Abtreibungen sind unethisch - Diskussion

DerOlf schrieb:
Mit ein bisschen Disziplin ist es eigentlich nicht so das große Problem, keine ungewollten Kinder in die Welt zu setzen.
Das ist halt der Punkt - zieht man sämtliche(!) Härtefälle (Inkl. religiöser/weltanschaulicher Zwang) aus der Statistik bleiben noch weit über 90 % - vielleicht sogar über 95 % der Schwangerschaften übrig, wo man sich fragt, ob die Beteiligten einfach zu dumm zum Verhüten waren.
Nicht, dass mich genau das nicht wundern würde.
 
mchawk777 schrieb:
ob die Beteiligten einfach zu dumm zum Verhüten waren.
Selbst dann gilt, was ich hier geschrieben habe:
https://www.computerbase.de/forum/t...isch-diskussion.2236139/page-13#post-31182211

Es ist nicht abwegig eine gewisse Bequemlichkeit oder auch Naivität in das Thema Schwangerschaftsverhütung zu inkludieren. Die Hürde zum Schwangerschaftsabbruch trägt ihren Teil dazu bei. Desweiteren auch die gesundheitlichen Risiken eines Schwangerschaftsabbruch, bei denen wiederum eine Nachlässigkeit inkludiert werden kann.

Aber selbst dann, gilt das von mir geschriebene weiterhin: Entscheiden tun die Personen, die nicht abgetrieben wurden, stellvertretend für alle ungeborenen Personen. Finden die geborenen Personen auch mit all den weiteren Faktoren von Bequemlichkeit, Naivität und Nachlässigkeit, sowie (wieso nicht) auch Dummheit, einen Schwangerschaftsabbruch ihrer Person - stellvertretend für ungeborene Personen - OK, dann ist das ihre Entscheidung. Ebenso, wenn sie es nicht OK finden.

Mit der gesetzlichen Regelung entscheidet nicht die schwangere Person, sondern alle geborenen Personen (in einem Staat) stellvertretend für die ungeborenen Personen. Auch hieran kann durchaus Kritik geübt werden. Zum Beispiel, dass die stellvertretende Entscheidung in Zweifel zu ziehen ist und einer Entscheidung der schwangeren Person vorzuziehen wäre, oder viele weitere Optionen.

Die metaphysische (philosophische) sowie auch soziologische Frage dabei ist, inwieweit Personen überhaupt in der Lage sind menschenwürdig stellvertretend zu entscheiden? Oder ist allen der Nächste sowieso egaler als die eigene Person? Spielen da vielleicht noch ganz andere Sachen mit rein, die eine neutrale Entscheidung verunmöglichen? Sollte dann vielleicht nicht eher nicht jede Person, sondern nur Spezialisten entscheiden? Aber sind diese tatsächlich neutral?

Die gesetzliche Regelung ist ein Kompromiss. Sie sollte ein Kompromiss aus der Entscheidung aller sein ( Ø ), der stetig geupdated werden können muss. So wie ein Registereintrag. Diesen gibt jede Person mit 18 Jahren ab und kann ihn einmal jährlich ändern. Damit wird die Angelegenheit auch unabhängiger von den amtierenden gesetzgebenden Parteien.

Als Äquivalent zum Schwangerschaftsabbruch könnte die Wehrdienstpflicht diskutiert werden, mit allem dafür und dagegen, inklusive der Bereitschaft zum Anzetteln von Kriegen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mirlo schrieb:
Deine Diskussion will vordergründig nur das Thema von Schwangerschaftsabbruch an sich behandeln, sowie hintergründig damit auch das Thema der gesetzlichen Regelung.
Mirlo schrieb:
Die gesetzliche Regelung ist eine Kompromissfindung zwischen Gegner und Befürwortern. Diese sollte stetig neu ausgehandelt werden.
Bin ich komplett bei dir, und ist auch der Grund, warum ich die Diskussion um eine praktische Regelung eher uninteressant finde. Bei dem Aushandeln des gesetzlichen Kompromisses werden nämlich keine Positionen mehr in Frage gestellt, sondern buchstäblich nur noch Politik gemacht, um möglichst viel für die eigene Seite herauszuholen. Ist auch völlig in Ordnung, hat für mich aber eher was vom Feilschen als von rationalem Diskurs.

