Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden

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Lohn aus Erwerbsarbeit ist also eine Art der Umverteilung? Oder rechnest du etwa die Kinder von Arbeitnehmern (also jene die als Angehörige von dem Geld leben was der Arbeitnehmer erwirtschaftet) zu jenen die Geld aus Umverteilung beziehen?
Das hat mit dem staatlich finanzierten Grundeinkommen nicht wirklich was zu tun.

Die Logik hinter deinen Aussagen erschließt sich mir nicht. Kannst du das etwas genauer ausführen, damit wir alle es verstehen?
 
walter08 schrieb:
da steht. dass aktuell 6 von 10 Leuten ihr Einkommen aus div. Formen der Umverteilung beziehen
Daraus lässt sich nichts ableiten. Wenn man die Familie als Grundbaustein der Gesellschaft betrachtet, dann sehe ich einen Familienvater, der Einkommen für sich, für seine Frau und für seine beiden Kinder erwirtschaftet. Dadurch sind weder die Kinder noch die Mutter in irgendeiner Weise bedürftig. Diese Leute haben vielleicht gar kein Interesse am Grundeinkommen.

Was denkt sich der Rentner denken, der 40 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat? Er denkt, dass er seinen Beitrag geleistet hat. Und nun möchte er in Rentenform das Geld haben, das ihm die Rentenversicherung in jungen Jahren zwangsweise abgenommen hat. Sein Interesse am Grundeinkommen dürfte gering sein, auch wenn Du ihn jetzt als einen derjenigen hinzustellen versuchst, der sein Geld aus einer Umverteilung bezieht.
 
Umverteilung ist Umverteilung, ob das nun die RV ist oder innerfamiliär. Die Umverteilung im bGE ist halt total unbürokratisch und somit ne Ecke billiger.

Die Hausfrau hätte möglicherweise durchaus ein Interesse, weil sie im Moment doch sehr abhängig ist vom Alleinverdiener ist (in deinem Bsp, klassisches Familienmodell, da spielt ja auch ein klassisches Männerbild mit rein)


Wir haben heute keinen Mangel mehr, und "leider" ist die Produktivität so hoch, das es ziemlich unfair ist zu verlangen, das man ein ausreichendes Lohneinkommen hat. Diese Situation wird sich noch verschärfen falls wir ne Wirtschaftskrise bekommen. Das wird dann eine seltsame Krise: mit überquellenden Regalen und Verkaufsräumen. Aber keine Kunden mehr. Den Überfluss/ die Abwesenheit von Mangel - so wies Werner beschreibt - werden wir jedenfalls nicht mehr los.


Wir haben im übrigen 100.000e die garnicht von "echtem" Geld sich und ihre Familien ernähren: ich denk da an die vielen Beschäftigten bei den Öffentlich Rechtlichen. Niemand wird behaupten, das dieses unterirdische Programm eine Wertschöpfung darstellt. Das selbe gilt für die vielen Banker, die mit Kettenbriefen und Luftbuchungen auch nur den Schein von Arbeit und Wertschöpfung aufrechterhalten haben. Und speziell wenn man das bGe betrachtet die tausende Beamte in den Ämtern, die im bGe nicht mehr gebraucht würden.
 
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zitat walter08

aus Sicht des AG: rechnet sich der Arbeitnehmer, kann er bleiben, rechnet er sich nicht, Kündigung. Die Kosten des AN sind bekannt und werden einfach addiert: Lohnsteuer, Krankenversicherung etc pp

Nein, ich bin bei den Lohnzahlungen an Tarifverträge gebunden. Ich kann nix addieren.
Es gibt Kündigungsfristen, Fluktuationen in der AN Struktur sind teuer (einlernen usw..) und von den meisten Arbeitgebern nicht erwünscht. Du zeichnest mit deinen Halbsatz-Nebenbemerkungen ein völlig falsches Bild.
Ich zahle als Arbeitgeber in die Sozialversicherungen ein ohne selber jemals eine Leistung zu erhalten.
Ich habe damit kein Problem aber es ist Fakt.

Ich finde es wirklich ärgerlich wie du hier die Realität verwässerst und verfälschst, nur damit sie - wie du selber zugibst - in dein Klischee passt.

Praktische Handhabe scheint für dich ein Fremdwort zu sein.

Nur der Arbeitgeberanteil : ca. 9,95 % Rentenversicherung, ca. 6 - 7,5 % Krankenversicherung, ca. 1,65 % Arbeitsförderung, ca. 0,85 % Pflegeversicherung

http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialversicherung_(Deutschland)#Finanzierung
 
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Dazu ist mir neulich noch etwas eingefallen: Für die Krankenversicherung (auch für die Pflege) wird man sich etwas einfallen lassen müssen. Denn beide werden momentan über die Lohnnebenkosten finanziert. Die Arbeitslosenversicherung könnte ersatzlos gestrichen werden. Bei der Rente wird es schwierig, einen Systemwechsel durchzuführen, weil die bereits gezahlten Versicherungsbeiträge zum Vermögen der Beitragszahler zählen. Deren Rentenansprüche kann man gesetzlich nicht so einfach aufweichen.

Noch etwas: Wenn man den Befürwortern des bedingungslosen Grundeinkommens folgt und wenn man ihre Motive konsequent zu Ende denkt, dann wird Erwerbsarbeit zur reinen Option, quasi zum Luxus oder zum Hobby.

Das bedeutet, es gäbe nach der Einführung eines bGe keine Notwendigkeit mehr, die Rechte von Arbeitnehmern durch Gesetze zu stärken, sofern sie über die reine Gesundheitsvorsorge (=Arbeitsschutz) hinausgehen. Die Einführung eines Grundeinkommens müsste mit folgenden Punkten verknüpft werden, um glaubwürdig zu sein:

- Abschaffung des Kündigungsschutzes jeglicher Art (auch für Azubis, für Schwangere)
- Abschaffung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
- Abschaffung von Probezeiten
- Abschaffung von Sozialplänen
- Abschaffung von Abfindungen
- keine Beschäftigungsquoten mehr für Behinderte
- keine gesetzlich geregelte Mitbestimmung in den Betrieben
- keine Sonderregelungen für Betriebsräte mehr
- keine gesetzlichen Mindestlöhne
- Neubestimmung der Rollen von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden
- möglicherweise auch das Ende von Tarifverträgen

Denn der gesetzliche Schutz war so lange von Bedeutung, wie die Menschen auf Erwerbsarbeit angewiesen waren. Nachdem sie das mit dem bGe nicht mehr sind, haben diese Gesetze keine Existenzberechtigung mehr, schon gar nicht, wenn man fordert, der Staat solle nicht so viel regulieren.


Für die Lebensführung bedeutet das im Gegensatz zu heute: Man kann als Arbeitnehmer nicht mehr vernünftig planen, weil man z. B. im Falle einer Krankheit gleich auf das bGe zurückfällt, falls es dem Arbeitgeber in den Sinn kommen sollte, jemandem nach zwei Wochen Krankheit zu kündigen.
 
@keshkau
Interessanter Ansatz.

Grundsätzlich führt ein höheres Einkommen zu mehr Konsum. Die genannten Maßnahmen wirken sich allerdings wieder konsumschädigend aus.

Die Frage wäre also, wie der Arbeitsmarkt auf diese Deregulierung (ich bezweifle allerdings, dass die Verfechter des bGE soetwas im Sinn hatten) reagiert.
Das Gut Arbeit wird damit flexibler in alle Richtungen aber nicht unbedingt günstiger.
Der Sozialbeitrag für das bGE, ob nun MwSt.- finanziert oder über direkte Lohnabzüge realisiert, dürfte hierbei allerdings nicht zu unterschätzen sein.

Es ändert nichts an der Tatsache, dass die Arbeitenden die Nicharbeitenden finanzieren müssen. Die Verteilung nach Unten wird nur ausgeprägter, als sie es heute schon ist.

Eine weitere Folge wäre eine höhere Teuerungsrate.
Unter der Annahme, dass bei theoretisch 1000€ bGE Menschen, mit einem Arbeitseinkommen von höchstens 1000€ Netto (eher etwas mehr), nicht mehr arbeiten, wird dies gerade in dem Niedriglohnbereich (Friseure, Lageristen, Kuriere, Sicherheitsdienste, etc.) extreme Preissteigerungen hervorrufen, die dann wiederum auf die Produkte/Dienstleistungen umgelegt werden.

Ein Haarschnitt kostet dann halt mehr, da kein Friseur für weniger als 1000€ Netto aufsteht.

Eine Anhebung der Löhne im Niedriglohnsektor ist natürlich automatisch mit einer Erhöhung aller anderen Lohnbereiche verbunden.

Der Effekt wäre gleich Null.

MFG
 
Ich wollte am nächsten Wochenende, wenn ich dazu komme, das bGe einmal hinsichtlich der Finanzierung genauer unter die Lupe nehmen. Die spontanen Gedanken, die ich mir im Vorfeld dazu gemacht habe, gehen ungefähr in diese Richtung:

Familie mit zwei Kindern: Das bGe beträgt jeweils 1.000 Euro für den Vater und für die Mutter, 600 Euro für das ältere Kind und 400 Euro für das jüngere Kind. Das Familieneinkommen beträgt somit 3.000 Euro. Die Miete bleibt weiterhin von der Konsumsteuer befreit und beträgt z. B. 600 Euro. Der Familie verbleiben dann 2.400 Euro. Die Konsumsteuer beträgt 50 Prozent. Das bedeutet, die Familie kann Waren im Wert von 1.600 Euro netto kaufen, die mit 800 Euro Konsumsteuer belegt werden.

Frage 1: Würde ein solcher Betrag zum Leben reichen? Schließlich soll man von dem bGe menschenwürdig leben können.

Frage 2: Was ist mit der Kranken- und der Pflegeversicherung, die noch nicht bezahlt sind?

Wenn der Familienvater zuvor gearbeitet hat, sagen wir zu einem Bruttogehalt von 3.000 Euro, dann sind bei einem Krankenversicherungssatz in Höhe von 15 Prozent insgesamt 450 Euro fällig gewesen (je 225 Euro für den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber). Wer kommt jetzt für die Versicherung auf? Auf welcher Basis wird sie berechnet? Gibt es weiterhin eine Mitversicherung für Familienitglieder?

Herr Werner hat in dem zuletzt verlinkten YouTube-Interview außerdem argumentiert, dass Schwarzarbeit mit der Beseitigung der Lohnnebenkosten verschwinden würde. Aber machen wir einmal die Gegenrechnung auf: Ich hole mir einen Handwerker ins Haus, der für netto 200 Euro Arbeiten erledigt. Nun müsste er mir eine Rechnung stellen über 200 Euro netto plus 50 % Konsumsteuer = 300 Euro brutto. - Wir fahren allerdings beide besser damit, wenn ich ihm 250 Euro schwarz gebe, oder nicht?
 
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Mal ins Blaue getippt:

Durch die Preissteigerungen wird das Mehreinkommen aufgefressen. Das Geld ist schlicht weniger wert da durch die hohe Besteuerung die Kaufkraft sinkt. Ein Mehrkonsum halte ich daher für unwahrscheinlich.

Das Thema Sozialversicherung ist wichtig. Da der Bereich nicht vom bGE abgezogen wird, muss hier wohl wieder der arbeitende Bevölkerungsteil herangezogen werden.
Eine Umlage auf die MwSt. wäre sicher möglich, aber wiederum konsumbremsend.

Es bleibt dabei, dass unsere Volkswirtschaft, bei Einführung des bGE, eine Mehrleistung erbringen muss. Diese muss erarbeitet/erwirtschaftet werden. Bei einer vermuteten Erhöhung der Arbeitslosenquote durch weniger Arbeitsanreiz wird das allerdings schwierig.

MFG
 
walter08 schrieb:
Wir haben heute keinen Mangel mehr, und "leider" ist die Produktivität so hoch, das es ziemlich unfair ist zu verlangen, das man ein ausreichendes Lohneinkommen hat.

Das ist vollkommen falsch.
Die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf den Arbeitsmarkt ist heute schon spürbar und wird von Jahr zu Jahr zunehmen. Heute gibt es nach Aussagen der Bundesagentur für Arbeit 1.000.000 freie Stellen. Zieht man diese von den gemeldeten Arbeitslosen ab, so hat man letzten Endes eine Zahl von Arbeitslosen die schon in der Nähe der Vollbeschäftigung liegt (Grenze für Vollbeschäftigung liegt nicht bei 0%).

Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, vor allem im Bereich der Qualifizierten Fachkräfte. Genau jene Arbeitnehmer werden durch ein Grundeinkommen aber eher abgeschreckt. Die Vertreter dieser Idee sprechen vor allem die Bereiche der Geringverdiener an.
 
