Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden

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#1
Moin,

in letzter Zeit mehren sich Stimmen, die sozialen Sicherungssysteme grundlegend umzugestalten, und zwar ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen.

Was das bedeutet:

- jeder Bürger erhält monatlich einen Betrag von X € (Götz Werner, Chef von DM, hält 1300-1500€ für angemessen)

- das Grundeinkommen wird allein steuerfinanziert, ein Vorschlag ist Einkommens- und Unternehmenssteuer abzuschaffen, dafür die Mehrwertsteuer rauf (~50%)

- Arbeit wird zusätzlich entlohnt, dass heißt es ist immer noch ein Anreiz zu arbeiten vorhanden

Die Folgen:

- die soziale Sicherheit ist gegeben, in welcher Situation auch immer (denn es ist ein bedingungsloses Grundeinkommen)

- der Konsum steigt, es fließt also ein großer Teil des ausgezahlten Grundeinkommens wieder in die Staatskasse zurück

- Arbeit wird für die Arbeitgeber günstiger, denn der Arbeitnehmer ist nicht mehr gezwungen, einen Lohn zu fordern, von dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann

- Die Arbeitnehmer wiederum sind von jeglichem Druck befreit, der aktuell auf ihnen lastet (gewollt auf ihnen lastet, um sie an der Stange zu halten)

Ich würde gerne mal Eure Meinung dazu hören. Für mich hört sich das ganz gut an, allerdings bin ich selber noch nicht ganz überzeugt. Ich glaube, es würde ein zu starkes Umdenken in der Gesellschaft erfordern, und das ist gerade in Deutschland sehr schwierig.

Weiter Informationen: http://www.archiv-grundeinkommen.de

Gruß
Morgoth
 
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#2
naja von der Idee her wäre es nur machbar, wenn nicht alle zu Arbeiten aufhören ;) Irgendwo müssen ja auch die Steureinnahmen herkommen. Ich denke aber, dass genau das Gegenteil passieren würde. Viele würden sich mit den 1500€ zufrieden geben und gar nichts mehr tun. Deswegen glaube ich kaum das es so realisierbar ist.
 
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#3
Wenn ich das richtig verstehe, bekommt der parasitäre Nichtsnutz, der sich bisher erfolgreich gegen jede Art von Arbeit gewehrt hat und auf Kosten der Anderen lebt also auch die Kohle....das kann ich nicht gutheissen
 
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#4
Zitat von TeddyBiker:
Wenn ich das richtig verstehe, bekommt der parasitäre Nichtsnutz, der sich bisher erfolgreich gegen jede Art von Arbeit gewehrt hat und auf Kosten der Anderen lebt also auch die Kohle....das kann ich nicht gutheissen
... richtig - oder halt, doch nicht ganz. Der zweite Teil der Aussage war ja, daß die MWSt dann bei ~ 50% liegen würde. Damit wären auch die Waren, die man zu den Grundbedürfnissen zählt so teuer, daß sich der, der sich nur mit der "Grundsicherung" begnügt, kaum mehr kaufen könnte, als er es heute mit Hartz 4 kann - von den übrigen Gütern ganz zu schweigen.
Aber Schwamm drüber - das wird so niemals kommen, weil es trotzdem viele geben würde, die gar nichts mehr arbeiten würden, denn das Geld ist ja bedingunsglos auszuzahlen - ich denke vielmehr, daß die Schwarzarbeit noch weiter zunehmen würde .....
 
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#5
Halte ich garnichts von.
1. lädt das, wie oben bereits erwähnt, Schmarotzer geradezu ein, die Quote der arbeitenden Bevölkerung wird sinken
2. wird die Kluft zwischen Armen und Reichen noch größer, Einkommenssteuern gibt es ja nicht mehr (große Anschaffungen wird kaum einer in Deutschland tätigen bei 50 Prozent Mehrwertsteuer)
3. wird eine hohe Mehrwertsteuer sicherlich nicht die Konsumbereitschaft steigern
 

LeChris

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#6
Ich bekomme 100% meines Grundgehaltes also vom Staat. Die restliche Zeit hänge ich ehrenamtlich auf CB rum und konsumieren dann noch ein wenig(aber nicht mehr, da ja dank wahnwitziger MwSt alles verdammt teuer ist) - also geht 50% des Geldes wieder zurück an den Staat. Aber zB Hardware könnte ich dann gleich von Newegg beziehen - also geht weniger zurück an den Mutterstaat.

