RTX Spark im Test: Das Thema Kompatibilität

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Jan-Frederik Timm (+1)
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RTX Spark nutzt Windows 11 on Arm

Nvidia RTX Spark nutzt wie Qualcomms Snapdragon X(2) nicht das klassische Windows 11 für x86-CPUs von AMD und Intel, sondern Windows 11 on Arm. Warum? Weil der CPU-Part von RTX Spark auf die Architektur setzt – eben genau wie Snapdragon X, aber auch wie Apple Silicon.

Native Arm64-App oder Prism-Support

Damit Anwendungen unter Windows auf RTX Spark laufen, müssen sie also

  • entweder als native Arm64-App vorliegen
  • oder über Microsoft Prism von x86 auf Arm64 übersetzt werden können.

In beiden Punkten hat sich die letzten Jahre extrem viel getan. Wirklich extrem viel! Das haben auch die letzten Snapdragon-X2-Tests gezeigt.

Erinnerungen an die Premiere Windows RT auf Surface RT im Jahr 2012 (es gab quasi nichts, was lief) und den zweiten Anlauf mit Windows 10 on Arm im Jahr 2013 (Emulation langsam, anfangs nicht für 64-Bit-Apps) dürfen mittlerweile wirklich nur noch das sein: Erinnerungen. Denn der zweite Reboot mit Windows 11 on Arm und den Snapdragon-X-PCs im Jahr 2024 und der Support von AVX(2) durch Prism seit Ende 2025 haben das Blatt entscheidend gewendet.

Das gilt auch für Spiele, die zuletzt vor allem durch Anti-Cheat-Technologien an der Emulation gehindert wurden. Doch seit Januar ist Epic Games Easy Anti-Cheat (EAC) zu Prism kompatibel. Microsoft gab damals an, dass 85 Prozent der Titel aus dem PC-Game-Pass-Katalog unter Windows on Arm laufen. Und mit RTX Spark kommen jetzt viele weitere Technologien dazu. Doch der Reihe nach.

Anwendungen

WorksOnWoA.com (Works on Windows on Arm) listet inzwischen über 2.300 native Arm64-Windows-Anwendungen, weitere knapp 5.900 laufen über Prism.

Es gibt sie weiterhin, die Spezialfälle, insbesondere „Firmeneigene (Legacy) Apps“, aber wer mit aktueller Software und Hardware arbeitet, muss inzwischen schon viel Pech haben, um im Alltag auf Windows on Arm auf Kompatibilitätsprobleme zu stoßen. Und auch die Leistung bei der Ausführung über Prism ist inzwischen deutlich gestiegen.

Nutzern älterer „Peripherie“ könnten weiterhin vorrangig alte Treiber einen Strich durch die Rechnung machen. Denn Treiber für Kernel, Drucker und bestimmte Geräte müssen nativ für ARM64 vorliegen. Betroffen sein können ältere Drucker und Scanner, USB-Spezialgeräte, Audiointerfaces, Dongles, Messgeräte, VPN-Software und Hardware mit eigener Treiberkomponente. Ein weiteres Thema: Die Virtualisierung eines x86-64-Bit-Systems.

Apps müssen RTX Spark „kennen“

In unserem Testparcours sind inzwischen alle Anwendungen als Arm64-App verfügbar. Nichtsdestoweniger kam es im Parcours noch zu vereinzelten Problemen, für die es aber bis auf einen Fall schon ein (Beta) Update gab. Ein kompakter Überblick:

