Grafikkarten aus China: Innosilicon zeigt vier Modelle mit Fantasy-One-GPU(s)

Update Michael Günsch
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Grafikkarten aus China: Innosilicon zeigt vier Modelle mit Fantasy-One-GPU(s)
Bild: Innosilicon (via MyDrivers)

Der chinesische Halbleiter-Entwickler Innosilicon hat seinen ersten „4K-fähigen“ Grafikprozessor namens „Fantasy 1“ vorgestellt. Die GPU soll in verschiedenen Varianten auf Desktop- und Server-Grafikkarten für den Heimatmarkt eingesetzt werden. Die eigentliche Technik stammt von Imagination Technologies.

Ein Hinweis vorab: Die Informationen stammen von einer Veranstaltung in Asien über die lokale Medien wie MyDrivers und IT Home in ihrer Sprache berichtet haben. Die maschinelle Übersetzung liefert jeweils nur ein grobes Bild, birgt aber die Gefahr von Übersetzungsfehlern; Details sollten daher mit Vorsicht genossen werden. Die Informationen hat VideoCardz in englischer Sprache aufbereitet.

Während Innosilicon selbst eher für Krypto-Miner und Controller-Technik für diverse Speicher- und Schnittstellenlösungen bekannt ist, ist die Fantasy-One-GPU mit Technik von Imagination Technologies (früher VideoLogic) entwickelt worden. Imagination-GPUs der PowerVR-Familie finden heute vor allem in Smartphones Verwendung. Die Wurzeln von PowerVR liegen aber im Desktop-Bereich mit der PowerVR PCX 1 und später der ST-Kyro-Serie.

Im Falle der Kooperation mit Innosilicon kommt die letztes Jahr angekündigte B-Serie von Imagination zum Einsatz.

Fantasy One einzeln und im Doppelpack

Die Fantasy-One-GPU soll eine Rechenleistung von 5 TFLOPS bei FP32 sowie 160 Gigapixel/s erreichen. 25 TOPS sind es bei AI-Berechnungen (INT8). An das vergleichsweise schmale 128-Bit-Speicherinterface sollen bis zu 16 GB GDDR6(X)-Speicher mit 19 Gbit/s angebunden werden, was in einer Speicherbandbreite von 304 GB/s resultiert.

Die als A-Variante beschriebene Grafikkarte auf Basis des Fantasy 1 soll PCIe 4.0 x16 nutzen und Videoausgänge vom Typ DisplayPort 1.4, HDMI 2.1 und VGA unterstützen. Die typische Leistungsaufnahme soll bei lediglich 20 Watt liegen.

Fantasy 1 (A) Fantasy 1 (B) GeForce GTX 1660 Radeon RX 5500 XT
GPUs 1 2 1 1
FP32 5 TFLOPS 2 × 5 TFLOPS 5,3 TFLOPS 5,2 TFLOPS
INT8 25 TFLOPS 2 × 25 TFLOPS ? ?
Pixelfüllrate 160 GPix/s 2 × 160 GPix/s 91 GPix/s 45 GPix/s
Speicher 16 GB GDDR6(X) 19 Gb/s 2 × 16 GB GDDR6(X) ? 6 GB GDDR5 8 Gb/s 8 GB GDDR6 14 Gb/s
Interface 128 Bit 2 × 128 Bit 192 Bit 128 Bit
Speicherbandbreite 304 GB/s ? 192 GB/s 224 GB/s
Leistungsaufnahme 20 W (typisch) 50 W (typisch) 120 W (maximal) 130 W (maximal)

In der B-Variante für Desktop und Server sollen zwei GPUs im Multi-Chip-Verfahren zum Einsatz kommen, die per „Innolink“ miteinander verbunden sind. Die Leistung soll sich auf 10 TFLOPS und 320 Gpixel/s sowie der Speicherausbau auf 32 GB verdoppeln. Für die typische Leistungsaufnahme werden hier 50 Watt angeführt.

Die GPU-Technik soll diverse CPU-Architekturen (x86, ARM, MIPS), Betriebssysteme (Android, Linux, Windows) und Programmierschnittstellen (DirectX, OpenGL, Vulkan) unterstützen.

Noch keine Vergleichbarkeit gegeben

Die genannte Pixelfüllrate von 160 GPix/s erscheint für die einzelne Fantasy-One-GPU sehr hoch. Die FP32-Leistung liegt wiederum auf dem Niveau der AMD Radeon RX 5500 XT und der GeForce GTX 1660. Mangels weiterer Details geschweige Benchmarks, lässt sich die Leistung aber noch schwer einordnen; die obige Tabelle dient daher nur als grober Maßstab.

Zudem bestimmt letztlich auch die Treiberunterstützung, was von der Rohleistung auch in der Praxis ankommt. Die „typische Leistungsaufnahme“ ist zudem ein dehnbarer Begriff und muss nicht mit Angaben anderer Hersteller vergleichbar sein.

Innosilicon zeigt vier Grafikkarten mit Fantasy One

Vier Grafikkarten auf Basis der beschriebenen GPU-Technik hat Innosilicon gezeigt. Die größte Desktop-Grafikkarte mit drei blauen Lüftern sowie die Server-Variante mit „nacktem“ Kühler ohne Lüfter sollen jeweils mit der Dual-GPU-Variante „B“ arbeiten. Typ „A“ mit einzelnem Chip komme wiederum bei den anderen beiden Desktop-Modellen zum Einsatz. Die kleinste Version dürfte auch bei der Leistung am Ende des Portfolios liegen.

Auf der Pressekonferenz in China wurde die Technik anhand eines Systems mit „heimischem“ Prozessor und Betriebssystem demonstriert. Dabei kamen sowohl professionelle Grafikanwendungen wie auch Spiele unter Vulkan zum Einsatz. Eine Präsentationsfolie zeigt den Unigine Heaven Benchmark mit OpenGL 4.0.

2022 folgen Verfügbarkeit und Vorstellung der Nachfolger

Zunächst sollen Partner wie Rechenzentren mit Mustern der Fantasy-One-GPUs beliefert werden. Im kommenden Jahr sollen diese dann regulär verfügbar werden. Noch im Laufe des nächsten Jahres sollen laut den Berichten bereits die Nachfolger Fantasy 2 und Fantasy 3 vorgestellt werden. Dann soll auch bereits ein 5-nm-Verfahren genutzt werden. Welches Verfahren bei Fantasy 1 zum Einsatz kommt, geht aus den Berichten nicht hervor.

Über Innosilicon

Innosilicon mag hierzulande vielen noch kein Begriff sein. Dabei ist das Unternehmen seit 15 Jahren in der Halbleiterbranche tätig und zählt westliche Größen wie Amazon, AMD, Google oder Microsoft zu seinen Geschäftspartnern. Vor allem für Anwendungsspezifische integrierte Schaltungen (ASIC) und Controller-IP ist das Unternehmen bekannt und lässt Chips unter anderem bei Intel, Samsung und TSMC fertigen. Nach eigenen Angaben ist Innosilicon das einzige chinesische Unternehmen, das auf 5-nm-Prozesse der Auftragsfertiger TSMC und Samsung Zugriff hat.

Update

Zwischenzeitlich hat Innosilicon Produktseiten zu den Grafikkarten veröffentlicht, die die oben genannten Spezifikationen bestätigen und ergänzen.

Spezifikationen der Fantasy-One-Grafikkarte
Spezifikationen der Fantasy-One-Grafikkarte (Bild: Innosilicon)

Die Redaktion dankt Community-Mitglied „Konkretor“ für den Hinweis.