Die Theorie könnte es glatt schaffen, einen Staat bankrott zu machen.

Nee nee, staatliche Absicherung am Existenzminimum(also dem deutschen Existenzminimum), dazu möglichst minimale Lohnnebenkosten und eine großzügig-progressive Konsumbesteuerung(Nagellack von mir aus ruhig mit 50% :D) wäre schon ganz nett. Die wieder wahrscheinlicher gewordene, mit zunehmend weniger Unbekannten behaftete und nun ohne bayerische Beteiligung auskommende, große Koalition liefert ja wohl erste Ansätze.
 
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#7
Dann rechnen wir das doch mal durch:

1500€ * 12 = 18.000 € pro Jahr. Ist ganz nett für Nichtstun. Mit 80 Millionen Einwohnern in Deutschland würde die Summe also

18.000 € * 80.000.000 = 1.440.000.000.000 € betragen. Das momentane Steueraufkommen in Deutschland beträgt 450.000.000.000 €. Allein für das Grundeinkommen müßte demnach das staatliche Steueraufkommen mehr als verdreifacht werden. Zusätzliche staatliche Aufgaben wie Verwaltung, Verteidigung, Versorgung etc. noch nicht mitgerechnet.

Rechenbeipiel 2. Eine vierköpfige Familie würde 4*1.500€ im Monat erhalten, steuerfrei also netto 6.000 €. Dies liegt weit über dem momentanen durchschnittlichen Haushaltseinkommen. Arbeitsanreiz dürfte minimal sein ;-)
 
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Damocles' Sword

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#8
Equest hat es auf den Punkt gebracht. So klappts nicht.

Andererseits halte ich das aktuelle Existenzminimum für zu niedrig bemessen.von 345 Euros kann keiner leben,nur vegetieren,egal ob schuldhaft arbeitslos oder nicht.
 

Merion

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#9
Zitat von George Bush:
Equest hat es auf den Punkt gebracht. So klappts nicht.

Andererseits halte ich das aktuelle Existenzminimum für zu niedrig bemessen.von 345 Euros kann keiner leben,nur vegetieren,egal ob schuldhaft arbeitslos oder nicht.
Die Rechnung stimmt aber auch nicht. So erhält man ja als Alg II Empfänger auch noch Wohnungsgeld, etc. Das macht bei vielen Geringverdienern auch einen sehr großen Brocken aus.
 

Tomy

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#10
Zitat von Morgoth:
- jeder Bürger erhält monatlich einen Betrag von X € (Götz Werner, Chef von DM, hält 1300-1500€ für angemessen)

- Arbeit wird zusätzlich entlohnt, dass heißt es ist immer noch ein Anreiz zu arbeiten vorhanden
Dir ist aber bewußt, dass für unter 2.500 Euro netto dann keiner mehr morgens aufsteht um arbeiten zu gehen. Wäre er ja schön dusselig.
 
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#11
Immer noch recht günstig für den Arbeitgeber, er muss so ja nur 1000 € beisteuern. Oder meinst du 2500 € zusätzlich zu den staatlichen 1300 - 1500 €? :confused:
 
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Tomy

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#12
Nich obendrauf sondern insgesamt.

Trotzdem wird kaum ein Arbeitsanreiz da sein. Der Grundirrtum der vermutlich dieser Forderung nach einem hohem Grundeinkommen zugrunde liegt und auch nicht wenige ALGII Empfänger erfasst hat is, dass Stütze den bisherigen Lebensstandard erhalten soll. Aber genau das soll sie eben nicht. Überleg mal...zwei Leute haben 3.000 netto jeden Monat, ohne dafür zu arbeiten. Wohnung kostet vielleicht 700 warm, bisschen Fixkosten wie Telefon udn Strom, bisschen Essen, Klamotten. Da bleibt ne Menge über. Warum dann noch arbeiten gehen?

