Im Test vor 15 Jahren: Cooler Masters Stacker im gescheiterten BTX-Standard

Robert McHardy 97 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Cooler Masters Stacker im gescheiterten BTX-Standard

tl;dr: Nachdem Intel auf dem IDF 2003 den Balanced-Technology-Extended-Standard (BTX) als angedachten ATX-Nachfolger vorgestellt hatte, testete ComputerBase im August 2004 mit dem Cooler Master Stacker (Test) eines der ersten Gehäuse dieser Art.

Steigende Abwärme verlangte nach Änderungen

Motivation hinter dem BTX-Standard war, dass seit der Einführung von ATX im Jahr 1996 viele Komponenten mehr Energie aufnahmen und damit mehr Abwärme abgaben. Aufgrund der dadurch auftretenden Probleme entwickelte Intel mit BTX einen neuen Standard, der Gehäuse in Zonen aufteilte und über einen optimierten Luftstrom verfügte. Unter anderem wurde die Kühlung des Prozessors über einen 120-mm-Lüfter, der an der Gehäuseseite montiert war, und einen Luftkanal direkt zur CPU umgesetzt.

Das Stacker als ATX-BTX-Hybrid

Das Cooler Master Stacker war eines der ersten Gehäuse, das den neuen BTX-Standard implementierte, dabei aber trotzdem ATX-fähig blieb. Mit Abmessungen von 536 × 227 × 584 mm (H × B × T) und einem Gewicht von etwa 14 kg handelte es sich dabei um ein ausgewachsenes Tower-Gehäuse. Dafür bot es Platz für sieben 5,25-Zoll- sowie ein externes und drei interne 3,5-Zoll-Laufwerke. Neben den drei bereits vorinstallierten Lüftern, zwei 120-mm-Modelle und eine 80-mm-Ausführung, konnten vier weitere eingebaut werden. Das Portkit auf der Vorderseite bestand aus sechs USB-2.0-Ports, einem FireWire-Anschluss sowie Audio-Schnittstellen. Kurios: Hinter dem im Durchmesser 30 cm messenden Staubgitter auf der linken Seitenwand konnte nur ein 80-mm-Lüfter verbaut werden.

Aufgrund der BTX-Unterstützung des Gehäuses konnte das Netzteil an zwei verschiedenen Positionen – oben und unten – verbaut werden. Die ungenutzte Stelle wurde auf Wunsch für zwei 80-mm-Lüfter verwendet. Die vielen Schrauben auf der Rückseite des Gehäuses wurden ebenfalls durch die BTX-Kompatibilität erklärt: Da das Mainboard beim BTX-Standard auf der linken Seite verbaut wird, musste das Stacker nahezu vollständig zerlegbar sein.

Der Laufwerkskäfig nahm etwa ein Drittel des Platzes innerhalb des Gehäuses ein. Darin befand sich ein weiterer Käfig für bis zu vier 3,5-Zoll-Laufwerke, der zudem von einem 120-mm-Lüfter mit Frischluft versorgt wurde. Eine weitere Besonderheit des Towers war, dass optional ein 34 cm messender Radiallüfter montiert werden konnte, der das gesamte Mainboard mit kühler Luft, die durch die rechte Seitenwand angesaugt wurde, versorgen sollte.

In den Messungen schnitt das Cooler Master Stacker in Sachen Lautstärke durchschnittlich ab. Die Kühlleistung konnte dafür umso mehr überzeugen. Besonders interessant war, dass die Temperaturen im „BTX-Modus“ – also wenn das Gehäuse auf BTX umgebaut wurde – bedeutend niedriger waren. Die Grundidee des Formats ging also auf.

Ein gescheiterter Standard

Der interessanteste Teil des Gehäuses – die echte BTX-Fähigkeit – konnte im Test hingegen gar nicht untersucht werden, da noch keine entsprechenden Mainboards verfügbar waren. Aus heutiger Sicht war das bezeichnend für den im Jahr 2007 final gescheiterten Standard. Aufgrund geringer Marktverbreitung und -adaption blieb BTX die Ablösung des älteren ATX-Standard verwehrt. Insbesondere die Verbreitung effizienterer Hardware machte den Formfaktor obsolet. Intel selbst wechselte schlussendlich von der Immer-mehr-Takt-Strategie mit dem Pentium 4 – und damit einem höheren Energieverbrauch – zu effizienteren Mikroarchitekturen. Und selbst im Jahr 2019 herrscht ATX – in diversen Formen – weiterhin vor, während BTX bei vielen Nutzern längst in Vergessenheit geraten ist.

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