  • 7-Zip 26.00
    Keine Probleme
  • Adobe Premiere 26.0.2
    Weder diese Version noch die aktuelle 26.5.2 unterstützen die RTX-Spark-GPU. Die aktuelle Beta (27.1) tut es wiederum und erlaubt sowohl den Einsatz von GPU-beschleunigten Filtern als auch den Hardware-Export.
    Adobe Premiere Pro als Beta erkennt RTX Spark schon, die öffentlichen Version hingegen noch nicht
  • Affinity Photo 2.6.5
    Keine Probleme
  • Blender Benchmark 5.1.0
    Blender erkennt die RTX-Spark-GPU erst mit Blender 5.3.0 (Beta). Der aktuelle Benchmark unterstützt maximal 5.2.0 (final), konnte aber manuell auf 5.3.0 aktualisiert werden – und lief dann problemlos. In Blender 5.3.0 ist wiederum nicht nur das Rendering auf RTX Spark möglich, auch DLSS 4.5 Super Resolution und DLSS 4.5 Ray Regeneration sind im Viewport nutzbar.
    Über die manuelle Integration von Blender 5.3.0 mit RTX-Spark-Support lässt sich diese Version schon in Blender Benchmark nutzen
    Über die manuelle Integration von Blender 5.3.0 mit RTX-Spark-Support lässt sich diese Version schon in Blender Benchmark nutzen
  • Cinebench 2026.1
    Cinebench unterstützt generell CUDA-GPUs, die von RTX Spark aber noch nicht. Der GPU-Benchmark war nicht möglich.
  • Geekbench 6.6
    Keine Probleme
  • HandBrake 1.11.1
    Software-Encoding bricht mit unbekanntem Fehler ab, Hardware-Encoding (NVENC) wird nicht angeboten. Der aktuelle Nightly-Build bietet AV1-Encoding über Nvidia NVENC, aber sowohl Software- als auch Hardware-Encoding brechen weiterhin mit unbekanntem Fehler ab.
    HandBrake will auch aus Nightly-Build noch nicht auf RTX Spark laufen. Inzwischen wird zwar Nvidia NVENC für AV1-Hardware-Encoding erkannt, das Encoding in Hardware und Software bricht aber ab
  • Procyon AI Computer Vision 2.0
    Keine Probleme mit aktueller Version
  • WebXPRT 5 (Google Chrome 147)
    Keine Probleme

Auch bei KI-Tools braucht es noch Patches

Das Thema „Apps müssen RTX Spark kennen“ betrifft auch die bekannten KI-Tools für Windows. LM Studio zum Beispiel wollte im Vorfeld der Veröffentlichung dieses Artikels noch keine KI-Modelle über llama.cpp auf der GPU ausführen, weil es keine GPU im System erkannt hat. llama.cpp für Arm64 führt wiederum problemlos die Modelle auf RTX Spark aus. Doch LM Studio soll zum Start von Spark ein Update erhalten.

LM Studio braucht noch ein Update: RTX Spark wird nicht als GPU erkannt, Modelle über llama.ccp deshalb nur auf der CPU ausgeführt. Aber das Update erscheint in Kürze.

Dasselbe Thema betrifft auch Hermes Agent, der aktuell nichts von RTX Spark weiß, die CPU daher nicht nutzen möchte und auch keine Empfehlungen für Modelle beziehungsweise deren Kompatibilität mit der verbauten RTX-Spark-N1X-GPU geben kann. Doch in einer von Nvidia bereitgestellten Vorabversion war das alles schon kein Problem mehr:

Eine Vorabversion von Hermes Agent erkennt RTX Spark, kann passende Modelle benennen und sie über llama.ccp auf der GPU ausführen

Und „Systemtools“ erst recht

Last but not least erkennen die gängigen Systemtools wie HWiNFO RTX Spark aktuell noch gar nicht oder nur rudimentär. Zum Testzeitpunkt blieb zum Logging der Telemetrie nur Nvidia Frame View. Aber erfahrungsgemäß dürften alle Anbieter nach dem Marktstart binnen Tagen nachziehen.

HWiNFO erkennt RTX Spark aktuell auch in der Beta nur rudimentär. Verbrauch lässt sich derzeit nur über Nvidia FrameView ermitteln

Spiele

Die Spielekompatibilität von Prism macht zur Einführung von Nvidia RTX Spark einen weiteren großen Schritt, denn es werden auf einen Schlag viele weitere Anti-Cheat-Technologien für Prism in Windows on Arm fit gemacht respektive freigegeben. Die Liste der damit nun ebenfalls auf RTX Spark (und Snapdragon X(2)) spielbaren Titel wird damit um viele prominente Titel länger.

Games auf RTX Spark
Games auf RTX Spark

Das Problem bei Spielen ist aktuell noch, dass es keine zentrale Anlaufstelle für einen stets aktuellen Kompatibilitätsüberblick gibt. Die Übersicht von WorksOnWoA.com mit knapp 1.400 kompatiblen Titeln ist nicht sehr aktuell – mit Nvidia auf der Windows-on-Arm-Plattform könnte sich das in Zukunft aber ändern. Bei Qualcomm war Gaming zuletzt einfach zu wenig Thema.

Diese Anti-Cheat-Technologien und Spiele laufen auf Nvidia RTX Spark
Publisher Anti-Cheat-Technologie Spiele (Beispiele)
Zum Start auf RTX Spark lauffähig sind
Anybrain Anybrain ARC Raiders, THE FINALS
BattlEye BattlEye Rainbow Six Siege, DayZ, War Thunder
Denuvo / Irdeto Denuvo Anti-Cheat ARC Raiders, THE FINALS, Dead by Daylight (trial)
Embark Elytra THE FINALS (trial)
Epic Games Easy Anti-Cheat Fortnite, Rocket League, Rust, Elden Ring
Gaijin Viking War Thunder
HoYoverse HoYoKProtect Zenless Zone Zero
INCA Internet nProtect GameGuard HELLDIVERS 2
Microsoft / Mojang Built-in (Bedrock) Minecraft (Bedrock)
NetEase Games NetEase Game Security Marvel Rivals
Nexon Nexon Game Security MapleStory
Roblox / Byfron Hyperion Roblox
The Indie Stone Built-in (server) Project Zomboid
Valve VAC Counter-Strike 2, DOTA 2, Left 4 Dead 2
Wellbia XIGNCODE3 Black Desert (Steam, Russia/Turkey)
Demnächst auf RTX Spark lauffähig laut Nvidia
Activision RICOCHET Call of Duty, Call of Duty: Modern Warfare 4
BattlEye BattlEye PUBG: BATTLEGROUNDS
Electronic Arts EA Javelin
Krafton Zakynthos PUBG: BATTLEGROUNDS
Riot Games Vanguard VALORANT, League of Legends
Tencent ACE (Anti-Cheat Expert) Delta Force, Wuthering Waves, Arena Breakout: Infinite, Arknights: Endfield
Wellbia UNCHEATER (historical) PUBG: BATTLEGROUNDS

Mit dem „Goldstandard Windows für x86“ gleichziehen wird Windows 11 on Arm damit zwar noch immer nicht, aber außer Frage steht, dass Windows 11 on Arm mit Nvidia RTX Spark bei Gaming dem klassischen Windows-Gaming-PC wesentlich näher steht als einem Apple MacBook (Pro).

F1 25 (EA Javelin) ist noch nicht zum Start von RTX Spark bereit, der Support aber bereits angekündigt
F1 25 (EA Javelin) ist noch nicht zum Start von RTX Spark bereit, der Support aber bereits angekündigt

Zwischenfazit

In Summe über die im Test genutzten Anwendungen lässt sich sagen: Alle liegen als native Arm64-App vor und unterstützten RTX Spark entweder bereits, oder es gibt bereits eine Beta, die das tut. Die einzigen Ausnahmen vor Fall des Embargos waren: HandBrake und LM Studio. Bei LM Studio soll das notwendig Update aber noch heute erscheinen. Windows 11 on Arm ist aus der Anwendungsperspektive wirklich nichts mehr, vor dem man sich zu fürchten braucht, solange es nicht speziell oder „Legacy“ wird.

In puncto Gaming bringt Spark den Support neuer Anti-Cheat-Technologien mit, was Windows on Arm allgemein zugute kommt. Und ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen steht wohl außer Frage, dass Nvidias Schritt auf diese Plattform für die Weiterentwicklung der Spielekompatibilität deutlich mehr bringen wird als Qualcomms „Bemühungen“ seit 2024 erreicht haben.

Etwas Zukunftsmusik bleibt, aber zuletzt wurde davon für Windows 11 on Arm auch wirklich schon viel gespielt.

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