Ausfall von Glasfaser Netzwerkverbindung - an was liegt es?

Tobi-S.

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Hallo zusammen,

leider gibt es inzwischen ein größeres Problem mit der damals aufgebauten Glasfaserverbindung. Ich würde gerne eure Einschätzung dazu hören, weil ich mir momentan nicht erklären kann, wie die fest verlegte Strecke innerhalb relativ kurzer Zeit ausfallen konnte.

Verbaut ist folgendes:

Über die vier Fasern liefen zwei separate 10-Gbit-Duplex-Verbindungen, die über SMB3 Multichannel gemeinsam genutzt wurden. Das funktionierte zunächst mehrere Monate vollkommen problemlos.

Im Dezember 2025 fiel dann die erste Verbindung aus. Es wurde kein Uplink mehr angezeigt und die Link-LEDs blieben aus.

Zur Fehlersuche habe ich anschließend:

  • die Transceiver getauscht,
  • die Patchkabel getauscht,
  • die LC/APC-Doppelkupplungen in den Anschlussdosen ersetzt,
  • die Anschlüsse beziehungsweise Faserpaare über Kreuz getestet.
Soweit ich es mit diesen Möglichkeiten eingrenzen konnte, schien der Fehler in der fest verlegten 15-m-Strecke zu liegen. Da der zweite 10-Gbit-Link noch funktionierte, habe ich die Verbindung zunächst damit weiterbetrieben.

Vor ungefähr vier Wochen ist nun auch dieser zweite Link ausgefallen. Aktuell läuft die Netzwerkverbindung deshalb wieder über das parallel vorhandene Cat‑7-Kabel.

Was kann bei einer solchen fest verlegten Glasfaserstrecke nach weniger als einem Jahr Betrieb überhaupt ausfallen?

Das Kabel wurde zusammen mit dem bereits vorhandenen Cat‑7-Kabel durch ein Leerrohr mit ungefähr 14 mm Innendurchmesser über mehrere Stockwerke eingezogen.

Eine meiner Vermutungen wäre deshalb eine mechanische Beschädigung beim Einziehen oder eine ungünstige Stelle im Leerrohr beziehungsweise hinter einer der Anschlussdosen. Ich weiß allerdings nicht, ob eine beschädigte oder zu stark belastete Glasfaser zunächst monatelang funktionieren und dann erst nach und nach ausfallen kann?

Eine andere Frage betrifft die verwendeten Transceiver: Die HiFiber-Module sind für Strecken bis 10 km ausgelegt, während meine Verbindung nur etwa 20 m lang ist. Könnte die optische Leistung auf einer so kurzen Strecke möglicherweise eine Rolle spielen, beispielsweise durch eine Überlastung der Empfänger? Oder ist das bei 10GBASE-LR grundsätzlich unkritisch?

Die APC/UPC-Patchkabel sind richtig herum angeschlossen: LC/APC beziehungsweise grün an der Wanddose und LC/UPC beziehungsweise blau am SFP+-Modul.

Welche Defekte oder Fehlerquellen wären bei diesem Verlauf denkbar? Und mit welcher Messung könnte man zuverlässig feststellen, ob tatsächlich einzelne Fasern beschädigt sind, eine Steckverbindung zu viel Dämpfung verursacht oder der Fehler doch bei den aktiven Komponenten liegt?
 
Wie sieht denn der Verlauf des Kabelkanals aus? Gibt es Biegungen?
 
Tobi-S. schrieb:
Könnte die optische Leistung auf einer so kurzen Strecke möglicherweise eine Rolle spielen, beispielsweise durch eine Überlastung der Empfänger
Ja. Ist möglich. Du solltest dir die Dämpfungsschwellwerte anschauen, vor allem vieviel dB das Signal haben soll. 10 Km Single Mode Module können mit der Zeit bei zu kleiner Dämpfung blind werden. Wenn ein SFP mit 3 dB sendet und der Receiver maximal -6dB erwartet brauchst du eine Dämpfung von mindestens 9 dB. Bei gescheiter Netzwerkhardware kann man das auslesen. In deinem konkreten Fall brauchst du vermutlich eher 10dB Dämpfung. Bei 20 m eher unmöglich. Dein SFPs sind zu stark. Der Empfänger im Trabsceiver degradiert dann sehr schnell. Passt eigentlich gut zu deinem Fehlerbild.
 
