Weil das immer noch nicht von jedem hier verstanden wurde, fasse ich nochmal zusammen:
Es ist jetzt schon mehrfach danach gefragt worden, ob onboard Sound gravierende Nachteile gegenüber einer dedizierten Lösung habe. Die Antwort lautet: Es kommt darauf an.
Was macht eine Soundkarte eigentlich? Ihre Primärfunktion ist, den digitalen Audiosignalstrom von der Festplatte in einen analogen Audiosignalstrom zu übersetzen, den dann die Boxen verstehen können. Das macht sie mit dem DAC, dem Digital-Analog-Converter. Diese Funktion haben alle Soundkarten, auch die billigsten. Natürlich können das die dedizierten Soundkarten viel besser als die onboard-Lösungen, da erstere A) hochwertigere Bauteile benutzen und B) umfangreiche Maßnahmen einleiten, um die Spannungen zu filtern / zu glätten / zu regeln. Das was da nämlich auf einem Mainboard unterwegs ist, ist in hohem Maße versaut.
Weitere Funktionen einer Soundkarte sind das Soundprocessing. Das ist nichts anderes als Rechenpower, mit welcher der Sound manipuliert werden kann. Das kann man natürlich auch der CPU überlassen, andrerseits sind die Soundchips hoch spezialisierte Signalprozessoren und können deshalb das meiste immer noch etwas schneller und besser erledigen, als die Universalmaschine CPU. Unter Vista ist es aber nur mehr vorgesehen, dass die Soundkarte die niederen Dienste der Signalwandlung vornehmen soll, während das Soundprocessing die CPU erledigt (das ist bei aktuellen Mehrkernprozessoren ja auch ganz sinnvoll). Somit sah sich Creative Labs gezwungen, dies mit einer trickreichen Software zu umgehen, da sie nach wie vor Soundprozessoren verkaufen möchten.
Fazit für die Gamer:
Möchte man die proprietären Raumklang-EAX-Effekte genießen, dann braucht man eine Soundkarte mit Creative-Chip und muss diese zwingend analog mit dem Receiver (oder den Aktivboxen) verbinden.
Auch für die anderen, die zwar auf EAX, aber nicht auf Mehrkanalsound verzichten können, bietet eine separate Soundkarte Vorteile, da bei analoger Verbindung der geringwertigere DAC der onboard-Audiolösung die hörbare Qualität reduzieren kann. Ersatzweise kann man die Encoding-Funktion moderner onboard-Codecs nutzen (z.B: Realtek 889), mit der man in Echtzeit einen 5.1-Signalstrom erzeugen kann (DTS-Interactive) und diesen dann digital zum Receiver senden (der dann DTS dekodieren können sollte). Dann benötigt man keine extra Soundkarte und umgeht den DAC der onboard-Lösung. Aber Achtung (dies habe ich im Bericht nicht gelesen): Natürlich ist dieser DTS-Stream verlustbehaftet, weil komprimiert. Er entspricht qualitativ also nicht mehr dem Ausgangsmaterial (ob man das hört, ist eine andere Frage).
Für die Nicht-Gamer:
Wenn die Verbindung zwischen Soundkarte und Receiver digital geschieht, dann ist die "Qualität" der Soundkarte wie oben ausgeführt unerheblich. Der digitale Strom an Audioinformationen wird von der Soundkarte idR. nicht angetastet (manche Soundkarten resampeln ungefragt) und an den dafür meist wesentlich besser geeigneten Receiver weitergeleitet. Es ist also prinzipiell wurscht, welche Soundkarte im Rechner ist.
-> Und eine digitale Verbindung macht in der Praxis auch Sinn, da eine digitale Schnittstelle 2 unkomprimierte Kanäle (Stereo) oder ein AC3-Signal (6 komprimierte = verlustbehaftete Kanäle) zum Receiver senden kann, also alles was man so in der Realität abseits der Games (und Audio-DVDs) antrifft.
Im ersteren Fall liegt die Musik ja als Stereo vor (hier wäre noch darauf zu achten, in der Software die Ausgabefrequenz auf 44.1kHz zu stellen, denn sonst resampelt die Soundkarte den Datenstrom, und das macht's generell nicht besser). Stereo mit mehr als 2 Boxen hören zu wollen, halte ich persönlich für fürchterlich. Da geben sich nämlich eine ganze Menge Leute (Tonmeister) sehr viel Mühe, Musik so aufzunehmen und abzumischen, dass ein realer, unverfälschter Eindruck der Bühne entsteht. Und die Bühne ist nun mal vorne, nicht um einen herum, der Direktschall muss also von vorne kommen. Das Thema ist übrigens alles andere als trivial. Lesetip:
http://www.sengpielaudio.com
Bei einem AC3- oder DTS-Signal reicht die Bandbreite auch, da diese Signale verlustbehaftet komprimiert sind. Bei höherwertige Lösungen wie Dolby TrueHD wird die zeitliche und die Werteauflösung bei der AD-Wandlung eines analogen Signals erhöht. Der Schritt von 16Bit auf 24Bit bleibt für mich nicht nachvollziehbar (unhörbar), bei der von 48KHz auf 96KHz könnte man evtl. mit flacheren Filtern bei der Digitalisierung argumentieren, aber auch das ist eher theoretisch. Auf gut Deutsch: Den Unterschied zu gemeinem DD hört keine Sau, zumindest keine die ich kenne. Braucht man also auch nicht.
Nochmal zum Raum: Tatsächlich ist der Raum der wichtigste Einflussfaktor des Hörers (da er eine vermurkste Aufnahme nicht beeinflussen kann, höchstens durch Nicht-Konsumieren). Der ideale Raum hat keine Wände, Decke, Fußboden. Das alles sorgt für Schallreflektionen und verfälscht den Klang. Da wir aber selten so viel Platz haben, um für ideale Voraussetzungen zu sorgen, sollten wir alles tun, um aus dem Gegebenen das Optimum rauszuholen. Also:
- Stereoboxen an die lange Seite des Raumes stellen (leider ist in vielen modernen Reihenhäuschen / Wohnungen der Wohnraum tiefer als breit)
- Nachhallzeit des Raumes verringern. Also schallharte Flächen im Raum vermeiden (alles was glatt ist, Parkett, glatte Wände, Bücherregale mit Türen usw.). Hört nicht auf eure Frauen: Glatte, durchgestylte Wohnzimmer sind akustisch der Tod! Je mehr "Kruschd" rumsteht, desto besser. Teppich im Hörbereich (optimalerweise auch hinter der Couch an der Wand), zerklüftete Strukturen an den Wänden (offene Bücherregale). Schallharte Fensterflächen durch Gardinen verhängen. Eierkartons an die Decke!

Das alles hat mehr Einfluß auf den Sound als teure Boxen, geschweige denn so ein Nonsens wie dicke Kabel.