Energiewende in Deutschland - Geschwindigkeit - Kosten?

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
  • Gefällt mir
Reaktionen: Leeway
Fu Manchu schrieb:
Das ist - meine ich - bei allen für und wider - das eigentliche Gegenargument. Fall/wenn etwas passiert, sind die Folgen, die sich aus einem Unfall ergeben, so lang- und schwerwiegend, dass diese Technik nicht weiterverfolgt werden sollte. Alleine die Aussicht darauf, dass ganze Landstriche unbewohnbar werden, ist Grund genug. In Tschernobil/Pribjat war das eine relativ dünn besiedelte Region bzw. eine kleinere Stadt.
Erst letzte Woche las ich in einem Bericht von Waisenkindern aus dem Dorf Narodytschi, das sich heute noch am Rande der Sperrzone befindet. Demnach ist in der Gegend die Infrastruktur zusammengebrochen, gibt es dort eine hohe Arbeitslosigkeit und wer es sich leisten konnte, hatte die Gegend schnell verlassen. Zurück blieben die Ärmeren. Viele Kinder sind Waisen, weil ihre Eltern früh an Krebs sterben. Darin steht fast beiläufig auch, dass sich die Menschen dort von verstrahltem Gemüse aus Eigenanbau ernähren. (Wahrscheinlich mangels Alternativen.) Die Atomkatastrophe von Tschernobyl liegt inzwischen ca. 38 Jahre zurück...

Bezüglich der verstrahlten Wildschweinen möchte ich auf das Interview mit dem Radiologen Steiner (April 2021, SZ) hinweisen. Ihm kann man entnehmen, dass Millionen Menschen in der Ukraine mehr oder weniger von der Strahlenbelastung betroffen sind. Und dass die Menschen in Deutschland nicht nur auf die Strahlenwerte von Wildbret, sondern auch auf die von selbst gesammelten Pilzen schauen sollten.

Warum schreibe ich das? Weil die Folgen auch selbst für eine "relativ dünn besiedelte Region" beträchtlich sind und weil bereits in dem ersten Beitrag dieses Threads z.B. mögliche Entschädigungszahlungen für AKW-Betreiber erwähnt worden sind. Es wurde in diesem Zusammenhang gefragt, was die Energiewende kosten wird. Insofern sind die Kosten im Zusammenhang mit dem Lebenszyklus der AKWs und der aus dem Betrieb entstandenen Abfälle und Folgen in Deutschland als Referenzwert für die Kosten der Energiewende zu betrachten. Sicherheitsmaßnahmen sind mit einem hohen Aufwand verbunden und deshalb ein Kostentreiber.

Die Kosten für den deutschen Atommüll gehen in die Milliarden, wie man in diesem Bericht (PDF) nachlesen kann und an den Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen am Standort Tschernobyl beteiligt sich Deutschland mit mehreren Millionen. Unter diesem Aspekt fallen verstrahlte Wildschweine und Pilze nicht groß ins Gewicht, sie werden uns aber noch mehrere Jahre an die Risiken der Kernenergie erinnern.

Laut den Informationen aus dem letzten Link heißt es übrigens, dass in den Gebieten mit der höchsten Strahlenbelastung zum Zeitpunkt des Unfalls ca. 5 bis 7,2 Millionen Menschen gelebt hätten.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Leeway, Kassenwart und Reglohln
Am Montag dieser Woche wurde von der Regierung bekannt gegeben, dass man sich innerhalb der Ampel u.a. auf folgende Eckpunkte geeinigt hat: link1 link2 link3 link4
kurzfristiger Aufbau von 10 GW bis 2028 an Wasserstoff-ready-Erdgaskraftwerken als Brückentechnologie, Umstellung auf Wasserstoff dann bis 2040
Finanzierung über den Klima- und Transformationsfonds (also Umlageprinzip auf den CO2-Preis)
Neuregulierung des Strompreismarktes in 2024

