Bürgerversicherung, gut oder schlecht?

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kronen

Lieutenant
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Ich habe neulich beim Arzt ein Infoblatt gelesen von der Privaten KK wo es um die Bürgerversicherung ging.
Das las sich grauenhaft. Es stand dort im Grunde, dass bei der Bürgerversicherung (BV) alles zentralisiert wird.
Der Patient wird absolut gläsern. Daten werden zentral gespeichert. Die Ärzte sollen nicht mehr in der eigenen Praxis
arbeiten, sondern irgendwo angestellt sein. Der Patient bekommt diktiert zu welchem Arzt und zu welcher Apotheke er
gehen muss und der Arzt bekommt vorgeschrieben wann der Patient krank ist und wann nicht.
Das klang echt wie in einem schlechten Film. Jetzt frag ich mich natürlich ob das wirklich so krass ist. Was ist denn euer
Wissensstand zur BV? Aber ich schätze mal kaum, dass die BV wirklich Vorteile bietet und dann quasi alles gut wird und
jeder aus der GKV plötzlich ne super Medizin bekommt so wie heute die Privaten. Das kann ich mir echt nicht vorstellen.
Da kann ich mir doch eher schon vorstellen, dass die BV eher noch schlimmer ist und es keineswegs besser wird dadurch
weder für die GKVler noch für die PKVler.
 

Lars_SHG

Fleet Admiral
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neulich beim Arzt ein Infoblatt gelesen von der Privaten KK
Bei der geplanten Bürgerversicherung geht es darum, den gesetzlichen Krankenkassen zu helfen und die privaten etwas mehr an die Leine zu nehmen und auch mal die Lasten gerecht zu verteilen!
Hier gibt es verschiedene Ansätze der Parteien.

So, jetzt schauen wir mal was Du wo gelesen hast, aha, "beim Arzt" "von der privaten KK" - jetzt folgen wir logisch, hier soll wie immer mit übertriebenen, nicht richtigen Argumenten eine Stimmung erzeugt werden und ein Thema aufgegriffen werden, was die Lobbyisten derzeit massiv bearbeiten!
Auch gut zu sehen beim "Lobbyverband FDP", der derzeit wiedermal 1:1 die Stimme der Industrie ist und für eine schnelle Mark gerade mal wieder Haus und Hof anderer verkaufen möchten!

Anyway, lies eher neutrale Berichte darüber und mach Dir Dein eigenes Bild, das was Du gelesen hast ist nicht ernst zu nehmen.
 
O

Onkelhitman

Gast
...und der Arzt bekommt vorgeschrieben wann der Patient krank ist und wann nicht.
Aber ich schätze mal kaum, dass die BV wirklich Vorteile bietet und dann quasi alles gut wird und
jeder aus der GKV plötzlich ne super Medizin bekommt so wie heute die Privaten. Das kann ich mir echt nicht vorstellen.
Du warst doch derjenige, der in seiner Kindheit in der privaten Krankenversicherung war oder? Ich meine mich da an ähnliche Threads erinnern zu können.

Die BV ist.... unnötig. So einfach kann man das gesamte Thema zusammenfassen. Es gibt genug Menschen die für die gesetzlichen Krankenkassen Geld ausgeben, es kommt genügend Geld rein. Das sieht man immer wieder an den "Überschüssen" die letztes Jahr in den ges. Krankenkassen vorhanden waren. Jetzt könnte man, so wie ich, sagen, dass die gesetzlichen Krankenkassen NOCH MEHR Geld HÄTTEN, wenn dort ALLE Menschen in Deutschland gesetzliche PFLICHTversichert wären. Ohne Deckelung würe sich eine enorme Summe bilden.

Man müsste aufhören etwas diktieren und umlegen und Medizin vorschreiben zu wollen, sondern damit anfangen Krankheiten zu behandeln anstatt sie aussitzen zu lassen oder einfach "auf gut Glück" mit Medis behandeln.

Ironischerweise ist das, was ca. 90% aller Ärzte machen: Schätzen und raten.

