hallo7 schrieb:
Ansonsten ist das Versagen der Kontrollen wie immer erstaunlich. War ja auch 2007/08 nicht anders, als die Ratingagenturen quasi jahrelang AAA Ratings für Ramsch-Derivate hergegeben haben, selbst noch als die Blase bereits platzte.
Das Grundübel ist, dass der Auftraggeber diese Agenturen ebenso wie die Prüfer bezahlt und die wollen natürlich weitere Aufträge, sind damit also nicht wirklich neutral. Das kennt man doch auch im Alltag, wer eine alte Rostlaube fährt weiß doch, ob vor Ort der TÜV, die DEKRA oder KÜS die Prüfer mit der größeren Sehschwäche habe und fährt dann dort hin oder eben zur Prüfstelle im Nachbarort.
hallo7 schrieb:
Einige wenige haben die analysiert und haben das sogar gemeldet - aber das wurde sehr lange ignoriert.
Die warnenden Stimme werden nur eben zu leicht überhört und gerade heutzutage, wo viele sich aus den sozialen Medien informieren deren Algorithmen so programmiert sind das die User möglichst auf der Plattform bleiben und sie daher vor allem mit News füttern die ihrer Meinung entsprechen. Es fällt eben vielen Leute schwer sich auch mit kontroversen Meinungen zu befassen und die eigenen, vorgefassten Vorstellungen ständig zu überprüfen, was aber gerade bei Investments sehr wichtig ist. Stattdessen glaubt man lieber den Prognosen wo jemand eine Gerade an eine Kurve anlegt und meint es würde immer so weitergehen.
Mustis schrieb:
Und nach wie vor kann ich mich dem Verdacht nicht erwehren, dass E+Y erst durch den Bericht von KPGM überhaupt erst angeregt wurde, kritischer nachzuhaken.
Dies kann durchaus so sein, aber wie gesagt hat Wirecard den Treuhänder im Oktober gewechselt.
Mustis schrieb:
bei ETFs ist halt dann Schluss, wenn wie 2007/2008 eben genügend auf einmal zusammen kommt. Das meinte ich ja weiter oben damit, dass Diversifikation auch nur in einem bestimmten Rahmen schützt.
Ein ETF bildet i.d.R. einen Index ab und damit einen Markt, wenn der fällt, fällt natürlich auch der Wert des ETF. Aber ich denke hallo7 meint etwas anderes, nämlich wie der Anbieter die Anleger betrügen könnte, so dass diese Verluste erleiden die eben nicht durch die Entwicklung der Märkte zu erklären sind, die der ETF abbildet.
Mustis schrieb:
@Holt ich sehe das übrigens deshalb kritisch, weil selbst der Staat dazu anregt, die Altersvorsorge teilweise privat zu gestalten. Eigentlich ist das inzwischen auch zwingend notwendig. Ohne Aktien geht es dabei kaum.
Das ist ein gutes Thema, der Staat fördert nur leider das Falsche, wie so oft. Meine Meinung ist, dass man dreimal hinschauen muss bevor man etwas macht, was der Staat fördert, denn
1.) wenn etwas gefördert wird, dürfte es so unattraktiv sein, dass es ohne Förderung keine vernünftig rechnender Mensch machen/kaufen würde
2.) man muss schauen, ob es mit der Förderung wirklich attraktiv ist, es gab ja bei der Abwrackprämie auch einige Autos abgewrackt haben die am Gebrauchtwagenmarkt mehr gebracht haben, nur um Kohle vom Staat zu bekommen
3.) es gibt vielleicht bessere Alternativen als die vom Staat geförderten
Der Staat fördert Riester, aber gerade bei der Anlage in Aktien haben die Verträge wegen Corona nun wieder gezeigt was für eine Fehlkonstruktion dies ist:
viele, die auf die prinzipiell renditeträchtigeren Investment-Sparpläne gesetzt hatte, haben im Corona-Crash ihr blaues Wunder erlebt.
...
Der Corona-Crash führt allerdings zum Teil zu heftigen Reaktionen in den Anleger-Depots. Vor allem bei Fairriester, einem Berliner Startup, das mit der Sutor Bank kooperiert, wurde die bis dahin hohe Aktienquote auf null reduziert. Ungünstig, vor allem auch, weil dies ausgerechnet am 12. März umgesetzt wurde, als Dax & Co. nahe ihren Tiefstständen notierten. Entsprechend herb fielen die Verluste auf Anlegerseite aus. Einen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt nimmt das Unternehmen nun langsam wieder vor, allerdings zu deutlich höheren Kursen am Aktienmarkt.
Kapitalgarantie als Pferdefuß
Auch andere Anbieter nahmen, wenn auch weniger drastische Umschichtungen vor, so etwa das stark gefragte Riester-Produkt der genossenschaftlichen Union Investment, die UniProfiRente. (s. unser Überblick: Riester-Produkte im Corona-Crash).
Riester-Produkte müssen laut Gesetzgeber ihren Kunden zum Antritt ihrer Rente zumindest die Einzahlungen garantieren. Diese Kapitalgarantie lässt ein längerfristiges Investment in den Aktienmarkt nur bedingt zu, denn kommt es vor der Auszahlphase eines Kunden zu einem heftigen Kursrückgang am Aktienmarkt, und dieser hält noch eine hohe Quote an Aktien, kann die Garantie wackeln.
Und dies war schon bei der Finanzkrise so, da haben die Anbieter von Riesterprodukten auf Aktienbasis die Depots auch geleert und solche Einbrüche wird es immer wieder geben, die muss man aussitzen und darf nicht in Panik verkaufen. Aber die Anbieter haben keine Wahl, die müssen das Kapital ja garantieren und dies auch noch zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dabei ist es mir z.B. total eigentlich egal wie hoch die Märkte an dem Tag stehen wo ich in Rente gehe, denn ich werden dann mein Depot nicht auflösen, allenfalls langsam entsparen, wenn die Dividenden nicht reichen um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Das ist wie bei den Sparplänen, nur eben umgekehrt, während man eben in der Ansparphase bei niedrigen Kursen mehr Anteile als bei hohen Kursen bekommt, muss man bei niedrigen Kursen eben auch mehr Anteile verkaufen, aber am Ende gleicht sich das eben über die Zeit aus.
Eine Kapitalgarantie kann es eben am Aktienmarkt nicht geben, daher sind Riester auf Aktienbasis einfach Unsinn und sollten nicht mit einem echten Aktieninvestment verwechselt werden, aber nur die Riester werden vom Staat gefördert, obwohl es konstruktionsbedingt Nieten sein müssen, da die Anbieter Schwächephase nicht durchlaufen können und damit die nachfolgen Erholung immer verpassen werden. Die Kapitalgarantie ist ein klarer Fall von "gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht".