Micha- schrieb:
Deine Fragen zeigen das du dich mit der Thematik noch nie beschäftigt hast.
Ja, da ist die Hülle schon fertig und der Reaktor auch. Da werden Jahrzehnte (!) alte Teile "nur" ineinander gesteckt. Das ganze ist vermutlich mehr eine Drohung an Putin, das da mal was versehentlich kaputt gehen könnte...
Wir brauchen schon für eine Brücke mit Sonder Maßnahmen 4-5 Jahre, ein AKW - das kannst du komplett vergessen. Und wer will das bei sich im Garten stehen haben? Söder? Merz? Also AKW Arnsberg oder Eisbach I?
Korrekt bzw. nur rudimentär beschäftigt. Dennoch bin ich es gewohnt mich in Sachverhalte recht schnell einzulesen und dann rein faktenorientiert zu urteilen. Leider scheint es bei dem Thema sehr schwierig zu sein überhaupt an die Fakten heranzukommen, da einige Quellen jeweils von der ein oder anderen Seite biased sind.
Du hast dich damit aber anscheinend schon jahrelang beschäftigt und wusstest dennoch nicht, dass die Ukraine während des Krieges neue Atomreaktoren im Bau hat. Und ja, der eine ist aus Bulgarien eingekauft, aus dem Jahr 1987 und passt ggf. gar nicht zur Hülle etc.
Zusätzlich sind noch bis zu
20 SMRs geplant.
Sie planen in der
Ukraine das
größte AKW Europas zu bauen, wollen dann auch Strom exportieren und zur Energiesicherheit Europas beitragen.
Da frage ich mich eben:
1) Wer finanziert das Ganze überhaupt? Indirekt wir?
2) Warum pushen wir die Ukraine nicht Richtung EE, wenn wir dort schon Milliarden € in Rüstungsgüter investieren?
3) Wäre es nicht sicherer AKWs an anderer Stelle laufen zu lassen als ausgerechnet in einem Kriegsgebiet?
Und zu meiner anderen Frage bzgl. des Einflusses auf den Preis beim
Merit-Order-Prinzip. Hier sagst du indirekt, dass
AKWs gar keinen Einfluss auf den Preis haben können, weil sie nur eine dauerhafte Grundlast decken könnten.
Kannst du das genauer erklären?
Angenommen wir haben eine PV-Anlage und ein AKW, die Nachfrage übersteigt die Kapazitäten der PV-Anlage, also wird gemäß Merit-Order-Prinzip die nächstgünstige Energiequelle angefragt. In dem Beispiel Atomenergie und die Grenzkosten dieses AKWs sind dann der Einheitspreis, zu dem ebenfalls die EE an der Spotbörse verkauft wird.
Und deine Argumentation ist nun, dass die Atomenergie nicht angefragt werden darf?
Wo steht das bitte, das widerspricht allem, was ich bisher gelesen habe.
Des Weiteren wäre auch interessant, wo denn die
PSAs für alle
europäischen AKWs sind? Es muss ja irgendeine Analyse gemacht worden sein, in der man festgestellt hat, dass die deutschen AKWs unsicherer sind als die französischen und es daher sinnvoller ist zuerst die deutschen AKWs abzureißen und stattdessen Atomstrom aus Frankreich zu importieren. Im Falle eines GAUs wird der Outcome ja nicht an der Grenze gestoppt.
Zusätzlich müssen ja auch damals
Prognosen erstellt worden sein,
wieviel Strom zukünftig benötigt wird. Wo finde ich die? Sprich, da muss ja analysiert worden sein, was die Grenzkosten der entsprechenden alternativen Energiequellen zu Spitzenlastzeiten sind? Oder hat man da einfach gesagt, unsere einzige günstige Alternative ist Gas? Da war ja spätestens seit 2014 klar, dass es Verwerfungen aufgrund des Ukrainekonflikts geben könnte oder hat man das einfach nicht eingepreist?
Der Umstieg auf EE erscheint mir einleuchtend, der Ausstieg aus der Atomenergie kommt mir aber ehrlich gesagt etwas voreilig vor. Warum hat man nicht an der
Atomenergie festgehalten bis genügend Speicher für EE da sind und dann eben die europäische Lösung und nach und nach zuerst die unsichersten AKWs herunterfahren?
