@S!lent Death / @all:
Also, erstmal: IQ ≠ Fähigkeiten.
IQ-Tests haben zum einen eine Varianz, sie geben also nur die Richtung, keinen wirklich präzisen Wert an und sie bestehen aus vielen Untertests...man kriegt damit also einen Durchschnittswert geliefert aus vielen verschiedenen Teilgebieten. Wer extrem sprachlich begabt ist, kaum aber mathematisch, würde wohl z.B. keinen technischen Studiengang schaffen, hätte aber trotzdem keinen allzu niedrigen IQ, da er deutlich überdurchschnittlich in den sprachlich orientierten Untertests abschneiden würde.
Weiterhin spiegelt der IQ selbst ja ebenfalls nicht deine bereits erworbenes Wissen wider. Im IQ-Test geht es nicht um Wissen. Der IQ-Wert attestiert dir nur ein gewisses geistiges Potential...ob du dieses Potential (durch lernen, Arbeit, Studium) überhaupt ausschöpfst und etwas aus dem Potential machst ist eine ganz andere Frage, die zu einem großen Teil auch aus Fleiß besteht.
Und schlussendlich ist es ja durchaus auch möglich, IQ-Tests zu manipulieren...insofern kann man sich über die Aussagekraft eines IQ-Tests sowieso bestenfalls unsicher sein - man weiß halt i.d.R. nicht, wer manipuliert hat und wer nicht.
Das erstmal dazu.
Warum Meister keinen Bachelor schaffen und schon gar keinen Master?
Ganz einfach: Wir haben am Anfang bereits darüber gesprochen, dass dem Bachelor, im Vergleich zum Meister ewig viel Praxiserfahrung fehlt. Ich habe dabei festgehalten: KEIN Bachelor würde, ohne 2,3,4 Jahre Arbeit(=Praxiserfahrung) eine Meisterprüfung bestehen - wie auch?
Er hätte keine Chance in den praktischen Gebieten der Prüfung.
Weiterhin würde die praktische Seite des Tests erfordern, dass der Bachelor nicht über "2 linke Hände" verfügt.
Wenn man etwas technisches studiert, werden wohl die meisten nicht "2 linke Hände" haben, aber selbst in solchen Studiengängen dürfte man noch, ich schätz einfach mal, 30-40% Leute finden, die "2 linke Hände" haben.
Für diese handwerklich begabten Bachelor wäre aber auf jeden Fall noch die Praxiserfahrung nötig. Zugegeben, in diesem Fall habe ich damit argumentiert, dass bei den handwerklich begabten nur "eine Frage der Zeit, nicht des Könnens" ist.
Aber das stimmt ja auch, wer ein Bachelorstudium schaffte und keine 2 linken Hände hat, der würde, mit ein paar Jahren praxis, definitiv jede Meisterprüfung schaffen, wenn er wollte.
Wie sieht die Lage nun umgekehrt für den Meister aus?
Die Meisterprüfung umfasst, je nach Richtung, i.d.R. sehr vereinfachte Theorieinhalte des 1. und 2. Semesters, mit viel Glück noch ein ganz wenig aus dem 3. Semester - das wars.
Ad hoc, also direkt nach seiner Meisterprüfung, könnte der Meister also nichtmal eine Klausur aus dem 2. Semester überstehen - ihm fehlt schlicht das theoretische Wissen.
ascer schrieb:
Benjamin Bloom, ein renommierter Psychologieprofessor, stellte die "Bloom'sche Taxonomie" auf, um Niveaustufen für "Wissen" aufzustellen:
Niveau 1: Wissen, Kenntnisse (Knowledge)
Niveau 2: Verstehen (Comprehension)
Niveau 3: Anwenden (Application)
Niveau 4: Analyse (Analysis)
Niveau 5: Synthese (Synthesis)
Niveau 6: Bewertung (Evaluation)
Später wurde diese Taxonomie von anderen noch erweitert bzw. spezialisiert.
In weiteren Studien wurde festgestellt, dass allgemeinschulische und berufsschulische Aufgabenstellungen hauptsächlich die Niveaustufen 1-3 abdecken.
Erst an Hochschulen wird ein merkbarer, sehr starker Fokus auf Niveau 4-6 gesetzt.
Das erklärt und unterstreicht, wo die Wissensunterschiede vorherrschen, wie diese zu erklären & definieren sind und warum sie überhaupt existieren.
Dieses Zitat fruchtet auf bereits belegten Studien. D.h. also nicht nur vom Stoffumfang hat der Meister deutlich weniger Theorie und einfachere Theorie gemacht, auch das Lernniveau, also, die Art und Weise der Stoffvermittlung und die Lernanforderungen, die an den Meister gestellt wurden, sind ganz andere.
Wie sollte sich also ein Meister, ad hoc, einfach so nach seiner Prüfung, mit Stoff auskennen können, für die er Fähigkeiten aus den Bereichen 4-6 benötigt, wenn er bis jetzt nur das Lernniveau 1-3 kennengelernt hat?
