Der Kommunismus Nordkoreas

Dusa01

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Nordkorea ist wiedermal auf der politischen Bühne in aller Munde. In der letzten Woche flatterten immer wieder Besorgnis erregende Meldungen durch die Medien. Dargestellt wird dieses Land als waffenstarrendes kommunistisches Bollwerk, das alles und jeden den Krieg erklärt.
Klar kann man nicht mit den Drohungen und Anfeindungen gegen Südkorea einverstanden sein, oder den Atomwaffentest ignorrieren. Die Ereignisse der letzten Woche sind aus internationaler Sicht eine ganz klare Bedrohung der Süd-Ost-Asiatischen intigrität.
Aber jetzt schaut euch mal an wie absurd der Kommunismus in diesem Land von den Kadern aufrecht erhalten wird. Der Film spiegelt fast schon die Propaganda des Orwells 1984 wieder. Da werden bei der Ernte auf den Feldern die dauerbeschallt mit Propagandaliedern, oder das Radio daheim kann man nicht ausschalten sondern nur leiser stellen, damit unterschwellig die Leute dauermanipuliert werden können.
Kaum zu glauben wie naiv viele der im Film gezeigten Leute sich darstellen, sich natürlich keine Blösse vor einer Kamera geben.
Grotesk, wie effezient die Militärdiktatur mit surreal anmutenden Mitteln und dem perfekten Überwachungsstaat die Menschen dort einschüchtert.

Hier der Film in 5 Teilen:

http://www.youtube.com/watch?v=ScNMPliM9a8
http://www.youtube.com/watch?v=k7Qe58TS37U&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=lLrqgUE44mQ&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=Bmd6Ex8wQUQ&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=1cFaFNBrkQo&feature=related
 

LeChris

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Ich will dir ja nicht den Wind aus den Segeln nehmen, aber: die Bedrohungslage hat sich nicht geändert. Es ist schon haaresträubend, wie die internationale Presse und Diplomatie auf die Innenpolitik Nordkoreas reagiert. Ja, da eben stand Innenpoilitik. Kim Jong Il ist gesundheitlich am Ende und es muss die Nachfolge geregelt werden. Neben der Politikkaste um die Familie Kim gibt es natürlich noch das Militär als zweiter Machtfaktor. Diesem müssen Zugeständnisse gemacht werden - zumal es zu vermuten steht, dass der jüngste Sohn inthroniert werden soll. Da ist es nur ein willkommener Bonus, wenn man später gegen die x-te Abschaltung des Atomwaffenprogramms noch Geschenke entgegen nehmen kann.
 

HappyMutant

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Oh gut, dann muss man sich ja keine Sorgen machen, alles Innenpolitik.

Nun mag sein, dass man aufgrund von Gerüchten über Gesundheitszustände und dem Begehren der Militärs hier nun auf Innenpolitik schließen sollte und sich absolut nichts geändert hat. Fragt sich nur, worauf die "Innenpolitik" ausgerichtet ist. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Machthaber selbst kein Interesse haben, ihre theoretische Bedrohung auch mal kurz unter Beweis zu stellen, so ist das keine Garantie fürs Militär. Das ja nun rein zufällig schon einen zahlenmäßigen Machtfaktor darstellt, zumindest wenn es um die Verteilung eben jener Macht im Inneren geht.

Bleibt doch festzuhalten, dass sich die Lage sehr wohl geändert hat, hat man nämlich erstmals einen funktionierenden Atomsprengkopf gezündet, was man nicht mehr mit herkömmlichen Bomben erklären kann, so wie man es beim letzten Versuch noch teilweise zu lesen bekam.

Und zweitens hat man auch den Willen gezeigt Raketentests und Bombenzündung möglichst zeitnah durchzuführen. Inwiefern hat sich die Bedrohungslage also nicht geändert. Mag sein, dass dies vorallen der Innenpolitik geschuldet ist, aber die Logik dahinter ist ja gerade die Bedrohung zu erhöhen. Inwieweit sind Zugeständnisse ans Militär also keine Änderung der Lage, wenn man dazu noch davon ausgeht, dass das Militär nicht ohnehin längst die Fäden in der Hand hält oder es mit dem Interessen des Machthabers nicht Hand in Hand geht...