Grundeinkommen, der Film:cool_alt:

selber noch net gesehn :)


@AdamSmith
das kann schon sein, allerdings fährt glaube die Automobilindustrie seit Jahren auf Sparflamme - wie auch immer: die Probleme haben wir im Jetzt :rolleyes:

@Keshkau
Privat versichern

_________________________________
@Dugdanger:
1. der AG zahlt nix
2. der AN muss sich selber finanzieren (Bruto, Netto, AG-Anteil) + einen Gewinn erarbeiten, sonst Kündigung
3. der Kunde zahlt alles
nicht korrekt? dann erklär mir dein Modell :freak:
 
nee, ich erklär dir nix mehr. Gehaltsabrechnung anschauen. Selbsterklärend nennt man sowas.
Paritätische Finanzierung. <-- nicht mein Modell.
 
Info zum Film "Grundeinkommen"
http://video.google.com/videoplay?d...41&ei=rG3pSOHNMYKg2gLh_aGqCw&q=grundeinkommen

ich hab mir den gestern gedownloaded und schaus mir grad an: der Film benötigt ein Audio-Time-shift von 4000ms


audiotimeshift+16:9:

nimm am besten den MPC: (evtl das k-lite -pack installieren: http://www.chip.de/downloads/K-Lite-Mega-Codec-Pack_23300451.html)
http://www.chip.de/downloads/Media-Player-Classic-fuer-Win-2000_XP_Vista_13010299.html


Film starten, mit rechtsklick kannst du 2 Sachen einstellen:
video frame --> override aspect ration ---> 16:9

sowie den audio timeshift:
audio --> options --> Häckchen bei Audio timeshift --> 4000 --> übernehmen

...leider wird das im Verlauf immer schlimmer, geht dann bis zu ca. 60000 hoch :freak:
 
Zuletzt bearbeitet:
e-ding schrieb:
Grundsätzlich führt ein höheres Einkommen zu mehr Konsum. Die genannten Maßnahmen wirken sich allerdings wieder konsumschädigend aus.

Da halte ich dagegen, denn mein Eindruck ist eher, dass mit steigendem Einkommen die Sparsamkeit zunimmt.

Beachten sollte man ausserdem, dass ab einem gewissen Gehaltsniveau Dinge wie Diensthandy und Dienstwagen obligatorisch sind. D. h. der Arbeitnehmer wird sich nur in den seltesten Fällen noch zusätzlich privat einen Zweitwagen besorgen.


Man sollte halt auch mal bedenken, dass die oberen Schichten unterm Strich vielleicht den ein oder anderen Euro mehr ausgeben, aber diese Mehrausgaben sind dann meist darin begründet, dass statt einem VW Golf halt ein BMW 5er gekauft wird. Oder aber es wird statt einem 100 cm TFT ein 120 cm TFT fürs Wohnzimmer gekauft. Damit hat zwar mehr Geld den Besitzer gewechselt, aber dem Wirtschaftssystem ist damit noch kein Vorteil entstanden.


5 Arbeiter haben unterm Strich garantiert mehr für das Wirtschaftssystem getan als ein Abteilungsleiter mit dem gleichen Jahresbrutto. Denn die 5 Arbeiter haben mit ihren Einkäufen 5mal mehr Gewerbetreibende und die dahinter stehenden Erzeuger unterstützt als der eine Manager - ausser der würde für 5 Leute konsumieren und nicht nur für eine Person in einer anderen Größenordnung (5er statt Golf, 30" TFT statt 22" TFT, usw.).
 
Bezugnehmend auf den google Film von walter08

Kritik von Friedmann. Er ist umstritten aber seinen Wirtschafts- und Sozialpolitischen Sachverstand stell ich mal nicht in Frage. Dauert auch nur 1 Minute.

http://de.youtube.com/watch?v=OwUyUCj69cg&feature=related


Gegner halten es für ein moralisches Gebot, dass „jeder nach seinen Möglichkeiten“ zum Wohlstand der Gesellschaft beizutragen habe. Sie sehen in der durch das bedingungslose Grundeinkommen gewonnenen Freiheit eine Aufforderung zur Untätigkeit. Der (materielle) Anreiz zur Aufnahme einer Arbeit sinkt, so dass sich insbesondere für Menschen mit bisher geringem Einkommen „Arbeit nicht mehr lohnt“. Damit würden niedrig entlohnte Tätigkeiten überhaupt nicht mehr vermittelbar und würden auch nicht mehr ausgeführt.

http://www.zukunft-grundsicherung.de/umfrage/page/faq2.php

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und Preise sind mit keinem Modell vorhersehbar, bedingen allerdings die Modelltauglichkeit. Mit keinem Modell wird Arbeit abgeschafft, da Güter (und Dienstleistungen) immer produziert werden müssen, um sie für den (lebenswichtigen) Konsum anzubieten

http://www.zukunft-grundsicherung.de/umfrage/page/faq2.php

mit dem Satz: Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und Preise sind mit keinem Modell vorhersehbar, den ich übrigens für richtig halte, ist wohl klar, dass alle Aussagen rechnet sich, Preise bleiben stabil, mehr Beschäftigung usw... reines Wunschdenken sind.

Das Funktionieren des beG unterstellt Verhaltensannahmen an den Menschen, die so in der Realität nicht vorhanden sind.

Einfaches Beispiel:

Jeder der Netto zwischen 1000 und 1300 € verdient, Morgens um 7 aufsteht, zur Arbeit geht und Abends um 6 heimkommt -- 5 mal die Woche.

Jetzt bietet euch Vater Staat das beG -- würdet Ihr dieselbe oder ähnliche Anstrenungen (wie auch immer geartet) unternehmen wie vorher (5 Tage Woche, Morgens bis Abends), wenn ihr die 1000.- auf jeden Fall bekommt; egal ob ihr Morgens aufsteht und Arbeitet oder ob Ihr ausschlaft, gemütlich Frühstückt, ein bischen Sport, Nachmittags ins Cafe, bummel -- und trotzdem 1000 € bekommt.
 
Morgoth schrieb:
2.) ich sagte schon dass das nur Hausnummern sind. Wenn man mit 1000€/Monat (also das was die LiPa als Netto-Mindestlohn fordert) rechnet sind es nur noch 2/3 der Kosten, also 960 Mrd. €. Ich sage ja, das steht noch nicht fest.

Wer geht denn da noch arbeiten, wenn man auf fürs Nichtstun Geld kriegt. Wer stellt denn dann das Essen noch her? Dort wird dann wohl jede Familie einen Kartoffelacker haben müssen.
Der Mensch ist von der Evolution so weit fortgeschritten, weil jeder in seinem Bereich, wo er sich auskennt, arbeitet!

Essen kann man ja noch selbst herstellen, aber wie sieht es mit Computern, allen elektronischen Schaltungen/Geräten, Brillen usw. aus? Hättest du Lust dein Haus selbst zu bauen?
 
Zuletzt bearbeitet:
In dem Video, das walter08 verlinkt hat, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen so hoch sein muss, dass man tatsächlich die Freiheit hat, nein zu sagen, wenn es um (eine bestimmte) Erwerbsarbeit geht. Insbesondere soll es die gesellschaftliche Teilhabe garantieren – nach dem Motto: „Ich arbeitete nicht, um ein Einkommen zu erzielen, vielmehr habe ich ein Grundeinkommen, damit ich auf dieser Grundlage stressfrei arbeiten kann.“

Im Vergleich zu Hartz IV reden wir dann aber nicht von 351 Euro, auch nicht von 420 Euro, sondern wohl eher von 500 Euro für den Lebensunterhalt (Miete usw. extra). Denn die ausdrücklich gewünschte Möglichkeit, mich aus der Erwerbsarbeit auszuklinken (um etwas anderes zu machen), muss mir ein entsprechendes Einkommen garantieren. Dieses Einkommen muss reichen, um mir alle zehn Jahre einen neuen Kühlschrank zu kaufen oder alle paar Jahre für eine Woche in die Türkei zu fliegen. Sonst wäre das mit der Teilhabe ja witzlos.