Für mich klingt das nach einer absurden Idee. Denn wie so oft wie nur nebulös gesagt, woher das Geld für dererlei Wohltaten kommen soll. Erarbeiten tun wir das ja nicht mehr, wir konsumieren nur noch..so lange es noch Waren gibt ;), weil hergestellt werden über kurz oder lang keine mehr.
 
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ShaÐe45

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#13
Also wenn mir jemand für's nichtstun 1500€ monatlich geben würde, würde ich garantiert nicht arbeiten gehen, wozu auch.

Ich hab mir ja auch immer gedacht, warum kann nicht jeder einfach Geld vom Staat bekommen ohne zu arbeiten, eben weil dann keiner mehr arbeitet, so einfach ist das leider nicht.

Oder wir machen es so: Bei uns hier hören alle auf zu arbeiten und bekommen Kohle vom Staat, die drucken einfach so viel Geld wie nötig und Futter und sowas holen wir uns aus dem Ausland. :lol:
 
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#14
Was für eine Logik steckt eigentlich hinter all diesen überlegungen?!

Der Staat gibt uns Geld, damit wir den Staat finanzieren?! Wow, da muss ja einer echt studiert haben um auf sowas zu kommen!

Ne also ich halte von dem ganzen Krams absolut garnichts!

Gäb es kein Geld und keine geregelten Arbeitsverhältnisse, so müsste noch jeder selbst Gemüse anbauen und Tiere jagen gehen. Und das Haus muss noch mit eigener Kraft aus ein paar selbst geschlagenen Stämmen zusammengezimmert werden. Und man müsste 5 Kinder haben (von denen einen vllt. 3 überleben) um für sich und seine Frau die "Rente" zu sichern.
Dann wäre es aber aus mit der 40/35 Stunden Woche, einem Urlaub pro Jahr und einer Lebenserwartung von weit über 70!

Realisiert doch endlich mal in was für einem Luxus wir leben und lasst Vorschläge wie den oben sein, was sie sind:
Das Geschwafel von irgendwelchen Weltfremden, die offensichtlich keinen Schimmer von Finanzen haben.
 
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#15
"Wenn ich das richtig verstehe, bekommt der parasitäre Nichtsnutz, der sich bisher erfolgreich gegen jede Art von Arbeit gewehrt hat und auch heute schon auf Kosten der Anderen lebt dann also auch die Kohle noch mit amtlichem segen, sozusagen offiziell ....das geht nicht gut. weil das schlechte gewissen nämlich bleibt."

und gezht von der Grundannahme (einer von vielen) aus, dass jeder willens, bereit und in der lage ist/wäre, aus sich selbst heraus zu arbeiten, also über das miminum hinaus noch mehr beizutragen: das ist aber nicht der fall.


mehr noch: genau die, die nach so einer grundsicherung rufen, sind meist genau die, denen sie schaden würde. weil nämlich die auseinandersetzung mit dem eigenen charakter und dem schlechtem gewissen "warum man den a... nicht hoch kriegt" eben gwerade und genau vermieden würde. und das wäre/ist schlecht. heute schon alles wie es ist.


es ist und bleibt nämlich so: ca. 25-33% der menschen/arbeitnehmer brauchen halt (leider(?)) den druck "von extern" um was leisten zu könen. jkommen anders morgens früh nicht aus den federn. haben sie aber den druck, dan stehen sie morgens um 7 oder 8 an ihrem platz. machen, weil sie müssen. und sind um 15.30, 16.00 oder 17.00 stolz auf das, was sie (dennoch) erreicht haben. und weiter voller autoaggression, weil sie so sind, es nicht ändern können, und es morgen genau wieder so ist (mit ihnen).


und wenn man denen die grundsicherung einfach so gäbe, würden die das "nutzen" - und zwar zu ihrem eigenen schaden, mit entsprechenden negativkonsequenzen für ihre autoaggression, die noch größer würde.

