Ich bin sehr spät, ich weiß - aber ich habe es jetzt erstmalig durchgespielt, nachdem mein VR Playspace und die Quest 3 nun endlich "passen" und ich muss sagen:
So geil finde ich Half-Life Alyx nicht!
Es hat mir Spaß gemacht, klar, aber man merkt schon an vielen Stellen, dass es ein sechseinhalb Jahre altes Spiel in einem Markt/Technologiesegment ist, welches selbst erst zehn Jahre alt ist.
Viele Mechaniken sind eher gimmicky und experimentell, entsprechen nicht mittlerweile etablierten Standards.
Die Waffenauswahl hat mich das ganze Spiel über wahnsinnig gemacht, da man so darauf bedacht war VR-Neulinge nicht mit einer Waffen/Itemverteilung über verschiedene "Slots" am Körper zu überfordern, dass man bei einem nervigen Menü landete. Ich hab das Spiel mit einer Quest 3 gespielt und ich vermute dass bei Knuckle-Controllern das Waffen-Kreuz direkt über das rechte Trackpad auswählbar war und man es quasi wie ein Steuerkreuz nach oben klickte oder nach links, mit sofortigem Waffenwechsel, statt über einen Stick und die Bestätigung der Auswahl?
Ich hätte es in jedem Moment des Spiels bevorzugt die Pistole an der Hüfte, die Schrotflinte über der Schulter und die Pulse-Rifle vor dem Bauch zu tragen oder eine ähnliche Lösung, wie sie mittlerweile in VR-Shootern etabliert ist.
Dann gab es keine Sprintfunktion, weil man die armen VR-Newbies nicht zum Kotzen bringen wollte, stattdessen war das Spiel klar auf Teleportation ausgelegt.
Natürlich lustige VR-Minispielchen wenn man eine Aufrüstungsstation benutzen will...
Und: Das Schießen und alles drumherum.
Das Aufsammeln von Munition, mit dem Anvisieren, dem Flick des Handgelenks um Resin oder das Magazin zu einem zu ziehen und es dann hinter der Schulter ins Inventar zu legen. Aus einer spaßigen Sache wurde schnell eine lästige Pflicht.
Auch das Gunplay war imho schlussendlich enttäuschend. Waffen waren alle extrem ungenau, Munition war eine Rarität und jeder - schwierig zu zielende - Schuss musste treffen, wenn man nicht bald unbewaffnet sein wollte.
Das Gunplay in der Half-Life Reihe war imho nie so richtig gut (das ewige Ratatat der MP5 auf einen Marine in HL1, bis der dann endlich umfiel), aber mit Alyx brach man auch mit den guten Aspekten des Gunplays und auch der Gegnerdichte in normalen HL-Spielen und machte aus jedem Standardgegner einen (enttäuschenden) Bosskampf. Aber ohne die Agilität die z.B. die Dark Souls Reihe auszeichnet, die das Prinzip ja auch anwenden.
Es sei denn man nutzte den Teleport - aber das ist halt "Fisher Price - My first VR movement type". Und auch damit fand ich die Nutzung von Deckungen eher schwierig, häufig war man für Gegner weiterhin sichtbar, sofern man nicht um eine feste Ecke verschwand.
Das Spiel war mechanisch einfach wesentlich sperriger als ich es mir erwünscht hätte und viel Leichtigkeit die die Reihe sonst hat ging verloren.
Okay, Gemotze erledigt, nun zum Positiven:
Die Story, Grafik und Atmosphäre haben mir richtig gut gefallen!
Der Vault am Himmel in der Ferne und später Nähe war immer ein spektakulärer Anblick und die Frage was sich darin befindet hat die Story sehr gut vorangetrieben.
(Russel als "Begleiter" war jedoch nervig, die Einführung von "lustigen" Begleitern mit Portal 2 war nicht wirklich mein Ding)
Sollte Half-Life Alyx 2 zufällig gerade in Entwicklung sein und zusammen mit der Steam Frame erscheinen würde ich das sicherlich gerne spielen, aber hoffen, dass es weniger für Neulinge in VR gedacht ist und einfach etwas "moderner" wird.