Weiter heißt es in dem Film mehr oder weniger wörtlich: „Das Grundeinkommen kommt nicht von oben und es kommt nicht oben drauf, sondern es wächst von unten in das Erwerbseinkommen hinein.“ – Tolle Sache! Aber das sieht in der Grafik nur dort prima aus, wo das Erwerbseinkommen über dem Grundeinkommen liegt. Dann werden aus 1.700 Euro Nettoeinkommen nunmehr 1.000 Euro Grundeinkommen plus 700 Euro Erwerbseinkommen. Ganz anders sieht es bei denen aus, deren Einkommen (Rente, Bafög, Minijobber, Aufstocker usw.) unterhalb des Grundeinkommens liegt – teilweise aber über bzw. auf der Höhe von Hartz IV.

Die (Teilzeit-)Friseurin, die für 1.000 Euro netto arbeiten geht, wird sich überlegen, wie sie es in Zukunft halten soll, wenn das Grundeinkommen von unten in ihr Gehalt hineinwächst und am Ende auf gleicher Höhe liegt. Variante A: Fünf Tage pro Woche arbeiten für 1.000 Euro netto; Variante B: Auf Arbeit verzichten und trotzdem 1.000 Euro bekommen.

Wenn mir jetzt jemand erzählt, es gäbe unter diesen Voraussetzungen keinen spürbaren Einbruch bei den Beschäftigtenzahlen, dann soll er mir das doch bitte erläutern. Und wenn das so kommt, dann müssen die Arbeitgeber reagieren und de facto deutlich mehr zahlen. Eine andere Möglichkeit gibt es wohl kaum. Denn andere Friseure findet man nicht so schnell. Und niemand will sich von Laien die Haare schneiden lassen. Die Folge ist ein deutlicher Preisauftrieb. Oder übersehe ich da etwas?


Weiterhin werden im Video die ca. 56 Mio. Stunden an Erwerbsarbeit den 96 Mio. Stunden gegenübergestellt, die sonst noch (im Haushalt, im Verein oder im Ehrenamt) geleistet werden. Schön und gut. Aber von der Hausarbeit wird man nicht satt. Und wenn sich der ehemalige Arbeitnehmer nunmehr darauf konzentriert, seine Briefmarken-Sammlung zu pflegen, dann hilft das auch niemandem weiter, außer ihm vielleicht.


Ein weiteres Manko des Films ist die Auslassung der Finanzierungsfrage: „Die Finanzierung ist kein Problem“, heißt es. Wir müssten nur lernen, mit dem Grundeinkommen zu leben. Aber ehrlich gesagt habe ich bislang nirgendwo eine brauchbare Aufstellung mit aussagekräftigen Zahlungsströmen gesehen: Wie stark schrumpfen die Haushalte der öffentlichen Hand? Wie viele Arbeitnehmer verlieren dadurch ihren Job? Wie viel Kaufkraft büßen wir dadurch ein? Wie sieht die Brutto-Netto-Rechnung für verschiedene Personengruppen aus: Allein erziehende Mutter mit einem Kind, Teilzeitkraft, Student, Verwaltungsfachangestellter mit und ohne Job, Beamter, Rentner, kleiner und mittlerer Unternehmer, Manager, Einkommensmillionär? Wie viel Geld muss der Staat einnehmen? Wie viel benötigt er für sich selbst? Wie viel Geld benötigen die sozialen Sicherungssysteme? Wie viel Geld wird an die Bürger transferiert? Was ändert sich für Unternehmen (Produktion, Handel, Dienstleistung, Exportwirtschaft)?

Unbeantwortet bleibt die Frage, wer bezugsberechtigt sein soll und wie man – falls nötig – bestimmte Personengruppen rechtlich sauber ausschließen will. Ungeklärt ist das Problem der offenen Grenzen. Es ist doch utopisch, dass die gesamte Welt eines guten Tages auf Knopfdruck auf das bedingungslose Grundeinkommen umgestellt wird. Somit wird es, wie auch immer, zu einer Insellösung kommen. Damit stellt sich aber zugleich die Frage der Abgrenzung nach außen. Hier habe ich noch keine Antworten gefunden, obwohl dieser Punkt von zentraler Bedeutung ist.

