CoolHandLuke schrieb:
Naja, Bible, Thora und Korane geben wunderbar die Art zu denken, das Verständnis über die Zusammenhänge der Welt um die damaligen Menschen herum, das Weltbild und auch politische Einstellungen der jeweiligen Epochen wieder. Auf der einen Seite sind sie historische Dokumente mit einer beschränkten Glaubhaftigkeit, was eine unveränderte Überlieferung in den Jahrhunderten und Jahrtausenden betrifft,
Dies trifft leider nicht zu. Zb wurde das Buch Daniel lange für eine reine Legende ohne geschichtlichen Hintergrund gehandelt, er vor kurzer Zeit hat man erkannt, dass mit dem Buch Daniel schon seit langem eine Quelle für die Königsfolge in Babylon hat. Gerade der verwirrende Satz, dass Belsazar in zum dritten in seinem Reich macht, war der Schlüssel. Oder die Abrahamgeschichte hielt man wegen der angeblich erst späteren Domestizierung von Kamelen ebenfalls für fiktiv, bis man bei Ausgrabungen archäologische Hinweise auf eine viel frühere Domestizierung gefunden hat, witzigerweise knapp vor Abraham.
Mehr Beispiele dazu: Siehe das Buch mit ISBN 3625105152 ("
Und die Bibel hat doch recht: Forscher beweisen die Wahrheit der Bibel", sicher nicht vollständig und immer korrekt, aber ein Anfang)
CoolHandLuke schrieb:
auf der anderen sind sie auch nur zeitgenössische fiktionale Werke - Bücher ohne einen wissenschaftlichen Anspruch. Sie versuchen Antworten aus der Perspektive der jeweilien Zeit zu geben.
Falsch, sie sind weit mehr als fiktionale Werke, enthalten Tatsachenberichte, Kultur im Sinne von Lyrik, Poesie usw., aber auch Gleichnisse, Metaphern und Prophetie (das bezeichnest du vermutlich als fiktional... bitte korrigiere mich, wenn ich mich irre)
CoolHandLuke schrieb:
Das ist soweit auch okay. Nur stelle ich mir die Frage, wann solche "Werke" ihre Gültigkeit verlieren, überholt oder widerlegt sind. Man kann auch nicht ewig - der Tradition halber oder weil es so schön einfach ist
Deine Meinung taucht auch seit Jahrtausenden immer wieder auf (ich unterstelle dir mal eine Gewisse literarische und historische Bildung, da du Argumente sehr bewusst selektierst), änderst du sie deshalb nun?
CoolHandLuke schrieb:
Von daher wäre es meiner Meinung nach vollkommen naiv und dumm, sein Weltbild rein aus solch veralteten Texten und fiktiver Literatur zu beziehen.
Ich denke das Alter kein Merkmal von Qualität ist (weder in der einen noch in der anderen Richtung), aber interessiere mich für deine Alternative!
Darüber hinaus, woraus schließt du, dass Christen, Juden und Moslems ihr Weltbild allein aus Religion beziehen? Wusstest du, dass der (zweite)
Leiter des Humangenomprojektes, Francis Collins, überzeugter Christ ist?
Er beschreibt seine atheistisch geprägte Jugend (und junges Erwachsenalter) witzigerweise genau so, wie viele hier über Religion denken:
I had always assumed that faith was based on purely emotional and irrational arguments, and was astounded to discover, initially in the writings of the Oxford scholar C.S. Lewis and subsequently from many other sources, that one could build a very strong case for the plausibility of the existence of God on purely rational grounds. My earlier atheist's assertion that "I know there is no God" emerged as the least defensible. As the British writer G.K. Chesterton famously remarked, "Atheism is the most daring of all dogmas, for it is the assertion of a universal negative."
Auch geht er auf die angebliche (!) Konfrontation mit der Wissenschaft nach seiner Zuwendung zum Christentum ein:
So, some have asked, doesn't your brain explode? Can you both pursue an understanding of how life works using the tools of genetics and molecular biology, and worship a creator God? Aren't evolution and faith in God incompatible? Can a scientist believe in miracles like the resurrection?
Actually, I find no conflict here, and neither apparently do the 40 percent of working scientists who claim to be believers. Yes, evolution by descent from a common ancestor is clearly true. If there was any lingering doubt about the evidence from the fossil record, the study of DNA provides the strongest possible proof of our relatedness to all other living things.
Und zum angeblichen Konflikt zwischen Religion und Evolution
But why couldn't this be God's plan for creation? True, this is incompatible with an ultra-literal interpretation of Genesis, but long before Darwin, there were many thoughtful interpreters like St. Augustine, who found it impossible to be exactly sure what the meaning of that amazing creation story was supposed to be. So attaching oneself to such literal interpretations in the face of compelling scientific evidence pointing to the ancient age of Earth and the relatedness of living things by evolution seems neither wise nor necessary for the believer.
http://www.cnn.com/2007/US/04/03/collins.commentary/index.html
Sein wissenschaftlicher Wert wurde trotz seines tiefen und überzeugenden Glaubens nicht geschwächt, ganz im Gegenteil. Und das Humangenomprojekt gilt zweifelsfrei als einer der größten Errungenschaften der modernen Wissenschaft.
