Heute schreib ich 10 Sprachen total im Schlaf, weiter 5-10 ohne große Anstrengung und überlegung. Klar können das bestimmt auch andere, aber so schnell macht mir das nicht jeder Student nach...
... bemerkenswert, wenn jemand dies alles kann.
"So schnell macht mir das kein Student nach!" -> Das mag sein, allerdings zeugt diese Aussage von der blanken Unkenntnis über die Inhalte und Gegenständlichkeiten eines Informatikstudiums.
Ziel ist es sich ein Arbeiten auf wissenschaftlichem Niveau anzueignen. D.h. nicht bei jedem Problem zu versuchen das Rad neu zu erfinden, sondern die Faehigkeit zu besitzen zu recherchieren was es bereits im gewünschtem Gebiet gibt, dieses Wissen vorstellungsreif aufzubreiten, qualitativ zu referrenzieren und darzustellen. Das Ganze muss in die gegebene Aufgaben-/Problemstellung eingebettet werden und stimmig sein.
Nicht umsonst schreibt der werdene Student eine Diplomarbeit.
Es geht nicht darum ein Produkt XYZ (DB2, Oracle, EJB, Halcon, o.ä.) aus dem FF zu beherschen. Es geht darum eine Vorstellung über effiziente Arbeitsweisen und das strukturierte Herangehen an Problemstellungen zu bekommen.
Namen sind Schall und Rauch, Sprachen kommen und gehen - die Prinzipien, die bleiben. Mein Vorstellungsgehalt liegt um die 35k-42k. Das ist ein realistisches Maß - ich weiss ja, was andere Studenten, die bei uns fertig geworden sind für Angebote bekommen haben.
- Wie werden Projekte angelegt?
- Wie sehen die frühen Phasen der Softwareentwicklung aus?
- Wie wird Dokumentiert, welche Tools gibt es, welche Paradigmen?
- Was sind die Knackpunkte beim Design einer Datenbank / Datenbanksoftware
- Warum lohnen sich welche Indizes, welche Joinalgorithmen werden egtl unter der Haube gefahren, wie sehen die aus? Wie pass mich daraufhin am besten das Datenbankdesign an?
- Welche Sperrprotokolle gibt es für synchronen Zugriff? Warum reicht das 2PLP für viele Sachen aus, aber eben nicht für alles? Wann lohnen sich hierarchische Ansätze
- Wie sehen Komplexitätsabschätzungen dafür aus?
Das alles sind Fragen, mit denen sich ein Fachinformatiker in seiner Ausbildung NICHT herrumschlägt. Natürlich fällt mal der ein oder andere Begriff (Was ist ACID, usw usf) aber es ist nicht die Basis die in dieser Ausbildung gefestigt wird. Dort geht es darum wie man vorhandene Technologien anwendet, wie die Netzwerkintegration usw aussieht. Das sind auch alles wichtige Komponenten und man muss das alles können. Nicht umsonst lästern jene Fach(!)kräfte zugern über die Fach(!)idioten, die von der Hochschule kommen. Geballte Köpfe voll mit theoretischen Inhalten. Natürlich fehlt da die Praxis - nicht jeder ist in der Lage neben dem Studium einen 20h/Woche-job zu fahren.
Dennoch sind es jene Leute die gesucht sind und jene Leute die Rar gesäht sind. Es tut mir leid, wenn ihr (Fachinformatiker) euch durch diese Worte gekränkt fühlt. Aber wir reden hier nicht über eine andere "Liga", sondern über eine Qualifikation auf einer ganz unvergleichbaren Stufe.
Von daher schließend: Schön, wenn ihr soviele Sprachen beherscht. Ihr werdet in der Umsetzung mit Sicherheit auch gebraucht. Wie etwas allerdings umgesetzt wird - das entscheidet wer anders. Ratet mal, wer das sein wird? ;-)
Btw.: Ich studiere an der HUB Informatik. Es ist ein Diplomstudiengang, ich bin im 9tem Semster und werde vermutlich im selbigem fertig. Soll heissen ich habe es in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Die Abschlussnote wird vermutlich eine 1.3 und ich arbeite seit nunmehr 2 Jahren 20h/Woche nebenher an einem recht bekanntem deutschlandweitem Institut in der Softwareentwicklung für Echtzeitbildverarbeitung. Jeden Tag merke ich aufs neue, was ich alles noch nicht kann und bin trotzdem immer wieder überrascht, wie mir das erlangte Wissen aus dem Studium immer wieder zuspielt. Ich bin gespannt wie sich die Joblage für mich entwickelt, Sorgen mach' ich mir ersteinmal keine.