AMD Athlon 200GE, 220GE, 240GE im Test: Drei Prozessoren, zwei Gewinner

Volker Rißka 147 Kommentare
AMD Athlon 200GE, 220GE, 240GE im Test: Drei Prozessoren, zwei Gewinner

tl;dr: Mit jetzt drei Athlon-Modellen hat AMD die Einsteigersparte für Prozessoren Anfang 2019 komplett im Griff. Athlon 200GE, 220GE und 240GE sind nicht nur günstiger als Intels Pentium, sondern falls gewünscht auch schneller. Die integrierte Grafik spielt in einer eigenen Liga. Als Bonus kann auch noch übertaktet werden.

Die Athlon-200-Familie im Technik-Check

Zum neuen Jahr sind AMDs kurz vor dem Jahreswechsel vorgestellte neue Athlon-CPUs verfügbar. Athlon 240GE und 220GE ergänzen das Portfolio im Einsteigerbereich mit Zen und Vega, das bisher nur aus dem Athlon 200GE (Test) bestand. Preislich ist der Unterschied minimal. Lohnt die schnellere CPU also überhaupt?

Technisch hat sich seit der Vorstellung der ersten APU dieser Klasse im September 2018 nichts geändert. Die drei Athlon 200 auf Basis von Raven Ridge mit Zen-Architektur und Vega-Grafikeinheit bilden den Einstieg der Desktop-Prozessoren für den Sockel AM4. Die Unterschiede zwischen den drei Modellen liegen beim Prozessortakt und daraus resultierend auch beim Preis. Alle weiteren Parameter sind identisch.

Preislich staffelt AMD die Prozessoren eng, der Handel belässt es dabei. Die beiden neuen, schnelleren Modelle liegen hierzulande sogar so dicht zusammen, dass dem 220GE schon fast komplett das Wasser abgegraben wird. Insofern bleibt es am Ende eigentlich nur noch ein Zweikampf: der Günstigste gegen den Schnellsten.

AMD Athlon „Raven Ridge“ im Desktop
Modell Kerne/
Threads
CPU-Takt/
Turbo
L2-
Cache
L3-
Cache
Grafik Shader max. GPU-Takt Speicher cTDP TDP Preis
(UVP/Handel)
Athlon 200GE 2/4 3,2/- GHz 1 MB 4 MB Vega3 192 1.000 MHz DDR4-2667 ? 35 W $ 55 / 49 Euro
Athlon 220GE 2/4 3,4/- GHz 1 MB 4 MB Vega3 192 1.000 MHz DDR4-2667 ? 35 W $ 65 / 60 Euro
Athlon 240GE 2/4 3,5/- GHz 1 MB 4 MB Vega3 192 1.000 MHz DDR4-2667 ? 35 W $ 75 / 63 Euro

Inoffizielles Overclocking funktioniert problemlos

Offiziell sind die Prozessoren auf einen Multiplikator festgelegt, doch die Architektur Raven Ridge ist dafür ausgelegt, komplett frei konfigurierbar zu sein. Und offensichtlich mit dem Segen von AMD lässt sich auch bei den Athlon-Modellen mit den aktuellen neuen BIOS-Versionen mit AGESA 1.0.0.6 der Multiplikator einstellen, wie es bei Ryzen 2000G direkt von AMD gewünscht ist. Warum, bleibt fraglich, denn das kleinste Modell kann aufgrund der bis auf den Takt ohnehin gleichen Ausstattung nun problemlos mehr Frequenz bieten als ein teureres Modell von Haus aus bereitstellt. Für den Bastler sind die größeren Athlon-Varianten damit fast überflüssig.

AMD Athlon 200GE bei 4 GHz
AMD Athlon 200GE bei 4 GHz

In den Benchmarks ist deshalb auch der Athlon 200GE mit 4 GHz Takt vertreten. Der Athlon 220GE macht stabil exakt den gleichen Takt mit, ohne die Spannung massiv zu erhöhen. Der Athlon 240GE ist ein klein wenig besser gebinnt und kommt auf 4,1 GHz. Doch wie üblich kann dies je nach Modell variieren, die 4-GHz-Marken ist die sicherere Messlatte.

AMD Athlon 240GE mit 4,1 GHz
AMD Athlon 240GE mit 4,1 GHz

Drei Athlon 200 vs. Intel Pentium G(old)

Als Grundlage fungiert auch für den Vergleich das bisher genutzte Prozessor-Testsystem. Dies bedeutet, dass alle Prozessoren strikt gemäß ihren Herstellervorgaben getestet werden. Beim Athlon ist dies unter anderem DDR4-2666 als Unterschied zu den bisherigen Raven Ridge, die mit DDR4-2933 umgehen dürfen. Die Timings bleiben mit CL14 aber identisch schnell.

