chancaine schrieb:
Das sehe ich total anders. Ich habe es gerade gesehen und bin noch immer absolut unter Strom und voll geflasht. Habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und bin froh, dass ich ebend nicht bis nächste Woche warten muss, um zu erfahren, ob die ganze Menschheit überlebt ;-)
Auch wundert es mich echt, was die Leute immer für angebliche Logikfehler entdeckt haben wollen. Ich tauche bei solchen Filmen ganz in die Story ein und bin mittendrin, wenn es nicht ganz schlecht gemacht wurde.
Leider hat mein Fernseher wunderbares Clouding und jede Menge digitale Legosteine produziert und ich hatte volle 74 Minuten „diesige Sicht“..
Klar kannst du das gerne anders sehen. Aber ich finde, das ist einfach seit zwei Staffeln kein GoT mehr. Ich habe manchmal das Gefühl, eine andere Serie zu sehen.
Früher waren die Dialoge tiefsinnig, kreativ, scharfzüngig. Die Szenerie rau, auf eine gewisse Art historisch authentisch, die Geschichte spannend und voller unerwarteter Wendungen. Kämpfe waren brutal und gefährlich für alle Beteiligten. Die Personen waren gut charakterisiert, jeder hatte seine Stärken und Schwächen, die wenigsten waren stereotyp gut oder böse. Die Serie hat mir vor allem deshalb so gut gefallen, weil jede Szene, jede Handlung, jedes Gespräch nachvollziehbar
und unterhaltsam war. Ich hatte großen Respekt vor Tywin, Cersei, Jon, Dany, Ramsay und unzähligen anderen Figuren, weil die wirklich was drauf hatten. Viele davon sind irgendwie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Inzwischen konzentriert sich alles nur noch auf den seichten Unterhaltungsaspekt und möglichst großspurige Schauwerte. Achja, und auf Peniswitze.
Und die alles entscheidende Schlacht? Da wird eine Reiterei aus tausenden von Männern sinnlos in den finsteren Tod geschickt, Soldaten und Ballistae stehen
vor der Palisade rum und lassen sich abmetzeln, die Soldaten hocken später im Burghof und warten darauf, dass ihnen einer ihren Job erklärt, der magisch begabte, allwissende Bran darf sowieso nur rumsitzen, Jon und sein Drache fliegen entweder ziellos umher oder schauen der Schlacht zu und ein Deus Ex Machina Moment jagt den nächsten. Die Story in der Krypta war exakt so, wie es viele vermutet haben, aber passiert ist eigentlich... nichts? Am Ende wird Sauron, ähm ich meine Voldemort, ach nee, der Nachtkönig im letzten Moment gekillt, und die über viele Staffeln behutsam aufgebaute Bedrohung ist mit einem Schlag erledigt. Und die weißen Wanderer? Staffage. Verluste in den eigenen Reihen? Fast nur Fußvolk, und das soll spannend sein? Das Wörtchen "Fan-Service" drängt sich förmlich auf.
Wir haben es hier nicht mit einem versierten Feldherrn und unberechenbaren Psychopathen wie Ramsay Bolton zu tun, sondern mit einer Horde Untoter. Deren Taktik ist recht vorhersehbar: Die rennen einfach alles über den Haufen. Dass unsere Helden verlieren, weil sie eine völlig idiotische Taktik fahren, und sich exponiert aufstellen, nervt mich. Da wird dem Zuschauer eben nicht mehr viel zugetraut. Nach dem Motto: Egal wie wir das inszenieren, die werden schon jubeln, ist ja schließlich Game of Thrones. Das erinnerte mich stark an ST: Discovery und TWD.
Natürlich muss ich zugeben, dass ich sehr hohe Erwartungen an diese Folge hatte, und die Gefahr, etwas enttäuscht zu werden, war groß. Aber der Weg, der hier gewählt wurde, war bestenfalls eine Mischung aus den schlimmsten Befürchtungen in absolut mittelmäßiger Umsetzung.
Einer abschließenden Bewertung möchte ich mich noch enthalten, bis ich die letzten drei Folgen gesehen habe. Aber wenn dort nicht noch ein As aus dem Ärmel gezaubert wird, war das für mich wohl der mieseste Abstieg einer einst glorreichen Serie, den es je gab.