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10km Transceiver sind schon mutig für 20m GF Kabel...
Da wird wohl eine Seite Blind geworden sein.
Tausche alle Transceiver auf 30-100m Transceiver um.

Ansonsten bei Verlegung in einem größerem Kabelkanal hatten mein Arbeitskollege bei sich zu Hause erst vor einem Jahr den Fall, dass eine Maus das GF Kabel angefressen hatte.
 
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wegen dem blind-werdenden Transceiver, hast du zwischenzeitlich höhere Fehlerraten gemerkt, wenn du SMB MultiChannel mit 10Gbit betrieben hast, hast du ja ggf. auch entsprechende SSDs um Geschwindigkeit zu erzeugen. Starke drops oder so gemerkt?
 
Tobi-S. schrieb:
Eine andere Frage betrifft die verwendeten Transceiver: Die HiFiber-Module sind für Strecken bis 10 km ausgelegt, während meine Verbindung nur etwa 20 m lang ist. Könnte die optische Leistung auf einer so kurzen Strecke möglicherweise eine Rolle spielen, beispielsweise durch eine Überlastung der Empfänger? Oder ist das bei 10GBASE-LR grundsätzlich unkritisch?
Kommt wohl auch auf die Transceiver an. Die von FS senden mit maximal 0,5 dBm und können soviel auch empfangen. Die sollten zumindest theoretisch auch mit kurzen Kabeln nicht blind werden. Für die HiFiber-Dinger finde ich kein Datenblatt.
Mit 10GBASE-LRM wäre man natürlich auf der sicheren Seite was Power angeht.

Tobi-S. schrieb:
Welche Defekte oder Fehlerquellen wären bei diesem Verlauf denkbar? Und mit welcher Messung könnte man zuverlässig feststellen, ob tatsächlich einzelne Fasern beschädigt sind, eine Steckverbindung zu viel Dämpfung verursacht oder der Fehler doch bei den aktiven Komponenten liegt?
Ohne Spezialwerkzeug könnte man die einzelnen Fasern mit einem Paar BiDi-Modulen testen: https://www.fs.com/de/products/36351.html?now_cid=63 und https://www.fs.com/de/products/36353.html?now_cid=63
 
Moin zusammen,

kurzer Einwurf zur Diskussion um die 10GBASE-LR-Module und die Vermutung, die Empfänger seien erblindet.

Die 10GBASE-LR-Transceiver sind hier technisch völlig korrekt.
Für OS2-Singlemode auf kurzen Strecken gibt es schlicht keine "30–100m-Transceiver" – LR ist hier der gängige Standard.

Ein "Erblinden" oder Zerstören des Empfängers tritt erst bei Langstrecken-Optiken wie ER oder ZR auf, also 40/80km, die mit viel höheren Pegeln bzw. sensitiveren Empfängern arbeiten.

Tipp zur schnellen Überprüfung: einfach im Switch/Server per DDM/DOM die optischen Werte (RX Power) auslesen.

Ich vermute Nagetier-Schaden!
Dass erst der erste Link im Dezember ausfällt und vier Monate später auch der zweite Link, deutet sehr stark auf ein schleichendes physisches Problem hin.

Besorg dir für ca. 10-15€ einen Visual Fault Locator (VFL).
Wenn du den ansteckst und das rote Licht irgendwo an der Wanddose, am Leerrohreingang oder im Kabelkanal hell durch den Mantel leuchtet, hast du die Bruch- bzw. Bissstelle auf den Zentimeter genau lokalisiert - ich weiss, tief in der Wand ist schwieriger aber das ist so das Standard-Werkzeug was ich auch dabei hab und hilft oftmals weiter.
 
