Homeoffice nach der Pandemie

Meinem Chef ist HomeOffice leider ein Dorn im Auge. Nicht nur weil wir Anfang 2020 neue, größere und teurere Räumlichkeiten bezogen haben, sondern auch weil es vereinzelt zu vermeintlichem Mißbrauch der neugewonnenen Freiheit kam. Bei uns wurde HomeOffice mit der Devise erteilt, dass daheim 1:1 wie im Büro gearbeitet wird. Das heißt keinerlei Flexibilität bei der Arbeitszeit. Insbesondere bei Mitarbeitern mit Familie führt das natürlich gerade beim HomeSchooling zu Konflikten und da waren eben 2(!) Mitarbeiter während der nach wie vor 100% geltenden Bürozeiten ab und zu nicht erreichbar - egal ob nachgearbeitet wurde oder nicht. Der Arbeitgeber muss sich daher auch anpassen und darf bzw kann nicht 1:1 dasselbe Konzept @ home wie @ office absetzen. Mittag wäre ein weiteres Beispiel. Ich esse zu Hause so gegen 1400, lange nach der offiziell geltenden Mittagspause......

Für mich persönlich führt das dazu, dass ich beinahe schon ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich meinen von Krebs genesenen Vater NICHT mit dem Bus zur Nachuntersuchung ins Krankenhaus fahren lasse, sondern mich für 1-2h in Teams als "abwesend" kennzeichne (mit Info an den Gruppenleiter) und meinen Vater selbst hinfahre, dafür aber über 2h Arbeit hinten dranhänge...

Ich hoffe dennoch, dass HomeOffice bestand haben wird, aber eher "bei Bedarf" oder zB 2 Tage die Woche, aber nicht komplett und über einen längeren Zeitraum. Auf Dauer verschwimmen bei mir nämlich die Grenzen und "Feierabend" wird zum fließenden Begriff, weil ich nicht wirklich abschalten kann.
 
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SaxnPaule schrieb:
Das ist aber nur die eine Seite der Medallie. Natürlich hat man dadurch höhere Heiz- und Stromkosten. Auf der anderen Seite hat man aber auch sehr viele Vorteile.
Ich meine eher die psychische Belastung.

Pausen werden nicht eingehalten, kein sozialer Kontakt außerhalb der Familie, Gefühl der Überwachung, etc.

Ich bin selbst nicht im Homeoffice, spreche dennoch aus Erfahrung. Wie gesagt: auf freiwilliger Basis begrüßenswert. Aber besser nur durch regelmäßige Einschätzung durch beispielsweise den Betriebsarzt. Wir sprechen hier sonst ganz schnell vom Home-Office-Bournout.
 
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Smartin schrieb:
Ich kann diesen ganzen unpersönlichen Austausch eh nicht mehr ab. Die Leute verlieren komplett ihre Sozialkompetenz.
Da gebe ich dir uneingeschränkt Recht. Daher ist ein täglicher Austausch absolut notwendig. Auch die Zeit für ein paar "private" oder nicht projektbezogene Themen ist da wichtig.
Smartin schrieb:
Zudem ist Homeoffice allenfalls nur dann effizient, wenn man ein familienloser Singlehaushalt mit viel Selbstdisziplin und ohne Ablenkung ist (und ja das sind wir natürlich alle :freak:).
HO führt dazu, dass Freizeit und Arbeit noch mehr verschwimmt, dass der Austausch mit Kollegen wesentlich erschwert wird und ineffizienter wird, gerade wenn es um Brainstorming u.ä. geht. M.E. geht das nur mit maximal 5 Leuten o.ä.
Da möchte ich widersprechen. Das kommt absolut auf die Räumlichkeiten und die restliche familiäre Situation an. Sind Frau und Kleinkind noch daheim, kann es schnell nervig werden. Hat man jedoch ein abgeschottetes Arbeitszimmer oder Frau und Kind sind ebenfalls aus dem Haus sehe ich keinen Hinderungsgrund.
Ohne Selbstdisziplin funktioniert natürlich das gesamt Konzept nicht. Wer ständig geführt und gelenkt werden muss ist nicht geeignet fürs HO. Aber das hatte ich ja in #18 schonmal angerissen.
 