ein drittel mindesten bleiben geführte. und führung muss denen werden, damit sie (weiter) was leisten und mit sich selbst lernen zu rande zu kommen, im reinen zu sein. und werden nach 40 jahren die stolzesten renter! die besten opas! und nie von alleine, sondern nur durch einen gewissen druck, durch meister, chef, abteilunsgleiter, klausuren, prüfungen, bankmanager, gerichtsvollzieher,


also: die idee ist voll daneben. (genau wie die der steuer in nur 3 stufen.)
und die idee ist mit absicht voll daneben. die, die sie in die welt setzten, wollten das so. als mittel des kampfes. denn nichts hält mehr auf, als gesellschaftlich sinnlose kämpfe zu bestehen, blöde fragen abwehren zu müssen.

die, die die frage aufbrachten, wollen das alles gar nicht wirklich. wollen nur stören. schaden. weil parallel dazu auf anderen kriegsschauplätzen dann leichter gewonnen werden kann/(teil-)siege zu erringen sind. (was immer das für siege sind, sein mögen..).


arbeit braucht das volk. das deutsche wie jedes andere. jeder einzelne. ungefähr vollbeschäftigung. und wer zu teuer ist, muss halt billiger werden. weil es nicht um die qualität des freizeitkonsums nach der arbeit
geht. der ist auf dauer eh immer hohl. (weil ausdruck schon von selbstentfremdung durch eine halbwegs krankmachende/falsche arbeitstelle). sondern um freude an der arbeit für alle. und wenn auch manche morgens nicht in der lage sind, freiwillig anzufangen.

taugen nicht alle zu u8nternehmer oder zum selbstständigen. könen nicht alle aus sich selbst heraus was mit sich anfangen, die eigene arbeitskraft sinvoll in den dienst das ganmzen, um wohle des mitmenschen stellen. und darum geht es.

beschäftigung für möglichst viele heisst nämlich, dass die sozialen sicherungssysteme (wieder) funktioneren - und dann haben alle auch dann ein hinreichendes einkommen, wenn sie mal für 6 oder 12 monate ohne arbeit sind zwischen 2 beschäftigungsverhältnissen.


ein letztes: ich habe noch die bilder vor augen aus dem tv von der chinesischen blumenverkäuferin von gut 76 jahren, die ohne so was alles muss blumen verkaufen auf der strasse in shanghai bis zum tode. klar ist auch: unsere grundsicherung ist und würde nie eine brd-autonom-erwirtschaftete sein: immer war und ist dies alles nur zu bewerkstelligen unter ausbeutung einer 3. welt. und auch damit macht die globaliserung schluss. zum glück.


kuck: man besuche in mittelengland die landsitze der grafen von marlborough. nett. richtig nett dass. gepfegter müssiggang neben strammem dienst in der army ihrer krone. woher das geld kam? na klar aus den kolonien, aus kinderarbeit in indien zumal. und konnten die gut vereinbaren miteinander und ihrem gewissen.


woher also sollte unsere grundsicherung anders kommen? eher aus den noch zu machenden selbstgebauten solaranlagen - oder aus wieder billigem öl, "herbeigezaubert" durch die us-army, gefördert durch rechtlose ölarbeiter im irak oder russland?

was die wohl von unserer "grundsicherung für alle" denken?

.
 
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#16
Zitat von perfekt!57:
was die wohl von unserer "grundsicherung für alle" denken?


Richtig. Ein hoch auf diesen Schlußsatz.
Solche Forderungen wie die Grundsicherung und im anderen Lager gedankenloser Kapitalismus richten ein System zugrunde.
Zur Mehrwertsteuererhöhung:
Wie soll denn ohne Arbeit ein Mehrwert entstehen? :p
 

KL0k

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#17
@perfekt!57
schon mal dran gedacht das es menschen gibt die sich wortwörtlich zu tode ackern in diesem land durch genau diesen druck den du so befürwortest?
vor ca. 10 jahren oder so, ist beispielsweise n arbeitskollege von meinem vater einfach zusammengeklappt, hirnschlag, durch - tadaa - zuviel stress / überarbeitet. seitdem soweit ich weiss n pflegefall. ein anderer anfall mitm herzen durch herzmuskelschwäche, ebenfalls selbe ursachen.
mein eigenes beispiel, wenn ich mit druck umgehen könnte würd ich wahrscheinlich in irgendnem werbebüro sitzen, da ich mich ne weile mit marketing beschäftigt hab und nich ganz unbegabt bin. kann aber weder mit druck von kollegen/vorgesetzten umgehen noch mit zeitlichem druck (kreativ-blockaden, depressionen, etc.)

man kann einfach nicht alle über einen kamm scheren wie du es in jedem einzelnem posting von dir gibst egal zu welchem thema.
das gibts nicht.

