Mechanische Tastatur: Bei der Keystone stellt die KI den Signalpunkt ein

Max Doll 95 Kommentare
Mechanische Tastatur: Bei der Keystone stellt die KI den Signalpunkt ein
Bild: Input Club

Auf Kickstarter sucht eine mechanische Tastatur nach Geld, die ihre analogen Taster mit Hilfe künstlicher Intelligenz programmieren kann. Die KI analysiert hierbei das Tippverhalten des Benutzers und passt die Signalpunkte der Taster entsprechend an.

Um den Signalpunkt überhaupt modifizieren zu können, muss die Keystone „analoge“ Taster einsetzen. Die verwendeten Modelle mit der Bezeichnung Silo machen sich dafür wie SteelSeries' OnmniPoint-Taster den Hall-Effekt zu Nutze. Darüber kann in 200 Stufen bestimmt werden, wie tief der Taster eingedrückt wurde – gemessen wird also nicht mehr nur, ob ein Schwellwert erreicht wurde. Darüber hinaus ist es möglich, das Übertragen eines Signals an einen bestimmten von vielen Werten zu koppeln, anstatt nur eine einzige Möglichkeit zur Auslösung zu haben.

Von solchen „Gaspedal“-Tastern versprechen sich Unternehmen die nächste Revolution im Peripheriemarkt. Nicht nur kann der Anwender wählen, wie schnell ein Taster auslöst, er kann zusätzlich bestimmen, ob in mehreren Stufen verschiedene Signale übertragen werden. Der Anbieter der Tastatur, das Startup Input Club, nennt hier die Option, einen halben Tastendruck als Kleinbuchstaben, das Drücken bis zum Anschlag hingegen als Großbuchstaben zu deuten. Die Möglichkeit, 200 unterschiedliche Stufen beim Eindrücken zu erfassen, könne außerdem in Kreativanwendungen, etwa beim Bearbeiten von Bildern oder Videos genutzt werden, um beispielsweise Zeitachsen quasi stufenlos zu skalieren.

Weil der Sensor zur Erfassung der Eingaben direkt auf dem PCB sitzt, wird im Gehäuse der Taster kein mechanischer Kontakt mehr benötigt, der mit Leitungen verlötet werden muss. Das gibt analogen Tastern eine weitere Eigenschaft: Sie sind on-the-fly austauschbar. Angeboten werden von Input Club lineare, hörbar klickende und taktile Taster. Letztere, Beam genannte Abstimmungsvariante, soll sich an Beam-Spring-Tastern aus den 1970er-Jahren orientieren. Dabei drückt der Stempel auf ein dünnes Blech, um taktiles Feedback zu erzeugen. Im Gegensatz zu anderen Lösungen sollen die Silo-Taster zudem den gesamten Hubweg erfassen können, was allerdings nur die letzten und ersten Zehntelmillimeter als zusätzliche Rasterstufen bringt.

Tastatur mit KI

Beim Nutzen der mit diesen Tastern angebotenen Tastaturen kann optional eine KI unterstützen. Ihre Aufgabe ist es, den Signalpunkt jedes Tasters einzeln anhand des Nutzerverhaltens einzustellen. Weniger tief eingedrückte Tasten lässt sie früher, andere später auslösen. Laut Anbieter soll so eine auf den Nutzer ausgerichtete Abstimmung entstehen, die sich jedem einzelnen Finger anpasst. So soll verhindert werden, dass eine Taste versehentlich nicht ausgelöst wird.

Erhältlich sind die Taster in einer Keystone (deutsch: Grundpfeiler) genannten Tastatur, die mit und ohne Nummernblock und aktuell ausschließlich im US-ANSI-Layout mit kleiner Enter-Taste angeboten wird. Zusatztasten für Medienfunktionen sind bei beiden Modellen vorhanden und entweder oberhalb des Nummernfeldes vorgesehen oder ersetzen Funktionstasten. Mit Hilfe einer Open-Source-Soft- und Firmware programmierbare Tasten und RGB-LEDs gehören ebenso zur Ausstattung wie ein USB-Anschluss mit Type-C-Stecker. Optional können außerdem Tastenkappen aus robusterem PBT-Kunststoff mit einer Wandstärke von 1,5 Millimetern erworben werden; üblich sind nicht mehr als 1 Millimeter. Das Mehr an Material wirkt sich üblicherweise auf die Geräuschkulisse aus.

US-Layout ab 149 US-Dollar

Finanziert wird der Bau der Keystone über Kickstarter. Das Finanzierungsziel der Kampagne von rund 31.000 Euro ist mit derzeit 115.000 Euro bei 29 Tagen Restlaufzeit bereits weit übertroffen worden. Unterstützer erhalten die Keystone TKL ab einem Beitrag von 149 US-Dollar, die Standardtastatur wird ab 179 US-Dollar angeboten. Verfügbar sind außerdem Bundles mit zusätzlichen Taster-Sets zum Auswechseln sowie PBT-Tastenkappen. Zum Kaufpreis müssen 30 US-Dollar Versandkosten sowie Importgebühren in Höhe von 19 Prozent gerechnet werden.