Die obigen links enthalten auch kritische Stimmen im Sinne von a) noch zu ungenau und b) Kapazitäten reichen nicht aus und c) technische CO2-Abscheidung verwässert die Klimaneutralität usw.
Erfreulich, dass jetzt Detailangaben und Zeitpläne veröffentlicht wurden.
Die Kosten für die neuen Gaskraftwerke inkl. Anbindungen usw. werden auf 16 Mrd. Euro geschätzt, finanziert über den CO2-Umlagepreis. Wir Verbraucher werden also mit steigender CO2-Steuer kalkulieren müssen. Ich kann im Moment nicht abschätzen., um welchen Betrag diese zusätzliche Umlage den CO2-Preis ansteigen lassen wird. Auch der noch teurere Netzumbau soll ja darüber finanziert werden. Ich vermute, auch die dafür notwendigen Energiespeicher.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Skaiy und knoxxi
ThomasK_7 schrieb:
Wir Verbraucher werden also mit steigender CO2-Steuer kalkulieren müssen
Das sollten Verbraucher schon seit mehreren Jahren, denn da wurde der Fahrplan beschlossen. Nächstes Jahr wird die CO² Steuer auf 55€/t angehoben, ab 2026 wird umgestellt auf ein anderes System. EU-weit wird dann für alle der CO² Zertifikatshandel Pflicht. Der aktuelle Preis an dieser Börse liegt derzeit bei rund 100€/t und wird vermutlich die nächsten Jahre eher nicht sinken, da die EU plant, das CO² Kontingent immer weiter zu reduzieren (kleinere Menge auf gleichen Verbrauch = steigender Preis).
ThomasK_7 schrieb:
Auch der noch teurere Netzumbau
Wo wird der seit 20 Jahren geplante (und eingepreiste) Umbau teuerer, Beispiele? Das einzige, was derzeit Konsequent steigt, sind die Regelungskosten (Redispatch und Lieferausfälle für Windparks). Die könnten aber gut eingefangen werden, wenn Bayern auch mal Windkraft ausbaut. Aber nein, sie regen sich lieber über zuwenig Gaskraftwerke im Süden (nach der neusten Planung) auf. Es wären aber nicht zu wenig, wenn in Bayern auch ein paar Windräder mehr aufgestellt würden und die beiden dicken Leitungen aus dem Norden fertig sind. Aber genau diesen Strom möchte der Süden anscheinend nicht haben, Wir sollten den Strommarkt in Deutschland tatsächlich aufteilen, wenn sich eine Region so lang und standhaft gegen den Ausbau stemmt. Sollen sie doch die Folgekosten ihrer Entscheidungen gefälligst selber zahlen und nicht dem Norden aufs Auge drücken!
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Buttkiss
ThomasK_7 schrieb:
Wir Verbraucher werden also mit steigender CO2-Steuer kalkulieren müssen. Ich kann im Moment nicht abschätzen., um welchen Betrag diese zusätzliche Umlage den CO2-Preis ansteigen lassen wird.
Dafür gibt es Rechenbeispiele, hier ist z.B. eines für ein Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 15.000 kWh Erdgas jährlich.

Generell ist die Verbraucherzentrale in solchen Fragen eine gute Anlaufstelle.
 
Das sind Rechner mit den bislang bekannten CO2-Preisen.
Es geht doch um die neuen Steigerungen!
Viele wären froh, wenn es bei den Kosten laut diesen Rechnern bleiben würde, aber bei dem wird es ja bei weitem nicht bleiben.
@Samurai76
"teurere Netzausbau" ist im Kontext zu den 16 Mrd. für die neuen Gaskraftwerke zu lesen.
 
Jetzt wurde erst einmal eine Strategie beschlossen und es werden von Politik und Firmen noch Details geprüft, offene Fragen geklärt usw. Insofern macht es derzeit nicht viel Sinn, über die nächsten zwei oder drei Jahre hinaus zu kalkulieren. Die von Dir genannten 16 Mrd. Euro sind z.B. für einen Zeitraum von 20 Jahren vorgesehen.
 
Naja, da sind vllt 50k Tonnen H2 zu gewinnen. Das ist nicht wirklich viel und wird nur interessant, wenn solche Vorkommen häufig anzutreffen sind. Und die Förderung ist auch nicht trivial.

Aber natürlich sollte man sich diese Gesteinsschichten genauer anschauen, bis jetzt wurden sie ja gänzlich ignoriert von der Fossilen Industrie. Wer weiß was man da sonst noch finden kann.
 
drago-museweni schrieb:
Wasserstoff aus dem Boden ...
Das klingt so, als wenn der Wasserstoff gebunden ist und mittels Fracking (oder eine Art davon) gewonnen werden kann. Würde ich nicht als unweltfreundliche Lösung erachten.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Sron
@Fu Manchu
Naja, davon hat auch keiner gesprochen die CO2 Billanz dürfte dennoch besser ausfallen wie von fossilen Brennstoffen, und mann müsste den Wasserstoff nicht peer Schiff ankarren, die wichtigere Frage ist reicht das für Albanien und noch andere Länder, bzw wird man das auch an anderen Orten finden.

