Radeon RX 5700 XT Red Devil im Test: WQHD-Benchmarks, Lautstärke, sonstige Messungen und Fazit

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Wolfgang Andermahr 563 Kommentare

Benchmarks in 2.560 × 1.440

Mit dem werkseitigen OC-BIOS arbeitet die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil 4 Prozent schneller als das Referenzdesign. Damit muss sich die Grafikkarte um knapp 1 Prozent der Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC „geschlagen geben“, obwohl beide Grafikkarten die identische GPU-Power von 225 Watt haben. Das PowerColor-Modell liegt damit 7 Prozent hinter einer GeForce RTX 2070 Super, während die „Budget-Customs“ der Navi-Generation um 3 bis 5 Prozent geschlagen werden.

Mit dem Silent-BIOS sinkt die maximale GPU-Power deutlich auf 185 Watt und die Frames per Second fallen um 4 Prozent niedriger aus. Wie für die restlichen Partnerkarten reicht es dann auch für den roten Teufel nicht aus, um mit AMDs Referenzdesign trotz identischer GPU-Power gleichzuziehen. Die Standardkarte ist ein knappes Prozent schneller.

In den einzelnen Spielen zeigt sich, dass die Differenz zwischen dem OC- und dem Silent-BIOS je nach Titel zwischen 4 und 6 Prozent beträgt. Das ist davon abhängig, wie viel Energie die Grafikkarte für die benutzte 3D-Engine benötigt.

Lautstärke & Kühlung

Das OC-BIOS ist auf eine hohe Performance sowie niedrige Temperaturen optimiert, was der Lautstärke der PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil nicht zugutekommt. Mit 42,5 Dezibel ist die Grafikkarte zwar leiser als das Referenzdesign, der „Lautstärke-Paarflug“ mit der Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC bedeutet schlussendlich aber dennoch ein Produkt, das beim Spielen ordentlich Aufmerksamkeit auf sich zieht. Allerdings kann die Radeon RX 5700 XT Red Devil auch beinahe flüsterleise sein.

Mit dem Quiet-BIOS verwandelt sich die Grafikkarte und lässt die Lüfter nicht mehr mit 2.000, sondern mit 1.370 Umdrehungen in der Minute agieren. Mit nur noch 34 Dezibel fällt die Radeon RX 5700 XT Red Devil beim Spielen dann kaum noch auf – man muss schon ziemlich genau hinhören, um den 3D-Beschleuniger auszumachen. Der Messwert ist noch mal 2 Dezibel niedriger als bei der Radeon RX 5700 XT Strix OC mit dem Quiet-BIOS, während die Referenz- und die restlichen bisher getesteten Custom-Modelle der Navi-Generation deutlich lauter sind. Die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil kann mit dem Silent-BIOS problemlos in einem Silent-PC eingesetzt werden. Vergleichbar leise Grafikkarten gibt es in dieser Leistungsklasse nur wenige, von AMD bis jetzt gar keine.

Blick auf das PCB mit demontiertem Kühlsystem
Blick auf das PCB mit demontiertem Kühlsystem

Messungen zur Temperatur

Die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil ist eine kühle Grafikkarte. Mit dem Werks-BIOS erhitzt sich die Navi-10-GPU beim Spielen nur auf 72 °C. Damit bleibt der 3D-Beschleuniger kühler als alle anderen Vertreter der Radeon RX 5700 XT bei zugleich besserer Performance. Die Junction-Temperatur liegt bei PowerColor maximal bei 96 °C, der „Speichersensor“ – der Recherchen von Igor's Lab zufolge aber nicht den richtigen Wert oder diesen zumindest nicht korrekt meldet – zeigt 80 °C. Auch das sind Rekordwerte für ein Navi-10-XT-Produkt. Das relativiert die im Vergleich zur Asus Strix OC identische Laustärke, denn die GPU der Konkurrenz wird wärmer.

