Positiv:
- Die Metro UI finde ich im Ansatz nicht schlecht. Die Oberfläche sieht an vielen Stellen frisch, modern und aufgeräumt aus. Aber ... <siehe negative Punkte>.
- Die Veränderungen bei der Benutzerführung erfordern zwar eine Umgewöhnung, wirken aber im Ansatz stimmig. Allerdings ... <siehe negative Punkte>.
- Mit einem Rechtsklick auf das Startmenü-Symbol erreiche ich sofort alle wichtige System-Einstellungen und Tools. Das finde ich gut.
- Das neue Info-Center gefällt, auch wenn es nicht die ganze Höhe des Desktops einnehmen müsste.
- Das neue Startmenü ist trotz kleinerer Design-Mängel eine große Verbesserung, da es mehr Anpassungen erlaubt und eigene Ordner ermöglicht (die nicht einfach nur irgendwo dran geklatscht werden oder eine Zweckentfermdung vorhandener Windows-Ordner erfordern, sondern das Herzstück des Startmenüs sind).
- Die neuen System-Icons gefallen, mit Ausnahme des Computer-Icons.
- Einige der vorinstallierten Apps sind klasse, vor allem die Karten-App mit der 3D-Ansicht.
- Edge sieht schon sehr gut aus.
- Man kann endlich die häufig besuchten Orte (oder was Windows für die häufig besuchten Orte hält) etwas besser konfigurieren und den Windows Explorer gleich in der Laufwerksansicht öffnen (und das wollen wohl die meisten User). Endlich eine leichte Abkehr von der Gängelung mit den persönlichen Ordnern.
Negativ:
- So schön die Metro UI an einigen Stellen aussieht, so karg kommt sie an anderen Stellen daher. Hier und da wurde die UI zu weit reduziert. Besonders der Bootvorgang macht keine Freude auf die Arbeit mit Windows. Ein mageres, einfarbiges Logo während des Startvorgangs, gefolgt von einem Login-Screen, den ein Photoshop-Kiddie zusammen geschustert haben könnte. Ehrlich Microsoft, das ist die neue "Corporate Identity" von Windows?
- Zudem ist die UI eine fürchterliche Mischpoke aus einem Maus-optimierten Desktop und einem Daumen-optimierten Tablet. Metro-Fenster sind teilweise riesig mit unnötig großen Icons, offensichtlich gemacht für Holzfäller mit dicken Fingern, aber der Windows Explorer ist jetzt so fummelig wie MS Office? Das passt doch nicht zusammen!
- Die neue Benutzerführung in der Systemsteuerung ist recht angenehm für schnelle, oberflächliche Anpassungen, aber sobald man etwas tiefer in das System eingreifen möchte, sucht man sich einen Wolf nach den gewohnten Dialogfenstern - sofern man noch nicht das Rechtsklick-Menü über das Startmenü-Icon entdeckt hat. Eine Verknüpfung zur komplexen (aber umfassenden) Ansicht der Systemeinstellungen hätte nicht weh getan, oder?
- Fonts und Icons sind stellenweise fürchterlich pixelig und dem Jahr 2015 nicht angemessen.
- In der linken Spalte des Startmenüs werden alle Einträge einfach untereinander aufgelistet. Der "Ein-/Aus-Schalter" geht da fast unter, wo doch gerade dieser Schalter exponiert sein sollte. Thematische Abgrenzungen hätten dem Startmenü gut getan.
- Cortana bringt es noch nicht.
- Warum schleppen wir den IE noch mit uns herum, wenn wir jetzt den besseren Edge-Browser haben?
- Zwar mag ich einige der mitgelieferten Apps, insgesamt gehen mir die Apps aber auf den Sack. Mein Desktop-PC fühlt sich jetzt wie ein Smartphone im Ausliferungszustand an, vollgestopft mit einem Haufen Medien- und Business-Apps, die alle erst einmal Bibliotheken meiner Dateien anlegen, irgendwelche Konten einrichten und mich sonstwohin vernetzen wollen. Und viele dieser Apps kann man nicht einmal deinstallieren.
- Der Windows Explorer ist jetzt vollgepackt mit Menüs und Icons. Da geht die klare UI vollkommen verloren.
- Ein Punkt, der mich seit XP bei jedem neuen Windows genervt hat: Neue Benutzeroberflächen werden stets nur sehr oberflächlich umgesetzt. So auch bei Metro. Sobald man etwas tiefer in das System schaut, sieht man in den Dialogfenstern und Icons die ganze Geschichte von Windows bis in die späten 90er-Jahre.
- Fast keine Möglichkeiten der Individualisierung. Unter Windows 98 konnte ich gefühlt mehr aus dem System machen als unter Windows 10.
Fazit:
- Die neuen Strukturen wirken noch nicht zu Ende ausgeführt. An vielen Stellen habe ich noch das Gefühl, mit einer Beta zu arbeiten, auch wenn funktionell bisher nichts zu meckern habe.
- Waren vorherige Windows-Versionen als "Klicki-Bunti" verschrien, ist die neue Metro UI nun zu weit reduziert. An vielen Stellen merkt man, dass der Metro-Designsprache die visuellen Elemente fehlen, um die vielfältigen Aufgaben und Interaktionen eines Betriebssystems für den Benutzer ansprechend zu transportieren. Eine Reduktion der Aero-Oberfläche (wie es die Modding-Community vorgemacht hat) unter Beibehaltung der grundsätzlichen Design-Prinzipien wäre der richtige Weg für den Desktop gewesen. So würde sich Windows 10 auch harmonischer in die Windows-Familie einfügen.
- Trotz Rückkehr des Startmenüs ist der Zuschnitt auf die Mobil-Welt mit ihren Apps unverkennbar. Mir gefällt dieser Trend nicht. Mein PC ist ein Arbeitsgerät und Spiele-Rechner. Zwar darf mein Desktop auch optisch etwas her machen, aber das Design sollte dennoch der Funktion folgen und nicht umgekehrt.
Ausblick: Mittlerweile spiele ich fast ausschließlich Indie-Spiele, die meist auch unter Linux laufen. Und schon seit geraumer Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, für meine Arbeit auf ein Macbook umzusteigen (die Macintosh-Welt hat einfach noch immer die besten Programme für Designer). Da ich immer mehr das Gefühl habe, dass Windows für PCs nur noch ein Abfallprodukt ist, das aus Versatzstücken der Vergangenheit und der boomenden Mobil-Welt zusammen geschustert wurde, und ich mich auch nicht wirklich mit der Metro UI anfreunden kann, ist die "Gefahr" groß, dass mein nächster PC niemals mit Windows in Berührung kommen wird. Im Moment kann ich mir nicht so recht vorstellen, mich für die nächsten Jahre dem gegenwärtigen Design-Paradigma von Windows zu unterwerfen.