Nicht anders beschreibst du auch im letzten Satz. Wenn sich die Lage nicht geändert hätte, wenn im Gegenteil eine politische wie militärische Beruhigung ergeben würde, dann gäbe es doch keinen Anlass dort Geschenke zu machen. Ohne neue Machtdemonstrationen, würde der Rest der Welt abwarten, was der interne Machtkampf ergibt.

Nordkorea wird vermutlich zunehmend instabil und gerade das macht die Bedrohung aus. Wie groß die ist, wird man sehne, aber wenn dann kann man davon ausgehen, dass die Diplomatie etwas mehr davon weiß, als die Öffentlichkeit.

______________


Zum Thema der Threaderstellers: Das ist jetzt aber auch nicht so unbekannt. Das Nordkorea sich eigentlich nur noch selbst täuscht, aber im Rest der Welt dagegen als quasi gescheitert da steht, ist denke ich offensichtlich. Als Bollwerk (was ja eine gewisse positive Assoziation auslöst) des Kommunismus ist es sicherlich kaum zu gebrauchen, zumal man sich ja doch schon immer eher einer Diktatur mit massiven Repressalien verpflichtet gefühlt hat. Klar wird das als Kommunismus im Lande verkauft, denn nur mit Ideologie (oder Religion) kannst du den Leuten eine bessere Zukunft versprechen, für die sich das Leiden ja lohnt.

Das die Mittel grotesk sind, die Bevölkerung weder die Kraft noch Muße hat sich einer Revolution zu widmen, muss man auch so festhalten. Dazu muss auch gesagt werden, dass jeder Ausländer in Nordkorea, aber speziell Filmteams von offizieller Seite begleitet werden. Das heißt es werden nur ausgesuchte Plätze aufgesucht, es werden ausgesuchte Leute vor die Kamera gestellt und Leute die wissen, dass man nicht das falsche vor einer Kamera sagen sollte.

Das Irre ist, dass selbst diese gefilterte Sicht für uns extrem erscheint. In der Logik der Machthaber stellen sie noch ein gewisses Ideal dar.
 
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LeChris

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Die "Geschenke" sind der Status Quo - das ist kein Merkmal einer Änderung. Mehr hat die internationale Gemeinschaft nicht in der Hand. Als Druckmittel könnte eine UN-Resolution bestenfalls noch eine totale Blockade Nordkoreas zum Gegenstand haben, da wird aber China schon aus Eigeninteresse Veto einlegen.

Der internationale Umgang mit Nordkoreas Staatsführung ist seit Jahrzehnten kaum zielführend. Immer wieder gibt es "Hilfslieferungen" im Gegenzug zu zeitlich begrenzten Minizugeständnissen von einem Herren Kim. Was haben wir jetzt: ein Nordkorea mit Raketen aller Größen, die zumindest mal abheben und irgendwo halbwegs gewollt hinfliegen. Ein Nordkorea, was einen Haufen Uran in einem Berg verbuddeln kann und nun im 2. Anlauf das auch zur Kettenreaktion bringt. Im Gegenzug zur offenbar gewünschten Panikmache ist das noch kein Problem: erst wenn aus dem Uran Plutonium wird, statt tief im Berg sich plötzlich auf einer Rakete wiederfindet: dann gibt es ein Problem. Egal ob stabile und instabile Diktatur.

Den passenden Reaktor hat Korea immer noch - mit funktionierendem Einschalter. Da hilft es auch nicht, wenn ein Diplomat meint mehr zu wissen als andere.

Hier nochmal ein paar - mehr oder weniger gut bestätigte - Fakten (eigener Kommentar in Klammern):

Einwohner: ca. 24 Millionen (nicht viel)
aktive Soldaten: ca. 1,2 Millionen (wohl nur von China übertroffen)
Reservisten: ca. 4,7 Millionen (auch eine stolze Zahl - damit dürfte der Großteil der Männer in wehrfähigem Alter mit dem Militär verbunden sein)
Militäretat: umgerechnet ca. 5 Mrd US-$, ca. 25% des BSP (vergleichsweise winzige Summe)
Präsident: Kim Il-Sung (ja genau der Vater von Yong, nicht mehr ganz lebendig)
Listen-Status: kein Schurke (lol)

