--- Kurz Vorweg: Dieser Kommentar soll lediglich eine etwas andere Sicht auf diese Preisgestaltung werfen! Wen das nicht interessiert, der darf den etwas längeren Text gerne überspringen

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Eine sehr interessante News, leider wieder viele engstirnige Kommentare - andererseits müsste sich jeder Eizo-Marketing-Mensch über solch große Resonanz freuen!
Wann hat denn bitte die letzte Monitor-Neuankündigung wieder so viele Leute beschäftigt? Ob nun positiv oder eher negativ eingestellt, so hat sich doch jeder hier mal wieder dem Namen Eizo und deren "Vorreiterrolle" in der Branche in Erinnerung gerufen! Dabei habe ich das Wort "Vorreiterrolle" mit Absicht in Anführungszeichen gesetzt, damit dass hier nicht als flache Werbung fehlinterpretiert wird, es ist schlicht meine Einschätzung.
Außerdem ist es Fakt, dass die Firma außergewöhnliche Produkte schafft, welche in manchen Bereichen sicherlich als Referenz dienen können, bis dann teilweise erst viel später andere Hersteller gleichziehen und teils doch übertrumpfen. Aber genau das belebt ja auch den Wettbewerb!
Es spielt eigentlich keine Rolle, ob dieses spezielle Produkt zum momentanen Zeitpunkt und Preis "sinnvoll" ist oder nicht, geschweige denn hohe Abnehmerzahlen vorweisen wird.
Viel wichtiger ist doch aus unternehmerischer Sicht:
1. Den eigenen Namen gut zu vermarkten und möglichst vielen etwaigen Käufern zu suggerieren, dass die eigene Produktpalette die beste Wahl darstellt, auch wenn das vielleicht nur auf der Annahme beruht, dass derjenige, der das außergewöhnlichste und technisch am weitesten fortgeschrittene Produkt hat, automatisch eine überlegene gesamte Produktpalette habe. Somit bindet man etwaige Käufer frühzeitig an seinen Namen, auch für ganz andere Produkte als dieses Extravagante. So funktioniert Werbung im Allgemeinen, kann man gut auf andere Firmen und deren Produkte übertragen!
2. Produkte für den professionellen Bereich "müssen" in der Tat teurer ausfallen als solche für den privaten Heimanwender, weil der Hersteller seine Forschungs- und Entwicklungskosten usw. irgendwie an Land ziehen muss. Gerade bei Herstellern, die sich auf "state-of-the-art Produkte verstehen, sind solche Kosten immens!
Und da es für den Heimanwender meist keinen finanziellen Gewinn bringt, sich ein etwas besseres Produkt zu kaufen, steht dem Heimanwender vergleichsweise auch immer nur ein sehr begrenztes Budget zur Verfügung - nämlich das besagte Geld auf der hohen Kante.
Bei Unternehmen, welche Großaufträge erteilen, da kann das ganz anders aussehen - sofern das Produkt anderen so überlegen ist, dass sich der Kunde dadurch einen finanziellen Gewinn verspricht.
Als Beispiel: Wenn ein Unternehmen mit 100 Ingenieuren in einer primär computergestützten Arbeitsumgebung durch effizientere Hardware die Mannstunden um 25% senken kann, dann macht das eventuell einen beachtlichen Gewinn aus, selbst nach Tätigung von sehr kostspieligen Investitionen. Siehe dazu mein kleines Rechenbeispiel im Anhang.
Daraus geht z.B. auch hervor, dass selbst solch hohe Anschaffungspreise wie bei dem hier genannten Produkt nicht unbedingt völlig abwegig sein müssen! Sicherlich findet man andere Lösungen, die ähnliches für weniger Geld liefern, aber wenn nun das gebotene Produkt in der eigenen Unternehmensstruktur so viel an Effizienz ausmachen sollte, dann ist es das aus betriebswirtschaftlicher Sicht auch wert. Natürlich, in diesem konkreten Fall dürfte das immer noch auf eine sehr kleine Käuferschaft zutreffen...
Natürlich ist die dargestellte Rechnung sehr oberflächlich und vereinfacht, es soll nur denen mal die Augen öffnen die gar nicht nachvollziehen können, warum professionelle Hardware mitunter sehr "teuer" empfunden wird.
Aber genau so, wie von Käuferseite her eine solche Amortisierungsrechnung stattfindet (oder sollte...) so muss auch der Hersteller genau abwägen, welchen Preis er für seine neuen Produkte verlangen kann/muss - immerhin steigt oder fällt auch sein unternehmerischer Erfolg mit diesen Preisen!
(Der Hersteller muss ja auch heute schon hohe Summen in die Forschung und Entwicklung der Produkte von Übermorgen stecken, ganz zu schweigen von reinen Produktionskosten und seiner Belegschaft,...)
Ein sicherlich umstrittenes aber aus dieser Sicht sehr erfolgreiches Unternehmen verbirgt sich hinter dem Namen "Apple". Nicht zuletzt führt deren Preisgestaltung immer wieder zu kontroversen Diskussionen (auch hier im Forum...), aber deren Profit steigt und steigt - aus unternehmerischer Sicht muss man also einen weit gefächerten Erfolg zugestehen, ganz gleich, was man von deren Produkten halten mag!
3. Und vorerst letzter Punkt in dieser Betrachtung:
Je früher ein Unternehmen solch zukunftsweisende Produkte vorstellt (und auch hoffentlich) in die Serienproduktion nimmt (möglicherweise als Kleinserie, aber trotzdem kein Unikat), desto eher wird es seine Produktionsstätten so effizient wie möglich gestalten können. Je eher man die ganzen "Kinderkrankheiten" und Feinheiten bei der Produktion von bis dahin unbekannten Stücken kennt, desto kosteneffizienter wird man diese in ein paar Jahren herstellen können, wenn der Massenmarkt dafür bereit ist. Und nicht nur die reinen Produktionskosten werden gegenüber langsamerer Konkurrenz geringer ausfallen, auch die Fehlerquote wird geringer sein. Und Fehler wirken sich praktisch immer finanziell negativ aus (z.B. Retour Aktionen, man denke mal an Toyota und deren Pedale eines Drittanbieters...), außerdem können Sie dem Ruf der Firma schaden und damit spätere Interessenten abschrecken.
Folglich kann man durch solch frühe Produkterscheinungen die Qualität gegenüber der Konkurrenz nachhaltig sicherstellen, somit auch zukünftige Geschäftsabschlüsse sichern.
Das alles rechtfertigt meines Erachtens absolut, schon jetzt ein solches Produkt vorzustellen. Man mag über den Sinngehalt streiten, aber wie andere auch schon festgestellt haben - mit FullHD Fernseher sah das Ganze vor einigen Jahren nicht anders aus!
Für mich persönlich wäre ein solcher Monitor derzeit auch einfach nicht passend, da ich als Privatanwender nur ein schmales Budget für sowas habe, da reicht mir ein ganz einfacher Monitor

Das bisschen was ich an Fotobearbeitung mache rechtfertigt für mich noch nicht mal ein Display mit hoher Farbgetreue, schließlich habe ich schon Erfahrungswerte, wie ich Bilder nachbearbeiten muss, dass diese dann vom Drucker sehr hübsch und farbneutral gedruckt werden. Und für Spiele oder CAD kann es mir völlig Wurst sein, ob das jetzt genau dem entspricht, was sich der Entwickler dabei gedacht hat oder nicht - ich will ein schönes Bild, und das flüssig und scharf! Gleiches gilt für meinen Fernseher, da reicht mir auch mein günstiger 50" Plasma von Samsung...
Da fällt mir ein: Die hohe Farbtreue ist im professionellen Bereich aber auch aus dem Grund wichtig, weil es teilweise gesetzliche Verschriften gibt, wie ein Monitor welches Bild darstellt, damit dieses überhaupt für manche Bereiche zulässig ist (vielleicht kennt sich ja jemand mit Luftraumüberwachung aus? Das wurde ja hier als Einsatzgebiet geäußert. Ich weiß dass es bei der Seeraumüberwachung und Navigation dort Vorschriften an Hersteller gibt...). Wenn ein Hersteller im professionellen Bereich nicht auf eine hohe Farbtreue achtet, dann kann er mitunter von vorne herein ganze Branchen vom Kauf ausschließen, somit ist sein Absatzmarkt auch geringer.
Soweit meine Meinung zu so manchen Fragen und Behauptungen, die ich hier überflogen habe.
Gruß
rottenschock