PS: und das geld was vom staat bekommt reicht hinten und vorne nicht. das reicht ma grade dazu um nicht abzunippeln, solang man nicht schwer krank ist. denn das gesundheitssystem darf man ja mitlerweile auch selbstfinanzieren weil sich die krankenkassen mal so querstellten.
mit anderen worten in diesem land ist man am arsch wenn man arbeitslos und evtl auch noch krank wird oder genau deswegen aus dem arbeitsleben ausscheidet.

PPS: und die arbeitslosen werden unter 1000%iger garantie nicht weniger, sondern mehr. das geht rein mathematisch schon nicht. also sind jegliche ansätze in der richtung alles auf schmarotzer abzuschieben fehlansätze. arbeitsplätze schaffen, und halten, proportional zur population _ist nicht mehr möglich_
 
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Morgoth

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#18
So, mitten in der Nacht komme ich noch dazu, eine Antwort auf die Kritiken zu verfassen.

Zitat von den[N:
is]Viele würden sich mit den 1500€ zufrieden geben und gar nichts mehr tun.
Das wäre gar nicht weiter schlimm, denn sie sorgen durch ihren Konsum für die weitere Finanzierbarkeit des Systems.

Man sollte sich auch im klaren sein, dass es unter den jetzigen Bedingungen gar nicht genügend Arbeit für alle gibt. Wie soll das auch gehen, wenn Maschinen und Programme uns zunehmend mehr ersetzen?

Von diesem Gedanken, von dem Ziel Vollbeschäftigung, müssen wir uns lösen. Das ist nicht mehr erreichbar.

Zitat von TeddyBiker:
Können wir uns auf ein nicht menschenverachtendes Vokabular einigen? Danke.

Was sind denn Nichtsnutze? Sind Nichtsnutze etwa diejenigen, die nicht arbeiten möchten, oder sind Nichtsnutze auch Geldvermögensbesitzer, die sich an der Hochzinspolitik laben und allein dadurch Geld verdienen?

Zitat von N.o.L.i.m.i.t.:
Der zweite Teil der Aussage war ja, daß die MWSt dann bei ~ 50% liegen würde. Damit wären auch die Waren, die man zu den Grundbedürfnissen zählt so teuer, daß sich der, der sich nur mit der "Grundsicherung" begnügt, kaum mehr kaufen könnte, als er es heute mit Hartz 4 kann
Nicht richtig gelesen, hm?

Zitat von Morgoth:
- Arbeit wird für die Arbeitgeber günstiger, denn der Arbeitnehmer ist nicht mehr gezwungen, einen Lohn zu fordern, von dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann
Der Arbeitgeber kann sehr viel geringere Löhne zahlen, die Unternehmenssteuer, die eh immer auf den Kunden abgewälzt wird, fällt weg, ergo die Produkte werden sehr viel günstiger. Die 50% sind ein Hausnummer, aber in die Größenordnung wird das fallen. Idealerweise sollten die Preise real konstant sein. Übrigens hat ein Haushalt heute auch eine Gesamtbelastung von ~50%, also keine große Änderung.

Ja, auf diese Summe bin ich auch schon gekommen. Aber die 1500€ sind ebenfalls erstmal nur eine Hausnummer, der echte Wert müsste wie der Mwst-Satz so gewählt werden, dass die Kaufkraft real erhalten bleibt.

Zitat von Tomy:
Dir ist aber bewußt, dass für unter 2.500 Euro netto dann keiner mehr morgens aufsteht um arbeiten zu gehen. Wäre er ja schön dusselig.
PuppetMaster hat schon die richtige Antwort gegeben. Der Arbeitgeber müsste dann (bei 1500€ GEk) lediglich 1000€ Lohnkosten aufbringen.