MATRIX_Morpheus schrieb:
@Lithium-Ion: Ohne jetzt auf die einzelnen Punkte genauer einzugehen, kann ich bei Interesse nur die Lektüre von "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins empfehlen. Da wird auf wirklich alle die von dir aufgezählten Punkte eingegangen und mehr oder weniger erklärt wieso sie aus wissenschaftlicher Sicht blödsinn sind.
Sorry, aber das war der schlechteste Vertreter den du dir aussuchen konntest. Seine Thesen sind auch unter atheistischen Wissenschaftlern äußerst kritisch beäugt (siehe auch Wikipedia)...
Weißt du was an Dawkins besonders amüsant ist? Er nennt sich Professor, ist jedoch von einem Millionär (Charles Simonyi) an einem von diesem
Millionär privat gestifteten Lehrstuhl an der Oxford als Professor berufen worden.
Ein an einer
deutschen Elituuni (!) regulär (!) berufener Professor für Mikrobielle Ökologie wird aufs heftigste kritisiert und angefeindet, weil er sich wiederholt evolutionskritisch geäußert hat und zu seinem Glauben steht.
Ähnlich ergeht es oft einem anderen
regulären Professor an der Oxford, John Lennox.
Paradox, oder?
MATRIX_Morpheus schrieb:
Aber um einen Punkt kurz anzusprechen der mir sofort Aufgefallen ist: Evolution hat (fast) NICHTS mit Zufall zu tun. Die Alternative zu Intelligent Design, ist nicht "Zufall", sondern natürliche Selektion.
Falsch. Die Mutation ist zufällig, die Selektion nicht. Natürlich kann man philosophisch diskutieren, wann eine Mutation zufällig ist und wann nicht. Ein Mathematiker spricht (einfach ausgedrückt) dann von Zufall, wenn sich eine Zahlenfolge nur durch sich selbst beschreiben lässt. So gesehen ist Mutation kein reiner Zufall, weil sie sich in der Regel erklären lassen. Betrachtet man eine Zelle als geschlossenes System das festen Regeln folgt, kann man jedoch
bei beiden Mutationsursachen (Spotanmutation und indizierte Mutation) von Zufall sprechen. Durch Selektion wird die tatsächlich Einfluss des Zufalls in der Interaktion der Umwelt aber reduziert.
=dragon= schrieb:
Als logisch denkender Mensch, glaube ich an die Evolution oder etwas vergleichbares ohne einen "Schöpfer".
Ich denke
Logik ist nicht das geeignete Kriterium, um Gläubige von Atheisten zu unterscheiden. Glaubst du anerkannte Professoren wie John Carson Lennox (Mathematik) und Francis Collins (s.o.) denken nicht logisch? Ich empfehle dir mal die Bücher von prof. Lennox, er beschäftigt sich sehr eingehend mit diesen Fragen:
http://en.wikipedia.org/wiki/John_Lennox
=dragon= schrieb:
Religionen verweigern sich der Realität, und heißen das gut.
In meinen Augen sind religiöse Menschen, Menschen die freiwillig aufgehört haben zu denken und zu hinterfragen weil es einfacher und bequemer ist irgendwas zu glauben.
...
Ich wundere mich noch immer wie sich der Mythos der Schöpfung bis heute halten konnte. Im Zeitalter wo wir wisen wie man Atome spaltet, und die Relativitätstheorie haben und String Theorie..wo wir schrittweise den Geheimnissen des Universums näherkommen und dadurch auch das Recht erwirken, wissenschaftliche Thesen zu erstellen. Wir sind auf den Mond geflogen, wissen, dass die Erde keine Scheibe ist.
Trotzdem glaubt ein Großteil der Menschen auf dem Globus an etwas, wie wir heute wissen, unmögliches.
Verdammt wir sind soweit, dass wir bewiesen haben, dass es Schwarze Löcher gibt..
Vermutlich weil all diese Dinge Glauben nicht widersprechen? In Pslam 111,2 heißt es: "
Groß sind die Werke des Herrn; wer sie erforscht, der hat Freude daran". Glauben ist kein Ersatz für Wissenschaft, noch ein Widerspruch! Mit jeder neuen Entdeckung (insb. Physik und Astronomie) bin ich erneut fasziniert von der Kreativät und Kompetenz Gottes.
Sagt dir der Begriff "Anthropisches Prinzip" etwas?
Ein einzelnes (!) Beispiel: Betrachten wir den Zeitpuntk des Urknalls. Wäre das Verhältnis von Masse zu Energie nur um ein Trillionstell größer gewesen, wäre das All wieder kollabiert. Wäre es ein Trillionstell kleiner gewesen, hätte Materie nicht die Gesternie bilden können.
Für mich Indizien, dass unser Universum nicht auf Summen, Rekursionen und "zufällige" Ereignisse zurückzuführen ist, sondern auf eine gezielte Bildung (hier vermute ich einen Willen, Gott). Und jede neue wissenschaftliche Erkenntnis bestärkt mich in dieser Meinung (das noch als persönliches Statement zum Schluss).
Edit: ich finde es übrigens bedauerlich, dass hier immer wieder extreme Positionen bemüht werdne, anstatt verbindende. Es gibt genug Anknüpfungspunkte zwischen beiden Welten, siehe die oben genannten Personen.