Der aktuelle Kim steht allerdings dem Verteidigungskommitee vor und ist als Befehlshaber der Armee inzwischen zumindest moralisch der wichtigste Mann im Staat. Klingt für Außenstehende komisch, ist aber offenbar so. Die durch den Kernspaltungsexplosionstest (ich vermeide die Bezeichnung "Bombe"!) nicht wesentlich geänderte Situation sieht wie folgt aus:

- eine Kaste um die Kims lässt es sich gut gehen
- es wird eine konventionelle Angriffsarmee zahlenmäßig beeindruckenden Ausmaßes mit anzunehmend bescheidener Qualität unterhalten
- die Armee ist größtenteils der Staat und rebellieren wird hier keiner
- der Rest hungert und/oder ist in Lagern (vermutlich eine 6-stellige Zahl an Leuten interniert/inhaftiert, wohl auch KZ-ähnliche Bedingungen...)

Es steht die Frage im Raum, ob man sich dadurch wie bisher weiter beeindrucken lässt. Südkorea ist hier am Zug: bei einem heißen Konflikt trägt man ja das größte Risiko. Bis Anfang 2008 hatte man sich noch angenähert. Die neue Regierung fährt eher einen harten Kurs zu Nordkorea. Die zwischenzeitlich möglichen Reisen sind wieder unmöglich und die "NVA" (:D - OK: KVA) lässt die Uran-Säbel rasseln. Logische Konsequenz vom Druck von außen und Selbstärkung nach Innen im Nachfolgekontext Kim. Weitermachen bis Nordkorea wirklich den LKW inklusive Plutoniumrakete und elektrischen Fensterhebern präsentiert?
 
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HappyMutant

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Aber was hältst du dann für ein Vorgehen für sinnvoller, wenn ich doch hier neben den ja unbestrittenen Fakten eine deutliche Kritik rauslese.

Das Nordkorea das Spielchen der letzten Jahrzehnte weiterspielt ist sicherlich deutlich, nur mangels Verbündeter (auch China ist allenfalls politisch noch dazu bereit Zugeständnisse zu machen) fährt man immer weiter in eine totale Verarmung. Der Vergleich zu afrikanischen Staaten ähnlichen Musters kann man ja durchaus ziehen, irgendwann ist die Infrastruktur komplett am Ende, die Führungsriege beutet sicherlich solange aus, wie es geht. Natürlich nutzt man auch die innenpolitischen Probleme Südkoreas um Druck auszuüben und weiter Legitimation zu erhalten. Das die Nordkoreaner mit ihrer Armee allenfalls durch Masse noch beeindrucken, auch das ist sicherlich so.

Aber den Willen zum Dialog erkennt man nicht, die militärische Option werden weder die USA, noch die asiatischen Partner ziehen wollen. Schon alleine um China nicht zu vergrätzen, aber sicherlich auch wegen der Angst vor einen Angriff auf Südkorea.

Aber ich muss dir einfach widersprechen was die Bedrohungslage angeht. Mag sein, dass die theoretischer Natur ist, aber auch du siehst ja das die neuerlichen Tests nur einen Zwischenschritt darstellen. Ein totales Embargo, so China den dem überhaupt zustimmen würde, wäre allenfalls eine Legitimation für Verzweiflungshandlungen. Ich gehe schon davon aus, dass es den Machthabern ernst genug ist, ihre eigene komfortable Situation (immerhin genießen diese ja durchaus westlichen Standard) zu behalten.

Jedenfalls, das ist meine Meinung, gehen dem Rest der Welt die Optionen aus, zumindest solange Nordkorea keinerlei konstruktiven Dialog in Betracht zieht. Ohne Atombombe im Experimentierstadium sähe das vielleicht anders aus, so möchte aber Nordkorea (und so ist es auch in dem Film von der Bevölkerung zu sehen) keine Kompromisse (mehr) macht. Wirtschaftliche Sonderzonen und Besucherrechte gab es nur solange, wie man sich komplett ohne Druckmittel sah.

Die offizielle Haltung und Indoktrination scheint ja zu sein, das man keinerlei Zugeständnisse macht und das erreichte verteidigt, egal wie offensichtlich dreckig es geht, Hauptsache es geht irgendwie.

Würde es ohne Druck von außen anders aussehen, eine Lösung näher sein? Oder wie sähe eine praktikable Lösung aus? Der "Kommunismus" (der hier ja nichts anderes als ein Stalinismus), bzw. generell die vorgegebene Ideologie, verhindert doch eine Öffnung und schrittweisen Abbau der militärischen Spannungen. Den Kims immer weiter Geld in den Rachen zu werfen, ist auch ein innenpolitisches Dilemma für Südkorea. Die sind in der Wahrnehmung ja die Einzigen die davon profitieren.

Außer einem konventionellem und sicherlich aufgrund der der Erfahrung blutigem Krieg bleiben den USA und Südkorea kaum Druckmittel, wenn man nicht gleichzeitig das Regime festigen will.
 

eulekerwe

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So ist es eben halt auf unserer Welt !!! Aber: die Vergangenheit läßt Hoffnung keimen, dass auch in diesem Fall irgendwann der Knoten platzt und sich das Regime überlebt hat; solange muß man halt versuchen, mit kleinen und kleinsten Schritten dagegen anzugehen,

Wenn wir mal zurückblicken, etwa auf das Regime in der DDR, dann ist es für uns heute doch eigentlich unglaublich, wie sich ein solches Regime dort so viele Jahre gegen Menschen, die wohl alle ihren Verstand auch nicht an der Gaderobe abgegeben hatten, halten konnte; auch gegen alle Einflüsse aus westlichen Ländern. Glücklichrweise hat sich dieses Problem friedlich erledigt, genauso wie das in der Sowjetunion, das mit der spanischen Diktatur, der südafrikanischen, der südamerikanichen Diktaturen (dort zwar teilweise noch in kriegerischen Konflikten, aber von eher untergeordneten regionalen Bedeutungen), usw. usw.

Dies alles läßt doch hoffen, dass auch Nordkorea irgendwann einmal folgt und auch China, das heute zwar für seine Bevölkerung eine erträglichere Form kommunistischer Diktatur praktiziert, ideologisch im Grunde aber auch noch nach wie vor in der Steinzeit lebt.

Natürlich hat keiner eine Garantie, dass im Laufe der Zeit so was wie Nordkorea nicht vielleicht doch in einer Katastrohe enden könnte, aber die Hoffnung stirbt immer zuletzt ..... und Katastrophen können uns auf dieser Welt auch auf andere Weisen heimsuchen, ohne dass wir das ändern können (Erdbeben, Zunamis, Meteoriteneinschläge etc.).

Insofern sollte man Augenmaß behalten, in Ruhe zuschauen, ohne unvorsichtig zu werden, und immer wieder mahnend die Finger in die Wunden legen !
 
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LeChris

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Die Politik der kleinen Schritte, die Kim-"wer-auch-immer" stehts wieder zurück gehen kann, muss beendet werden. Neben Südkorea müssten die USA direkt ein bilaterales Angebot machen: Zerstörung (und nicht Abschaltung) der nuklearen Anlagen. Im Gegenzug gibt es halt freien Handel und wo benötigt zivile Hilfe. Andernfalls halt zunehmende Blockade bis hin zur Sperrung des Schiffverkehrs. Birgt natürlich das Risiko eines offenen Konflikts, Südkorea muss dem also explizit zustimmen. Hier steht auch die nüchterne Frage: lieber jetzt Risiko auf eine "heiße" Phase oder später, wenn Nordkorea wirklich irgendwas brauchbares auf Kernspaltungsbasis in der Hinterhand hat?

Direkt bei den USA heißt auch, nicht irgend einen "Sonderbotschafter" aus dem Keller zu holen, sondern in letzter Instanz müsste sich zumindest Ms. Clinton darum bemühen. Die USA waren sich doch sonst nicht zu schade, mit Diktatoren zu verhandeln?!

Einen friedlichen Umschwung wie in der DDR kann ich mathematisch nicht sehen: 24 Mio. Bevölkerung gesamt, davon wohl 12 Mio. männlich. Davon wiederum vielleicht 6 Mio. voll wehrfähig, also nicht Kind, nicht Greis oder sonstwas. 1,2 Aktive + 4,7 Reservisten sind knapp 6 Millionen...also eine volle Militarisierung. Wer soll da revoltieren? Die Frauen? Die Kinder? Die Greisen?
 

walter09

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Kims Bombe wurde mit Hilfe Chinas und Russlands gebaut, afaik

ich denke, dass die den selben Fehler begangen haben, wie die Amis u.a. mit den Taliban: sie dachten, dass sie ein Monster heranzüchten und dieses wie eine Marionette manipulieren können. Das klappt halt net!
 

HappyMutant

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walter09, mit allem Respekt, aber musst du wirklich jedes Thema so kommentieren? Verspürst du niemals die Lust deine Aussagen auch mal auf Fakten zu gründen? Naja egal.

Was du hier behauptest ist reine Phantasie. Mag sein, dass es stimmt, nur gibt es absolut keine Beweise dafür (die ich kenne, vielleicht hast du da mehr Material). Im Gegenteil, China und der Sowjetunion war an einer kernwaffenfreien koreanischen Halbinsel zumindest in den letzten Jahrzehnten mehr gelegen. Gerade weil ihnen weder an einer weiteren Destabilisierung gelegen sein kann/konnte, noch es den eigenen Interessen hilft, wenn man dort Atombomben platziert.

Auch ist es Tatsache, dass sich Nordkorea selbst sowohl von der Sowjetunion als auch China möglichst distanzierte. Zwar war man wirtschaftlich vom Ostblock und China abhängig, aber gerade innenpolitisch stand der Personenkult im Vordergrund und militärisch eine weitgehende Unabhängigkeit.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkoreanisches_Kernwaffenprogramm
______

Nun zur aktuellen Diskussion.

LeChris, ich stimme dir insofern zu, dass eine weitere Isolation und der Versuch Nordkorea möglichst gar nicht mehr direkt zu verhandeln nicht unbedingt begrüßenswert ist. Und sicherlich waren die Drohgebärden der Bush-Ära, aus denen Nordkorea eine Legitimation für sein Verhalten zieht, ebenso kontraproduktiv, wie die jetzige Politik Südkoreas. Nordkorea genießt aber trotz allem ein großes Interesse der Weltpolitik, selbst wenn es keine direkten Verhandlungen gibt, was ja durchaus öfters auch von den Nordkoreanern sabotiert wurde.

Letztendlich dient vieles in dem Konflikt vor allem der Provokation. Aber man darf auch nicht vergessen, dass sich bei allem entgegenkommen politisch nie etwas verändert hatte. Es ist zwar leicht zu sagen, dass man verhindern solle, dass Nordkorea die gemachten Schritte wieder rückgängig machen kann, nur wie willst du das anstellen. Nordkorea hat seit 25 Jahren quasi allen möglichen Abkommen (unter Druck) zugestimmt, mitunter auch Inspektoren ins Land gelassen und dem Abbau der Anlagen zugestimmt. Nur um es wenige Jahre später immer wieder zurückzunehmen, nämlich dann wenn es ernst wurde.

Aber es ist doch auch so, dass man eher das Volk verhungern ließe, als sich echten dauerhaften Zugeständnisse zu beugen. Das hat man mehrfach unter Beweis gestellt. Letztendlich wird nur ein gemäßigter Nachfolger etwas bewegen können. Militärisch ist Nordkorea zwar schwach aber bei weitem nicht so einfach einzunehmen wie der Irak. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die amerikanische Doktrin derzeit so etwas überhaupt wollte. Totale Blockade und ein heißer Konflikt führen wohl zu Millionen Toten und scheinen deswegen keine Option zu sein. Zumal es nicht nur Südkorea von den USA entfremden würde, es würde auch mindestens den asiatischen Raum in Richtung China treiben. Je nach weltpolitischer Lage auch zu einer massiven militärischen Drohkulisse seitens China führen.

Das Risiko wird als zu hoch eingeschätzt, mit Kim Jong-il direkt lässt sich in Verhandlungen wenig bis nichts erreichen. Die Staatspropaganda fördert den isolationistische und unnachgiebigen Kurs. es ist ja nicht umsonst so, dass der tote Präsident immer noch Staatsführer ist. Sowohl die Machthaber, als auch die Bevölkerung sind auf Erhalt des Status quo ausgerichtet.

