Atompalm Hydrogen: 48-Gramm-Maus will mit 8.000 Hertz überzeugen

Update 2 Fabian Vecellio del Monego
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Atompalm Hydrogen: 48-Gramm-Maus will mit 8.000 Hertz überzeugen
Bild: Atompalm

Mit der Hydrogen will das amerikanische Startup Atompalm hochwertige japanische Omron-Taster und eine ab Werk konfigurierbare Polling-Rate von 8.000 Hertz praxistauglich machen. Anderweitig bietet die für den Herbst angekündigte Maus ein geringes Gewicht, High-End-Sensorik und eine kompakte Konfigurations­software.

Ein weniger exotischer Exot

Vor knapp einem Jahr testete ComputerBase mit der M1K von Zaunkoenig eine exotische Ultraleicht-Maus, die mit Karbongehäuse und japanischen Omron-Schalter an die Grenzen des technisch Machbaren, aber ohne Mausrad und Zusatztasten auch an die Grenzen des praktisch Nutzbaren ging. Dementsprechend waren die Reaktionen auf das kompakte Eingabegerät aus Handfertigung oftmals von Skepsis gezeichnet. Atompalm versucht nun mit der Hydrogen an dieser Stelle anzusetzen.

Schon optisch erinnert die erste Maus deutlich stärker an bekanntere Low-Weight-Gaming-Mäuse wie beispielsweise Glorious' Model O (Test) oder Cooler Masters MM710 (Test): Ein gelochter Rücken hilft, das Gewicht auf 45 Gramm zu senken, zwischen den Primärtastern findet sich ein Mausrad aus eloxiertem Aluminium und linksseitig finden sich zwei Zusatztasten. Bei besagten Primärtastern setzt die Hydrogen auf die gleichen Omron D2F-01F wie die eingangs erwähnte M1K – dementsprechend wirbt Atompalm mit einer absolut minimalen Latenz und Langlebigkeit. Das Besondere an den in Japan gefertigten Mikroschaltern ist, dass sie im Vergleich zu den gängigen China-Versionen über vergoldete Kontakte verfügen und eben derer drei zur Verfügung stehen, sodass auch eine Doppelklick-Problematik mechanisch ausgeschlossen wird.

Mehr als 1.000 Hertz sind oftmals problematisch

Als Sensor kommt mit PixArts PMW-3360 die High-End-Referenz zum Einsatz. Interessant wird es bei der USB-Abfragerate: Ab Werk soll die Hydrogen nativ mit einer Frequenz von 8.000 Hertz arbeiten, die in der Theorie einer Latenz von 125 μs entsprechen. Zaunkoenigs M1K bot diese Option auch, bedurfte dafür allerdings einer manuellen Übertaktung des Speichercontrollers. Es bleibt die Frage, wie genau Atompalm die hohe Abfragerate umsetzt. Der Hersteller verweist darauf, dass mindestens ein USB-2.0-Anschluss benötigt wird, doch auch das schließt eine halbgare Frankenstein-Lösung, wie sie Corsair vor kurzem in der Dark Core RGB Pro (Test) darbot, nicht vollends aus.

Laut Atompalm soll die Hydrogen im Herbst 2020 verfügbar werden. Über Preis und Versand liegen derzeit noch keine Informationen vor.

Atompalm Hydrogen
Ergonomie: Symmetrisch (Rechtshändig)
Sensor: PixArt PMW-3360
Optisch
Auflösung: 100–12.000 CPI
Geschwindigkeit: 6,3 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 8.000 Hz
Primärtaster: Omron D2F-01F
Anzahl Tasten: 5
Oberseite: 3
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
Software: 7 Profile
Beleuchtung: Profil-Indikator
Gehäuse: 124 × 65 × 40 mm
Hartplastik, Metall
Gleitfüße: PTFE (rein)
Gewicht: 48 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 2,00 m
Preis: 99 $
Update

Nicht nur aus dem geplanten Marktstart im Herbst 2020 wurde nichts, auch im Jahr 2021 ließ die Hydrogen auf sich warten. Gleiches galt für das erste Halbjahr 2022, nun jedoch verkündet Atompalm: Die Maus ist fertig entwickelt und befindet sich in Produktion. Ab dem 9. September soll das rund 47,5 Gramm wiegende Leichtgewicht zur unverbindlichen Preisempfehlung von 99 US-Dollar erhältlich sein, allerdings zumindest vorerst lediglich in Nordamerika. Bereits im November 2021 gab das Startup zu verstehen, dass ein Vertrieb in Europa aufgrund hierzulande geltender Regularien zunächst zu kostspielig sei.

Atompalm Hydrogen
Atompalm Hydrogen (Bild: Atompalm)

Das ursprüngliche Alleinstellungsmerkmal, eine USB-Abfragerate von 8.000 Hertz zu bieten, ist ein solches aber ohnehin nicht mehr. Razer kam Atompalm bereits Anfang 2021 mit der ersten nativen 8.000-Hertz-Maus, der Viper 8KHz (Test), zuvor – und diese ist im Preisvergleich inzwischen ab rund 60 Euro gelistet. Nachfolgend brachten unter anderem auch EVGA, Corsair und Zaunkoenig 8.000-Hertz-Mäuse heraus. Kabellos sind mit Razers HyperPolling Wireless Dongle inzwischen native 4.000 Hertz möglich.

Update

Ein halbes Jahr später ist die Hydrogen ausverkauft. Nun gibt AtomPalm bekannt, an einer zweiten Iteration der leichtgewichtigen 8.000-Hertz-Maus zu arbeiten, der Hydrogen 2. Ein konkretes Zeitfenster gibt es aber vorerst nicht; noch sei das Eingabegerät nicht in Produktion. AtomPalm umreißt allerdings bereits die zu erwartenden Spezifikationen. Demnach soll die Hydrogen 2 nun für die Seitentasten auf Mikroschalter vom Typ Kailh GM 8.0 setzen und gehe überdies mit einem überarbeiteten Mechanismus für die japanischen Omron-Primärtasten und das Aluminium-Mausrad einher. Außerdem soll es neue Mausfüße geben.

Ob die Hydrogen 2 diesmal auch den europäischen Markt erreichen wird, ist offen.