-> geht nicht.
ascer schrieb:
Der IQ ist (...) mit über 1000 Probanden bei Gesellen/Meistern (KFZ, Maurer,...) in einer Spanne von 100-115 gemessen worden.
Von Hochschulstudenten gibt es regelmäßiger Tests, dort könnte man beispielsweise auch
http://www.die-besten-nennen.de/sites/texte/text3.htm als Quelle nennen. Diese Webseite wiederrum hat dutzende belegte Studien als Quelle selbst.
Bei Personen mit Universitätsabschluss wird hier 125-132 als Durchschnitt angesehen, wobei sich der Wert auf das frühere Diplom bezieht, mit Anmerkung, dass er beim Bachelor nicht viel niedriger ist..wenn ich es richtig im Kopf hab aus einer aktuellen Studie, 120-129...
mdave schrieb:
Der Anspruch an die geistigen Fähigkeiten ist in so ziemlich jedem Studiengang um ein Vielfaches höher. (...) durch Theorieteil (...) Im theoretischen Teil hat der Meister keine Chance. (...) Aber alles auf einem extrem vereinfachenden Niveau. (...) Das physikalisch-mathematische Verständnis um tiefer einzusteigen wäre auch nicht vorhanden. (...) Der mathematisch-naturwissenschaftliche Anspruch ist im bachelor-Studium nahezu unendlich höher, weil der Meister eben nur ein paar oberflächliche Grundlagen beigebracht bekommt. (Das wird der Meister in der Regel nicht so sehen, aber nur weil er keine Vorstellung von der tatsächlichen Komplexität dieser Dinge hat.)
Exar_Kun schrieb:
In Vollzeit kann man die Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung ab 4 Monaten durchlaufen, bei E-Technik ist die Rede von 6-12 Monaten. Ich möchte mal einen Bachelorstudiengang sehen, den man in der gleichen Zeit erledigt. Und das ganze muss man natürlich auch mal vor dem Hintergrund sehen, dass diese Inhalte auf Handwerker zugeschnitten sind. In dieser Zielgruppe herrscht - das muss man leider nüchtern feststellen - ein anderes intellektuelles Niveau als bei Hochschulstudenten.
Jeder Bachelorabsolvent hat eine vielfache Menge an Stoff gelernt, der bei einem Handwerksmeister vorausgesetzt wird.
Diese Zitate sind natürlich jetzt aus dem Zusammenhang gerissen, gerade mein "Beispielpost über IQ-Werte" war ja gar keine Argumentation, nur eine Erwiderung darauf, wie man seriös und objektiv, also mit Fakten, über IQ-Vergleiche überhaupt sprechen KÖNNTE (wenn man es denn wollen würde).
Aber trotz der Tatsache, dass sie aus dem Zusammenhang gerissen sind, kann man hier erkennen, dass eben die Ansprüche an mathematisch/naturwissenschaftliche Fertigkeiten, also theoretische Fertigkeiten, Abstraktionsfertigkeiten, etc. pp. beim Meister deutlich geringer als beim Bachelor sind.
Man kann aus den Fakten ersehen, dass die theoretische Ausbildung beim Meister kürzer ist, weniger Stoff durchgenommen wird und einfacherer Stoff bearbeitet wird.
Man kann aus den Fakten ersehen, dass das Lernziel, Lernniveau, beim Meister, im Theorieteil, ein deutlich niedrigeres ist als beim Bachelor.
Wenn man dann noch Google anschmeisst, weiß man sehr schnell, dass z.B. in technischen Studiengängen eine höhere Durchfallquote herrscht, als bei technischen Meisterprüfungen - fakt.
Und das -obwohl-, wie hier jetzt ja schon mehrmals -belegt- wurde, die geistigen Fähigkeiten, was theoretische Bildung angeht, bei den Studenten nunmal höher sind.
Aus diesen ganzen Fakten(!) lässt sich dann problemlos abschließend folgern:
- Meister sind, was die theoretische Bildung angeht, -deutlich- hinter Bachelorabsolventen angesiedelt
- Meister sind, im Durchschnitt, weniger fähig, was theoretische Bildung betrifft
- Meister haben ein ganz anderes (einfacheres) Lernziel verfolgt und dementsprechend und einfacheres/niedrigeres Lernniveau, bei theoretischer Bildung
- die theoretische Bildung der Meisterprüfung ist qualitativ sowie quantitativ -deutlich- unter der eines Bachelorabsolventen anzusiedeln
So, da steckt jetzt überhaupt keine Wertung meinerseits drin, ich habe nur mit Fakten belegt, warum ein Meister, nach seiner Meisterprüfung, nie im Leben auf dem theoretischen Niveau eines Bachelors ist, folglich also man das ganze -absolut- nicht vergleichen kann...
UND
...warum ein Meister, nach seiner Meisterprüfung, niemals eine Bachelorarbeit, geschweige denn einen Masterstudiengang schaffen würde.
Genausowenig eben, wie ein Bachelorstudent nach seinem Abschluss dazu in der Lage wäre, den praktischen Teil einer Meisterprüfung zu bestehen - die Basics fehlen einfach.