Zitat von Tomy:
Denn wie so oft wie nur nebulös gesagt, woher das Geld für dererlei Wohltaten kommen soll.
Woher kommt denn Geld?

Ein Unternehmen stellt Produkte her, kein Geld. Arbeit erzeugt kein Geld. Geld wird ausschließlich geschöpft, es hat keinen realen Gegenwert, es ist lediglich ein Tauschmittel mit ein paar Besonderheiten.

Wenns Geld nicht reicht - drucken wir mehr! Das ist überhaupt kein Problem, solange man durch andere regelnde Mechanismen eine ausartende Inflation verhindert.

Zitat von Der Daedalus:
Der Staat gibt uns Geld, damit wir den Staat finanzieren?!
Wir sind der Staat. Nicht so ein paar Patienten sie meinen sie könnten etwas bestimmen. Wir sind es, und wir haben die Macht über das Geld.

Zitat von Der Daedalus:
Gäb es kein Geld und keine geregelten Arbeitsverhältnisse, so müsste noch jeder selbst Gemüse anbauen und Tiere jagen gehen.
Wie kommst Du darauf?

----------------------------------

Werdet Euch mal über den Sinn von Arbeit klar. Ist es das Ziel der Menschheit, Sklaven der Arbeit zu werden? Und diejenigen, die diese Arbeit anbieten, schwingen die Peitsche?

Das kann es nicht sein. In einer Zeit der zunehmenden Automatisierung gibt es nicht genügend Arbeit für alle. Weltweit. Das bedingungslose GEk ist ein Chance, den Lebensunterhalt von der Arbeit zu entkoppeln. Keine Arbeit, kein Problem, man kommt trotzdem gut über die Runden, und finanziert das System über die Mwst gleich mit.

Warum entlässt die Telekom 30.000 Menschen? Weil sie dort überflüssig sind! Die Telekom könnte die auch weiterhin beschäftigen, aber die Produktivität würde nicht steigen (es sei denn durch Arbeitszeitverkürzung). Diese Menschen kosten dem Unternehmen nur Geld, und diese Kosten werden auf den Kunden abgewälzt (natürlich werden durch diese Entlassungen die angebotenen Produkte nicht billiger, das Prinzip der Gewinnmaximierung steht dem entgegen).

Habt Ihr auch schon mal daran gedacht, wie günstig wir dann unsere Waren im Ausland anbieten können? Auf ausgeführte Ware gibt es keine Mwst, und das bei so niedrigen Lohnkosten und keinen Unternehmenssteuern. Das ist doch sensationell, wir machen jedes andere Land der Welt wirtschaftlich platt!

Denkt noch mal genauer darüber nach, und verabschiedet Euch auch von der These, dass dann niemand mehr arbeiten würde. Wer arbeitet, dem geht es besser, denn er bekommt X+Lohn €, während der Nichtarbeiter lediglich X € einstreicht.

Gruß
Morgoth
 

Daria

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#19
Bei so viel hanebüchenem wirtschaftlichen Unsinnn weiss man gar nicht wo man überhaupt fangen soll mit der Kritik.

Nun gut, picken wir uns mal den offensichtlichsten Punkt heraus. Soweit ich informiert bin ist Deutschland noch nicht von einer Mauer umgeben und vom Rest der Welt abgeschottet (es sei denn,du Morgoth, möchtest das auch ändern).

Das heisst Deutschland hat internationalen Verpflichtungen nachzukommen, worunter u.a. auch die EU-Freihandelszone und Verträge mit Nicht-EU-Ländern fallen. Das wir mit dem von dir geforderten System jedes andere Land "plattmachen" mag vielleicht stimmen, umgekehrt wird jedoch ein Schuh daraus. Durch die abstrus hohe Mehrwert-Steuer wird jeder Bürger dazu animiert soviel wie es geht im Ausland einzukaufen. Das führt zu zwei Situationen: A) Es wird geschmuggelt das es nur so kracht um dem Zoll zu entgehen B) Durch den Zoll wird die Mehrwehrtsteuer auf das entsprechende Produkt auf das deutsche Niveau (50%) angehoben.

