Ich bin mit dem Schreiben meines Reviews der Moondrop Space Travel 2 noch gar nicht ganz fertig, aber das nächste Spielzeug ist nach 10 Tagen auf Reise heute eingetroffen:

Die CrinEar Daybreak von crinacle, der jetzt mit eigener Marke ins IEM-Geschäft eingestiegen ist.
Mein erster richtiger Multi-Driver-IEM, hab zwar schon ein paar gehört wie z.B. die ThieAudio Monarch Mk2 aber nie selbst besessen.
Ich höre mich gerade erst mal durch meine Test-Playlist. Erster Eindruck: Definitiv eine Hifi-Abstimmung, tendenziell analytisch, aber der (Tief und Mid-)Bass ist spürbar angehoben und auf einem sehr guten Level, färbt aber nicht in die unteren Mitten, so soll es sein. Der Bereich um 4-6kHz kommt mir jedoch etwas überbetont vor. Dadurch spielen sie sehr direkt, können aber je nach Abmischung der Musik auch etwas anstrengender wirken. Zumindest mit den mittleren Silikon-Aufsätzen die ich gerade drauf hab, ich kann mir vorstellen dass die mit den Memory Foam Aufsätzen hier zurückhaltender sind. Das betraf bisher aber nur Songs die ohnehin zu solchem Verhalten neigen.
Klarheit/Auflösung und Imaging sind sehr gut, in den Höhen bemerke ich gerade noch nichts das ich vermisse, aber auch nichts was stört. Die Test-Songs die bei vielen Kopfhörern zu Sibilanten neigen sind hier nicht negativ aufgefallen. Generell werden die akustischen Elemente schön im Hörraum platziert und sind klar ortbar.
Wenn ich jetzt einen Direktvergleich mit meinen 7Hz Timeless mache fallen die Unterschiede direkt auf - sie sind nicht extrem groß, aber die Daybreak klingen mitreißender und legen bei der Auflösung noch mal spürbar ne Schippe drauf. Ich denke hier macht sich das Multi-Driver-Setup bemerkbar, während die 7Hz Timeless ja nur einen single planarmagnetischen Treiber haben. Auch im Vergleich mit meinen bereits abgestimmten Nothing Ear, aus meiner Sicht die Referenz bei kabellosen In-Ears, machen die Daybreak eine überaus gute Figur. Und das liegt nicht an Bluetooth, da die Daybreak an meinem Qudelix 5K hingen liefen beide mit LDAC über Bluetooth. Erst im Direktvergleich mit meinen Hifiman Edition XS (ebenfalls über den Qudelix und mit EQ Preset) mussten sie sich geschlagen geben, aber die sind auch recht hell abgestimmt und eben mit EQ, die Grundabstimmung ohne EQ ist bei den Daybreak auf jeden Fall besser. Wo der große offene Over-Ear natürlich die In-Ears überflügelt ist die Räumlichkeit, aber gut das ist auch etwas unfair. Ich muss aber sagen, für einen In-Ear und allgemein geschlossenen Kopfhörer ist die Räumlichkeit der Daybreak schon ganz gut, das Bühne kommt mir nicht eingeengt vor.
Bin daher mal gespannt wie sie nach meiner Abstimmung performen. Die Basis ist bereits sehr gut, ich denke viel muss ich da nicht tun, ein bisschen an den Resonanz-Peaks arbeiten und dann ist das eine runde Sache. Dass es ohne Behandlung der Resonanzpeaks beiweilen etwas scharf klingen kann ist klar und lässt sich nicht vermeiden, außer man reduziert den Bereich entsprechend großräumig, aber dann würden sie muffig klingen, ist ja auch nicht Sinn der Sache.
Wenn ich jetzt mal mit nem Sinus-Generator durch das Frequenzband fahre folgt es schön ohne große Abweichungen der Zielkurve bis ich bei ca. 4kHz den ersten erwarteten Höhepunkt erhöre, der aber auch der Zielkurve entspricht. Danach geht es wieder runter, der Resonanz-Peak kommt dann bei mir bei 6kHz, danach fällt es um 8kHz etwas ins Loch wo der Pegel ein gutes Stück abgenommen hat (das hab ich aber bis jetzt bei quasi allen In-Ears so festgestellt), kommt dann Richtung 10kHz zurück für den sekundären Resonanz-Peak irgendwo bei 10-12kHz, der hier aber tatsächlich kaum bemerkbar macht, im Gegensatz zu den Moondrop Space Travel 2 wo ich bei 10kHz nen ordentlichen Peak hab, und versinkt dann langsam in die Hörgrenze. Keine nennenswerten Peaks und Dips nach 10kHz ist auch etwas das ich bisher nur bei sehr wenigen Kopfhörern so wahrgenommen habe, gute Arbeit.
Was ich also bei der Abstimmung machen werde, 4kHz leicht runter, 6kHz etwas mehr runter, versuchen das 8kHz Loch auszufüllen und ich denke das wars. Was die Kanalungleichheiten angeht, bei ca. 6,5kHz ist die rechte Seite ein ganzes Stück lauter als die Linke, bei 8kHz die linke minimal lauter als die rechte, ansonsten unauffällig. Da mein Qudelix seit irgendeinem Update unabhängige Filter für Links/Rechts kann werde ich mal versuchen das auch noch auszugleichen, dann sind wir nahe der Perfektion. Die Sache mit dem parametrischen EQ ist, man kann zwar theoretisch aus Scheiße Gold machen, aber es ist einfacher aus Gold nen Diamanten zu formen, denn irgendwo sind physikalische Grenzen, und wenn die passive Basis bereits so gut abgestimmt macht das viel mehr Spaß und außerdem hilft das enorm wenn man gerade mal keinen EQ in der Kette hat, weil sie auch ohne ordentlich klingen. Die Nothing Ear haben ja auch einen parametrischen EQ und sind bereits von mir abgestimmt und klingen wie ich finde hervorragend, aber sind trotzdem noch etwas schlechter als die Daybreak schon ohne EQ.
Abseits des Klangs, die Verarbeitung ist top, das Kabel brauchbar, Design unauffällig/zweckmäßig (find ich gut), die Abschirmung ist auch ordentlich, klar ANC gibt es hier leider nicht, aber für unterwegs nutze ich eh kabellose In-Ears mit ANC, das ist dann doch praktischer. Wobei man diese hier sicher auch ohne ANC gut in lauteren Umgebungen nutzen kann, mit den Foam-Tips besser als mit Silikon. Was haben wir früher nur ohne ANC gemacht?
Fazit, meine hohen Erwartungen wurden erfüllt. Ich bin irgendwie gespannt wo die Reise mit den noch zu erwartenden In-Ears der Referenz-Klasse hingehen soll, aber ich denke die werde ich nicht kaufen, für meine Ansprüche reicht das hier vollkommen aus. Perfekt sind sie nicht, aber das werden In-Ears (und Kopfhörer allgemein) wohl auch nie sein, daher ist ein parametrischer EQ immer gut um die kleinen Imperfektionen anzugehen, dann stehen hier eigentlich keine Wünsche mehr offen.