Duggan schrieb:
Preise sind keine moralische Instanz, sondern schlicht das Ergebnis von Knappheit, Kosten und Nachfrage
Und noch vielem mehr. Die Wirkung von Preisen kann sehr gesellschsftlich relevante und damit moralische Wirkungen haben. Wie kann man das nur ignorieren? Dadurch wird der Preis aber nicht zu einem eigene Wert.
Einfachstes Beispiel aus den USA: Sehr hohe Kosten bei Medikamenten und somit eine Anzahl an Armen, die öfters benötigte Medikamente nicht kaufen können. Für mich ist der Preis manchmal überaus moralisch in einem übergeordneten Kontext ... kann also andere (echte!) Werte betreffen! Deshalb ist es ja aus meiner Sicht so gefährlich den Marktpreis als eigenen "Wert" anzusehen, weil es offenbar Menschen dabei hilft, wichtigere, andere Werte schlicht auszublenden.
Ohne Preise kein Wettbewerb, ohne Wettbewerb keine Innovation. Nur Regulierung und Stillstand.
Hier ist wirklich absolut alles falsch. Wettbewerb gibt es in Sport ganz ohne Preise. In Vereinen oder auch in Universitäten gibt es haufenweise Innovationen oft ohne (direkten) Wettbewerb. Ohne Regularien hättest Du keine modernen Märkte, keine modernes Vertragswesen und keine modernen Unternehmen. Stillstand entsteht oft auch bei wenigen Regularien (es geht wie immer um richtige vs. falsche Regularien statt viele vs wenige Regularien - auch ein Kritikpunkt an moderner Ökonomie, die vorrangig quantifizieren will, selbst wenn es um Qualitätsanalysen ginge).
Aber ganz schlimm ist hier, dass Du irgendwie ignorierst, dass ich selber ja den fehlenden Wettbewerb herausstelle, also im Sinne unseres Wirtschaftssystem im zweiten Teil argumentiere. Und Du scheinst nun sogar den fehlenden Wettbewerb positiv darstellen zu wollen? Ich habe schon fast den Eindruck, dass Du einfach nur eine Kontra-Position konstruieren willst, ohne genauer zu analysieren, was ich eigentlich zu Ausdruck bringen wollte.
Gerade wenn Du Wettbewerb wichtig findest, müsstest Du die aktuelle Situation harsch kritisieren!
Marktmacht ist kein Zeichen eines defekten Systems, sondern dessen logische Nebenwirkung
Eine zu starke Nebenwirkung bedeutete, dass das System defekt ist. Wenn eine Substanz in der Medizin so starke Nebenwirkungen hat, dass diese den positiven Effekt überwiegen, dann ist es kein Medikament sondern ein Gift.
Und selbst wenn es eine schwächere Nebenwirkung ist, werde oft zusätzliche Medikamente verschrieben, um die Nebenwirkungen zusätzlich zu bekämpfen.
Was ist Dein Vorschlag zu "Nebenwirkung" des fehlenden Wettbewerbs in einigen Branchen? Ich sehe keinen.
Und wer glaubt, moralische Empörung könne ökonomische Mechanismen ersetzen, verwechselt Haltung mit Wirkung.
Du konstruierst Strohmänner um Dich und andere von moralischen Gedanken völlig zu befreien! Ich will nichts ersetzen sondern klar machen, dass rein ökonomische Betrachtung und die Überhöhung des Preises als "Wert" das Problem birgt, andere - wichtigere - Werte komplett auszublenden.
Mir scheint ... Du bist genau einer der Vertreter, die das gerne möchten.
Wieso? Keine Ahnung. Aber ernsthaft die Frage an Dich: Wie sollen die vielen unmoralischen Ergebnisse in der Wirtschaft denn betrachtet werden? Gar nicht?
Und - neben dieser allgemeinen Betrachtung sage ich schlicht: Hier fehlt aktuelle Wettbewerb. Was Du als "Nebenwirkung" ansiehst. Kann man machen.
Aber wie Du mit dieser "Nebenwirkung" umgehen willst? Null Hinweis.