Es wird auf jedenfall ein Punkt beim Vorstellungsgespräch sein. Der Punkt Büro, bei der Wohnungssuche dürfte auch mehr an Bedeutung gewinnen. Ich zumindest hoffe das es mehr an Bedeutung gewinnt. Genauso das digitale lernen und die Arbeit mit dem Laptop für Schüler. Hoffe das unser Schulsystem etwas aus der Pandemie mitnimmt.
Auch für halbtagskräfte ist es eine gute Entwicklung. Ich kenne viele die 1,5std unterwegs sind nur für 4std Arbeit.

ich bin im Außendienst tätig, von daher ist homeoffice normal für mich. Aber unsere Firma hat extrem an IT aufgerüstet um effektiv HomeOffice anzubieten. Hier wird definitiv nicht zurück gerudert. Aber neue Fa. Standorte werden auch kleiner Ausfallen.
 
--//-- schrieb:
Ich meine eher die psychische Belastung.

Pausen werden nicht eingehalten, kein sozialer Kontakt außerhalb der Familie, Gefühl der Überwachung, etc.
Das sehe ich anders. Man ist in der Pausengestaltung genauso flexibel wie im Büro. Wenn man sich seinen Tag vorab schon ordentlich strukturiert und Meetings um feste Pausenblocker drumrum plant, kommen auch Pausen nicht zu kurz.
Ich mache durch HO deutlich weniger Überstunden als noch im Büro. Durch strikte Trennung von Privathandy/Firmenhandy und Privatlaptop/Firmenlaptop klappt das prima.
 
Ich sach doch: freiwillig gerne. Es kommt da sehr auf das private Umfeld an. Und auch im Falle der Freiwilligkeit sollte das regelmäßig beurteilt werden.

Ich bin durchaus dafür (würde es selbst gerne machen), aber ich sehe Risiken.
 
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Wir sind immer noch dabei nach und nach nach Wunsch des Chefs ca. 80% der PC-Arbeitsplätze Homeofficefähig zu machen, bzw. gleich Homeoffice zu realisieren. Da das heißt den (üblichen) PC durch ThinClients und einer virtuellen Maschine zu ersetzen, bzw. den CAD'lern und mobilen Arbeitern ein Notebook zu geben. Bei uns wird es auf Dauer die Möglichkeit geben 40% seiner Arbeitszeit im Homeoffice einzubringen. Das wird dann aber auch im Büro Konsequenzen geben, dass es weniger personalisierte Arbeitsplätze geben wird, sondern sich z.B. 3 Personen 2 feste Büroarbeitsplätze teilen dürfen. Denn die Kosten für das Homeoffice müssen ja irgendwie wieder reingeholt werden..Ich persönlich halte nicht viel von Homeoffice - da fällt einfach die Trennung Arbeit/Privat deutlich schwerer..Und immer daheim zu hocken macht mich auch wahnsinnig..
 
--//-- schrieb:
Ich sach doch: freiwillig gerne. Es kommt da sehr auf das private Umfeld an. Und auch im Falle der Freiwilligkeit sollte das regelmäßig beurteilt werden.

Ich bin durchaus dafür (würde es selbst gerne machen), aber ich sehe
Risiken gibt es immer, egal ob im Büro oder die Tätigkeit zuhause. Wenn ein Job HO anbietet, wird es nicht ohne Grund sein. Mann muss sich von dem Gedanken lösen, HO wegen Pandemie. Sonder HO als zusätzliche Option.
 
Also ich finde es gut, wenn es auf freiwilliger Basis ist, wie bei uns auch. Bei uns konntem an schon vorher einmal die Woche im HO arbeiten. Das habe ich aber nur in Notfällen genutzt (Handwerker), da ich alleine wohne. Ich war vor der Pandemie jeden Tag im Büro, alleine schon um die Kollegen auch persönlich zu treffen. Und der Arbeitgeber muss meines Wissens nach auch Büroräume stellen. Da bekommt man sein eigenes Büro aber auch nur, wenn man täglich da ist. Auf einen "Flap" habe ich nämlich kein Bock. Wird bei uns hoffentlich so bleiben, nur dass eventuell für den einen oder anderen Kollegen die Home Office Zeit von 1 Tag pro Woche auf 2 oder 3 Tage erhöht wird. Zumindest haben das die Kollegen gefordert. Und manchen fällt halt im Home Office die Decke auf den Kopf. Die wollen so schnell wie möglich wieder ins Büro. Ist halt immer ein Abwägen.
 
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SaxnPaule schrieb:
Da möchte ich widersprechen. Das kommt absolut auf die Räumlichkeiten und die restliche familiäre Situation an. Sind Frau und Kleinkind noch daheim, kann es schnell nervig werden. Hat man jedoch ein abgeschottetes Arbeitszimmer oder Frau und Kind sind ebenfalls aus dem Haus sehe ich keinen Hinderungsgrund.
Ohne Selbstdisziplin funktioniert natürlich das gesamt Konzept nicht. Wer ständig geführt und gelenkt werden muss ist nicht geeignet fürs HO. Aber das hatte ich ja in #18 schonmal angerissen.
Hab ich ja geschrieben, dass es auf die häusliche Situation ankommt. Nun leben aber die meisten von uns nicht in einem 150qm Haus mit eigenem Arbeitszimmer und Spielzimmer für die Kinder, sondern eher beengt in einer 2 Zimmerwohnung, während die Kinder durchs Wohnzimmer toben, o.ä. Ist immer individuell unterschiedlich. Als Single habe ich Ruhe, mein Kollege mit Frau und 2 Kindern ist lieber im Büro, weil er zu Hause trotz 120qm Wohnung zu nichts kommt. Kinder wollen halt ihre Aufmerksamkeit.
Selbstdisziplin ist das eine, Ablenkung das andere. Im Zweifel hat man zu Hause mehr Ablenkung. Denn da kommt die private Ablenkung dazu. Im Büro hat man nur die berufliche Ablenkung, die man zu Hause aber zumindest zu einem großen Teil auch hat (klar der Kollege kommt nicht zu Quatschen vorbei, dafür wird man aber viel häufiger angerufen bzw. muss selbst viel mehr telefonieren). Einfache F2F Gespräche oder Abstimmungen müssen aufwändig durch Email oder Calls ersetzt werden. Und wenn dann ständig noch Family and Friends Ablenkungen/Anrufe kommen (weil "man ist ja zu Hause"), dann ist die Belastung deutlich größer. Am meisten nervt aber die Vermischung von Beruf und Freizeit. Ich schaue teilweise noch 22h aufs Handy, wenn eine Mail ankommt, oder am Wochenende. Das war früher nicht so. Wenn ich das Büro verlassen habe, hatte ich Freizeit und habe, allenfalls wenn es mich mal "überkommen" hat, aufs Handy geschaut. Im HO ist man aber gefühlt im Dauerabruf, schon aus Angst, dass man mal nicht erreicht werden könnte und der Eindruck entsteht, dass man nicht arbeiten würde. Und das nervt mich gewaltig.

EDIT: echt schlecht ist es, wenn man sich in einem größeren Haus abstimmen will. Mal ist der im HO, mal der mal braucht man was von dem und mal von der. Teamwork und HO sind Gift. Klar läuft das alles irgendwie mehr schlecht als recht, aber dass es jetzt das goldene Ei der Zukunft wäre, sehe ich nicht so. Zumal, die Diskussion HO ist ja nun nicht neu. Das wird seit Jahrzehnten diskutiert und zu Recht an vielen Stellen aus verschiedenen Gründen abgelehnt. Man sollte nicht so tun, als wäre es eine neue innovative Errungenschaft der Pandemie. Im Grunde ist das lediglich eine Folge der bestehenden Ausgangsbeschränkungen.
 