Es ist aber immerhin davon auszugehen, dass die Nachfolger aus dem Hause Kim sich durchaus im Ausland für längere Zeit aufhielten und eine eher weltoffene Bildung erhalten haben. Möglicherweise, sollte das Militär nicht die Macht an sich reißen, dass irgendwann das Leid der eigenen Bevölkerung dort zu echten Reformen animiert.

Eine andere Chance sehe ich nämlich nicht. Was aber zwangsläufig dazu führen würde, dass man Nordkoreas solange wechselnd durch Zugeständnisse und Forderungen in Zaum hält.
 
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LeChris

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Wir können, denke ich, davon ausgehen, dass Nordkoreas Handeln auf sein Militär ausgerichtet ist. Kim Yong-Il ist ja nicht die starke Person seines Vaters. Der Kult ist auf ihn ausgerichtet, er bekleidet als Vorsitzender des Verteidigungskommitees und oberster Befehlshaber das formal wichtigste (aus Sicht der aktuellen Doktrin) Amt in Nordkorea. Das ist die Verbindung des Kim-Clans zum Militär, welches seit Kim Il-Sungs Tod faktisch die Machthoheit hat. Deswegen geht die Nachfolge nur mit Zustimmung des Militärs. Deswegen wahrscheinlich die zunehmende Forcierung des Atomprogramms: das Militär sieht hier die einzige Option, auf Augenhöhe mit dem potentiellen Gegner (zunehmend der ganze Rest der Welt) zu kommen.

Mit "heißem Konflikt" meine ich übrigens eher eine Offensive Nordkoreas, nicht anders herum. Sobald man sowohl Anreize als auch Druck erhöhen würde, bestünde halt die Gefahr. In den nächsten Jahren gilt es allerdings insbesondere für Südkorea abzuwägen: bei einer nuklear bestückten KVA wächst die Gefahr exponentiell.

@Dusa01: es ist zu prüfen, ob "Kommunismus" auf Nordkorea noch anwendbar ist. Eine durch Personenkult getarnte Militärdiktatur ist wohl die passendere Bezeichnung der Staatsform.
 

ThomasK_7

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Nur mal so am Rande, es gibt bis heute kein einzigstes Land auf der Welt mit Kommunismus, auch wenn in der westlichen Tagespresse/Rundfunkt/Fernsehen dies immer wieder so geschrieben wird!
Das sind alles nur unterschiedliche Formen des Sozialismus. Kommunismus ist laut eigener Definition der Kommunisten etwas ganz anderes. Sozialismus ist die Vorstufe des Kommunismus und die Verfechter des Sozialismus sind in vielen Fällen Kommunisten, aber die bislang erreichte Gesellschaftsform ist auf jeden Fall kein Kommunismus.

Zum Thema der aktuellen Eskalation: Ich bin bestürzt über die aktuelle Entwicklung und die relative Untätigkeit der großen Staaten. Entweder die trauen Denen militärisch überhaupt nichts mehr zu oder sie lassen es auf einen Krieg ankommen. Für letzteres gäbe es ja zumindest einige wirtschaftlich aktuelle Begründungen. Ich hoffe nur, das sich dies nicht bewahrheiten wird.
 

interactive1

Ensign
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Ich empfinde die ganze Situation als sehr Besorgnis erregend. Weniger die Tatsache das Kim Jong Ill die Muskeln spielen lässt, sondern das seine Nachfolge derzeit unklar ist. Sein ältester Sohn soll wohl in Ungnade gefallen sein und seine anderen Söhne sind wohl zu jung. Derzeit geht man davon aus, das nach Kim Jong Ill eine Militärjunta die Macht übernehmen könnte.

Eine Militärjunta als Atommacht mit 1,2 Mio Soldaten?!

Nordkorea destabilisiert sich selbst und davon geht die größte Gefahr aus. Ich befürchte über kurz oder lang einen Krieg, in dem Millionen Menschen sterben könnten. Nordkorea empfindet sich als extrem stark, vergisst aber, das Masse nicht alles ist und überschätzt sich total. Ich denke, das die 1,2 Mio. nordkoreanischen Soldaten am Ende Kanonenfutter sind. Die zivilen Verluste und die Verluste auf Seiten USA/Südkorea/Japan noch nicht mitgerechnet.