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Efaniel schrieb:
Dass erst der erste Link im Dezember ausfällt und vier Monate später auch der zweite Link, deutet sehr stark auf ein schleichendes physisches Problem hin.
Oder die SFP erblinden. :)


Aber mal ganz doof überlegt:

Wenn es ein Problem mit dem Kabel ist, dann fällt der Link ja bereits aus, wenn eine Faser gebrochen ist. Mit etwas Glück hat man also noch zwei Fasern, die in Ordnung sein könnten. Man könnte also einfach mal alle Fasern in allen Konstellationen durchprobieren. Am besten aber zu zweit sein, sonst dreht man wahrscheinlich durch, bevor man alle Konstellationen durch hat.

Gleiches gilt übrigens auch für die SFP. Mit Glück hat man noch zwei die gehen.
 
thom53281 schrieb:
Oder die SFP erblinden. :)
Der TE hat die Transceiver getauscht wie er schreibt – wenn Erblinden vorliegen würde (wo ich mir zu 99% sicher bin, dass dies nicht der Fall sein kann), dann würde sofort nach Tausch eine Verbindung entstehen.

Da dies aber nicht der Fall ist, ist die eigene Schlussfolgerung des TE absolut korrekt zu glauben, dass das Problem in der 15m Strecke auf physischer Ebene liegt.

Woher habt ihr das mit dem Erblinden? Das passiert im ER und ZR Bereich – bei LR ist mir das bis dato noch nicht untergekommen.

@Tobi-S.

Bezüglich der Fehlersuche würde ich gar nicht mehr lange herumdoktern, sondern Nägel mit Köpfen machen.

Da das Kabel im engen 14-mm-Leerrohr liegt, bringt die weitere Fehlersuche mit Durchkreuzen von Faserpaaren nichts mehr. Das hast du mit dem schrittweisen Ausfall beider Links und dem Transceiver-Tausch eigentlich schon sauber eingegrenzt.

Wenn du Gewissheit willst: zieh die Leitung raus und inspiziere sie.

Zieh die Glasfaser nicht alleine heraus, während das Cat.7-Kabel im Rohr bleibt. Die Kabel haben sich beim Einziehen im Rohr höchstwahrscheinlich verdrillt. Wenn du nur an der Glasfaser ziehst, verkeilt sie sich am Cat.7 und reißt dir mitten im Rohrsystem ab.

Ich würde eine reißfeste Zugschnur an beiden Kabeln nutzen (Cat.7 + Glasfaser) und alles gemeinsam raus ziehen.

Sobald das Kabel draußen ist, wirst du die Beschädigung (z. B. Quetschung, scharfer Knick, oder Bisse von Nagetieren) sofort mit bloßem Auge sehen. Mit der eingezogenen Zugleine kannst du das noch funktionierende Cat.7 zusammen mit einem neuen Glasfaserkabel dann direkt wieder sauber einziehen.
 
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Eisbrecher99 schrieb:
Wie sieht denn der Verlauf des Kabelkanals aus? Gibt es Biegungen?

Ja, da gibt es jede Menge Biegungen. Das Kabel ist sehr kompliziert verlegt. Ich konnte es aber stückweise einziehen. So das ich eigentlich nicht viel Kraft brauchte zum einziehen. Ich hatte beim einziehen ein gutes Gefühl. Und es hat ja auch vier Monate lang einwandfrei funktioniert.
Tornhoof schrieb:
Irgendetwas die Kabel angeknabbert? Mäuse oder so?

Könnte theoretisch sein, praktisch würde ich aber nein sagen. In dem Haus haben wir noch nie Mäuse gespürt. Weder im Keller noch in den Büros.
conf_t schrieb:
Ja. Ist möglich. Du solltest dir die Dämpfungsschwellwerte anschauen, vor allem vieviel dB das Signal haben soll...

LukS schrieb:
10km Transceiver sind schon mutig für 20m GF Kabel...
Da wird wohl eine Seite Blind geworden sein.
Tausche alle Transceiver auf 30-100m Transceiver um.