Wenn ja wär das eine Möglichkeit den Erdgasverbrauch zu senken etz.
 
drago-museweni schrieb:
Wenn ja wär das eine Möglichkeit den Erdgasverbrauch zu senken etz.
Eine deutlich einfachere Methode wäre es das CO² aus den Abgasen von Gaskraftwerke dazu zu nutzen um Algen zu züchten und daraus Biogas zu machen was wieder zur Energieerzeugung genutzt werden kann.
 
Nachfolgendes Zitat wird das linksgrüne Narrativ gar nicht gefallen:

"Steven Chu, Physik-Nobelpreisträger und von 2009 bis 2013 US-Energieminister unter Barack Obama, wirft Deutschland eine falsche Energiepolitik vor.

Die Gesellschaft müsse begreifen, dass diese Industrien [Anm.: die Schwerindustrien] preisgünstigen Strom brauchen – und zwar rund um die Uhr. „Und wenn sie ihn nicht bekommen, dann werden sie erheblich beeinträchtigt. Das könnte zu einer Abwanderung der Schwerindustrie aus Deutschland führen, und das wäre für die deutsche Wirtschaft katastrophal. Wenn einzelne Leute also sagen, sie wollen dies nicht, sie wollen das nicht, sie wollen keine Atomkraft, sie wollen auch keine Kohle, sie können alles mit erneuerbaren Energien hinbekommen, dann betreiben diese Menschen offenkundig keine Halbleiterfabriken, keine Chemiefabriken oder Fertigungswerke“, so Chu weiter.


Quelle: https://www.welt.de/politik/deutsch...tisiert-Gruene-Viele-Falschinformationen.html
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Gelöschtes Mitglied 763620
1Justin schrieb:
Nachfolgendes Zitat wird das linksgrüne Narrativ gar nicht gefallen:
Und selbst wenn es so sein sollte, sein Standpunkt ist völlig legitim, der Umkehrschluss ist jetzt aber nicht automatisch Neubau von AKWs. Deren Probleme verschwinden nicht magisch.
Nebenbei, keine Ahnung warum du denkst es wäre das linksgrüne Narrativ, weder gibt es eine homogene linksgrüne Gruppe noch haben alle zu dieser fiktiven Gruppe Zählenden die gleiche Meinung.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: douggy, Autokiller677, Leeway und 2 andere
Das ist ja schön für Herrn Steven Chu, dass er dieser Meinung ist. Es gibt andere Veröffentlichungen, die kommen zum Gegenteiligen Schluss und sind etwas länger wie eine oder zwei Seiten und von mehreren Doktoren zusammengeführt wurden. Studien mit dem Fazit, dass kann funktionieren.
 
ModellbahnerTT schrieb:
Eine deutlich einfachere Methode...
Wenn es deutlich einfacher ist warum gibt es dann bisher noch nicht, solche Systeme wurden schon vor Jahren vorgestellt, und man hätte das leicht umsetzen können wenn es so einfach wäre, bis auf kleine Versuchsanlagen.

Allerdings funktioniert Bergbau/Fracking schon jetzt und kommt auch im großen Stil zur Anwendung.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Autokiller677, Leeway, chaopanda und 4 andere
@1Justin Hier steht was anderes.Das ist ja komisch! Und hier auch. Wie kann das denn sein?
Mit 523 Ja- zu 92 Nein-Stimmen hat der Bundestag am Donnerstag, 1. Dezember 2022, den Gesetzentwurf von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP zur Beschleunigung des Braunkohleausstiegs im Rheinischen Revier (20/4300) gebilligt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: knoxxi, Kassenwart, Autokiller677 und 2 andere
drago-museweni schrieb:
Wenn es deutlich einfacher ist warum gibt es dann bisher noch nicht, solche Systeme wurden schon vor Jahren vorgestellt, und man hätte das leicht umsetzen können wenn es so einfach wäre, bis auf kleine Versuchsanlagen.
Der Anreiz bzw. der Wille sowas im großen Stil umzusetzen ist bei unserem Vorschriftenwald ist nicht vorhanden. In Piestreriz wo man Düngemittel und Adblue hergestellt hat ging es auch das man CO² für verschiedene Anwendungen abgetrennt hat um es dann weiterzuverwenden.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben