AMD Ryzen 3000 im Test: Benchmarks in Apps und Games

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Volker Rißka et al. 6.630 Kommentare

Ab sofort trennt ComputerBase Multi-Core-Apps respektive Benchmarks von denen, die nur einen Kern belasten. Beide wesentlichen Eigenschaften einer CPU werden damit sichtbarer.

Benchmarks in Multi-Core-Apps

Moderne Anwendungen sind auf viele Kerne optimiert, schon Ryzen 1000 war in dieser Disziplin stark aufgestellt. Mit erstmals bis zu zwölf Kernen inklusive den Zen-2-Optimierungen kann Ryzen 3000 hier erneut auftrumpfen. Nicht nur beim vorläufigen Topmodell ist der Zuwachs beachtlich. Durch die gesteigerte IPC und zusätzlich mehr Takt ist der Fortschritt auch in den Klassen darunter beachtlich: In der 65-Watt-Klasse sind es vom Ryzen 7 2700 auf den Ryzen 7 3700X 35 Prozent. Und beim neuen AMD Ryzen 5 3600 glänzt die Erkenntnis, dass sechs Zen-2-Kerne das Flaggschiff der Ryzen 1000 mit acht Zen-Kernen von vor nicht einmal zwei Jahren schlagen.

Darüber rangiert der neue 12-Kern-Prozessor Ryzen 9 3900X. Mit 43 Prozent mehr Leistung als der Acht-Kerner Ryzen 7 3700X skalieren die modernen Anwendungen fast linear. Gegenüber dem 12-Kern-Threadripper des vergangenen Jahres legt die CPU damit immer noch um 22 Prozent zu und zieht am 16-Kern-Prozessor Threadripper 2950X vorbei.

Intels Prozessoren haben angesichts dieser Thread-Übermacht, gepart mit der jetzt konkurrenzfähigen IPC, in der Mittelklasse kaum mehr eine Chance. Acht Kerne von Intel sind nur in Form des Flaggschiffs Core i9-9900K auf Augenhöhe angesiedelt, die Core i5 verlieren das Duell gegen Ryzen 5 deutlich, da sie keine SMT-Unterstützung bieten.

Benchmarks in Single-Core-Apps

In Single-Core-Tests zählen keine Kerne, sondern Takt und Leistung pro Takt. Die Ergebnisse offenbaren, dass AMDs Zen-2-Architektur eine höhere IPC als Intels Skylake-Generation (inklusive Kaby Lake, Coffee Lake) bietet, nur der extrem hohe Takt von 5,0 GHz der schnellsten Intel-CPU Core i9-9900K rettet den Marktführer noch an die Spitze: Die CPU von Intel bietet mit 5,0 zu 4,6 GHz maximalem Ein-Kern-Turbo-Takt zwar neun Prozent mehr Takt, liegt im Schnitt aber nur vier Prozent in Front.

Und die berühmten Ausnahmen (Cinebench R20) bestätigen bereits die Regel und das Ergebnis war im Test reproduzierbar. Der 16-Kerner Ryzen 9 3950X, der noch einmal 100 MHz oder zwei Prozent mehr Takt beim Single-Core-Turbo drauflegen wird, wird Intel noch näher kommen.

Benchmarks mit Fokus auf AVX

Zen 2 hat nicht nur in „Standardsoftware“ aufgeholt, sondern auch bei der Nutzung der AVX-Zusatzinstruktionen zugelegt. Der Fließkommabereich bietet als große Neuerung nun die doppelte Bandbreite, was den modernen AVX2-Instruktionen zugute kommt. Bei der bisherigen Architektur mussten zwei 128-Bit-Leitungen zu einem AVX-256 zusammengeschaltet werden, nun erledigt den Auftrag eine Pipeline allein. Effektiv verdoppelt sich dadurch die Leistung.

Das zeigt sich auch direkt im Benchmark: Die vollständige Unterstützung von AVX2 bringt einen massiven Leistungszuwachs im Vergleich zum Vorgänger, die Modelle mit acht und zwölf Kernen rangieren nun fast auf Threadripper-Niveau, die mit doppelter oder gar dreifacher Anzahl an Kernen/Threads unterwegs sind. Nur Intels Core-X-Serie, die als einzige CPU-Serie im Desktop bisher auch AVX-512 unterstützt, liegt noch minimal vorn.

Benchmarks in Games (FHD & UHD)

ComputerBase hat die CPUs im Test in neun aktuellen Spielen sowohl in Full HD als auch in Ultra HD getestet. Unter Verwendung einer Asus GeForce RTX 2080 Ti wird das GPU-Limit in 1080p extrem angehoben, sodass Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der CPUs sichtbar werden. Die Benchmarks in Ultra HD vermitteln auf der anderen Seite einen Eindruck davon, wie sich CPUs schlagen, wenn die GPU die bremsende Komponente ist. So werden hoffentlich beide (durchaus kontrovers diskutierten) Ansichten zum Thema im Test abgebildet.

Spiele und Einstellungen für Benchmarks in Full HD und UHD
Titel Detailstufe Benchmark-Typ
Anno 1800 Ultra hoch, DX12 Kampagne, Savegame (65.000 Einwohner)
Assassin's Creed Odyssey Extrem hoch Kampagne, Savegame
Battlefield V Ultra, DX12, DXR aus Kampagne, Savegame
F1 2018 Ultra angepasster integrierter Benchmark
Far Cry New Dawn Ultra Kampagne, Savegame
Kingdom Come: Deliverance Ultra hoch Kampagne, Savegame
Metro Exodus Extreme, DX12, DXR aus Kampagne, Savegame
Resident Evil 2 Hoch, DX12 Szenario „No Time to Mourn“
Shadow of the Tomb Raider Ultra hoch, DX12 Kampagne, Savegame

Full-HD-Benchmarks in Spielen

Im CPU-Limit konnte Intel bis inklusive Ryzen 2000 unbestritten in Führung bleiben, die ersten beiden Ryzen-Generation hatten mit weniger Takt und geringerer IPC keine Chance. Doch mit Ryzen 3000 ist Schluss damit: Das Mehr an IPC, in einigen Spielen auch getrieben vom enormen L3-Cache, zuzüglich des gesteigerten Taktes bringt die bisher heile Intel-Welt in Teilen ins Wanken.

Insbesondere der verdoppelte L3-Cache ist eine der gewichtigsten Änderungen für den Bereich Spiele, AMD spricht vom „GameCache“. In internen Tests hat sich gezeigt, dass dieser bis zu 16 Prozent mehr Leistung ausmachen kann, nach wie vor aber stark vom Titel abhängig ist. Gepaart mit den weiteren Verbesserungen bei Zen 2 und dem höheren Takt sind die teilweise extremen Leistungssprünge von über 20 Prozent im Vergleich zu Ryzen 2000 damit allerdings erklärt.

Am Ende können die beiden Flaggschiffe aus Intels Coffee-Lake-Generation zwar erneut einen Vorsprung über die Linie retten und bleiben die schnellsten CPUs für Spieler. Elf Prozent Leistungsvorteil bei den FPS und sechs Prozent bei den Frametimes sind aber nur noch ein Schatten dessen, was noch bei Ryzen 2000 zwischen den beiden Kontrahenten stand. Und in einigen Titeln zeigt sich: Zen 2 liegt manchmal sogar vorne.

Ultra-HD-Benchmarks in Spielen

Wird die Auflösung auf das heute gängige Maximum UHD geschraubt, verschwimmt das Bild zunehmend, die CPUs rücken in den Hintergrund. In diesen Regionen ist fast nur die beste Grafikkarte wichtig, jede moderne CPU leistet ihren nahezu gleichen Betrag. Und dennoch: Lag hier bisher geschlossen Grün hinter Blau, liegen die schwarz markierten Ryzen 3000 jetzt erstmals inmitten der Konkurrenz von Intel.

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