Ja, PV und Windenergie werden dezentral produziert und daher wesentlich näher am Verbraucher als irgendeine andere Form der Energieerzeugung. Wieviele Kohlekraftwerke hast du denn um die Ecke? Und jetzt schau mal aus dem Fenster und zähle die PV Anlagen....
Gerade durch diese räumliche Nähe entlasten gerade PV Anlagen die Stromnetze.
@Buttkiss Sprich, von Transportkosten könnten wir eher abstrahieren?
Gilt das auch im Winter, bei Nebel etc., wenn bspw. PV kaum Energie liefern? Ein Großteil der Industrie ist ja im Süden und gerade die effizienteren Windkraftanlagen sind vermutlich im Norden?
Gibt es irgendwo eine
dynamische Map, in der man die
Erzeugungskapazitäten über das Jahr verteilt sieht und zusätzlich auch die
nachgefragten Mengen dargestellt werden?
DHC schrieb:
Warum nicht einfach in den Weltall oder ein One-Way-Ticket in die Sonne. Sollte ja technisch möglich sein.
Und bei 2.000 Euro pro kg Transportkosten in den Weltall ein Schnäppchen.
Besser als im Meer zu verklappen oder irgendwo in der Erde zu verbuddeln.
Naja, war jetzt eher brainstormingmäßig. Die Frage wäre ja erstmal, was die
Lagerung überhaupt jährlich kostet. Gibt es denn da irgendwo eine
Schätzung?
Ich höre immer nur unendlich teuer, aber wie kommt man auf dieses "unendlich" - das kann ja nur eine Abdiskontierung auf heute sein. Prinzipiell ist das ja nichts anders als ein Stollen mit isolierten Fächern zzgl. Sicherheitsdienst und andere Bedienstete - das klingt für mich jährlich nach einem überschaubaren Betrag. Und dann ist die Frage, ob wir eben in 200-300 Jahren einer solchen Lagerung nicht ganz andere Möglichkeiten haben. In deiner Rechnung rechnest du ja auch von den Transportkosten heute - interessanter wären die Transportkosten in 200-300 Jahren + der bis dahin anfallenden Lagerkosten. Und die Transportkosten werden dann vermutlich recht gering sein (genauso wie EE in den letzten 20 Jahren deutlich günstiger wurde).
LencoX2 schrieb:
Wie viele gut klingende Argumente auch für Kernspaltungskraftwerke sprechen, die zwei Gegenbeispiele Tschernobyl und Fukushima zeigen glühend auf, warum diese Technologie zuerst für Atomwaffen entwickelt wurde.
Zumal deutsche Kraftwerksbetreiber die Betriebsdauern ihrer AKWs gar nicht verlängern wollen. Geschweige denn still gelegte wieder in Betrieb zu nehmen.
Es wäre technisch vorrauschauend, wenn wir in DE auf modernste Technik setzen würden.
PV, Windkraft und alternative Kraftstoffe sind die Zukunft.
Tja und im selben Land wie Tschernobyl soll nun das größte AKW Europas entstehen. Ich vermisse hierbei die gemeinschaftlichen Lösungsansätze.
Piktogramm schrieb:
Und man sollte genauso alle Probleme aller Lager, Aufbereitungsanlagen, Abbau, Anreicherungsanlagen betrachten. Gerade bei Russland würde das die Statistik versauen und bei uns gab/gibt es in der Asse auch fröhlich angegammelte Fässer. Ebenso Überbleibsel der Wismut, wo die Sanierung von Bergwerken, Abraumhalten etc. nicht ganz günstig war..
Guter Punkt, gibt es da internationale Standards an die sich die Länder halten müssen oder kann mit dem Atommüll jedes Land machen, was es möchte?
Axxid schrieb:
Jetzt den zehn Jahre langen Genehmigunsprozess für AKWs zu starten, die dann noch einmal zehn Jahre lang gebaut werden müssen, in der Hoffnung, dass keine neue Regierung das kippt, ist Schwachsinn. Stattdessen braucht es einen fundierten 10 Jahres Plan der festlegt wo&wie Energie erzeugt wird, wo&wie gespeichert wird und wie man das deutschlandweit miteinander verbindet (Netzausbau).
Das heißt, wir haben keinen fundierten 10 Jahres Plan bzw. weit darüber hinaus? Die Chinesen planen ja auch zig Jahre im voraus.
DHC schrieb:
Das Zauberwort hier lautet "Schulden".