Dabei geht es ansich nur um Wahrscheinlichkeiten: Patient hat Grippeähnliche Symptome. Also wird die Wahrscheinlichkeit dafür berechnet, was es sein könnte OHNE die wirkliche Ursache zu kennen. Es werden kaum richtige Untersuchungen gemacht bei der man dann GEZIELT versuchen könnte den Patienten zu heilen. Stattdessen kommste mit Medis heim (manchmal auch mit nem grünen Rezept). Wirds dann schlimmer, wieder hin: Ach das wars dann noch nicht. Gehse mit Medis heim (Zuzahlung, nachdem du die sinnfreien grünen Gefressen hast). Jetzt wirds vielleicht besser. Evtl. nicht. Wenn nicht, wirst du dann von deinem Arzt weitergeleitet an "Spezialisten".

Dieses ganze Prozedere lässt sich auch anders lösen. Ich gehe zur Krankenkasse zum "Wahl-Arzt-Maten" tippe dort auf dem Bildschirm meine Symptome an und bekomme die 10 häufigsten Krankheiten die darauf passen angezeigt, deren Behandlungsmethode mit den "grünen" und dann wenns schlimmer wird direkt welche anderen Medis. Wenn ich das dann genommen habe, kann ich zum Arzt. Ist genau dasselbe. Nur mit weniger Wartezeit.

Wir haben meiner Meinung nach zu wenig Ärzte, und zuviele Einnahmen der Ärzte durch Privatpatienten. Auch kann ich nicht verstehen wie jegliche Haftungen bei Operationen etc. einfach abgelehnt werden können. Hat ein Arzt denn KEINE Sorgfaltspflicht? Wenn der Elektriker den Patientenstul durch ein Gerät unter Strom setzt, ist er auch haftbar zu machen, ein Ärztepfusch nicht? Da muss man ellenlange Formulare unterschreiben, warum?

Und dann noch ein weiterer Punkt. Du gehst zum Arzt, vorne an der Rezeption wirst du gefragt: Was haben Sie denn? Du erzählst also deine Lebensgeschichte, kriegst nen Termin. Sitzt da und wartest. Kommst ins Behandlungszimmer. Dort kommt eine Helferin rein: Was haben sie denn? Wieder dieselbe Story mit der Hoffnung dass das auch irgendwie mitgeschrieben wird. Und dann kommt der Arzt rein: Guten Tag, was haben sie denn?

NEN SCHLECHTEN TAG HAB ICH! Bin ich ne Platte oder so? Wofür habe ich den anderen Pfeiffenköpfen erzählt was ich habe, wenn ich sowieso gefragt werden? Oder welche Medikamente ich nehme? Wieso steht auf dem Computerbildschirm was ich habe, aber ich muss es nochmal erzählen? Wieso komme ich zu einem "nachgucktermin" und der Arzt fragt: Warum sind Sie hier?
Ich habe einmal mit: Ich weiss es nicht, sagen Sie es mir. geantwortet. Der Arzt war erst verblüfft, dann guckte er nach, war dann verärgert und teilte mir seinen Unmut mit, er, der arme Arzt, hätte ja keine Zeit sich das durchzulesen.
Habe ich ihn gefragt, ob er denn wenigstens bei seinem Studium aufmerksam gelesen hätte, ansonsten sähe ich ihn nicht in der Lage mich ausreichend zu behandeln. Welch eine Inkompetenz.

Man mag ja wirklich noch meinen das wären arme Kerle/Kerlinnen. Aber wer dann mit genügend Gehalt mit nach hause nimmt, und dann die Anamnese nicht lesen kann... Und das sind bei weitem nur Einzelfälle.

Und kein einziger Fall davon wird durch eine Bürgerversicherung besser. Eher noch schlechter. Das bedeutet nur, dass unser jetziges schon gut ist, aber eben immer noch genügend Lücken hat. Man sollte endlich mal wieder Krankheiten behandeln und das Geld dafür auch ausgeben anstatt überall jeden Cent zu drehen und so die Leute krank wieder nach hause schicken.
 

diRAM

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