMicros ARM-Server-CPU, bei der sich viele Ex-Angestellte von Intel in einem Bereich versuchen, in dem sie zuvor nicht arbeiten konnten oder durften.

Ampere ist auf den ersten Blick ein unbekanntes Unternehmen, gegründet offiziell erst im Oktober 2017. Doch die Wurzeln gehen tiefer, auch das Know-How, was zum Teil dahinter steckt. Die Verbindung dazu ist unter anderem in Renee James zu suchen, die nun als CEO dem Unternehmen vorsteht. James war bis 2015 Präsidentin bei Intel, wechselte danach zur Carlyle Group. Die finanzstarke Carlyle Group übernahm im letzten Jahr die Compute-Sparte von Macom. Macom hatte 2016 AppliedMicro gekauft, die als einer von wenigen Anbietern ARM-Server-Prozessoren unter der Bezeichnung „X-Gene“ entwickelten. Hier schließt sich nun der Kreis zur neuen Firma Ampere, die jetzt aus den Ex-Büros von AppliedMicro sehr ähnliche respektive gleiche Produkte liefern wollen.

Aus AppliedMicro X-Gene 3 wird Ampere

Der neue Ampere-Prozessor mit 32 ARM-Kernen erinnert deshalb nicht ohne Grund an den Chip, der zuvor von AppliedMicro angestrebt wurde. Denn AppliedMicro hatte bereits im Jahr 2015 einen 32-Kern-ARM-Server-Prozessor enthüllt, der ab 2016 verfügbar sein sollte, jedoch stetig im Zeitplan weiter nach hinten rutschte.

Im technischen Detail zeigen sich zwischen dem neuen Ampere-Prozessor und dem X-Gene 3 viele weitere Übereinstimmungen, weshalb letztlich fast vom gleichen Produkt, nur unter neuem Namen, auszugehen ist. Die Details zum X-Gene 3 waren lange Zeit rar gesät (PDF), doch alle was bekannt ist, stimmt heute exakt überein. Denn nicht nur die Taktraten von rund 3,3 GHz, auch die zusätzlichen 32 MByte L3-Cache, 42 PCIe-Lanes sowie die Unterstützung von DDR4-2667-Speicher in Form von 16 DIMMs haben beide Produkte gemein – ebenso die TDP von 125 Watt. TSMC übernimmt, wie bereits bei AppliedMicro, die Fertigung des Produkts. Es soll sich aktuell in der Sampling-Phase befinden. Auch an einen 7-nm-Nachfolger wird bereits gedacht – doch auch den gab es bei AppliedMicro bereits.

Ampere 32-Kern-ARM-Chip
Ampere 32-Kern-ARM-Chip (Bild: Ampere)

Wie es um die Erfolgsaussichten bestellt ist, bleibt abzuwarten. Mit Qualcomm hat ein Schwergewicht den ARM-Servermarkt betreten, in dem nur noch Cavium mitmischt. Ampere hat nun den Reste des ehemaligen Mitstreiters eingesammelt und mit hochkarätigem Personal in der Führungsetage ergänzt. Neben der ehemaligen Chefin von Intel war auch Ampere-COO und CFO Chi Miller 25 Jahre bei Intel. Der Chef-Architekt Atiq Bajwa und Chef-Ingenieur Rohit Avinash Vidwans haben ihre Wurzeln ebenfalls im Server-Bereich bei Intel. Unterstützt werden sie dabei von Greg Favor, der als Senior Fellow in der x86-, ARM- und PowerPC-Welt unter anderem früher auch bei AMD zuhause war. Sie wollen nun viele der Ex-Angestellten von AppliedMicro bei Ampere auf den Weg zum Erfolg führen.