Studie: Jugendliche wollen Datenschutz ohne Mehrkosten

Michael Schäfer 60 Kommentare
Studie: Jugendliche wollen Datenschutz ohne Mehrkosten
Bild: natureaddict | CC0 1.0

Datenschutz ja, aber ohne zusätzliche Kosten. So lässt sich eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zusammenfassen. In dieser zeigt sich auch, dass junge Menschen in Deutschland durchaus ein Bewusstsein für die Sensibilität persönlicher Daten besitzen – verzichten auf soziale Netzwerke wollen sie dennoch nicht.

Datenschutz konträr zur Nutzung

So sieht die Studie eine deutliche Diskrepanz zwischen angegebener Datenschutzpräferenz und tatsächlichem Verhalten im Alltag. Zwar ist bei den befragten Jugendliche das Bewusstsein für die Brisanz von persönlichen Daten vorhanden, doch nach wie vor werden diese in großer Zahl preisgegeben und hinterlassen damit digitale Spuren in der Online-Welt. Zudem sorgt selbst eine kritische Einschätzung der Online-Dienste in der Befragung von 3.000 Schülerinnen und Schülern im Alter von 14 bis 21 Jahren nicht für eine geringere Nutzung. So bleibt diese Bevölkerungsgruppe weiterhin ein gefundenes Werbeziel für Unternehmen wie Google oder Facebook, welche ihre Einnahmen zu über 90 Prozent aus Werbung generieren.

Neun von zehn Jugendliche täglich online

Bei den Jugendlichen liegt dieses Verhalten vor allem in der Selbstverständlichkeit der Online-Dienste begründet. So sind 89 Prozent der 12- bis 19-Jährigen täglich online, 86 Prozent nutzen dabei soziale Netzwerke, wobei WhatsApp in der täglichen Nutzung die Nase mit 78 Prozent gegenüber Snapchat mit 54 Prozent deutlich vorne hat. Rund die Hälfte der Befragten nutzen zudem den Google-Video-Dienst YouTube. Überraschend war der stetige Rückgang von Facebook in der Gunst der Jugendlichen: Gerade einmal 17 Prozent der Befragten nutzen noch das Urgestein der sozialen Netzwerke. Twitter wird mit 13 Prozent ebenfalls auf den hinteren Rängen geführt. Zudem ergab die Studie, dass das die meisten Nutzer zwischen drei und vier Dienste parallel nutzen.

Kommunikationstools vorne

Interessant ist zudem, dass mit 38 Prozent der größte Anteil der Onlinenutzung auf den Bereich der Kommunikation entfällt, gefolgt von Unterhaltung (30 Prozent), Online-Spielen (20 Prozent) und die Nutzung informativer Inhalte (11 Prozent). Darüber hinaus wird auch ein Unterschied zwischen der Beliebtheit einzelner Dienste und der tatsächlichen Nutzung deutlich: So wird YouTube in der Studie mit fast zwei Drittel als beliebtestes Internetangebot genannt, gefolgt von WhatsApp mit 40 Prozent. Bei den Smartphone-Apps verteilt sich die Beliebtheit wieder anders: Hier gibt fast jeder neunte Nutzer WhatsApp als Favorit an, gefolgt von Instagram mit 39 Prozent, Snapchat mit 34 Prozent und YouTube mit 32 Prozent.

Mehrheit gegen Weitergabe von Daten

Die überwiegende Mehrheit sieht es dabei als sehr kritisch an, wenn die dabei anfallenden Daten von den Anbietern für Werbung oder andere Zwecke verwendet werden. Fast drei Viertel der befragten Schüler sind sogar generell dagegen, dass persönliche Daten von den Anbietern gespeichert und an Dritte weitergeleitet werden. Die Studie zeigt zudem, dass männliche Nutzer sich unkritischer gegenüber der Nutzung ihrer Daten zeigten als weibliche Nutzer. Gleiches gilt für Schüler eines Gymnasiums gegenüber Schülern von Schulformen mit niedrigeren Abschlüssen. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen Volljährigen (18 bis 20 Jahre) und Minderjährigen gibt es dagegen nicht.

Weiterhin sieht die Studie ein deutliches Ungleichgewicht zwischen der Preisgabe von persönlichen Informationen als Tauschwert zur Nutzung entsprechender Dienste auf der einen und der Bereitschaft Geld für die Sicherung der eigenen Privatsphäre auszugeben auf der anderen Seite. So verweigerten 55 Prozent der Schüler einen Geldbeitrag zur Sicherung des Datenschutzes. 16 Prozent wären noch bereit, bis zu fünf Euro monatlich für eine Verbesserung zu bezahlen, bei 30 Euro oder mehr liegt die Bereitschaft nur noch bei drei Prozent.

Nutzung trotz fehlendem Vertrauen

Dies stellt ein generelles Problem in Deutschland dar, denn laut einer Untersuchung des Bitkom aus dem Jahre 2015 verfallen rund 87 Prozent der Verbraucher dem „Privacy Paradox‟, in dem sie Online-Dienste nutzen, obwohl sie deren Datenschutz nicht vertrauen. Dabei geben zudem rund zwei Drittel der deutschen Internetnutzer mangelnde Informationen zum Eigenschutz von persönlichen Daten an. Dazu kommt, dass viele Nutzer dem „Netzwerkeffekt‟ unterliegen: Je mehr ein Dienst im näheren sozialen Umfeld genutzt wird, desto schneller sinkt die Hemmschwelle für die eigene Nutzung. So folgen laut einer Studie des „Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest“ (mpfs) aus dem Jahr 2018 82 Prozent der befragten Jugendlichen auf dem Dienst Instagram häufig Personen, welche sie persönlich kennen.

Zur Methodik

Zur Erhebung der Daten wurden 3.000 Jugendliche befragt, welche sich in 1.530 Mädchen und 1.470 Jungen aufteilten. 76 Prozent der Befragten sind Gymnasiasten, 11 Prozent kommen von berufsbildenden Schulen, 6 Prozent von Gesamtschulen. Der größte Anteil der Befragten kommt mit 30 Prozent aus Baden-Württemberg, die meisten der Befragten (40 Prozent) sind 17 Jahre alt.