Zur Stabilisierung der Lage müsste China endlich mal den Hintern hochkriegen und seinem Nachbar ganz klar die Grenzen aufzeigen. Solange Nordkorea aber auf Unterstützung der Chinesen zählen kann, wird sich nichts ändern. Wäre dies anders, würde Nordkorea in der Region gänzlich alleine da stehen. Ich glaube dann würde selbst Kim Jong Ill sein Tun nochmal überdenken.
 

Einhörnchen

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Ich denke auch, dass Nordkero an sich militärisch unterlegen wäre. Aber so verpeilt wie dort einige sind würden die die ganze Insel mit Artellieriefeuer und vielleicht sogar Nuklearwaffen hochgehen lassen, bevor sie einen Krieg verlieren.
 

walter09

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Unter dem Vorbehalt das man das von hier aus praktisch nicht beurteilen kann,
den Kim seh ich in der selben Ecke wie den Saddam Hussein, selig. Beides Diktatoren, die der weltlichen Macht und Reichtum erlegen sind. Keine religiösen Spinner. Daher geht auch keine unmittelbare Gefahr von denen aus. Solang die Geld haben, sind sie "friedlich". Der Saddam hat gemerkt, dass man in der heutigen Zeit nicht mehr einfach so andere Länder überfallen kann (Kuweit), und dann hat ers halt sein gelassen. Ich glaub der Kim würde liebend gern andere Länder überfallen, da er sich aber kein reelle Chance ausrechnet, belässt er es bei Drohgebärden, die nix anders sind als Erpressungsversuche. Also, gebt ihm Geld und dann ist wieder ein paar Jahre Ruhe.

Das schlimmste was passieren kann mM: das Kim ne Autombombe an irgendwelche Leute weiterverkauft.


Andererseits, wenn man sich vorstellt in Japan oder Südkorea zu leben, dann wird man die Möglichkeit, das jeden Moment ne Atombombe hochgeht, anders bewerten.
 

Prom07

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Niemand hat Interesse daran Nordkorea Krieg spielen zu lassen, aber noch weniger hat man Interesse dran Nordkorea weiter destabilisiert zu sehen
a.) Was soll Südkorea mit 25 Millionen "bedepperten" (ideologisch verblendeten) Nordkoreanern anfangen, welche nichts nennenwertes mitbringen?
(Bei uns hat ja schon die DDR gereicht > Wirtschaftlich)
b.) China will Nordkorea erhalten damit sich der Machtbereich der USA durch Südkorea nicht weiter ausbreitet (Nordkorea bezieht über 80% seiner Energie von China)

Aber ich denke schließlich doch dass um JEDEN Preis der Bau von weiteren Atomwaffen sowieso der Verkauf von entsprechender Technologie verhindert werden muss.
 

lufkin

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Ich sehe es so, dass weder Nordkorea noch China, noch den USA oder Japan an einem neuen Krieg gelegen ist.
Kim is n Machtmensch, ihm geht es in erster Linie um Geld und den Machterhalt. Er selbst würde die Atombombe daher wohl nicht einsetzten, solange die Amis nicht direkt vor seinem Palast stehen.
Die Gefahr das er sie an andere verkauft, die nicht so große Skrupel haben (religöse Extremisten) ist aber nicht zu unterschätzen.
 

KL0k

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ach, der rasselt mit den ketten.. ich kann mir schwer vorstellen, das der wirklich so blöd is, eine der dinger zu zünden, selbst wenn er da seine interkontinental raketen bastelt. denn wenn er eine zündet, fliegt ihm seine halbinsel um die ohren, da dann die kacke richtig über ihm hereinbricht bei nachbarn wie russland, china, usa, japan..
das wäre kein krieg, das wäre ne abschlachtung.
 

interactive1

Ensign
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@prom07

Was soll Südkorea mit 25 Millionen "bedepperten" (ideologisch verblendeten) Nordkoreanern anfangen, welche nichts nennenwertes mitbringen?
(Bei uns hat ja schon die DDR gereicht > Wirtschaftlich)
Also zum einen glaube ich nicht, das die Nordkoreaner so verblendet sind. Das dachte man von den DDR-Bürgern auch und die haben ihr System schneller abgesetzt als das Irgendjemand gedacht hätte.

