US-Handelskrieg: Huawei-Verträge mit vielen Hardware-Herstellern auf Eis

Volker Rißka 591 Kommentare
US-Handelskrieg: Huawei-Verträge mit vielen Hardware-Herstellern auf Eis
Bild: Huawei

Nach dem Paukenschlag in der Nacht zum Montag seitens Google, Huaweis Smartphones nicht mehr wie bisher mit Android-Software zu versorgen, wird die Liste länger und länger. Denn auch Intel und Qualcomm sowie Xilinx, Infineon, Micron, WD und Broadcom sollen die Zusammenarbeit mit Huawei auf Eis gelegt haben.

Lieferungen von CPUs und SoCs eingestellt

Nach der Software für Smartphone würde mit Qualcomm ein großer Zulieferer für die SoCs sowie die Modems wegfallen. Zwar bietet Huawei diverse Smartphones mit eigener Chip-Technik an, doch nicht überall kommt der Konzern bisher an Qualcomms Lösungen vorbei.

Für Huaweis stetig stark wachsende Server-Sparte kommt die ebenfalls genannte Einstellung der Lieferung von Intel-Prozessoren sowie weiterer Technik zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt. Zuletzt konnte Huaweis Serversparte um 46 Prozent wachsen, hinter Dell EMC und HPE liegt Huawei auf dem dritten Platz mit knapp 2 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Quartal in dem Bereich.

Dabei wäre aber nicht nur Huawei ein Verlierer. Der Lieferstopp dürfte sich am Ende auch in Intels Quartalsbericht bemerkbar machen, schließlich kämpft Intel in diesem Jahr ohnehin bereits gegen einen prognostizierten Rückgang.

Huawei könnte sich nun noch stärker auf die ARM-Architektur konzentrieren, sofern diese nicht auch mit einem Ban belegt wird. Basierend auf ARM64 hatte Huawei zu Beginn dieses Jahres mit dem Kunpeng 920 einen 64-Kern-Prozessor vorgestellt, der ohnehin nur in eigenen Lösungen eingesetzt werden sollte.

Die Liste wird länger und länger

Die Zusammenarbeit mit Huawei wird auch von weiteren Firmen vorerst eingestellt. Der Nachrichtendienst Bloomberg nennt unter anderem Xilinx und Broadcom, von Nikkei Asian Review kommt ein Report, dass auch Infineon alle aktuellen Lieferungen unterbinden wird. Infineon widersprach dem Bericht laut tagesschau.de jedoch. Darüber hinaus werden erstmals auch Micron und Western Digital genannt. Micron bestätigte das Ende mit einem ähnlichen Statement wie Google zuvor:

As a U.S. based company with a global footprint, Micron respects and complies with all laws and regulations in the U.S. and other countries where we operate.

Micron

Im Rahmen des Handelskrieges zwischen den USA und China hatte das amerikanische Handelsministerium am Freitag angekündigt, dass US-Firmen, die Technologie an Huawei verkaufen oder transferieren, dafür künftig eine Lizenz benötigten. Ob überhaupt und wenn ja wie schnell diese erteilt werden kann und wann die Zusammenarbeit zwischen Huawei und allen Partnern wieder anlaufen könnte, ist bisher völlig offen.

Update 21.05.2019 09:42 Uhr

Die USA haben für den befristeten Zeitraum von 90 Tagen die Handelsbeschränkungen etwas gelockert, schreibt Reuters am Dienstagmorgen. Der Aufschub gilt nur für bestehende Produkte, nicht aber neue, für die weiterhin eine Lizenz fällig wird. Damit soll vorerst sichergestellt werden, dass beispielsweise Smartphones und Ausrüstung weiterhin funktionsfähig sind und unerwünschte Nebenwirkungen ausbleiben, bis eine finale Lösung im Streit in Sicht ist. Die Frist könnte deshalb in bestimmten Fällen auch über 90 Tage hinaus verlängert werden.

Update 22.05.2019 11:49 Uhr

Mit Microsoft hat ein weiteres US-Unternehmen Konsequenzen aus dem Vorgehen der US-Regierung gezogen. Der Konzern bietet Huaweis Notebooks der MateBook-Serie ab sofort nicht mehr im eigenen Online-Shop an. Über Google sind die Produktseiten zwar noch zu finden, die Links führen allerdings ins Leere.

Microsoft hat die MateBooks aus dem Programm genommen
Microsoft hat die MateBooks aus dem Programm genommen

Gegenüber dem US-Magazin The Verge wollte sich Microsoft auch auf wiederholte Nachfrage weder zu diesem Thema noch zur Frage, ob das Unternehmen Huawei die Verwendung von Windows untersagen wird beziehungsweise untersagen werden muss, äußern.

ARM soll Zusammenarbeit aufkündigen

Noch viel schwerer würde allerdings wiegen, worüber die BBC berichtet: Demzufolge hätte ARM Limited, Rechteinhaber und Lizenzgeber der ARM-Architektur, Mitarbeiter aufgefordert, ab sofort nicht mehr mit Huawei zu kooperieren. Nicht nur der Zugriff auf SoCs von Qualcomm mit ARM-Technologie, sondern auch die Entwicklung und Fertigung eigener SoCs mit ARM-Architektur könnte Huawei damit in Zukunft verwehrt bleiben. ARM Limited hat seinen Hauptsitz nicht in den USA, sondern in Großbritannien.