Wo Fragen des guten Hörsinns aufgeworfen werden, kann Morgoth nicht weit sein.
Und schon bin ich da
Was FooFighter da sagt ist prinzipiell richtig, bedarf an einigen Stellen jedoch einer Relativierung.
FooFighter schrieb:
Wie DVP schon schrieb, nutzt ein 5.1-System auch die Räume zwischen den Boxen. Wahrzunhemen ist dies u.a. durch den von mir beschriebenen "Stereoeffekt" zwischen den Lautsprechern. Der Ton wandert von einem Lautsprecher zum anderen. Dies kann räumlich jedoch nur dann passieren, wenn wie bereits gesagt, alle Lautsprecher eine gewisse Mindestenfernung zueinander haben. Ansonsten wird kein "Stereo-Effekt" wahrgenommen, letztlich ergibt sich ein Surround-Soundfeld immer aus mindestens drei Eckpunkten (2Quellen und Hörposition). Ein Surround-DSP erstellt somit nichts anderes, als mehrere "Stereo-Dreiecke", angeordnet um eine entsprechende Hörposition. Werden nun die entsprechenden Quellen verzögert und die Dreiecke überlagernd wiedergegeben, sind wir beim Surround-Sound angelangt. Der Ton kann wandern.
Die Surround-Lautsprecher sind jedoch nicht dazu gedacht, eine Ortung eines Schallereignisses zu produzieren. Sie sollen Raumklang erzeugen, in Spielen auch Ambient genannt, z. B. Regen, Straßenlärm. Diese Effekte sind nicht ortbar, sondern sorgen beim Zuhörer für ein Mittendrin-Gefühl. Dazu sind Dipol-Lautsprecher nötig, besser noch Rundum- oder Kugelstrahler. Das ist in der ursprünglichen THX-Norm noch genau so definiert (jetzt wahrscheinlich nur noch in den Ultra-Varianten).
Filme benutzen ebenfalls (mit wenigen Ausnahmen) nur Ambient-Sounds auf den Surrounds.
Und hier beginnt der Fehler vieler am Markt erhältlicher Surround-Sets, dass sie mit Direktstrahlern arbeiten, die um ein Vielfaches leichter zu orten sind als Dipole. Etwaige ortbare Effekte sind also hauptsächlich auf Fehler der Lautsprecher zurückzuführen.
FooFighter schrieb:
Zwar bieten auch die Teufel Subwoofer die Möglichkeit einer verzögerten Basswiedergabe (Phasenverschiebung), jedoch sind auch diese Ausgleichsmöglichkeiten sehr begrenzt.
Vorsicht. Die Phasenverschiebung bedeutet keine Verzögerung der Basswiedergabe. Sie sorgt nur für einen konstanten Verlauf der Schallleistung im Übernahmebereich.
Nebenbei: das menschliche Ohr ist gegenüber Laufzeitverzerrungen <10ms größtenteils taub, das würde einen Versatz von 3,4m zwischen Subwoofer und Hauptlautsprechern bedeuten.
Dummerweise erzeugt der Sub selber, und da ganz besonders Bassreflex oder noch schlimmer Bandpässe, dann noch kombiniert mit Subsonicfiltern, dermaßen hohe Gruppenlaufzeitverzerrungen, dass schon ein minimaler Streckenunterschied zwischen Main und Sub zu hörbaren Verzerrungen führen kann.
Also sollte man ihn wirklich auf eine Ebene mit den Mains stellen, besser sogar noch dahinter.
Morgoth schrieb:
Der Trick mit der Basserhöhung durch die Platzierung des Subwoofers in einer Ecke ist natürlich beliebt. Generell eine gute Option, seinem Subwoofer ein bissl mehr Pfiff zu verleihen. Allerdings scheiden sich auch hier die Götter. Eigentlich sollte ein Subwoofer über genügend Power verfügen, auch ohne diese "künstliche" Erhöhung einen guten Bass zu reproduzieren. Nicht immer ist ein künstlich erhöhter Bass wünschenswert. Also heissts auch hier, ausprobieren bis der eigene Hörgeschmack getroffen wird. Jedes Zimmer hat schliesslich seine eigene Akkustik.
Den Sub in einer Ecke zu stellen hat den Vorteil, dass der Kennschalldruck gegenüber freier Aufstellung um 6dB erhöht wird (Bodenaufstellung ist ja immer vorhanden), damit der Sub für eine gegebene Lautstärke weniger Auslenkung benötigt und somit weniger Klirr produziert.
Im Tieftonbereich ist Klirr aber nahezu unhörbar, 10% sind kein Problem.
Die Eckaufstellung hat dem gegenüber allerdings das Problem, dass alle 4 Raummoden (Diagonale, Länge, Breite, Höhe) optimal angeregt werden (ein rechteckiger Raum vorrausgesetzt, davon kann man ausgehen). Das ist viel störender als der höhere Klirr bei freier Aufstellung.
Das einzig wirkliche Mittel gegen Raummoden sind Bass-Arrays mit laufzeitverzögerter Kompensation am entgegengesetzten Raumende. Aber wer stellt sich schon 8 Subwoofer in einen Raum?
FooFighter schrieb:
Hier liegt auch der Grund, warum es wohl auch in naher Zukunft keine DVDs mit 7.1 Quellen geben wird. Es wird schier und einfach nicht gebraucht, die herkömmlichen Aufnahmeverfahren sind auch zur perfekten 7.1 Wiedergabe geeignet, eine Umstellung nicht nötig. Im Prinzip nicht mehr als eine Frage der Physik und Mathematik.
Und hier jetzt der Sinn von 7.1:
mit 5.1 kann man nur Ambient erzeugen, eine Ortung ist nur auf die Frontebene beschränkt (also eindimensional).
7.1 fügt durch die hinteren Direktstrahler die 2. Dimension hinzu: vorne-hinten und links-rechts Ortung.
Bei einem Upmix von 5.1 auf 7.1 wird der Ambient auch auf die Direktstrahler verlegt, somit wieder ortbar (wird hinter den Hörer verlegt). Soviel zu dem Sinn dieses Vorgehens.
FooFighter schrieb:
6.1 ist Perlen vor die....... Im Prinzip findet hier ein ausschliesslich ein Mono-Mix von zwei Quellen statt. Das braucht und will kein Mensch. Zumindest hört sich´s nicht gut an.
6.1 ist eine verminderte Form von 7.1, bei der die beiden hinteren Lautsprecher in einem einzigen Mono-Center zusammengefasst werden.
Man erhält also auch eine Vorne-Hinten-Ortung, allerdings kann man da nicht zwischen Links und Rechts unterscheiden.
6.1 ist also nichts weiter als eine Krücke und dementsprechend schnell wieder von der Bildfläche verschwunden (bzw. ist im Begriff, dieses zu tun).
Interessant wäre es, den 6. Kanal ebenfalls für Ambient zu benutzen, um eine geschlossenere Raumabbildung zu erhalten. Warum das nie gemacht wurde? Keine Ahnung, war wohl nicht nötig.
Soviel dazu.
Gruß
Morgoth