Adblocker in Chrome: Google geht im API-Konflikt auf Entwickler zu

Michael Schäfer 99 Kommentare
Adblocker in Chrome: Google geht im API-Konflikt auf Entwickler zu
Bild: geralt | CC0 1.0

Nachdem Google Ende Januar in einem Entwurf für das 3. Regelwerk für Chromium angedeutet hatte, die Schnittstelle zu deaktivieren, die auch von Adblockern verwendet wird, war die Aufregung groß. Jetzt hat Google die Hintergründe erklärt, die Bereitschaft zu Eingeständnissen angedeutet und bereits erste Anpassungen vorgenommen.

webRequest ist unsicher und langsam

Bisher greifen Erweiterungen zur Unterdrückung von Werbung bei Browsern auf Basis von Chromium auf die webRequest-API zurück, über die nicht nur die Anzeige, sondern schon das Laden von Werbung unterbunden werden kann. Im Manifest V3 für Chromium hatte Google jetzt erklärt, zukünftig sollte die declarativeNetRequest-API diese Aufgabe übernehmen, Extensions dann aber nicht mehr dynamisch dazu in der Lage sein, Elemente von Webseiten laden oder eben nicht laden zu lassen. Das hätte jedoch auch das Aus für die bisherigen Adblocker bedeutet.

Der Schritt wurde von Google unter anderem mit Sicherheitsbedenken erklärt, da über die bisherige Schnittstelle nicht nur Werbung ausgeblendet, sondern eine Webseite auch manipuliert werden kann. Ferner soll sich der Zugriff der Erweiterung negativ auf die Leistung von Chrome auswirken: Die bisherige Vorgehensweise verursacht kurze Pausen, da jeder Aufruf einer Webseite an die Extension gesendet wird und von dieser erst verarbeitet werden muss. Somit kann die Seite erst weiter geladen werden, wenn Chrome eine Rückmeldung der Erweiterung erhalten hat. Die Änderungen sollen also auch Verbesserungen in der Performance nach sich ziehen und den Browser weniger ausbremsen.

Diesen Aspekt sahen die Entwickler erwartungsgemäß anders. Ihrer Meinung nach liegt der Verzögerung mit unter 0,05 Millisekunden im kaum wahrnehmbaren Bereich und dürfte auf die Leistung von Chrome somit kaum Auswirkungen besitzen.

Harsche Kritik und Klageandrohung

Schlecht kam die Bekanntgabe bei Nutzern an, von denen einige umgehend ihren Abschied von der Browser-Plattform androhten. Raymond Hill vom Adblocker uBlock Origin war einer der ersten Entwickler, der seinen Unmut über das Vorhaben von Google äußerte. Die Entwickler von Ghostery drohten sogar mit einer Kartellklage. Vorwurf: Google möchte Adblocker in Chrome unterbinden, um selbst mehr Werbung verkaufen zu können.

Google lenkt ein und passt an

Google ist nun einen Schritt auf die Entwickler zugegangen, um zusammen eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Gleichzeitig versucht der Konzern die Gemüter zu beruhigen: Erstens sei das Manifest V3 noch nicht fertig und zweitens sei es nie Ziel des Konzerns gewesen, das Blockieren von Inhalten zu unterbinden. Gleichzeitig macht Google aber weiterhin unmissverständlich klar, dass es alleine aus Gründen der Sicherheit Änderungen geben muss.

Google stellt klar, dass webRequest nicht vollständig verschwinden und die declarativeNetRequest-API eine dynamische Komponente erhalten wird, Regeln zum Umgang mit dem Inhalt also nicht streng im Vorfeld festgelegt worden sein müssen. Ferner soll die Dateiobergrenze für das dafür genutzte Regelwerk nicht auf 30 Kilobyte begrenzt werden, auch wenn es weiterhin eine Obergrenze geben wird. Denn wie Google kritisiert, werden Filterlisten zwar ständig erweitert, nicht mehr gültige Filtereinträge würden aber bis zu 90 Prozent der Einträge ausmachen und die API damit nur unnütze ausbremsen.