@e-ding
Ich entschuldige mich für meine Unterstellung und Art und Weise. Ja, mit mir zu diskutieren ist zugegeben nicht einfach.
Ich versuche mal zu erklären wieso ich diese Unterstellung gehabt habe bzw. es vielleicht noch habe. Denn um folgendes geht es:
e-ding schrieb:
Kritik am "Gläubigen" selbst habe ich in der Form formuliert, dass es eben (meistens) nicht der Mangel an Intellekt ist, sondern die Bequemlichkeit, diesen zu nutzen, um sich zumindest der Struktur und Funktion von Religion bewusst zu sein, es aber nicht oder nicht in ganzer Konsequenz tut, was zumindest in säkularisierten Staaten problemlos möglich ist. Das meinte ich mit "Eingeständnis".
In dieser Hinsicht stimme ich dir absolut zu. Allerdings erzählst du nur ein Teil der Wahrheit. Denn, so wie du es jetzt schreibst und es vorher getan hast, heißt es, diese Tatsache gilt nur für "Gläubige". Zumindest habe ich das bis jetzt so verstanden, dass diese Kritik nur für eine bestimmte Gruppe gilt (Gläubige) und nicht für andere. Und das ist nicht die ganze Wahrheit.
Die ganze Wahrheit entsteht, wenn wir das Wort "Gläubige" mit dem Wort "Menschen" ersetzen, d.h. deine Kritik gilt allgemein für jeden Menschen, egal in welcher Kategorie oder Gruppe er sein mag.
Das ist keine Ausnahme nur bei den gläubigen Menschen, sondern auch bei den Nicht-Gläubigen oder Andersdenkenden. Die meisten Menschen, die nicht gläubig oder religiös sind, denken auch nicht nach, wieso sie so sind wie sie sind. Wieso sie ständig niveaulosen Rappern und nackigen Popsängern hinterher jagen. Oder wieso sie unbedingt am Oktorberfest teilnehmen sollten oder im Karneval mitmachen. Die wenigsten Menschen sind deiner Kritik nicht ausgesetzt. Das ist die Natur des Menschen und nicht speziell des Gläubigen.
Mir ging es eigentlich also nur darum, dass es so herüberkommt, als ob nur Gläubige deiner Kritik ausgesetzt sind (sein sollten). Und genau das ist eine sehr arrogante Sichtweise. Du als Nicht-Gläubiger wärst also deiner Kritik nicht ausgesetzt, weil allein die Tatsache, dass du nicht glaubst, ausreichen würde zu behaupten "für uns alle anderen ist dieses Eingeständnis normal. D.h. also wir alle anderen Menschen hinterfragen immer alles und dieses "Eingeständnis" haben wir auch, weil bei uns das selbstverständlich ist."
Und das ist nicht korrekt.
Nämlich habe ich dieselbe kritische Meinung wie du gegenüber anderen Gruppen, haargenau dieselbe Kritik. Ich behaupte aber nicht, das ist eine hervorspringende Tatsache nur bei diesen Gruppen. Nein, ich habe erkannt, dass der Mensch eben so ist. Ich verteufle also nicht nur bestimmte Gruppen, so wie manche es tun und ich erwarte dasselbe von anderen. Wer also von Humanismus redet und Kant in seiner Signatur zitiert, sollte auf solche Dinge achten.
sidestream schrieb:
Und diese angebliche Arroganz der Atheisten. Was ist denn mit der Arroganz der Islamisten, dass ihre Religion die einzige ist, oder der Arroganz der Christen, dass ihre Religion nur die einzige sein kann?
Da ist aber ein Unterschied, den du vergisst.
Ein Christ glaubt, dass sein Weg der richtige ist. Er weiß es aber nicht.
Ein Moslem glaubt, dass sein Weg der richtige ist. Er weiß es aber nicht.
Ein Atheist
weiß, dass sein der Weg der richtige ist. Zumindest glaubt er es zu wissen. Das heißt er geht davon aus, dass er 100% Recht hat.
Welcher von diesen 3 hat nun eine (mehr) dogmatische Ansicht?
Wer ist toleranter?