Der Fokus des Vergleichs liegt auf dem Unterschied zwischen den drei AMD-Modellen. Parallel dazu ist aber auch der Mitbewerber in Form des Intel Pentium G(old) im Test zugegen.

Benchmarks

Aus der Vogelperspektive betrachtet leisten die kleinen CPUs ähnlich viel. Erst die Detail-Darstellung (mit Mouseover) zeigt die doch deutlichen Unterschiede zwischen den Vertretern. So liegt der Athlon 220GE exakt auf gleichem Niveau wie der Intel Pentium G5400, der Athlon 240GE wiederum noch vier Prozent darüber. Vier echte Kerne in Form des Ryzen 3 2200G sind aber immer noch meilenweit entfernt, 39 Prozent mehr Leistung gibt es dann. Ein wenig lässt sich diese Lücke durch das Overclocking schließen. Der Athlon 200GE bei 4 GHz liefert in Anwendungen satte 22 Prozent mehr Leistung als im Ursprungszustand.

Die integrierte Grafik vom Typ Vega 3 leistet auf den beiden neuen Modellen exakt das Gleiche wie beim bisher kleinsten Vertreter, was angesichts identischer Taktraten auch nicht verwundert. Die Stichprobe mit dem Flaggschiff Athlon 240GE bringt am Ende auch die gleichen Leistungen wie beim Athlon 200GE hervor. Der geringe Taktzuwachs im Bereich der CPU ist für Grafik-Anwendungen irrelevant.

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Leistungsrating integr. Grafik
Angaben in Prozent
    • AMD Ryzen 3 2200G (Vega8)
      100
    • AMD Athlon GE (Vega3)
      53
    • Intel Pentium G4560
      29

Leistungsaufnahme mit iGPU

Die drei Athlon-Modelle sind als APU in erster Linie für kleine PCs gedacht, in denen keine zusätzliche Grafikkarte verbaut wird. Dort zeigen sie auch ihre Stärke, denn die Leistungsaufnahme im Leerlauf beträgt selbst für ein komplettes System keine 20 Watt, auch unter maximaler Last ist sie niedrig. Die TDP-Einstufung von 35 Watt seitens AMD steht in dem Fall für die niemals erreichte maximale Leistungsaufnahme.

Leistungsaufnahme der AMD Athlon 2xxGE (komplettes System)
Modell Leerlauf 1-Kern-Last Volllast
AMD Athlon 200GE (3,2 GHz) 20 Watt 31 Watt 41 Watt
AMD Athlon 220GE (3,4 GHz) 19 Watt 33 Watt 44 Watt
AMD Athlon 240GE (3,5 GHz) 19 Watt 34 Watt 46 Watt
AMD Athlon 200GE @ 4 GHz 21 Watt 42 Watt 65 Watt
Intel Pentium G4560 17 Watt 31 Watt 41 Watt

Fazit und Empfehlung

Der Athlon ist der ideale Einsteigerprozessor, bei dem am Ende die alte Empfehlung auch die neue ist. Das günstigste Modell ist die beste Wahl, denn unter 50 Euro ist der Athlon 200GE konkurrenzlos. Da er von einem Bastler auch noch völlig problemlos übertaktet werden kann, gräbt er den beiden schnelleren Varianten das Wasser fast vollständig ab. Aber nur fast.

Drei Athlon GE im ComputerBase-Test
Drei Athlon GE im ComputerBase-Test

Den Athlon 220GE in der goldenen Mitte hätte es dabei in der Tat nicht gebraucht. 3 Euro und nur 100 MHz trennen ihn im Handel vom Athlon 240GE, womit der 220GE auf verlorenem Posten steht und immer der Griff zum 240GE erfolgen muss. Dieser wiederum kostet zwar 29 Prozent mehr als der Athlon 200GE, allerdings sind 29 Prozent auch nur 14 Euro. Spätestens wenn Mainboard, RAM und Massenspeicher zu einem System hinzugerechnet werden, verschwinden die 14 Euro im Hintergrundrauschen.

Der Athlon 240GE ist somit etwas für Käufer, die sich keine weiteren Gedanken machen wollen oder müssen, denn sie bekommen die schnellste CPU dieser Preisklasse direkt von AMD geliefert. Das Modell bietet den Pentium Gold bei der CPU-Leistung Paroli, die Grafikleistung ist im Vergleich zu den kleineren Intel-CPUs ohnehin von einer anderen Welt. Und dazu gibt es auch noch einen Preisvorteil, denn der Pentium Gold G5400 als aktuellste kleine Lösung kostet mindestens 30 Prozent mehr. Wer 14 Euro sparen will, greift zum Athlon 200GE und kann den bei Bedarf dann deutlich übertakten.

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