AW: Amoklauf m baden-württembergischen Winnenden
Die Berichterstattung, die ich bisher gesehen habe, hat Videospiele und Medien im Allgemeinen bislang nicht zum Sündenbock erhoben und ist stets zu einem differenzierten Resultat gekommen: Die Medien bis hin zu Videospieler liefern Vorbilder und Befriedigung für Gewaltfantasien, stellen jedoch nicht das ursächliche Problem da. So sehe ich das auch. Einem ursächlichen Problem, etwa Erfolgsdruck und Zukunftsangst, folgen Gewaltfantasien, die zunächst mit Videospielen und anderen Medien und vielleicht auch Übergriffen gegen Mitmenschen und Tieren befriedigt und im schlimmsten Fall in einem Amoklauf münden.
Bislang habe ich niemanden sagen hören, dass Videospiele einen gesunden und ausgeglichenen Menschen zum Killer machen. Erstaunlicherweise hat sich das ZDF bis jetzt sogar absolut vorbildlich hervor getan und die Frage nach den Medien und Videospielen sehr differenziert und korrekt behandelt. Dass die Medien eine wichtige Rolle in der Entwicklung eines eines jungen Menschen zu einem Amokläufer, kann man meiner Meinung nach nicht von der Hand weisen. Es sollte nur nicht behauptet werden, dass die Medien und vor allem Videospiele das ursächliche Problem seien, dessen Beseitigung weitere Amokläufe verhindern würde.
Eben war auf N24 ein Interview mit einem Psychologen zu sehen, der sich schon ein wenig unglücklich ausgedrückt hat. Seine Ausführungen haben den Eindruck erweckt, dass Videospiele überwiegende von Ballereien auf Menschen beherrscht werden und dass Videospieler allesamt ein wenig weich in der Birne sind und einige eben nicht mehr die Kurve kriegen. Letzten Endes wurde aber auch in diesem Interview klar gemacht, dass Videospiele und Medien im Allgemeinen nicht das eigentliche Problem sondern eine Zwischenstation in der Entwicklung eines Amokläufers sind. In diesem Interview wurden der Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft und die Zukunftsangst der Teenager als Auslöser für derartige fatale Entwicklungen genannt, und das scheint mir einleuchtend, denn heutzutage kommt es mehr denn je darauf an, schon ab der Kindheit gute Leistungen zu zeigen, wenn man gute Chancen im Leben haben will. Schon ein Fehler oder ein unglücklicher Zwischenfall in der Entwicklung kann dazu führen, dass man den Anschluss verliert, Zukunftsangst verspürt und an dieser Angst und dem Leistungsdruck zerbricht. Und möglicherweise ist dieser Aspekt in Deutschland ein wenig stärker ausgeprägt als in anderen Ländern, was dann zur Erklärung beitragen könnte, warum sich derartig schwere Amokläufe in Deutschland zu häufen scheinen.
P.S.: Dass hier nahezu jeder scheinbar "prophylaktisch" auf die Berichterstattung und Politiker schimpft, finde ich im Übrigen auch ein wenig daneben. Momentan wird hier der größte Wind um dieses Thema gemacht, während sich die Berichterstattung weitestgehend objektiv präsentiert.