Natürlich gibt es genug Gläubige die fest auf ihren Glauben beharren. Das ist die Grundlage des Glaubens, sonst könne man sich selbst nicht als gläubig bezeichnen. Aber letztendlich heißt es Glaube und nicht Wissen. Natürlich gibt es genug Menschen, die meinen, sie wissen, dass ihr Glaube die richtige sei. Das liegt aber daran, dass sie intellektuell dir unterlegen sind und nicht weiter wissen und mit dir nicht diskutieren können. Das ist also eine Schutzreaktion, die natürlich ist (du sprachst von älteren Menschen). Ich weiß es von mir selbst. Ich bin euch meistens intellektuell unterlegen, irgendwo werde ich und habe ich auch Lücken in meiner Sichtweise. Und die Überlegenen können dann diese Lücken ausnutzen und mich fertigmachen. Ich werde aber dadurch nicht meinen Glauben verlieren, sondern mein Selbstbewusstsein. Und die Überlegenen werden nicht ein Sieg haben, sondern ihr Ego stärken.
Das heißt es ist wichtig, dass man Toleranz zeigt. Es ist intolerant, wenn ein gläubiger Extremist euch verteufelt, weil ihr nicht gläubig seid. Von solchen Menschen gibt es genug. Aber genau so gut gibt es viele Atheisten, die genau so viel extremistisch sind und infolgedessen intolerant sind, weil sie nicht an ein "Spaghettimonster" glauben und sich 100% als die "Weisen" des Jahrhunderts sehen.
Alleine die Tatsache, dass die eine Religion keine andere zulässt, erzeugt doch schon Grenzen und ich vielen Fällen einfach nur hohe Mauern zwischen den Menschen. Immerhin muss ja einer Recht haben und der andere daneben liegen, oder nicht?
Ein Spiel kann eben nur eine Seite gewinnen. Eine Stelle kann nur eben eine Seite kriegen. Nur einer kann eben die Frau kriegen, obwohl 10 Männer sie haben wollen. Wenn du Schalke Fan bist und ich Dortmund, dann haben wir auch automatisch Mauern zwischen uns. Wenn du denkst, Metal Music ist cooler und ich meine Jazz ist viel cooler, dann haben wir wieder eine andere Meinung. Das ist doch der Witz der Sache. Kein Mensch ist nicht wie der andere. Jeder von uns hat gleiche Interessen und Ansichten, aber auch gleich viele Unterschiede.
Es liegt also nicht an Religionen selbst, dass Mauern entstehen. Nein, der Mensch baut sie auf und er kann sie auch überwinden. Und ein guter Gläubiger baut keine Mauern auf, denn seine Religion (ich spreche von den großen 3) verbietet es ihm eigentlich. Dass er es trotzdem tut, zeigt das er nicht perfekt ist und diese menschliche Schwäche hat, obwohl es doch im Buch anders steht.
Der Gläubige hat natürlich eine Etikette auf seiner Stirn. Wenn er was falsches oder anders macht, dann hat meistens immer die Religion die Schuld. Man überlegt erst gar nicht, dass es menschlich ist, sondern, dass es religiöser Natur ist.
Beispiel? Ich esse niemals Marmelade, Honig, das weiße vom Ei, usw. Und wenn ich es meinen Mitmenschen das sage, wisst ihr was die erste Frage ist? Ob meine Religion es verbieten würde. Ihnen kommt es nicht mal in den Sinn, dass ich diese Dinge einfach nicht möge, sondern aufgrund dass ich ein Moslem bin, denken sie direkt an diese Richtung.
Oder wenn ich sagen wir mal wie einen Thawb tragen würde und im U-Bahn dich ansehen und beleidigen würde auf meiner Sprache. Was würdest du dann wahrscheinlich denken? Ach der religiöse Spinner verteufelt mich, weil ich ein ungläubiger bin. Typisch Muslime (oder religiöse Spinner) würdest du wahrscheinlich denken, zumindest tun es viele. Aber vielleicht liegt es einfach daran, dass du beim Einsteigen mir auf den Fuß getreten bist und ich deswegen so sauer bin. Wie gesagt, wenn man so eine "Etikette" trägt, dann kommt immer als erstes die Religion in den Sinn, zumindest so meine Erklärung der Dinge bis jetzt.
Man sollte also nicht immer der Religion die Schuld geben, denn der Mensch ist nicht so einfach durchschaubar. Mehr Toleranz für jede Seite schadet also nicht.
Prinzipbedingt kann eine Religion keine Toleranz zulassen. Toleranz mit dem Eingeständnis der Arroganz, sich selbt vorzubehalten, der richtig denkende zu sein, schon.
Wenn der Glaube wissen ersetzt, kann es nur in diese Richtung gehen.
Wieso kann eine Religion keine Toleranz zu lassen? Deine Ansicht ist dogmatischer als die von Muslimen, ist dir das klar? Ohne einfach mal nachzudenken, meinst du, wir können keine Toleranz zeigen. Deine Weisheit ist nicht bindend für paar Milliarde Gläubige.
mfg