Mit dem Silent-BIOS bleiben die Temperaturen ebenfalls niedrig. Die GPU erreicht dann mit 77 °C einen 5 °C höheren Wert. Die Junction-Temperatur liegt mit 94 °C gar 2 °C kühler, während der Speichersensor mit 88 °C ein Plus von 8 °C meldet. Auch mit dem Silent-BIOS sind die Temperaturwerte damit immer noch gut.

Die Junction-Temperatur der Navi-Grafikkarten
Radeon RX 5700 XT GPU-Junction
AMD Radeon RX 5700 XT Referenzkarte 103 °C
Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC (Performance-BIOS) 100 °C
Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC (Quiet-BIOS) 105 °C
PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil (OC-BIOS) 96 °C
PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil (Silent-BIOS) 94 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse (Standard-BIOS) 95 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse (Alternativ-BIOS) 92 °C
XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 88 °C
Radeon RX 5700
AMD Radeon RX 5700 Referenzkarte 89 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Standard-BIOS) 81 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Alternativ-BIOS) 81 °C

Messung der Leistungsaufnahme

Beim Spielen benötigt die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil durchschnittlich 251 Watt. Das sind 41 Watt mehr als beim Referenzdesign und 16 Watt weniger als bei der Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC. Mit dem Silent-BIOS reduziert sich der Energiehunger um 48 Watt auf 203 Watt. Das sind 7 Watt weniger als bei der Referenzkarte, was mit den minimal niedrigeren Taktraten konform geht. Die Grafikkarte arbeitet dann in derselben Region wie die anderen Konstellationen mit einer GPU-Power von 185 Watt, die auf 201 und 207 Watt kommen.

Das Performance-pro-Watt-Verhältnis leidet mit dem OC-BIOS an der höheren Leistungsaufnahme und der nur leicht besseren Performance. AMDs Referenzdesign liefert 16 Prozent mehr FPS pro Watt. Mit dem Silent-BIOS ändert sich die Situation: Die PowerColor-Grafikkarte arbeitet jetzt plötzlich 3 Prozent effizienter. Der Effizienzunterschied zwischen den zwei BIOS-Versionen beträgt auf der Radeon RX 5700 XT Red Devil 18 Prozent.

Auf dem Windows-Desktop benötigt die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil mit 17 Watt vergleichsweise viel Energie. Das Referenzdesign gibt sich mit 8 Watt weniger zufrieden. Die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC kommt auf dieselben 17 Watt. Das zeigt, dass eine auf Overclocking optimierte Stromversorgung Nachteile für den Idle-Verbrauch mit sich bringt.

Übertaktungspotenzial gibt es erneut kaum

Die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil lässt sich kaum übertakten. Die GPU erlaubt nur ein Plus von 30 MHz, bei einer weiteren Erhöhung stürzte das Testmuster sofort ab. Die Takt-Spannungs-Kurve zeigt im WattMan standardmäßig 2.069 MHz bei 1,198 Volt an. Maximal sind 2.150 MHz (+81 MHz) bei derselben Spannung möglich. Der Speicher lässt sich um die gewöhnlichen 600 MHz auf 7.600 MHz problemlos übertakten.

Dass die Performance in Spielen dann doch um immerhin 4 bis 5 Prozent mit dem OC-BIOS ansteigt, liegt primär an dem höheren Powerlimit. Die Navi-10-GPU arbeitet in Spielen dann durchweg mit etwa 2.010 bis 2.030 MHz. Der Kühler hat mit der höheren Leistungsaufnahme keine großen Probleme. Die Temperaturen steigen nur leicht an, dasselbe gilt für die Geräuschentwicklung.

Fazit

Die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil ist keine perfekte Grafikkarte, aber durchaus eine sehr gute, wenn das Silent-BIOS genutzt wird. Dann liefert das PowerColor-Modell die Geschwindigkeit von AMDs Referenzkarte, verrichtet in Spielen die Arbeit aber sehr leise. Die Radeon RX 5700 XT Red Devil ist in diesem Fall auch leiser als die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC mit dem Quiet-BIOS, sodass die Grafikkarte aktuell die leiseste bisher vorgestellte Navi-Custom-Karte ist, die sich ohne Einschränkungen für einen Silent-PC eignet. Weil sie trotzdem besser kühlt, ist sogar noch Potential für weitere manuelle Verbesserungen oder heiße Sommertage vorhanden.

