Lübke schrieb:
und was ist wenn ein bachelor einen meister machen will? der würde sich nach deiner theorie ja sogar verschlechtern
Nunja...wenn er gerne praktisch arbeiten möchte, spricht da ja nichts dagegen...ich würd ihn 2 oder vielleicht 3 Jahre praxis sammeln lassen und dann zur Meisterprüfung zulassen, wenn er sie besteht, ist gut, wenn nicht, halt nicht.
Lübke schrieb:
und wenn ich nen bachelor in medizin mit nem bachelor in bwl oder kunstgeschichte vergleiche... wie kann man die bitte auf eine stufe stellen?
Das stimmt, selbst innerhalb des Bachelors gibt es große klaffende Unterschiede, deshalb macht es ja, unter anderem, noch VIEL weniger Sinn, eine so stark andere Ausbildung wie den Meister mit einem Bachelor zu vergleichen, denn selbst untereinander sind Bachelor stark zu differenzieren und auch der viel von mir zitierte KFZ-Meister wird wohl mehr zu tun haben als der ebenfalls oft zitierte Friseurmeister.
Natürlich nichts zwangsweise was sein praktisches Geschick angeht, aber auf jeden Fall was den Lernaufwand angeht, der ist beim Friseurmeister einfach minimal im Vergleich zu vielen anderen Meistern.
Und unter anderem eben weil die Abschlüsse sogar untereinander schlecht vergleichbar sind, macht es doch noch weniger Sinn, jetzt auf einmal eine hohe praktische Qualifizierung mit einer hohen theoretischen Qualifizierung zu vergleichen.
Lübke schrieb:
wesentlicher unterschied zwischen bachelor und meister: der meister muss wirklich was können, für den bachelor reicht theoretisches wissen... studiert hab ich selbst (bwl). war kein großes ding... mein kumpel studiert medizin, der muss echt was auf dem kasten haben. also pauschal zu sagen bachelor ist mehr oder weniger als meister ist wohl sehr oberflächlich und undifferenziert betrachtet.
"wirklich was können" ist aber stark pauschalisiert...sehr stark.
Sicher ist BWL, rein vom Schwierigskeitsgrad her, was anderes als Medizin, Jura, Informatik oder naturwissenschaftliche Studiengänge, aber trotzdem haben die Studiengänge ja alle eins gemeinsam: sie bereiten nicht auf praktisches arbeiten vor.
Und wodran liegt das?
Naja, hast du schonmal einen Betriebswirt gesehen, einen der wirklich glücklich ist und auch -genau- in seinem Aufgabengebiet arbeitet, der was praktisches tut?
Oder 'nen Jura-Absolventen? Chemie? Mathe? Physik? MaschinenBau?
Logischerweise kann nicht jeder alles...und wenn ich dazu fähig bin, je nach Studiengang mehr oder weniger wirklich tiefgreifende theoretische Probleme, also abstrakte komplexe geistige Aufgabenstellungen, mit meinem Hirn zu bearbeiten, warum sollte ich dann, vor allem weil definitiv ein gewisser Anteil der Studenten "2 linke Hände hat" versuchen, etwas praktisches zu tun?
Andersrum genauso: Der Meister hat in aller Regel deshalb seinen praktischen Werdegang eingeschlagen, weil er nunmal keine 2 linken Hände hat, praktisch also wirklich begabt ist, theoretisch aber nicht so viel drauf hat.
Warum sollte er, wenn er z.B. Auto's bauen oder reparieren oder oder könnte, sich hinter nen Schreibtisch klemmen und verzweifelt versuchen eins zu planen?
Alleine was er für Berechnungen für den Luftwiderstand alles in Mathe draufhaben muss, geht sowas von ewig weit über seinen theoretischen Horizont..
Und so fügt es sich doch, dass man eben, normalerweise, in dem Aufgabenbereich tätig wird, wo man Spaß dran hat und etwas leisten kann.
Der Praktiker repariert oder baut etwas, der Theoretiker plant etwas.
Beides ist wichtig, denn ohne Praktiker gibt's keine Realisierung des Plans, der Plan würde ein Plan bleiden.
Und ohne den Theoretiker gäbe es keinen Plan, es könnte also nie was komplexeres gebaut werden.
Die Verzichtbarkeit ist bei beiden nicht gegeben, de facto kann man schonmal davon ausgehen, dass für eine moderne Gesellschaft beide Zweige äquivalent wichtig sind.
Was die, ich kürz es mal mit "Reputation der beiden Zweige" ab, angeht: Da verhält es sich einfach, wie mit allen Dingen in der freien Marktwirtschaft.
Was schwieriger herzustellen/zu erhalten ist und was mehr nachgefragt wird, dass ist eben "begehrter"/"wertvoller"/... oder wie immer man es auch ausdrücken möchte.
Gut, von Turkologie sprechen wir hier sicher nicht im allgemeinen *g*, aber wenn man dem Kern, Medizin/Jura/Informatik/Naturwissenschaften/Technikbezogenes/... bleibt, dann sieht man einfach sehr fix, dass es nach absoluten Zahlen mehr Praktiker in der Berufswelt gibt, als Akademiker, also Theoretiker.
Damit wäre das "Gut" schonmal seltener und die Schwierigkeit in der Beschaffung ist ebenso leicht erklärt: Einfach schauen, wie viele Menschen in der Gesamtbevölkerung fähig sind, einen solchen, ich sag mal schwierigeren, Studiengang zu packen und dann noch berücksichtigen, wie bei diesen bereits theoretisch begabten, also geistig fähigeren, die Durchfallquoten aussehen...
...dann fällt halt sehr schnell auf, die Fähigkeit für praktische Arbeit ist unter der Bevölkerung definitiv breiter gesäht als die für theoretische geistige Aufgaben.
Ebenso sind die Durchfallquoten bei eben erwähnten Studiengängen halt in der Allgemeinheit höher als bei dementsprechenden Meisterprüfungen.
Und daraus resultiert dann ganz einfach: Das Gut "Meister" ist weniger selten als das Gut "Akademiker" und die Möglichkeit der "Beschaffung" neuer Meister ist einfacher, als die neuer Akademiker.