Mirlo schrieb:
Mit Fragen nach dem ob ethisch (moralisch) OK oder verwerflich will sehr oft Einfluss auf demokratische Prozesse genommen werden. Wobei Ethik nicht selten synonym zu Religion verwendet wird, um das Thema Laizismus/Säkularismus zu umgehen. Neutraler wäre hier von Metaphysik anstatt Religion und Ethik zu reden. Doch da sind die meisten noch lange nicht so weit - was nicht als Ausrede verwendet werden sollte.
Ich bin mir nicht sicher, ob da eine Andeutung drin steckt, dass ich versuche religiöse Themen "einzuschmuggeln" - ich bin Atheist, tendenziell sogar eher aktiver Gegner abrahamitischer Religionen. Ich finde solche Grundsatzdiskussionen auch ebendeshalb so wichtig, weil man mmn. als aufgeklärter Mensch kein Recht darauf hat, sich bei wichtigen moralischen Themen einfach herauszunehmen, indem man auf eine tausende Jahre alte Märchensammlung verweist.

Und in meinen Augen braucht es keine Metaphysik um das Thema gut diskutieren zu können: Wenn man bspw. einfach a priori sagt, dass das Menschenrecht tatsächlich unantastbar ist, dann hat man eine Basis die nicht unweit der Annahme einer "Seele" o.ä. ist.

Mirlo schrieb:
Die Sichtweise über Schwangerschaftsabbruch ist eine individuelle oder gruppendynamische.
Das trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf: Ich wage einfach mal zu behaupten, dass mehr oder weniger jeder seine Meinung zur Abtreibung nur deshalb hat, weil sie einem im eigenen sozialen oder religiösen Kreis in die Wiege gelegt wurde - heißt umgekehrt dass sich die wenigsten mit der Frage beschäftigt haben, warum sie diese Meinung haben, und es ob die aus ihrer Sicht wirklich richtige ist.

Und die Frage der Abtreibung ist ja gewichtig: Für die einen verfügt das Patriarchat über den Körper der Frauen und nimmt ihnen die Selbstbestimmung, für die anderen werden (buchstäblich) jährlich >100.000 Babies allein in Deutschland umgebracht, Tendenz steigend. Bei so einem Thema das Denken und die Meinungsfindung einfach "den anderen" zu überlassen wirkt da reichlich leichtsinnig.
 
Bright0001 schrieb:
[]Axiome[/]
  • []Eine allgemeingültige moralische Bewertung von Dingen ist möglich[/]
    • []Moralischer Relativismus und Nihilismus sind aus der Diskussion ausgeschlossen, da wir in dem Fall zu keinem Ergebnis kommen können[/]
  • []Sterben ist ein grundsätzlich negativ zu bewertender Prozess[/]
    • []Wirbeltiere können eine negativ empfundene Todesangst verspüren und versuchen immer den Tod zu vermeiden[/]
  • []Menschen vorsätzlich zu töten ist grundsätzlich unethisch[/]
[]These

Abtreibungen sind grundsätzlich unethisch.[/]
Und
Bright0001 schrieb:
warum ich die Diskussion um eine praktische Regelung eher uninteressant finde. Bei dem Aushandeln des gesetzlichen Kompromisses
Heisst also, du möchtest nur um die Extreme erlauben oder verbieten diskutieren. Da ist die Entscheidung einfach, erlauben. Es gibt viel zu viele Situationen, wo ein Verbot einfach nur negative Konsequenzen hat. Wie die dann durchgeführten Selbstversuche und Kellerpraxen ohne techn. Austattung gegen Barzahlung ohne Nachsorge. Die Geschichte zeigt, ein Verbot ohne Ausnahmen ist nicht gut für eine Gesellschaft und die Ausnahmen zu vielfältig, um sie abschließend in ein Gesetz zu schreiben.
 
Welche Person, die noch nie schwanger war, kann von sich behaupten zu wissen ob die gesetzliche Frist von 12 Wochen ausreichend oder zu viel ist? Die Entscheidung zu 12 Wochen ist eher medizinisch begründet. Somit wird den schwangeren Personen Zeit zur Entscheidung gegeben. Das wirkt im Umkehrschluss wieder auf die Entscheidung derer, die stellvertretend (demokratisch) für oder gegen ihre eigene Abtreibung sind, also dass sie der Person, in der sie heranwachsen, Zeit zum Überlegen geben.
 
Sorry, aber wenn wir jetzt Ungeborenen einen Personenstatus zustellen und ihre demokratischen Interessen berücksichtigen.

Dann spiele ich einfach mal Devils Advokat und Werfe die Interessen der "potenziellen Personen" in den Raum bei dene es noch nicht zur Einnistung der Eizelle gekommen ist.

Damit stehen dann auch folgende Forderungen im Raum:

- Verbot der Pille Danach.

- Verbot jeglicher Verhütung mit Ausnahme von Kondomen wenn die Frau gerade nicht gebärfähig ist um Geschlechtskrankheiten einzudämmen.

