DevPandi schrieb:
Schwierig und wenn ich das mitnehme, was ich im Studium zu wissenschaftlichen Test gelernt habe und was dafür die Anforderungen sind, dann deckt sich deine Aussage damit so überhaupt nicht.
Du vermischst hier zwei Ebenen, und genau daraus entsteht das Missverständnis. Wissenschaftlichkeit ist nicht davon abhängig, ob ein einzelner Anwender ein Prüfverfahren erst in einer Meta-Studie mit tausenden Wiederholungen validiert. Ein Test ist wissenschaftlich, wenn er auf einem definierten methodischen Rahmen beruht, reproduzierbar ist, messbare Größen unter kontrollierten Randbedingungen erfasst, seine Unsicherheiten offenlegt und prinzipiell falsifizierbar ist. Genau das leisten normierte und normnahe Verfahren wie ASTM, ISO oder DIN. Diese Normen sind selbst das Ergebnis umfangreicher wissenschaftlicher und industrieller Validierung. Wenn man fordert, jeder, der sie anwendet, müsse deren Zuverlässigkeit erneut akademisch nachweisen, stellt man implizit die Wissenschaftlichkeit der Norm selbst infrage.
Was du als „nur transparent“ abwertest, ist in der Wissenschaft kein Nebenaspekt, sondern eine Grundvoraussetzung. Transparenz bedeutet nicht bloß Offenlegung, sondern vollständige Nachvollziehbarkeit der Methodik, der Randbedingungen, der Messunsicherheiten und der Ableitungen. Ein Test, der das erfüllt und sich auf anerkannte Prüfstandards stützt, ist wissenschaftlich im Sinne der angewandten Wissenschaft. Er erhebt lediglich keinen Anspruch auf statistische Allgemeingültigkeit über alle Chargen, Produktionszeiträume und Umweltbedingungen hinweg, und genau diesen Anspruch formuliere ich auch nicht.
Die von dir geforderte Studie mit tausenden Tests ist kein Kriterium für Wissenschaftlichkeit, sondern für eine bestimmte Art von Validierungs- oder Populationsstudie. Die wäre notwendig, wenn ich behaupten würde, mein Prüfverfahren definiere eine universelle Wahrheit oder ersetze die Norm selbst. Das tue ich nicht. Ich nutze ein etabliertes, wissenschaftlich anerkanntes Verfahren, wende es reproduzierbar an und sage offen, für welchen Gültigkeitsbereich die Ergebnisse gelten.
Der Begriff „akademisch“ ist dabei kein rhetorischer Trick, sondern beschreibt eine andere Zielsetzung. Akademische Forschung will statistisch belastbare Aussagen über Populationen treffen, normbasierte Prüfungen wollen Materialien vergleichen, qualifizieren und technisch einordnen. Beides ist Wissenschaft, aber mit unterschiedlichen Fragestellungen. Wenn du Wissenschaft ausschließlich über großskalige Statistik definierst, müsstest du große Teile der experimentellen Physik, der Werkstoffprüfung und der Ingenieurwissenschaften aus der Wissenschaft herausdefinieren.
Kurz gesagt: Mein Test ist nicht „nur transparent“. Er ist transparent, normorientiert, reproduzierbar und damit wissenschaftlich im angewandten Sinne. Was er bewusst nicht ist, ist eine akademische Langzeit- oder Populationsstudie. Das ist keine Schwäche, sondern eine saubere Abgrenzung des Anspruchs. Das ist meine Sicht der Dinge, auch als Akademiker, der sich aber in der Praxis deutlich wohler fühlt.
MariaDocks schrieb:
Und auf Deine Langzeittests bin ich dann sehr gespannt, solche Messreihen müssen sehr aufwendig sein und es wurde Zeit das es zumindest mal jemand anfängt.
Wann kann man denn da mit Ergebnissen rechnen? Der Alterungsprozess wird ja sicher nur im Zeitraffer simuliert oder doch Echtzeit?
Es ist ein normierter Prüfzyklus, den ich zu gegebener Zeit auch noch einmal genau offenlegen werde. Ich versuche es, mal kurz vorab zu formulieren. Das beschleunigte Prüfverfahren mit dem Nanotest TTV10 und der TTV10-TCU dient dazu, Alterungs- und Versagensmechanismen von Wärmeleitpasten in stark verkürzter Zeit sichtbar zu machen. Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, reale Betriebsjahre nachzubilden, sondern die physikalisch dominanten Schwachstellen eines TIM gezielt zu stressen und vergleichbar zu machen.
Eine "akademisch" getetste Referenzpaste mit all ihren Datensätzen ist der feste Vergleichspunkt des gesamten Tests. Sie ist eine Paste, von der bekannt ist, dass sie thermisch und mechanisch extrem stabil ist und viele Zyklen ohne nennenswerte Veränderung übersteht.
Die Anzahl der Zyklen dient dann dazu, Unterschiede zeitlich zu staffeln. Bei einem schnellen Zyklenprofil zeigen sich erste Probleme oft schon nach einigen hundert Zyklen. Die Referenzpaste bleibt in diesem Bereich praktisch unverändert. Wenn eine andere Paste hier bereits deutlich schlechter wird, ist das ein klares Zeichen für geringe Stabilität.
Zwischen etwa 500 und 1.000 Zyklen trennt sich das Feld meist sehr deutlich. Gute Pasten erreichen ein stabiles Verhalten und verändern sich kaum noch. Schwächere Pasten zeigen einen kontinuierlichen Anstieg des Wärmewiderstands oder verlieren sichtbar Material aus der Kontaktzone. Der Vergleich mit der Referenz macht diese Einordnung eindeutig.
Ab etwa 1.500 bis 2.000 Zyklen wird der Test sehr hart. Hier geht es nicht mehr darum, reale Nutzungsdauer nachzubilden, sondern zu sehen, wie viel thermische Wechselbelastung ein Material grundsätzlich verkraftet.
Ich schaffe pro Tag rund 1400 Zyklen, also sollte das für normale Pasten durchaus reichen. Edelpasten laufen länger.