Mortal Kombat 11: Arbeitsbedingungen und Balancing in der Kritik

Max Doll 96 Kommentare
Mortal Kombat 11: Arbeitsbedingungen und Balancing in der Kritik
Bild: Warner Bros

Entwickler NetherRealm steht derzeit aus zwei Gründen in der Kritik: Spieler werfen dem Studio vor, das Gameplay auf den Ingame-Shop abgestimmt zu haben. Gleichzeitig tauchen Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen auf, die (ehemalige) Angestellte ans Licht der Öffentlichkeit bringen.

Vorwurf: Hoher Schwierigkeitsgrad als Verkaufshelfer

Grund für den Vorwurf, den Absatz von Mikrotransaktionen durch das Spieldesign übermäßig fördern zu wollen, ist der „Towers of Time“-Spielmodus, in dem Spieler mit verschiedenen, zeitlich begrenzt verfügbaren Herausforderungen konfrontiert werden. Diese waren und sind jedoch schwer bis in den Bereich des Unfairen und bringen vergleichsweise geringe Belohnungen ein, was zum Verdacht führte, die Entwickler wollten Spielern den Kauf von Boostern nahe legen. Darüber hinaus muss für das Freischalten von Skins teils sehr lange gespielt werden. Auch dies ist normalerweise ein Mittel, um den Kauf von Gegenständen zu befördern.

Diese Mutmaßung, die für gehörige Empörung sorgte, liegt aufgrund gegenwärtiger Entwicklungen zwar nahe, ließ sich aber nicht auf ein solides Fundament stellen. NetherRealm erläuterte zwischenzeitlich, dass sich nur eine kleine Anzahl Skins und keine Art von Booster im Spiel kaufen ließe. Die Mehrheit an Skins muss hingegen verdient werden. Dem Vorwurf, Spieler zum Kauf von Dingen ermutigen zu wollen, widersprach das Studio auf Grundlage dieser Fakten.

NetherRealm räumte dabei Probleme mit dem Balancing ein und kündigte an, die Towers of Time sowie die Belohnungen überarbeiten zu wollen. Ein erster Patch wurde bereits veröffentlicht, der die Schwierigkeit senkt. Mit einem weiteren Patch in der kommenden Woche sollen weitere Anpassungen folgen und die Belohnungen in Spielwährung erhöht werden. Zusätzlich erhält jeder Spieler Beträge der verschiedenen Währungen, um den Einstieg in den Modus zu erleichtern.

Arbeitsbedingungen: Crunch ist Pflicht

Wie zuletzt Epic Games, Riot Games, Rockstar und BioWare wird NetherRealm parallel mit dem Vorwurf schlechter Arbeitsbedingungen konfrontiert, der auf einen umfangreichen Bericht von PC Gamer zurückgeht. Die Seite stützt sich dabei auf ehemalige Angestellte, allerdings solche, die teils unter ihrem echten Namen sprechen und auf die sonst übliche, weil nötige Anonymität verzichten.

Der Entwickler James Longstreet berichtete über Twitter von der Entwicklung von Mortal Kombat 9, bei der Crunch zunächst geübt und anschließend durchgeführt worden sei. Die exzessiven Überstunden seien, schreibt Longstreet, nicht einmal „freiwillig“ erfolgt, sondern schon im Zeitplan vorgesehen gewesen. Den Crunch mit täglichen Arbeitszeiten von 12 Stunden bis 14 Stunden und einer Sieben-Tage-Woche hätte das Studio schlicht angeordnet. Früher gegangen seien nur die Chefs. Die Arbeitsbedingungen bestätigte auch Isaac Torres gegenüber der Seite, der bei NetherRealm in der Qualitätssicherung gearbeitet hat. Er habe vier Monate lang regelmäßig 90 Stunden bis 100 Stunden pro Woche gearbeitet. Manche Mitarbeiter hätten deshalb aufgrund ihrer Arbeitswege gleich in den Büroräumen gelebt.

Diese Zustände haben auch bei der Entwicklung von Mortal Kombat 10 und Injustice 2 geherrscht, schreibt Concept Artist Beck Hallstedt. Insbesondere für externe Dienstleister und Praktikanten hätten schlechte Arbeitsbedingungen geherrscht. Die Entlohnung liege knapp über Mindestlohn, Frauen würden schlechter als Männer bezahlt, gearbeitet würde in überfüllten Räumen, Crunch würde mit dem Versprechen, vielleicht eingestellt zu werden sowie dem zusätzlichen, aufgrund der schlechten Bezahlung benötigten Geld motiviert. Diese Schilderungen werden von Rebecca Rothschild bestätigt; ähnliches berichteten PC Gamer weitere ehemalige Angestellte, die jedoch anonym bleiben wollten. NetherRealm selbst hat sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert.