Distro-Hopping bzw. Desktop-Hopping beenden

Mondgesang

Lt. Commander
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Liebe Freunde,

ich habe mal wieder so eine Phase, bei der das Gras auf der anderen Seite immer grüner aussieht. Ich glaube ich habe mittlerweile alle Distros und alle Desktops von innen gesehen. Und nun plagt mich wieder die Qual der Wahl. Da ich merke, dass mir das keine Ruhe lässt, ich also nicht "einfach das System benutzen und damit arbeiten" kann, wende ich mich an euch.


Lichtblick

Ich bin zum GLÜCK völlig befreit von der Sucht, alles mögliche auszuprobieren. Sprich so Fork-von-Forks-von-Forks Distros interessieren mich nicht und haben mich auch noch nie wirklich interessiert. Ich versuchte immer nah bei den Wurzeln zu bleiben, vorzugsweise bei den großen Spielern wie Debian, SuSE, Fedora, Ubuntu (ja, ist ein Kind von Debian), LMDE (ja, ist ein Kind von Debian).


Mein Benutzerprofil und meine Erfahrungen

Ich war mal ein militanter Linux-Tinkerer und fühlte mich am wohlsten, wenn ich anderen aufbinden konnte, alles im Terminal zu machen. Demnach fühlte ich mich eine ganze Weile in Debian XFCE wohl. Mittlerweile bin ich ein richtiger Klicki-Bunti-Komfortwonneproppen und mag es gerne vorgekaut und "freundlich". Ich mag klickibunti, ich mag "einfache" Bedienung, hege keinen Groll gegen den Snap-Store oder andere Bequemlichkeiten. Ich mag es, wenn alles "aus einer Hand" kommt und auch so aussieht. Und nicht wie eine zusammengeschusterte Bastelbude.

Dadurch war z.B. Ubuntu immer meine Go-To Empfehlung. Es fühlte sich beinahe an wie set-it-and-forget-it. Nichtsdesto trotz gab es zwei Momente, die mich da ernüchtert haben (Dies soll NICHT Gegenstand dieses Threads werden bitte): 1. Unter Ubuntu 24.04 LTS gab es das Henne-Ei-Prinzip, wo die Softwareaktualisierung den Snap-Store nicht aktualisieren konnte, weil sie selbst aus dem Snap-Store heraus läuft. Also Quasi der Baron von Münchhausen, der sich selbst an den Haaren hochzieht. 2. Unter selbigem Ubuntu werden .exe-Dateien nicht automatisch mit WINE geöffnet und erscheinen immer noch als undefiniertes Dateiobjekt. Selbst "öffnen mit" schlägt WINE nicht vor, sondern begibt einen auf die Suche im Dateisystem nach WINE. Im Gegensatz dazu war es unter Linux Mint, so erinnere ich mich, so, dass nach der Installation von WINE automatisch sofort alle .exe-Dateien als Weingläser angezeigt wurden bzw als kleine Windows-Symbole (im Faenza Icon Theme) und ein Doppelklick sie bereits in Wine geöffnet hat. Unter Ubuntu war ich von der Suche nach WINE dann so genervt, dass ich auf den Terminal zurücksprang, und wine (gefolgt vom Pfad der Datei) eingab und das Terminal somit immer im Hintergrund mitlief. Fühlte sich eher nach Bastelbude an, statt nach dem größten Platzhirsch der Linux-Welt.


Was ich vom System benötige


Eigentlich nicht viel. Spielen uralter Spiele wie Gothic 1-3, Risen 1, Morrowind, Oblivion, Diablo 2 und 3. Bildbearbeitung mit GIMP, Office mittels LibreOffice, MEGA-Cloud, Browsing und Mail mittels Thunderbird und Firefox. Hier muss ich dazu sagen, dass ich absolut gewillt bin, Desktop-eigene Dienste zu verwenden. KDE und GNOME kommen da ja mit eigenen Mail/Kalender/Organizer-Suiten daher, die allesamt interessant aussehen. Ich mag den Gedanken sogar sehr, innerhalb eines Ökosystems alles aus einer Hand zu benutzen. Vermutlich ein Grund, warum ich mich dennoch heimisch fühle in Ubuntu/GNOME (auch Fedora/GNOME), obwohl ich eigentlich damals von Windows kam und mit MacOS nie Berührungspunkte hatte.


Was ich bislang mache


Bislang befriedige ich mein Hopping mit VMs. Ich habe da alle Kandidaten als virtuelle Maschinen laufen. Aber das ist nicht dasselbe. Die Performance, das Gefühl. Es fühlt sich halt nach wie vor an wie ein kurzes mal reinschnuppern. Nicht wie das tatsächliche heimische System. Viele meiner Linux-YouTuber machen draus ja immer "Challenges" wo sie mal ein System für einen Monat, drei Monate, ein Jahr probieren und sich "zwingen" dadrauf zu verweilen und sich damit auseinanderzusetzen.

Wäre das was für mich? Wenn ich doch eh "nur" eine überschaubare Anzahl an Kandidaten habe, dass ich mir dann einfach sage OK 1 Monat pro Kandidat. In den Zeitraum werden ja alle meine alltäglichen Tätigekeiten vorkommen und ich kann schauen wie ich mich damit fühle.


Kandidaten für Distros oder Desktops


  • Linux Mint LMDE (nah an der Wurzel) Cinnamon. Das ist übrigens die einzige Distro, bei der ich Cinnamon in Betracht ziehe. Ich liebe Mint, ich mag die Philosophie, ich mag deren X-Apps, ich mag deren "freundlichen" Ansatz. Rundum wunderschöne Distro. Einzige Sorge ist, dass es eben "nur" eine Handvoll Entwickler sind die da das Projekt leiten. Im Vergleich zu Ubuntu oder Fedora z.B. wo halt Giganten wie Canonical oder RedHat hinter stehen und die finanzierende Hand drüber ausbreiten.

  • KDE Plasma, einfach weil ich dem Desktop nach gefühlt 1000 Anläufen doch mal eine Chance geben will. Hier käme Fedora Workstation KDE in Frage. Ich mag Fedora, finds gut, dass KDE es bei ihnen in den Workstation-Status geschafft hat und nicht "nur" ein Spin oder ein Flavor ist. Hier hatte ich aber ab und zu Momente, die noch "unfertig" aussahen. Nämlich als bestimmte Funktionen oder Buttons noch nicht übersetzt waren. Fühlt sich etwas gebastelt an dann.

  • Ubuntu original. Eigentlich der Platzhirsch und absoluter Fels in der Brandung. Dazu noch ein stark modifizierter GNOME Desktop der dem Anwender vieles gibt, was einem Raw-GNOME vorenthält. Hier muss ich dazu sagen, ich mag die Cleanness eines raw-GNOME aber erwische mich selbst immer wieder dabei, wie ich dann doch Extensions installiere und versuche mir daraus ein Ubuntu-artiges Design zu bauen. Und genau da verliere ich meist das Interesse oder es schreckt mich ab. Je mehr ich als User tinkern muss, umso eher habe ich das Gefühl dass ich mir hier gerade ein Frankensteinmonster (ver)baue.

Da ich Ubuntu bereits eine ganze Weile im Betrieb hatte und es meine Hopping-Drang momentan nicht befriedigen würde, schwanke ich zwischen LMDE Cinnamon und Fedora KDE. Da ich ersteres ebenfalls eine Weile benutzt habe, schwebt mir vor, einfach mal Fedora KDE auf meinem Laptop (unkritischer Rechner) eine Chance zu geben. Einfach mal einen Monat darin verbringen. Ich glaube auch dass ich mich dazu zwingen müsste, weil oben angesprochene Aspekte mich sehr schnell verschrecken oder abgeneigt stimmen können.


Wie ist/war es bei euch? Chronische Hopper? Sucht in den Griff bekommen? Wie? Tipps und Erfahrungen sind IMMER gerne gesehen.

Bei Tipps bitte nicht auf technischer Ebene. "Ich empfehle dir Distro... mit Desktop..." diesbezüglich habe ich mehr Vergleiche, Berichte, Benchmarks, Diskussionen, Reviews etc gesehen und gelesen als für mich gesund wäre. Ich glaube es ist eher eine Diskussion auf Meta-Ebene, also die darüberliegende psycchologische(?) Auseinandersetzung mit diesem ständigen Wechsel, der ständigen Suche nach dem "next level", dem "Besseren das hinter der nächsten Ecke warten könnte".
 