Tornhoof schrieb:
wegen dem blind-werdenden Transceiver, hast du zwischenzeitlich höhere Fehlerraten gemerkt, wenn du SMB MultiChannel mit 10Gbit betrieben hast, hast du ja ggf. auch entsprechende SSDs um Geschwindigkeit zu erzeugen. Starke drops oder so gemerkt?

Also ich kann mich noch erinnern das ich, als ich die Transceiver ausgewählt habe nach welchen gesucht habe die für eine kürzere Strecke sind, aber keine gefunden habe. Dann habe ich recherchiert und herausgefunden das RX/TX bei LR Modulen scheinbar gleich sein soll. Also sie können soviel Leistung empfangen wie sie senden.
Außerdem war das mein allererster Gedanke und hab nach dem Ausfall im Dezember neue Transceiver gekauft und verbaut. Erfolglos.
Wie bereits geschrieben habe ich auch die Patchkabel getauscht und die LC/APC-Doppelkupplungen in den Dosen.
Danach habe ich die beiden Leitungen über Kreuz an die Dosen angeschlossen und rausgefunden das es die Leitung selbst sein muss.

Efaniel schrieb:
Ich vermute Nagetier-Schaden!
Dass erst der erste Link im Dezember ausfällt und vier Monate später auch der zweite Link, deutet sehr stark auf ein schleichendes physisches Problem hin.

Besorg dir für ca. 10-15€ einen Visual Fault Locator (VFL).
Wenn du den ansteckst und das rote Licht irgendwo an der Wanddose, am Leerrohreingang oder im Kabelkanal hell durch den Mantel leuchtet, hast du die Bruch- bzw. Bissstelle auf den Zentimeter genau lokalisiert - ich weiss, tief in der Wand ist schwieriger aber das ist so das Standard-Werkzeug was ich auch dabei hab und hilft oftmals weiter.

Danke für den Lösungsansatz. Dadurch dass das Kabel in einem 14mm Leerrohr liegt, kann ich leider keine visuelle Kontrolle vornehmen.



@Efaniel Ich hab mich schon damit abgefunden das ich das Kabel ersetzen muss.
Ich möchte nur die Ursache rausfinden um auszuschließen dass das Kabel nochmal stirbt. Es ist wirklich ein scheiß Aufwand das Kabel zu ziehen. Beim letzten mal war ich fast zwölf Stunden beschäftigt, weil die Einzelabschnitte schwer zugänglich sind.

Wie kann ein Glasfaserkabel ohne Nagetier noch sterben?
Den Radius von 40mm hab ich sicher nicht unterschritten. Vielleicht mal bei der Montage, aber es hat ja funktioniert nachdem es verlegt war.
Das Kabel muss ja über den Zeitraum weggestorben sein!?
 
Tobi-S. schrieb:
Wie kann ein Glasfaserkabel ohne Nagetier noch sterben?
Also ein typischer Fall den ich oft sehe bei gemeinsamen durchziehen von Patch-Kabel mit LWL - das verdrillen der Glasfaser-Leitung um das Patch-Kabel. Das dreht sich munter schraubenförmig um das starre Patchkabel.

Dadurch kann dann gerne mal auch ein Micro-Crack entstehen der sich auf dem Kabel ausbreitet. Witterungseinflüsse warm/kalt wechsel tragen dazu bei, dass das Kabel arbeitet und dann kann es zum Ausfall kommen. Zugspannung und quetschungen im Biegebereich können mit Materialermüdung dann dafür sorgen das es zum Regelrechten Bruch kommt.

Das Leerrohr ist leider auch recht klein, 14mm ist nicht viel für ein Cat7 Kabel + SM-Fiber.
Wenn du beim durchziehen 12 Stunden gebraucht hast, dann klingt das nach einer ganz herben Nummer.
 
Tobi-S. schrieb:
Es ist wirklich ein scheiß Aufwand das Kabel zu ziehen. Beim letzten mal war ich fast zwölf Stunden beschäftigt, weil die Einzelabschnitte schwer zugänglich sind.
Ich hätte ja gar keine Lust ein Kabel 12h zu ziehen. Reicht die Leistung des Cat 7 Kabels nicht?
 
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