Das Andere ist, das ich nicht glaube das die Nordkoreaner bedeppert sind. Und auch diese 25 Mio. Koreaner haben das Recht menschenwürdig zu leben - 3 Mahlzeiten am Tag zu haben und ein friedliches Leben ohne Internierungslager und politische Gewalt zu führen.

Ich denke über kurz oder lang wird Nordkorea zusammenbrechen und Südkorea in den sauren Apfel beissen müssen und eine Einheit durchziehen müssen. Das das nicht einfach wird - vermutlich auch sehr viel schwerer als die deutsche Einheit - dürfte klar sein.
 

walter09

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das sind ja kluge und anständige Leute, kommt ja in den youtube-Filmen ganz gut rüber. Die haben nur 1x einen Augenblick in ihrer Geschichte nicht aufgepasst, und jetzt sind sie in Geiselhaft. Jedenfalls möcht ich gerne erleben, das die Diktatur dort zusammenbricht, glaube dann setz ich mich ins Flugzeug und schau mir des an. Erinnert mich derbe an frühere Besuche in der DDR. Ganz ähnlich, eine Bevölkerung die gezwungen ist, Tag für Tag ein Theaterstück aufzuführen (Wobei die Abschottung gegen den Rest der Welt in Nordkorea perfektioniert ist)
 

Spirou

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Die Demonstration militärtechnologischer Fähigkeiten durch Nordkorea hat mich angenehm überrascht, und gibt m. E. Anlass, sich über die positive Entwicklung zu freuen.

Vor allem ist dies ein wichtiger Schritt zur Friedenssicherung, der dazu beiträgt, das Risiko für die in den vergangenen Jahren immer größenwahnsinniger agierenden Atommächte zu erhöhen, und damit zu unterbinden, daß Kanonenbootpolitik im Stil der vergangenen Jahre weiterhin als Erfolgsrezept betrachtet wird.

Obama hat, wie schon sein Vorgänger (übrigens nach exakt der gleichen Zeit im Amt), durch völlig unsinnige Provokationen und eine extrem unseriöse Aussenpolitik die entsprechenden Weichen gestellt. Es kommt nun darauf an, den Anfängen zu wehren, bevor eine weitere Welle militärischer Eskalationen unzählige Opfer fordert.

Korea, und ganz besonders Nordkorea lebt seit Jahrzehnten mit Bevölkerungsverlusten in Millionenhöhe. Die Narben sind nicht verheilt. Die nordkoreanische Aussenpolitik muß und wird der Befindlichkeit der Bevölkerung auch weiterhin in berechenbarer Weise Rechnung tragen.

Es ist bedauerlich, daß der Irak 1991 nicht über die Möglichkeit verfühte, die Angriffsverbände bereits vor seinen Landesgrenzen zu vernichten. Die Welt wäre heute sicherer und friedlicher. Millionen würden noch leben, die infolge der Wehrlosigkeit des Irak zu Tode kamen.

Erschreckend ist, wie weit die Dekadenz der Progandisten in westlichen Medien fortgeschritten ist, die den jüngeren Ereignissen wahnhafte Phrasen folgen liessen. Da ist vom "Bestrafen" einer Nation die Rede, und von einer "Bedrohung", womit die Verhältnisse, wie schon im Irak, geradezu auf den Kopf gestellt werden. Man kann nur hoffen, daß nicht wenige erkennen, wie psychotisch Leute sind, die vom "Bestrafen" von Nationen faseln, oder bedrohte Staaten zur Bedrohung erklären, was an die groteske Sicht der Nazis im Umgang mit dem Judentum erinnert.

Die Blamage für Obama ist angesichts seiner abartigen Aussen- und Innenpolitik eine angenehme Nebenwirkung der nordkoreanischen Entschlossenheit.

Alles in allem finde ich die Ereignisse ausgesprochen erfreulich. Einige Medienhörige werden das anders sehen, aber absurde Wertungen sind ebensowenig eine Selbstverständlichkeit wie politische oder geschichtliche Unwissenheit.

Man vergebe mir den holprigen Stil. Es ist spät, und ich bin alt und müde.
 
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