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Bin selbst noch etwas am testen der gängigen Distros, recht gut gefallen hatte mir bisher OpenSUSE Tumbleweed @ KDE. Etwas zugänglicher als die typischen Arch Derivate, aber trotzdem aktuelle Kernel & Pakete. Wenn ich mich endlich dazu entschliessen könnte Lightroom mit einer Alternative zu ersetzen, dann würde ich wohl auf Tumbleweed setzen.
 
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Diese Suche nach dem richtigen kenne ich auch ....und ebenfalls die Gedanken dahinter .
Da gibt es noch dieses oder jenes was besser sein könnte als das was man gerade vor sich hat .
Ich habe mich letzten Endes für eine Mischung aus Ubuntu und KDE entschieden > Kubuntu
War für mich am Schluss einfach das von dem ich am wenigsten wieder weg wollte .
 
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Azghul0815 schrieb:
Ich würde hier auf meinen Bauch hören und das nehmen, was optisch am besten gefällt.
Das ist leider mein Segen und mein Fluch. Ich kann schnell das nehmen was sich in dem Moment gut anfühlt, nur um dann kurze Zeit später aber geplagt zu werden von Blicken auf Nachbars Garten. Schau mal, was du verpasst, der Desktop hat die und die Features oder hat diese eine Sache angenehmer gelöst als dein jetziger Desktop etc etc.

Also quasi zufrieden sein mit dem was man momentan hat, das fällt mir schwer. In diesem Sinne war Windows sogar irgendwo ein Rettungsschirm, denn da gibt es keine Alternative. Es gibt kein Windows 10 GNOME, KDE, MATE, XFCE, etc. Es ist Windows, so wie es von MS kommt und basta. Nimms oder lass es bleiben.

"Qual der Wahl" trifft bei mir tatsächlich nirgendwo sonst mehr zu als bei FOSS und insbesondere bei Linux-Distros und ihren Desktops.

Soweit sogar, dass ich mich irgendwann 2020 oder so kurz zu FreeBSD geflüchtet habe :D
Ergänzung ()

TheSilenceer schrieb:
War für mich am Schluss einfach das von dem ich am wenigsten wieder weg wollte .
Das ist in der Tat ein absolut genialer Gedanke. Vielleicht geht es weniger darum, wo man hin will (denn es gibt ja scheinbar unendlich viel Auswahl) sondern eher, wovon man am wenigsten weg will. Von dieser Seite habe ich es noch nicht betrachtet!
 
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Mit Linux ist das halt so eine Sache .....

Es gibt die Distros die einem optisch gefallen,
und es gibt die deren technische Lösungen man am besten findet.

Wie Du schon sagst Windows ist wie es ist .....es gibt nur das eine .
Linux kann so vieles sein.

Meiner Meinung nach geht es bei Linux darum das für sich zu finden mit den wenigsten Kompromissen.
 
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Mondgesang schrieb:
Ich bin zum GLÜCK völlig befreit von der Sucht, alles mögliche auszuprobieren.
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Mal im Ernst. Du weißt, dass du mit vielen distros parat kommen würdest.

Es gibt keine magische 100% passende distro.

Nimm eine die du magst.

Deine Reise ist vorbei. :)
 
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Wieso guckst du denn immer weiter und auf Nachbars Garten und hast diese innere Angst, irgendetwas zu verpassen?
Die perfekte Optik, die perfekten Features und Co findet man doch eh nicht, wenn ständig neue Versionen rauskommen.

Mondgesang schrieb:
Linux Mint LMDE (nah an der Wurzel) Cinnamon. Das ist übrigens die einzige Distro, bei der ich Cinnamon in Betracht ziehe. Ich liebe Mint, ich mag die Philosophie, ich mag deren X-Apps, ich mag deren "freundlichen" Ansatz. Rundum wunderschöne Distro.

NImm doch einfach Linux MInt, wenn es dir so zusagt. Mint gibt es schon ewig und meines Wissens gibt es auch keine Nachrichten, dass sich das ändern soll.

Und dann de-abonniere die ganzen YouTube-Kanäle, die zu Distro-Hopping/Challenges und Co aufrufen und nutze einfach das System.
 
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Sache Cinnamon. Persönlich hasse ich den Desktop, weil er FPS limitiert ist. Die meisten suchen eigentlich eher etwas wie Hyprland. Fällt aus jedem Desktop Bereich heraus und ist völlig etwas anderes.
 
