Exar_Kun schrieb:
In Vollzeit kann man die Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung ab 4 Monaten durchlaufen, bei E-Technik ist die Rede von 6-12 Monaten. Ich möchte mal einen Bachelorstudiengang sehen, den man in der gleichen Zeit erledigt. Und das ganze muss man natürlich auch mal vor dem Hintergrund sehen, dass diese Inhalte auf Handwerker zugeschnitten sind. In dieser Zielgruppe herrscht - das muss man leider nüchtern feststellen - ein anderes intellektuelles Niveau als bei Hochschulstudenten.
/sign
Exar_Kun schrieb:
Jeder Bachelorabsolvent hat eine vielfache Menge an Stoff gelernt, der bei einem Handwerksmeister vorausgesetzt wird. Aber das ist ja auch in Ordnung. Schließlich würde niemand auf die Idee kommen, einen Ingenieur eine Stromleitung verlegen zu lassen, bzw. einen Elektrotechnikmeister Bauteile für eine Anlage konstruieren zu lassen.
Dieses Vergleichsranking ist einfach maximal unpassend und wirklich nur ein verzweifelter Versuch des Handwerksverbands, ihre prestigearmen Ausbildungsberufe aufzuwerten.
Ich würde vielleicht nicht gleich so weit gehen, es als Aufwertungsversuch zu sehen, da Meister ja durchaus auch stolz auf ihre Ausbildung sein können und meistens ja auch sind. Es liegt nur kein Sinn darin, es mit einem akademischen Abschluss zu vergleichen...vor allem weil die Erreichten Kompetenzen, wie du es ja schon erwähnt hast, GANZ andere sind.
Den Meister zeichnet ja halt seine praxisorientierte Erfahrung aus + Bearbeitung dieser praktischen Probleme. Das theoretische Wissen, wie du ja auch geschrieben hast, welches erfordert wird, ist weder qualitativ noch quantativ auch nur -ansatzweise- in dem Maße vorhanden, wie es bei einem Hochschulabschluss der Fall ist.
cb-leser schrieb:
Richtig! Darum muss man mMn. zwischen Stufe 6 "Handwerk" und Stufe 6 "Hochschulstudium" unterscheiden.
Schau dir
im PDF auf Seite 7 beim Niveau 6 die Spalten "Wissen" und "Fertigkeiten" an und du siehst, was ich meine.

(...)
Ist ja soweit sinnvoll, allerdings wird durch die gleiche Stufe eine direkte Vergleichbarkeit suggeriert.
Nur Abschlüsse, die nach den gleichen Kriterien eingestuft wurden, also verschiedene nationale Handwerksabschlüsse (respektive Hochschulabschlüsse) sind jeweils untereinander (sozusagen "sortenrein") vergleichbar.]
Sucht man einen "Handwerker" auf Stufe 6, wird's konkreter.
Ich finde jetzt genau gar nicht, dass unter Stufe 6 auch nur IRGENDWAS konkreter wird.
Unter Stufe 6 heisst es wörtlich unter "Fertigkeiten":
"
Über ein sehr breites Spektrum an
Methoden zur Bearbeitung komplexer
Probleme in einem wissenschaftlichen
Fach, (entsprechend der Stufe 1 [Bachelor-
Ebene] des Qualifikationsrahmens
für Deutsche Hochschulabschlüsse),
weiteren Lernbereichen
oder
einem beruflichen Tätigkeitsfeld
verfügen.
Neue Lösungen erarbeiten und unter
Berücksichtigung unterschiedlicher Maßstäbe
beurteilen, auch bei sich häufig
ändernden Anforderungen."
Punkt 1 hat der Meister gar nicht.
Punkt 2, finde ich, trifft auch nicht auf ihn zu...denn wo hat der Meister denn ständig "Neue Lösungen" selbstständig zu erarbeiten und das auch noch bei "häufig ändernden Anforderungen"?
Der KFZ-Meister lernt was über Autos, aber der erfindet doch nicht das Rad neu. ALLES was er beigebracht bekommt, im Theorieteil, kriegt er doch vorgekaut, damit er es auf seine praktischen Lösungen übertragen kann.
Da erarbeitet der doch genau gar nix selbst -> also eine "neue" selbstständige Lösung für "neue/sich ständig ändernde" praktische Probleme.
Und wie sieht es bei der Praxis/praktischen Problemen aus?
Da haben wir doch auch schon 100.000x erwähnt, dass der Meister sich durch seine ERFAHRUNG auszeichnet...und was ist Lernen/Wissen, dass durch Erfahrung erreicht wurde?
Es ist das anlernen und merken von bereits bekannten Problemlösungen.
Nix mit neuen Problemen, nix mit sich STÄNDIG ändernden Problemstellungen etc. pp.
Keiner der beiden Fälle schildert doch auch nur Ansatzweise das, was ein Meister täglich macht.
Oder will jetzt hier einer sagen, der Maurermeister muss auf einmal irgendwelche Kalkulationen vom Architekten selber aufstellen, oder plötzlich die Wand neu erfinden?
Quark, er hat tausende verschiedene Wände gebaut und kann aufgrund seiner Erfahrung jedwede Wand bauen, die es zu bauen gilt -> der erfindet aber nie die Wand neu oder muss IRGENDWAS bauen, wo er auf keine Vergleichswerte zurückgreifen kann.
Ergo muss er NIE vollkommen neue Probleme lösen und auf ständig ändernde Rahmenbedingungen achten...
Insofern ist die Formulierung doch einfach Quark, man spricht dem Meister Fertigkeiten zu, die er nicht besitzt und Problemstellungen, die er so in der Realität auch niemals löst/anwendet, vor allem, weil solche Problemstellungen gar nicht bei ihm auftauchen...