Chip-Fertigung: Intels neue 17-Mrd.-Euro-Fabrik kommt nach Magdeburg
Die Spatzen pfiffen es seit Wochen von den Dächern, jetzt ist es offiziell: Magdeburg wird Standort einer Intel-Fabrik. Zur Minute informiert sowohl Intels CEO Pat Gelsinger als nachfolgend auch die Sachsen-Anhaltinische Landesregierung in einem Stream über die Ansiedlung der Chipfabrik in Deutschland.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff stürmte am Vormittag bereits ein wenig voraus mit der Bestätigung für die Fabrik von Intel in Magdeburg. 17 Milliarden Euro wird Intel dafür in die Hand nehmen. 3.000 Angestellte sollen direkt bei Intel arbeiten, zuvor 7.000 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt sein. Entstehen sollen dafür direkt zwei Fabriken mit noch unbekannter Kapazität, hier will Intel die letzten Justierungen an den neuesten High-NA-EUV-Tools noch nicht verraten, die dann zum Einsatz kommen dürften. Mindestens 20.000 Waferstarts pro Monat pro Fabrik dürften aber anvisiert werden.
Tausende Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie sollen sich in den Jahren darauf in der Umgebung entwickeln. Es wird die größte Investition nicht nur in Sachsen-Anhalt sein. Der Baubeginn soll 2023 erfolgen, ab 2027 sollen die beiden Fabriken Chips in Serie produzieren – sowohl für Intel als auch Foundry-Kunden. Das Ziel sind direkt Chips aus der Fertigungsstufe von Intels Ångström-Ära mit Intel 20A, Intel 18A und folgenden. Das ist doch ein wenig überraschend, in Deutschland wurde in vielen Bereichen auch auf eine Zulieferer-Fabrik für die Automobilindustrie gehofft, diese fertigen in der Regel nicht in allerkleinsten Nanometer-Stufen.
In einen Gespräch am Nachmittag erklärte Intel aber, dass sich die Automobilindustrie bis zum Jahre 2027 deutlich weiterentwickeln werde und verwies noch einmal auf den Punkt, dass rund 20 Prozent des Preises eines Autos bis zum Jahr 2030 auf Halbleiterchips zurückgehen dürften.
Auch in weiteren Ländern baut Intel kräftig aus. In Irland wird der Standort Leixlip eine Finanzspritze von bis zu 12 Milliarden Euro erhalten und die Kapazität des Standorts verdoppeln. Die Fertigungsstufe Intel 4 steht hier als nächstes in großem Rahmen in den Büchern. In Irland baut Intel aktuell bereits die Kapazität aus, das Gesamtvolumen, welches Intel letztlich in Irland investiert, wird dann über 30 Milliarden Euro umfassen.
Aber auch Frankreich, Italien, Spanien und Polen sollen ein Teil von Intels 33-Milliarden-Euro-Investment erhalten. Forschung und Entwicklung werden zu einem großen Teil in Frankreich gebündelt, Packaging und Design sollen in Europa wieder in den Fokus gerückt werden. In Italien soll beispielsweise noch eine 4,5 Milliarden große Investition in eine Back-End-Fabrik fließen – hier laufen aber noch die Verhandlungen. Diese Pläne ergänzen die Innovations- und Wachstumsmöglichkeiten im Bereich Auftragsfertigung, die Intel mit der geplanten Übernahme von Tower Semiconductor verfolgt. Tower Semiconductor betreibt in Partnerschaft mit ST Microelectronics eine Fabrik in Agrate Brianza, Italien.
Im Gespräch am Nachmittag erklärte Intel zudem noch, dass Foundry-Kunden bei den Fabriken durchaus Prioritäten eingeräumt werden. Für diese steht aber ohnehin nicht jeder Fertigungsschritt zur Verfügung: Intel 16, hinter dem sich die altbekannte 22-nm-FinFET-Fertigung verbirgt, wird das Einstiegsmodell für Foundry-Kunden sein, es folgen Intel 3 und Intel 20A/18A.
Die Meldung wurde im Laufe des Nachmittags mit neuen Informationen einschließlich eines Gesprächs mit Randhir Thakur, Präsident von Intel Foundry Services, in diversen Punkten ausgebaut und ergänzt.