Im Test vor 15 Jahren: Intels Sockel 775 mit PCIe & DDR2 für CPUs ohne Pins

Robert McHardy 173 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Intels Sockel 775 mit PCIe & DDR2 für CPUs ohne Pins

tl;dr: Mit dem Sockel 775 (Test) hielten bei Intel viele neue Technologien Einzug. Darunter befanden sich DDR2, PCI Express sowie neue Chipsätze. Eine neue Prozessorarchitektur gab es zum Start der Plattform nicht, aber viele der Neuerungen des Sockels sind noch heute Standard.

Sockel 775 lebt noch heute fort

Mit dem neuen Sockel 775 wechselte Intel auf ein „Land Grid Array“ (LGA), statt auf ein „Pin Grid Array“ (PGA) zu setzen – die Prozessoren hatten nun Kontaktflächen anstelle von Kontaktpins. Die mit dem Sockel 775 eingeführten Chipsätze i925X und i915(P/G/GV) unterstützten zudem den neuen DDR2-Standard, der höhere Bandbreiten versprach. Da der Speichercontroller nicht im Prozessor, sondern auf dem Mainboard saß, kamen die i915-Chipsätze auch noch mit dem älteren DDR-Arbeitsspeicher zurecht.

Auch dem AGP- und PCI-Steckplatz bereitete Intel mit dem Sockel 775 ein Ende. Stattdessen fanden sich auf den Platinen PCI-Express-Steckplätze. Für Grafikkarten stand (wie 15 Jahre später immer noch) ein PCI-Express-x16-Slot und für Peripherie vier PCI-Express-x1-Steckplätze bereit. Auch bei den Netzteilen änderte sich etwas. Statt des alten ATX-1.x-Standards verlangte der Sockel 775 nach ATX 2.2. Dieser Standard bedingte einen 24-poligen Stecker für das Mainboard statt des bisherigen 20-poligen. Die so zusätzlich spezifizierten 75 Watt sollten der Grafikkarte über den PCI-Express-Steckplatz zugeführt werden, weitere 75 Watt über einen neuen 6-poligen Stecker.

Bezüglich des neuen Speichers zeigte sich in den Benchmarks nur ein geringer Vorteil. DDR2 konnte seine Stärken erst bei deutlich höheren Taktraten ausspielen, insbesondere da die Latenzen gegenüber dem älteren DDR-Speicher höher waren. Auch die noch nicht ausgereiften BIOS-Versionen der Sockel-775-Mainboards spielten hier eine Rolle.

Bezüglich des Leistungsunterschieds zwischen AGP und PCI Express zeigte sich ein ähnliches Bild. Über alle getesteten Spiele hinweg ergab sich nahezu kein Unterschied zwischen einer GeForce 6800 GT mit AGP und einer mit PCI Express.

Spiele-Rating
Einheit: Prozent
    • nVidia GeForce 6800 GT (PEG)
      99,7
    • nVidia GeForce 6800 GT (AGP)
      99,5
    • ATi Radeon X600 XT (PEG)
      79,1
    • ATi Radeon 9600 XT (AGP)
      0,0

Und auch zwischen den neuen LGA-775-Chipsätzen i925X und i915G sowie dem alten i875P mit Sockel 478 zeigten sich hinsichtlich der Prozessorleistung keine Unterschiede, solange dieser mit der gleichen Taktrate arbeitete. Das lag auch daran, dass die CPUs mit Ausnahme des neuen Sockels im Kern unangetastet blieben.

Als Fazit ließ sich am Ende des Tests ein ähnliches wie bei AMDs Sockel 939 (Im Test vor 15 Jahren) ziehen: Sockel 775 war für die Zukunft. Die Anschaffung einer neuen Plattform mit Sockel 775 ergab im Juni 2004 hingegen für wenige Käufer Sinn. In den folgenden Jahren sollte Intel jedoch unzählige neue Prozessoren inklusive der ersten echten Quad-Core-CPUs des Herstellers vorstellen. Und auch der DDR3-Standard hielt einige Jahre später auf LGA775 Einzug.

Die Liste der heute noch aktuellen Neuerungen, die Sockel 775 und dessen Chipsätze boten, ist lang: Neben PCI Express, wenn auch demnächst in vierter Generation bei Ryzen 3000, ist bei LGA-CPUs (Intel Core, AMD Ryzen Threadripper) auch der 24-Pol-ATX-Anschluss noch immer in Desktop-Computern vorzufinden.

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