Mobilfunkausbau: Netzbetreiber halten 4G-Verpflichtung nicht ein

Andreas Frischholz 156 Kommentare
Mobilfunkausbau: Netzbetreiber halten 4G-Verpflichtung nicht ein
Bild: Rob Dammers | CC BY 2.0

Eine neue Mobilfunk-Strategie, Abkommen mit den Netzbetreibern sowie ein Mobilfunk-Pakt zwischen den Anbietern – viel wurde in den letzten Wochen versprochen, um die Funkloch-Misere in Deutschland zu lösen. Der Status Quo bleibt derweil ernüchternd. Die 4G-Ausbauziele verpassen die Netzbetreiber, berichtet der Spiegel.

Grundlage für diese Aussage sind Messungen der Bundesnetzagentur in Bayern, die in diesem Sommer erfolgten. Problematisch ist demnach vor allem die Netzabdeckung an ICE-Strecken und Bundesautobahnen. Eine der Auflagen bei der LTE-Auktion im Jahr 2015 war, dass die Netzbetreiber diese bis Ende 2019 versorgen sollen, schaffen werden sie das aber voraussichtlich nicht mehr.

Telefónica besonders in der Kritik

Als besonders große Lücken werden dabei die Lücken im Netz der O2-Mutter Telefónica bezeichnet. In den untersuchten Gebieten soll der Anbieter nochmals deutlich hinter den Konkurrenten wie der Deutschen Telekom liegen.

Das entspricht den bis dato bekannten Zahlen. So zeigt eine Studie der Beratungsagentur P3, die Ende 2018 im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erstellt wurde, dass Telefónica mit einer LTE-Abdeckung von 46,8 Prozent den letzten Platz unter den Netzbetreibern belegt. Vodafone schaffte Ende 2018 rund 57 Prozent, die Telekom lag bei 75 Prozent (PDF).

P3-Studie: Stand 4G Ausbau Ende 2018
P3-Studie: Stand 4G Ausbau Ende 2018 (Bild: Grünen-Bundestagsfraktion)

Nichtsdestotrotz liegen alle deutschen Netzbetreiber im internationalen Vergleich weit hinten. Was auch die Zahlen von weiteren Institutionen wie Open Signal bestätigen.

Bis dato nur geringe Strafen

Selbst wenn die Netzbetreiber die Auflagen nicht einhalten, drohen bis dato aber nur geringe Strafen in Höhe von bis zu 100.000 Euro. Das soll sich laut dem Spiegel-Bericht aber ändern. Geplant ist eine Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG), die Geldbußen von einer Million Euro bis zu zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vorsieht.

Erkenntlich werden angesichts der verpassten Auflagen beim LTE-Ausbau die Risiken bei den aktuellen Strategien: Versprochen werden Ausbauziele in der Zukunft. Ob die erreicht werden, lässt sich aktuell nur schwer abschätzen. Interessant wird daher, inwieweit die einzelnen Maßnahmen wie erleichterte Genehmigungsverfahren greifen, um den Ausbau zu beschleunigen.