Wer mehr Leistung haben möchte, kann das werkseitige aktive OC-BIOS nutzen. Dann gibt es 4 Prozent mehr FPS als beim Referenzdesign. Die Laustärke ist dann so hoch wie bei der noch einen Hauch schnelleren Strix OC, die Temperaturen bleiben aber niedriger. Für die meisten Käufer wird das OC-BIOS aber zu laut sein, zumal die Vorteile primär messtechnischer Natur sind – wenn Custom-Navi-10-Design-Tests bisher eins gezeigt haben, dann dass die GPU sich selbst mit hohem Mehrverbrauch kaum relevant übertakten lässt. Der verbaute Kühler reicht bei der Red Devil allerdings aus, um einen Mittelweg mit einer angepassten Lüftersteuerung zu finden. Wer gerne selber etwas bastelt, kann das OC-BIOS daher problemlos leiser bekommen.

RGB-Premiere und eine „falsche“ Slotblende

Neben dem neuen Kühler gibt es für PowerColor bei der Radeon RX 5700 XT Red Devil mit der RGB-Beleuchtung ein „erstes Mal“. Diese kommt zwar nicht an die Qualität von Gigabytes Aorus-Lösung heran, wer auf Licht an der Grafikkarte steht, erhält aber dennoch eine ordentliche Variante. Wirkliche Schwachstellen hat die Grafikkarte während des Testens nicht gezeigt. Potentiell ärgerlich ist höchstens der auf dem Kopf stehende Red-Devil-Schriftzug auf der Slotblende. Das sollte einem erfahrenen Grafikkarten-Hersteller eigentlich nicht passieren.

PowerColor liefert mit der Radeon RX 5700 XT Red Devil trotzdem das bisher rundeste Gesamtpaket aller getesteten Custom-Modelle ab. Vor allem mit dem Silent-BIOS weiß die Grafikkarte zu gefallen. Ebenso positiv hervorzuheben ist der angesetzte Preis von 449 Euro, der in Anbetracht der bisher genannten Preise anderer Mitbewerber erstaunlich niedrig ist. Den Aufpreis von 50 Euro gegenüber dem Referenzdesign ist die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil absolut wert, Sapphire verlangt so viel für die deutlich schlechtere Pulse. Und Asus will aller Voraussicht nach mehr als 100 Euro mehr für die Strix OC. Zunächst wird es von der Red Devil allerdings nur die 10 Euro teurere Limited Edition geben, sie sollte aber nur wenige Tage verfügbar sein.

Ein starker Anwärter auf den Titel „beste Radeon RX 5700 XT“

Mit den gezeigten Leistungen ist die Radeon RX 5700 XT Red Devil ein starker Anwärter auf den Titel „bestes Custom-Design der Radeon RX 5700 XT“. Potenziell besser könnte – realistisch betrachtet – einzig die noch nicht angekündigte Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ werden. Das entsprechende Duell PowerColor gegen Sapphire wird ComputerBase so schnell wie möglich ausfechten lassen. Ein Muster von Sapphire liegt der Redaktion aber noch nicht vor. Nach dem Test vier verschiedener Partnerkarten ist das Thema Navi-Custom aber so oder so noch nicht abgeschlossen.

Custom Designs: Asus Strix OC, PowerColor Red Devil, XFX THICC2 und Sapphire Pulse
Custom Designs: Asus Strix OC, PowerColor Red Devil, XFX THICC2 und Sapphire Pulse

Nicht mehr in den Test geschafft hat es ganz konkret die kleinere Variante der Red Devil von PowerColor, da sie zwei Tage beim deutschen Zoll festhing.

Hing im Zoll fest: der rote Teufel ohne XT
Hing im Zoll fest: der rote Teufel ohne XT

ComputerBase hat die Radeon RX 5700 XT Red Devil von PowerColor zum Testen erhalten. Die Grafikkarte wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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