Herr Werner argumentiert auch gerne mit dem Menschenbild, das hinter der Sozialhilfe samt Bedürftigkeitsprüfung steckt. Er setzt ein anderes Menschenbild dagegen, bleibt aber den Beleg dafür schuldig, warum sein Modell stimmiger sein soll. Ich denke schon, dass es viele Leute gibt, die ihre Zeit durchaus sinnvoll nutzen könnten und würden. Diese Fähigkeit würde ich am ehesten Menschen zutrauen, die besonders gut gebildet sind. Ich sehe vor meinem inneren Augen aber auch die Heerscharen, die nichts mit ihrer Freizeit anzufangen wissen, die aber auch keine Lust haben, für nur einige Euro mehr im Monat zu arbeiten bzw. so viel zu arbeiten wie bisher.

Und damit stellt sich schließlich die Frage, wie das Grundeinkommen erwirtschaftet werden soll, wenn sich ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung vom Erwerbsleben verabschiedet. Herr Werner argumentiert an dieser Stelle gerne mit dem materiellen Überfluss und damit, dass die Regale voll sind und wir gar nicht so viele Menschen brauchen, um das alles herzustellen, zu verteilen und zu verkaufen.

Aber das ist nur der industrielle Sektor unserer Wirtschaft, dessen Bedeutung in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr abgenommen hat. Über den Dienstleistungssektor redet Herr Werner nicht so gerne. Wer steht sich denn in den Warenhäusern als Verkäufer die Beine in den Bauch? Wer macht die Drecksarbeit, die überall anfällt? – Vor allem aber: Wer ist noch bereit, sie zu machen, wenn es dafür kein oder kaum zusätzliches Geld gibt?

Hier sehe ich ein grundsätzliches Problem in der Argumentationskette. Einerseits betont Herr Werner, dass viele Menschen sich doch lieber in ihrer Arbeit verwirklichen würden und dass sie dann auch viel produktiver (und motivierter und gesünder) wären. Aber ein Autolackierer ist und bleibt erst einmal ein Autolackierer. Und ein Stahlkocher ist und bleibt zunächst einmal ein Stahlkocher. Das ist der Job, den er gelernt hat und in dem er gut und produktiv ist. Vor diesem Hintergrund sind die Alternativen jedoch gar nicht so breit gestreut. Und wenn der Stahlkocher eines Tages keine Lust mehr auf seine Arbeit hat und sich woanders verwirklichen will, dann sehe ich auf Anhieb nicht, wie das funktionieren soll. Es sei denn, er geht seinem Hobby nach und sammelt Briefmarken. Aber wie gesagt: Davon hat die Gesellschaft nichts. Und zum Friseur wird er sich wohl kaum umschulen lassen.

So gesehen ist die scheinbare Flexibilität des Grundeinkommens eher etwas für Akademiker und für Leute, die universeller ausgebildet und einsetzbar sind. Für die Masse der Bevölkerung gilt das nicht unbedingt.

Es stehen also viele Fragezeichen im Raum. Aber die Befürworter des Grundeinkommens liefern kaum neue Antworten, nur Wiederholungen.
 
@Keshkau

Warum funktioniert deiner Meinung nach das Finanzierungsmodell das hier vorgestellt wurde nicht? also die Finanzierung über die Konsumsteuer, ich finde das völlig logisch und in sich schlüssig.
 
walter08 schrieb:
Warum funktioniert deiner Meinung nach das Finanzierungsmodell das hier vorgestellt wurde nicht? also die Finanzierung über die Konsumsteuer, ich finde das völlig logisch und in sich schlüssig.
„Die Finanzierung ist kein Problem“, heißt es.
Wir müssten nur lernen, mit dem Grundeinkommen zu leben.

Ist das das Finanzierungsmodell?
auf einem "wird schon klappen" soll man das Komplette System umändern?
sorry aber solange es kein richtiges Finanzierungsmodell gibt kann man über ein bGe nur müde schmunzeln.

Walter du bist ja ein Befürworter des Themas und hast sehr viel über das Thema gelesen.
Wie werden dort die von Keshau aufgezählten Probleme gelöst?

Götz Werner scheint ein ziehmlich intelligenter mann zu sein, da wird er doch sicher schon die von Keshau Banalen aber entscheidende Probleme gelöst haben?
oder geht er etwa nur auf Bauernfängerei?
 
Ich schaue mir an, wie sich die Steuereinnahmen von heute zusammensetzen. Ein großer Batzen ist die progressiv steigende Einkommensteuer, die zu einem Großteil von Leuten im oberen Segment gezahlt wird.

http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/download/ziffer/z822_846j03.pdf

Für das Jahr 1998 sah das so aus: Das oberste Fünftel (= Großverdiener) erzielte 54,42 % des gesamten zu versteuernden Einkommens und zahlte 70,09 Prozent der Einkommensteuer. Die untere Hälfte kam auf 14,07 des Einkommens und zahlte 5,21 % der Einkommensteuer.