Mondgesang schrieb:
Wie ist/war es bei euch? Chronische Hopper?
Im Gegenteil. Ich nutze Linux seit mehr als 20 Jahren und bin von Ubuntu irgendwann (2007?) auf Debian umgestiegen und dabei geblieben. Falls neue Hardware damit nicht läuft, nutze ich einstweilen Fedora (auf dem aktuellen Notebook bin ich bisher dabei geblieben). Wenn etwas nicht zu meiner Zufriedenheit funktioniert, passe ich das System entsprechend an, soweit möglich.

Ich kann den Drang ständig Distros zu wechseln, nicht nachvollziehen. Ich nutze auf dem Desktop einen Fenstermanager, dessen Konfiguration sich wenig ändert. Einmal angepasst, lässt sich damit wunderbar (d.h. hauptsächlich mittels Tastatur) arbeiten.

Unter Ubuntu könnte man für den Dateimanager eine Standard-Aktion für .exe Dateien festlegen. Ich würde erwarten, dass die Installation von wine dies erledigen sollte und den Ausstausch mit den Maintainern suchen, damit die notwendige Anpassung in Zukunft vielleicht automatisch geschieht.
 
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Mondgesang schrieb:
das nehmen was sich in dem Moment gut anfühlt, nur um dann kurze Zeit später aber geplagt zu werden von Blicken auf Nachbars Garten
Naja...da kann dir keine helfen ausser du dir selbst und an deinem Mindset arbeiten.
Geh halt zur Not rational ran.
Pro Contra Liste und abhaken und dich zwingen.
 
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Ich hatte eine solche Phase als KDE3 rauskam, das war einfach nicht mein Ding. Ich hab dann nach viel ausprobieren XFCE genommen und bleibe dabei, nach langer zeit mit Debian hab ich mich beim aktuellen Rechner für MX Linux enschieden.

Ich hab zum "rumspielen" mit den verschiedenen Desktops ein gebrauchtes Laptop, da hab ich native performance und kann so lange testen bis ich nicht mehr mag.
Der Desktop bleibt immer bei einer Distro bis es einen neuen PC gibt.
 
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Ich habe zum Beispiel Distribution nach
1) DE
2) Anzahl der Pakete
3)Aktualität
4)Paketverwaltung
5)Unkaputtbarkeit
ausgesucht.

Musst du selber wissen, was dir wichtig ist und dann entscheiden.
 
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Man hört mit dem Distro-Hopping auf indem man einfach mit dem Distro-Hopping aufhört und sich klar werden lässt, dass sich die Distros in letzter Instanz nicht großartig unterschieden, sobald man es auf persönliche Bedürfnisse angepasst hat.


Meine Arch-Installation lebt seit

1754305031933.png


und ist bereits durch 3 verschiedene Laptops gewandert.
 
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Als mein Online-Geschäft noch im Aufbau war und ich nur das vor Augen hatte, da war für mich Distro, Desktop, Theme, bla bla alles egal. Ich hatte mein OpenSUSE Leap 15 mit XFCE und fertig aus die Maus. Da lief der Browser, die Libre Office Calc Datei, der Dateimanager und fertig.

Ich habe also ganz klassisch MIT dem System gearbeitet, und nicht AM System als Selbstzweck. Ich brauche wohl mal wieder einen fordernden Task :D
 
Früher habe ich das auch oft gemacht, bis ich dann bei Arch Linux kleben geblieben bin. Zwar hab ich immer wieder die Desktop-Umgebung gewechselt und verschiedenste Dinge genutzt. Der Unterbau blieb allerdings immer gleich.

Ich habe z.B. jetzt meine Vorliebe für Window-Tiling entdeckt (Hyprland mit den ML4W-Dotfiles). Wenn es mich dann in den Fingern juckt und ich doch wieder was anderes nutzen möchte, lösche ich im Nutzerordner einfach die Config-Ordner/-Dateien und installiere mir eine andere Desktop-Umgebung. Aber Distro-Shopping hatte dadurch ein Ende bei mir
 
tha_mos schrieb:
Distro-Shopping, das wärs noch! :D Ich wette wenn man für jeden Hop/Shop bezahlen müsste, dann würde ich Geizhals mich beim erstbesten Treffer niederlassen und mir den so zurechtschustern wie möglich, statt wild nach links und rechts alles durchzuprobieren.
 
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