Gehen wir mal davon aus das die meisten Bürger ehrlich sind (haha...) und ihren Zoll zahlen. Da die Produkte jedoch im Ausland noch nach dem "alten" Konzept hergestellt werden (=teurer, angeblich) wird deren Preis durch den Zoll in eine Höhe getrieben die in keiner Relation mehr steht und für den Durchschnittsbürger schlicht unerschwinglich wird.

Das Ende vom Lied ist das die Bürger de facto gezwungen werden Produkte aus dem eigenen Land zu konsumieren. Was sich auf den ersten Blick prächtig anhört wird innerhalb kürzester Zeit zur Katastrophe. Jedes Produkt, vom Schuhriemen bis zum technischen Spezialgerät wird so exorbitant teuer für die importierende Wirtschaft das sich Deutschland damit in kürzester Zeit selbst zum Krüppel schlägt.

Was bleibt uns als Lösung? Vielleicht die anfangs erwähnte Mauer um Deutschland drum herum. Da könnte man eventuell mal einige ältere Herrschaften im Osten oder auch die "Regierung" von Nord-Korea fragen, ich habe gehört die haben mit solchen Systemen gute Erfahrungen. Oder aber wir erstellen eine monumentale Streichliste für Güter die von der Mehrwehrtsteuer beim Import befreit sind. Guten Morgen Bürokratie und Staatliche Kontrolle der Wirtschaft.

Ich könnte so noch endlos weiter machen, alleine der Spruch mit dem Gelddrucken ist ein Schlag ins Gesicht von 200 Jahren Wirtschaftsforschung und Erfahrung. Arbeit ist genug für alle vorhanden, die Menschen müssen eben nur ihre eigene Produktivität steigern. Das geht nur über Bildung und noch mehr Bildung. Ich habe bisher noch keinen einzigen getroffen der wirklich was auf dem Kasten hatte und Probleme hatte einen Job zu finden (vielleicht wars nicht der Wunsch-Job...aber irgendwas ging immer). Allerdings habe ich viele getroffen die sich lieber in der Schulzeit vor die Glotze gehängt haben. Resultat sollte bekannt sein.

/EDIT:

Und den Einwand das man mit dem tollen "neuen" System in Deutschland ja alles so viel billiger produzieren könnte um somit das Import-Problem zu umgehen - den könnt ihr euch gleich stecken. Denn auch wenn Deutschland Export-Weltmeister ist gibt es genug Produkte die wir aufgrund fehlender Technologie, Infrastruktur oder Resourcen nicht herstellen können.

//EDIT2:

Der einzige Weg um das Arbeitslosenniveau dauerhaft niedrigzuhalten ist die permanente Steigerung der Produktivität des einzelnen durch Fortbildung. Die Leute müssen erkennen das man eben nicht mehr nach der Devise leben kann 5x die Woche sieben Stunden sich in der Fabrik ans Band zu stellen und danach die Füsse hochzulegen. Unser Leben in der Zukunft wird ein einziger langer Lernprozess sein, wo nur die überleben die nie aufhören zu lernen und damit an der "cutting edge" der eigenen Produktivität bleiben. Da jedoch ein Teil (wie gross der ist sei mal dahingestellt) der Bevölkerung das so nicht kapiert muss eben Druck ausgeübt werden in der Form von Arbeitslosigkeit. Diese Art von Animation fällt bei dem "neuen" System völlig unter den Tisch was ich ebenfalls als brandgefährlich erachte im Hinblick auf die Konkurrenz mit anderen Staaten.
 
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Morgoth

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Zitat von Daria:
Bei so viel hanebüchenem wirtschaftlichen Unsinnn
Na, dann spiele ich den Ball gleich mal wieder zurück:

Durch die abstrus hohe Mehrwert-Steuer wird jeder Bürger dazu animiert soviel wie es geht im Ausland einzukaufen.
Warum denn das? Ich habe doch geschrieben, dass die Produkte in Deutschland dadurch nicht teurer werden. Warum sollte man dann also im Ausland kaufen?