Nun kommt Herr Werner und besteuert alles mit 50 Prozent. Das belastet die unteren Einkommen überproportional (z. B. das unterste Fünftel, das bisher gar keine Einkommensteuer bezahlt hat) und entlastet die hohen Einkommen so stark, wie es keine Steuerreform jemals schaffen würde.

Denn wer bisher keine oder nur wenig Einkommensteuer zahlt, auf dem lastet vorwiegend die Mehrwertsteuer mit 7 bzw. 19 Prozentpunkten. Der Großverdiener mit einem Spitzensteuersatz von 45 Prozent (inkl. Reichensteuer) wird zusätzlich mit 19 Prozent belastet, wenn er einkaufen geht (die paar Lebensmittel fallen nicht ins Gewicht).

Insgesamt fallen durch die Umstellung jede Menge Steuern weg. Und die meisten Steuern zahlen bislang nun einmal diejenigen, die viel verdienen.

Zu diesem Punkt kenne ich keine Rechnung, die mir zeigt, wie das funktionieren soll. Wenn man argumentiert, dass der Staat beim bGe weniger Geld braucht, dann sollte man auch sagen, wessen Geld gemeint ist: Das Geld der Reichen! Eine Alternative könnte so aussehen, dass man die Steuerbelastung für hohe Einkommen mehr oder weniger beibehält und trotzdem den Staat schlanker macht. Dann braucht der Staat weniger für sich, nimmt aber immer noch so viel ein wie vorher und kann entsprechend mehr investieren oder umverteilen. Das funktioniert aber nicht mit einem Einheitssteuersatz, der nur auf den Konsum erhoben wird.


Ich mache mal eine Modellrechnung für einen Single auf:
Dafür setze ich das bGe für einen Erwachsenen (auf der Grundlage der heutigen Bedingungen) mit 1.000 Euro an. Davon sollen 400 Euro (weiterhin steuerfrei) auf die Miete entfallen. Die restlichen 600 Euro entfallen je zur Hälfte auf "Lebensmittel" mit 7 % Mehrwertsteuer und auf sonstige Güter und Dienstleistungen, die mit 19 % besteuert werden.

Die ersten 300 Euro (= 107 % brutto) setzen sich aus 280 Euro Nettowert und 20 Euro MwSt. zusammen. Die zweiten 300 Euro (= 119 % brutto) entsprechen 252 Euro netto und 48 Euro MwSt.

Bezogen auf die gegenwärtige Situation könnte man sich mit einem verfügbaren Einkommen von 600 Euro (= nach Abzug der Miete) Waren und Dienstleistungen im Wert von 280 + 252 = 532 Euro netto leisten. Die werden aber beim bGe mit 50 % besteuert. Dadurch komme ich nicht länger mit 600 Euro brutto aus, sondern benötige 798 Euro.

Ein bGe in Höhe von 1.000 Euro müsste nach der Umstellung also 400 + 798 = 1.198 Euro betragen, um den Lebensstandard halten zu können. Wenn man diese 200 Euro pro Kopf nicht aufbringen will oder kann, dann wüsste ich gern eine Alternative dazu.

Nun ist nicht jede in Deutschland lebende Person ein Erwachsener. Aber ich gebe zu bedenken, dass diese 200 Euro jeden Monat anfallen. Das macht 2.400 Euro pro Jahr, die man mit der entsprechenden Bevölkerung multiplizieren muss.

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Noch eine rein technische Frage: Wie sieht es mit Teilzeitarbeit aus? Wenn das Grundeinkommen stets von unten in das Erwerbseinkommen hineinwächst, dann lohnt sich kein Job mehr, der nicht über dem bGe entlohnt wird. Der 600-Euro-Teilzeitjob im Supermarkt bringt es nicht, wenn er komplett im Grundeinkommen aufgeht.

Damit wäre wieder eine Wahlmöglichkeit gestorben, z. B. die Option, morgens einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und sich nachmittags um die Kinder oder um das Ehrenamt zu kümmern.
 
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