- Verpflichtung von gebärfähigen Frauen spätestens 12 Monate nach Eintritt der Gebärfähigkeit eine ggf. erneute Schwangerschaft anzustreben.

Es kann ja nicht, dass der Wunsch einer Frau nicht Schwanger zu sein höher Wiegt, als das Lebensrecht potenzieller künftiger Demokraten. :king:

Das ist eine Bewusste Überzeichnung. Um jenen, die Ungeborenen einfach ohne große Begründung allerlei Rechte und vor allem Gesellschaftliche Rollen (Person/Individuum/Bürger) zuweisen, welche normalerweise erst mit oder nach der Geburt anerkannt werden, deutlich zu machen. Dass Sinnvoll ist, diese Rechte/Rollen an ein bestimmtes Entwicklungsstadium des werdenden Menschen zu knüpfen. Und nicht blind einfach alle Rechte und Normrollen die wir einem voll entwickelten Menschen geben nur des Potenzials wegen zu extrapolieren.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Kassenwart, dideldei, knoxxi und 2 andere
Keylan schrieb:
Sorry, aber wenn wir jetzt Ungeborenen einen Personenstatus zustellen und ihre demokratischen Interessen berücksichtigen.
Das wäre dann eine Kritik an der von mir dargestellten gegenwärtigen Situation. "Es kann ja nicht sein ... aber es ist derzeit so." Die Geborenen entscheiden über die Nichtgeborenen.

Vermutlich inkludiert der Naturalismus beides:
  • ab Befruchtung ein Mensch mit Menschenrechten (keinerlei Abtreibung).
  • alle Rechte der schwangeren Person über ihren Körper (Abtreibung bis kurz vor Geburt, bzw. Lebensfähigkeit. Nach Geburt mögliche Abgabe des Kindes als Waise.).
 
@Keylan

Ungeborene sind z.b. berechtig als Erben eingesetzt zu werden, sie gelten schon in dem Fall wie eine normale Person.

In Puerto Rico wurden kürzliche Ungeborene der gleiche Rechtsstatus wie einer geborenen Person zuerkannt
 
@Sanjuro Ach hättest du doch einen ausgereiften Disussionsstiel und würdest zu solchen Aussagen Quellen liefern und ein paar Worte verlieren, was diese Aussagen deiner Meinung nach für einen Einfluss auf das Thema haben.

Aber natürlich suche ich die Quellen raus, so das jeder den Kontext dazu erfassen kann.

Zum Erbrecht wird schön Dargelegt, dass der erste Teil deines Satzes richtig ist, der Zweite aber eben nicht. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass das ungeborene Kind noch keine natürliche oder juristische Person ist und und diese Regelung deshalb eine explizite Ausnahme im Erbrecht ist.

Und zu Puerto Rico, ja da wird kein Hehl daraus gemacht welche Interessensgemeinschaft das mit welcher Motivation aufsetzt. Weil ein einzelnes US Außengebiet hier so eine Regelung anstrebt ist wenig argumentativ beigetragen diese Position ethisch zu rechtfertigen.
Zum Vergleich könnte ich auch die Todesstrafe als ethisch angemessen Betrachten, weil diese ja sogar in mehreren US Bundesstaaten und auch vielen anderen Ländern dieser Welt rechtlich verankert ist. Und während mir für diese diverse Pro Argumente einfallen bin ich dennoch klar gegen diese.

Wie wäre es also mal mit ein paar Argumenten warum Ungeborene einen Personenstatus erhalten sollten? Es ist ja nicht so, das es bei so einer Abwägung ein klares Richtig oder Falsch gibt. Es ist eine soziokulturelle Einordnung.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: florian., Reglohln, knoxxi und eine weitere Person
Keylan schrieb:
Wie wäre es also mal mit ein paar Argumenten warum Ungeborene einen Personenstatus erhalten sollten?
Auch das deutsche Recht ist hier sehr unterschiedlich. Der Nasciturus gilt mal als Mensch und mal nicht.

Trauriges Beispiel: Wird eine schwangere Person ermordet und der Fötus stirbt ebenfalls, gilt es nicht als Doppelmord, sondern als Mord in Tateinheit mit Schwangerschaftsabbruch. Quelle
Da das Mensch sein erst mit Einleitung der Geburt/Wehen beginnt

Zum Thema „Pille danach“ Quelle
Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.


Sanjuro schrieb:
Ganz ehrlich Wayne juckt in dem Kontext Puerto Rico?
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: florian., h00bi und Reglohln
Zurück
Oben