Gehen wir mal davon aus das die meisten Bürger ehrlich sind (haha...) und ihren Zoll zahlen. Da die Produkte jedoch im Ausland noch nach dem "alten" Konzept hergestellt werden (=teurer, angeblich) wird deren Preis durch den Zoll in eine Höhe getrieben die in keiner Relation mehr steht und für den Durchschnittsbürger schlicht unerschwinglich wird.
Auf ausländische Produkte ist jetzt schon Mwst und Unternehmenssteuer drauf, dazu noch die Lohnkosten des Importeurs, Inlandstransport, etc.. Für den Endkunden dürfte sich nicht viel ändern, denn bis auf die Mwst fällt ja alles weg und wird in dieser zusammengefasst.

Ich könnte so noch endlos weiter machen, alleine der Spruch mit dem Gelddrucken ist ein Schlag ins Gesicht von 200 Jahren Wirtschaftsforschung und Erfahrung.
Zwischendrin gab es mal einen, der hieß, ich versuche mich zu erinnern, John Maynard Keynes, der hat genau das postuliert.

Deswegen haben wir 5 Mio. gemeldete Arbeitslose, deswegen gibt es weltweit Mrd. Menschen die keiner Lohnarbeit nachgehen. Deine Aussage scheint nicht ganz zu stimmen...

die Menschen müssen eben nur ihre eigene Produktivität steigern.
Der Mensch kann nur begrenzt produktiv sein, um das Maximum zu übersteigen braucht es Aufputschmittel.
Außerdem ist das ein Kampf gegen die Maschinen, den wir nicht gewinnen können.

Das geht nur über Bildung und noch mehr Bildung.
Bildung ist teuer, und soll nach Meinung einiger - und ich glaube, Du gehörst auch dazu - noch teurer werden. Da ist es ja ganz toll wenn man nur durch Bildung, die man nicht bezahlen kann, seine Produktivität steigert um einen Job zu bekommen, mit dem man dann die Bildung bezahlen kann.

Ich habe bisher noch keinen einzigen getroffen der wirklich was auf dem Kasten hatte und Probleme hatte einen Job zu finden (vielleicht wars nicht der Wunsch-Job...aber irgendwas ging immer).
Du kennst nicht so viele Leute, oder? Und was heißt eigentlich "nicht der Wunsch-Job"? Den Doktor gemacht und dann beim Mäcces in der Küche stehen?

Allerdings habe ich viele getroffen die sich lieber in der Schulzeit vor die Glotze gehängt haben. Resultat sollte bekannt sein.

Der einzige Weg um das Arbeitslosenniveau dauerhaft niedrigzuhalten ist die permanente Steigerung der Produktivität des einzelnen durch Fortbildung.
Das wird uns seit Jahren erzählt und praktiziert. Gebracht hat es nichts.

Die Leute müssen erkennen das man eben nicht mehr nach der Devise leben kann 5x die Woche sieben Stunden sich in der Fabrik ans Band zu stellen und danach die Füsse hochzulegen.
Mach doch mal den Selbstversuch: stell Dich 5 Tage die Woche 7 Stunden ans Fließband und geh dann in irgendeine Fortbildung. Mal sehen wie lange Du das aushälst.

Der Rest: neoliberaler Nonsens. Wo lernt man den Schrott?

Übrigens gibt es ein ganz einfaches Mittel, um die Produktivität zu steigern: Arbeitszeitverkürzung. Habe ich schonmal geschrieben, da wurde wieder auf die Barrikaden gegangen. "Geht doch nicht", "zu teuer", "lächerlich". Tja, ich sags nur ungern, aber das wurde Anfang des letzten Jahrhunderts empirisch belegt, als einige Arbeitgeber feststellten, dass es keinen Zweck hat, die Arbeiter bis aufs Blut auszunutzen sondern ihnen genügend Erholugsphasen gewährt. Die verkürzten die Arbeitszeit und schon ging ihre Produktivität in ungeahnte Höhen.

Aber das will ja scheinbar niemand.

Gruß
Morgoth
 
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