Was zig Jahre verpennt wurde, kann man nicht von heute auf morgen ändern.
Klimawandel. Aber dann Kohle, Gas und Öl zur Energieerzeugung verfeuern.
Und nein. Ich bin kein Grüner und auch kein Befürworter von AKWs.
Es liegt halt wie immer an der Politik.
Da fehlt mir der Weitblick.
Nicht immer nur von Wahl zu Wahl denken.
Träumen darf man. Das ist mal wieder Wunschdenken.
Ich bin noch nicht so sehr in dem Thema drin, aber oberflächlich betrachtet, kommt es mir eben auch so vor.
Wir opfern den Wirtschaftsstandort Deutschland (Personalkosten waren ohnehin schon recht hoch; sehr viel Bürokratie, lange Verwaltungswege und nun eben noch hohe Energiekosten etc.) zu einem signifikanten Teil zugunsten der Umwelt und heraus kommt dann eine solche CO2 Map. Sprich, langfristig werden auch andere Staaten ggf. weniger auf uns hören, wenn wir mit Umweltvorschlägen ankommen und entsprechend verschlechtert sich dadurch die Umwelt weltweit sogar.
bensen schrieb:
Was soll die Polemik? Es geht um Grundlast vs Spitzenlast und nicht Geschirrspüler vs Fernseher.
War nicht polemisch gemeint, aber soweit ich das verstanden habe, kann Atomstrom ganz normal eingespeist werden.
bensen schrieb:
Ich weiß nicht worauf sich die Zahlen beziehen, aber ich kann dir sagen warum bei uns die Kosten so hoch sind.
Wir haben den Atommüll nicht gelagert, wir haben ihn ganz einfach verklappt. Die Fässer wurden einfach wie Restmüll in eine Mulde geworfen, die "Gutachter", wahrscheinlich eher Lobbyisten, für geeignet befunden hat. Niemand wollte die Wahrheit wirklich wissen. Aus den Augen aus dem Sinn. Das ganze zubetonieren und das Problem ist beseitigt. Wie bei kleinen Kindern, die sich die Augen zu Halten und sagen du kannst mich nicht sehen.
puhhh...
Kassenwart schrieb:
Wenn AKW's sinnvoll wären. Wer soll die den bauen ?
In Europa ist mir nur der französische EDF bekannt. Und der ist eigentlich bankrott (Warum eigentlich ? Atomstrom sei doch so wirtschaftlich) China steigt aus Projekte aus da zu teuer und Russland fällt eh weg.
Naja, bspw. die Ukraine und Polen + Alleine Polen plant über 100 SMRs. Ob das alles so sinnvoll ist, ist natürlich eine andere Frage, da bis dahin ggf. die Speichertechnologien für EE ausreichend da sind.
Gibts denn grobe
Schätzungen, wann man
ausreichend Speicher hat?
ApolloX30 schrieb:
Atomstrom ist n ganz schwieriges Thema, weil es fast keine echten Experten gibt und jeder nur irgendeine Meinung hat, die er von woanders her hat.
Man muss da sehr viel abwägen denk ich.
Ja, unser Ausstieg war vom Zeitpunkt her unglücklich. Und ich seh auch den Vorteil, dass die AKWs eben nicht als CO2 Schleudern gelten.
Aber ich sehe die Kosten mit ganz vielen ungeklärten Fragen. Wenn z.B. eine Gesellschaft es nicht schafft, Endlager zu denfinieren, dann sollten man nicht nach neuen AKWs rufen. Also zuerst mal die Hausaufgaben machen und dann schaun wir weiter.
....
zu Ende denken und Konsens schaffen. Wenn dann alle sagen, die Risiken gehen wir bewusst gemeinsam ein, dann go!
Aber ich glaub nicht dran, dass wir Deutschen so harten Realitäten ins Auge schaun wollen. Und dann sollten wir die Finger von sowas gefährlichem wie Atomkraft lassen.
Ich hab einigen beruflichen Hintergrund in der Disziplin "Menschliche Zuverlässigkeit" und genau diese Thematik war oder ist meistens die Achillesfernse in vielerei Hinsicht bei solchen Großrisikotechnologien.
Ja, so kommt es mir eben auch vor. Es dauert sehr lange bis man irgendwelche "Fakten" findet, die nicht ideologisch angehaucht sind. Der Durchschnittsbürger weiß ja nicht einmal was vom Merit-Order-Prinzip