Asus ROG Phone im Test: Das bringt Smartphone-Gaming mit OC und Lüfter

Mahir Kulalic 114 Kommentare
Asus ROG Phone im Test: Das bringt Smartphone-Gaming mit OC und Lüfter

tl;dr: Das Asus ROG Phone soll das Gaming-Smartphone schlechthin sein. Zu diesem Zweck lässt sich die per Vapor Chamber gekühlte Qualcomm-CPU übertakten und ein aktiver Lüfter montieren. Im Vergleich mit iPhone XS Max und OnePlus 6T setzt sich Asus aber nicht mit Leistung, sondern mit einem durchdachten Gesamtkonzept ab.

OC und Lüfter für die Hosentasche

Mit dem ROG Phone zeigte Asus erstmals zur Computex des letzten Jahres nicht nur ein weiteres Flaggschiff, sondern ein explizit als Gaming-Smartphone beworbenes Topmodell. Was es von anderen, ähnlich ausgestatteten Smartphones unterscheidet, ist insbesondere die (optionale) Kühlung. Denn das ROG Phone soll auch nach längeren Gaming-Sessions eine hohe Leistung bieten ­­– mit einem vorselektierten Qualcomm Snapdragon 845 inklusive Übertaktung der CPU auf 2,96 statt 2,8 GHz. Für eine besonders effiziente Kühlung soll zum einen die Vapor-Chamber sorgen. Reicht das nicht aus, um die Leistung hochzuhalten, gibt es einen Lüfter im Lieferumfang.

Im TwinView-Dock
Im TwinView-Dock (Bild: Asus)

Vergleich mit anderen Topmodellen

Der Artikel betrachtet die Leistungsentwicklung in Spielen und Benchmarks in verschiedenen Szenarien: Mit und ohne Übertaktung, mit Lüfter und bei gemischter Nutzung dieser Funktionen. Den Benchmarks wurden ein Apple iPhone Xs Max (Test) sowie das OnePlus 6T (Test) hinzugezogen. Letzteres wurde auch im Alltag dem ROG Phone gegenübergestellt.

Testmethodik

Erhebungen im Benchmark und im Alltag

Um die Leistungsentwicklung nach längerer Belastung mit identischen Aufgaben zu überprüfen und zu vergleichen, hat ComputerBase alle drei Smartphones in zwei Benchmarks in jeweils zehn Durchläufen antreten lassen. Bei den Benchmarks handelt es sich um den „GFXBench Aztec Ruins 1440p High Offscreen“ unter Verwendung der APIs Vulkan (Android) und Metal (iOS) sowie den „Manhattan 3.1 Offscreen“ mit OpenGL ES 3.1 (Android) und erneut Metal (iOS). Diese beiden Varianten wurden ausgewählt, da sie unterschiedliche Belastungen hervorrufen und nicht nur unter Android, sondern auch unter iOS anzutreffen sind, was den Vergleich zum iPhone Xs Max ermöglicht.

Asus ROG Phone OnePlus 6T (8 GB/128 GB) Apple iPhone Xs Max
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.1 Android 9.0 iOS 12
Display: 6,00 Zoll
1.080 × 2.160, 402 ppi
AMOLED, HDR, Gorilla Glass 6
6,41 Zoll
1.080 × 2.340, 402 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 6
6,50 Zoll
1.242 × 2.688, 456 ppi
OLED, HDR
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Status-LED Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner Touch, 3D Touch, Gesichtsscanner
SoC: Qualcomm Snapdragon 845
4 × Kryo 385, 2,96 GHz
4 × Kryo 385, 1,80 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 845
4 × Kryo 385, 2,80 GHz
4 × Kryo 385, 1,80 GHz
10 nm, 64-Bit
Apple A12 Bionic
2 × Vortex, 2,49 GHz
4 × Tempest
7 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 630
710 MHz
Apple Quad-Core
RAM: 8.192 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4X
Speicher: 128 GB (+microSD) 128 GB 64 / 256 / 512 GB
Kamera: 12,0 MP, 2160p
LED, f/1,8, AF
16,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: 8,0 MP, f/2,2, OIS, AF 20,0 MP, f/1,7, AF 12,0 MP, f/2,4, OIS, AF
Tertiär-Kamera: Nein
Quartär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
16,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.200 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac/ad
Wi-Fi Direct, Miracast
802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0 LE 5.0
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, Galileo, QZSS
Weitere Standards: USB 3.0 Typ C, NFC USB 2.0 Typ C, NFC Lightning, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 4.000 mAh
fest verbaut
3.700 mAh
fest verbaut
3.174 mAh (12,08 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 76,2 × 158,8 × 8,65 mm 74,8 × 157,5 × 8,20 mm 77,4 × 157,5 × 7,70 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 200 g 185 g 208 g
Preis: 899 € ab 573 € ab 1.109 € / ab 1.300 € / ab 1.499 €

Bei Aztec Ruins handelt es sich um einen sehr anspruchsvollen Benchmark in 1440p-Auflösung, der auch modernen, leistungsstarken Smartphones wie den getesteten Modellen viel Leistung abverlangt, was sich in gestiegener Wärmeentwicklung zeigt. Aufgrund der hohen Belastung stellt Aztec Ruins, je nach Spielauswahl, das obere Ende der potenziellen Ansprüche an ein Smartphone dar. Somit ermöglicht die Benchmark-Schleife einen Eindruck des Leistungsvermögens unter konstant sehr hoher Last, die über die durchschnittliche Alltagsnutzung hinausgeht. Der Manhattan-Benchmark entspricht hingegen gängiger Belastung in einer Vielzahl aktuell beliebter Spiele, die in Sachen Grafikleistung gute, aber nicht High-End-Smartphones voraussetzen.

Game-Center-App für Übertaktung, AirTrigger, Beleuchtung und Co
Game-Center-App für Übertaktung, AirTrigger, Beleuchtung und Co

Das ROG Phone lässt sich auf Knopfdruck übertakten

Das Asus ROG Phone bietet eine via Android aktivierbare Übertaktung des Qualcomm Snapdragon 845 auf bis zu 2,96 anstelle der üblichen 2,8 GHz. Während diese in der Theorie für mehr Leistung sorgen soll, ist eine Vapor-Chamber für die Kühlung zuständig. Dem Lieferumfang legt Asus zudem einen Lüfter bei, der über einen proprietären Anschluss am Smartphone befestigt wird. Dieser verteilt Luft über seitwärts gerichtete Öffnungen über die Rückseite des Smartphones. Vorgesehen ist er für die Nutzung im Querformat, die beiden Enden des Gerätes sollen dann gekühlt werden – genau der Bereich, an dem das ROG Phone im Querformat festgehalten wird.

Die Intensität des Lüfters lässt sich automatisch oder manuell steuern. Während der Nutzung des Lüfters setzt Asus auf einer der langen Seiten des ROG Phone auf einen weiteren USB-Typ-C-Anschluss, um das Smartphone komfortabel in dieser Haltung laden zu können, sowie einen proprietären Port für den Lüfter. Wird das Zubehör angeschlossen, sind über den Lüfter der USB Typ C zum Laden und eine 3,5-mm-Klinkenbuchse zugänglich.

In acht Konstellationen getestet

Darüber hinaus verfügt das ROG Phone über ein AMOLED-Display mit optionalen 90 Hz Bildwiederholfrequenz. Zum Vergleich: Razer Phone und Razer Phone 2 arbeiten wahlweise mit bis zu 120 Hz. Um zu überprüfen, ob die Auswahl von 60 oder 90 Hz Einfluss auf Leistungs- oder Wärmeentwicklung hat, wurden alle Tests sowohl mit standardmäßiger als auch höherer Frequenz durchgeführt. Insgesamt ergeben sich daraus für das ROG Phone die folgenden acht Testszenarien:

  • Asus ROG Phone bei 60 Hz
  • Asus ROG Phone mit Lüfter bei 60 Hz
  • Asus ROG Phone mit OC bei 60 Hz
  • Asus ROG Phone mit OC und Lüfter bei 60 Hz
  • Asus ROG Phone bei 90 Hz
  • Asus ROG Phone mit Lüfter bei 90 Hz
  • Asus ROG Phone mit OC bei 90 Hz
  • Asus ROG Phone mit OC und Lüfter bei 90 Hz

Die Vergleichsgeräte iPhone Xs Max und OnePlus 6T wurden mit Werkseinstellungen getestet, da diese nicht über vergleichbare Funktionen verfügen. Das OnePlus 6T wurde nicht nur in Benchmarks dem ROG Phone gegenübergestellt, sondern auch in Alltagstests beim Spielen. Beide Smartphones setzen auf Android und das gleiche SoC (wenngleich das ROG Phone übertaktbar ist) und sind im vorliegenden Fall des OnePlus 6T auch beim Arbeitsspeicher mit 8 GB LPDDR4X identisch ausgestattet. Um festzustellen, welche Wirkung der Kühler auf die Temperaturentwicklung hat, wurde zudem eine Flir One Pro für Wärmebildaufnahmen hinzugezogen. Als Spiele wurden primär Real Racing 3, Asphalt 9 Legends und PUBG Mobile getestet.

Messwerte

Im Direktvergleich der drei Smartphones ist das iPhone Xs Max das einzige, das über die gesamte Testdauer sichtbar an FPS verliert, wenngleich die Ergebnisse trotzdem eine Demonstration der Leistungsfähigkeit des A12 Bionic sind. Das OnePlus 6T verliert im Manhattan-Benchmark nach den ersten Durchläufen ein Bild pro Sekunde, bleibt aber mit 60 FPS erwartbar schnell und zudem auch konstant. Das Asus ROG Phone hält in jeder möglichen Konstellation und bei beiden Benchmarks dauerhaft seine FPS. Das Gerät überzeugt und zeigt die grundsätzlich gelungene Umsetzung. Allerdings ist mit Übertaktung keinerlei spürbarer Gewinn zu vermelden. Selbst wenn OC aktiviert, der Lüfter angebracht und das Display auf 60 Hz gestellt wird, ändert das nichts am Ergebnis, das ohne Zubehör und OC identisch ausfällt. In ein CPU-Limit läuft der Snapdragon 845 nie, was die theoretische Mehrleistung des Overclockings egalisiert.

Asus ROG Phone
Asus ROG Phone (Bild: Asus)

OnePlus 6T mit gleicher Leistung und Konstanz

Darüber hinaus fallen die Messungen mit veränderten Parametern nicht besser aus als beim OnePlus 6T. Dieses verfügt wie eingangs erwähnt über einen mit 8 GB identischen Arbeitsspeicher und das gleiche SoC. Sowohl im Alltagstest als auch in synthetischen Messungen überzeugte das OnePlus 6T bereits zum Release durch sein hohes Tempo und seine flotte Bedienung. Diese Charakteristiken überträgt das Smartphone erfolgreich auf die GPU-Leistung, die ebenso konstant wie beim ROG Phone ist. Dass das OnePlus 6T ohne potentiell 160 MHz mehr CPU-Takt die gleiche Leistungsfähigkeit besitzt, verwundert nicht. Viel mehr spricht für das Modell – und so zumindest latent gegen die viel beworbene Kühlung des ROG Phone –, dass das 6T ohne aktiven Lüfter und ohne Vapor-Chamber in gleicher Abfolge der Tests die gleiche Leistung liefert. Und zwar ebenfalls dauerhaft und nicht nur zu Beginn der Messung.

Wärmeentwicklung ist beim ROG Phone spürbar

Erklären lassen sich diese Ergebnisse unter anderem damit, dass das OnePlus 6T bei spürbarer Wärmeentwicklung nicht den Snapdragon 845 drosseln muss. Doch die Hitzeentwicklung macht auch vor dem ROG Phone nicht Halt. Beide Smartphones erwärmen sich deutlich, nach vielen Durchläufen mit hohem Leistungsanspruch ist das Handling teilweise unangenehm. Immerhin: Wirklich heiß werden beide Modelle nicht. Im Direktvergleich schafft es das ROG Phone, insbesondere mit Kühler, in den meisten Szenarieren ein bis vier Grad Celsius unter dem Wert des OnePlus 6T zu bleiben.

Die per Wärmebildkamera gemessene Maximaltemperatur des ROG Phone lag im Test bei ca. 45 Grad Celsius, die des OnePlus 6T bei rund 47 Grad Celsius. Die größte Hitzeentwicklung ist beim ROG Phone am Plastikbauteil auf der Rückseite auf Höhe des zweiten Anschlusses auszumachen. Bis auf dieses Bauteil besteht die Rückseite des ROG Phone wie beim OnePlus 6T aus Glas, das die Wärme vergleichsweise gleichmäßig, aber auch spürbar abführt.

Lüfter sorgt für kühle Finger

Zwar ist die Wärmeentwicklung bei beiden Modellen nicht in großem Maße unterschiedlich, obwohl das ROG Phone auf eine Vapor-Chamber und einen optionalen Lüfter setzt. Doch genau dieser macht über längere Sessions den Unterschied aus. Die kühle Luft wird zu den Seiten des Moduls ausgelassen und verteilt sich genau in Richtung der Finger auf der Rückseite. Selbst wenn die Rückseite als solche nicht direkt oder maßgeblich in ihrer Hitzeentwicklung beeinflusst wird – der Vorteil liegt in der Regel bei nicht mehr als zwei Grad Celsius –, so werden immerhin die Finger des Spielers konstant mit kühler Luft versorgt. Das gleicht die Wärme der Glasrückseite aus und gestaltet das Festhalten bei langen Partien deutlich angenehmer.

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