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Vielen Dank für die schnelle Antworten.
Aber was denkt ihr wenn es um Freelancer geht, die oft nur für eine begrenzte Zeit (3-12 Monate) Aufgaben realisieren. Ich vermute, dass nach der Pandemie Auftraggeber werden definitiv flexibler hier sein als früher.
Jetzt sieht man für Freelancer deutlich mehr Remote Projekte in Portalen. Ich vermute das wird sich nicht viel nach der Pandemie ändern. Es wäre cool wenn Freiberufler z.B. in Nürnberg wohnt und kann interessante Remote-Projekte in Hamburg realisieren und nicht absichtlich umziehen oder sich nur auf Nürnberg beschränken.
Mit festangestellten kann es ein bisschen anders ausehen aber ich denke es wird hier auch flexibler werden.
 
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Bei mir im Unternehmen werden auch die Weichen gestellt, um mehr Homeoffice zu ermöglichen. Ziel bei uns: Jedem Mitarbeiter Homeoffice als Option zu ermöglichen, soweit das sinnvoll umsetzbar ist. Es geht da vor allem um Flexibilität, aktuell habe ich die Wahl, ob ich von Zuhause oder vom Büro aus arbeite.

Ich persönlich kann das nur begrüßen, die Vorteile von Homeoffice überwiegen in meinem Fall deutlich. Zum Büro pendele ich 2x60km pro Tag, Homeoffice bedeutet da deutlich länger schlafen, gleiche Arbeitszeit und früher "echten" Feierabend (also zu Hause angekommen sein). Heiz- und Stromkosten mit Fahrtkosten verglichen habe ich nicht, ich dürfte mit HO aber deutlich besser weg kommen.

Und was Risiken durch Homeoffice angeht: HO muss genauso strukturiert stattfinden und auch überwacht werden, wie klassische Büroarbeit.
Bei mir z.B. finden täglich Teammeetings via Zoom statt, die sind so halb formell, sprich wir besprechen aktuelle Aufgaben, aber unterhalten uns auch auf Smalltalk-Ebene. So bleibt der soziale Aspekt zumindest nicht vollständig auf der Strecke.
Und unsere Personalabteilung hat sich mit jedem von uns unterhalten, ich sollte bestätigen, dass ich zu Hause einen geeigneten Arbeitsplatz habe, bzw. wurde geprüft, ob und was ich noch an Büroartikeln benötigte. Wer Bedarf hatte, hat Tisch, Stuhl, Dockingstation, Monitore gestellt bekommen.
Das läuft hier also alles ziemlich vorbildlich und reibungslos ab. Ich hoffe das bleibt so.
 
RobertVox schrieb:
Vielen Dank für die schnelle Antworten.
Aber was denkt ihr wenn es um Freelancer geht, die oft nur für eine begrenzte Zeit (3-12 Monate) Aufgaben realisieren. Ich vermute, dass nach der Pandemie Auftraggeber werden definitiv flexibler hier sein als früher.
Jetzt sieht man für Freelancer deutlich mehr Remote Projekte in Portalen. Ich vermute das wird sich nicht viel nach der Pandemie ändern. Es wäre cool wenn Freiberufler z.B. in Nürnberg wohnt und kann interessante Remote-Projekte in Hamburg realisieren und nicht absichtlich umziehen oder sich nur auf Nürnberg beschränken.
Mit festangestellten kann es ein bisschen anders ausehen aber ich denke es wird hier auch flexibler werden.
ich muss mal blöd fragen, hatte das ja oben schon andeutet. Wie ist es denn jetzt? Freelancer sind doch selbständig. Der arbeitet doch ohnehin in einem eigenen Büro bzw. im Homeoffice oder nicht? BZw. bestimmt selbst über den Ort der Erbringung seiner Leistungen es sei denn, dieser ist mit dem Auftraggeber vereinbart. Das ist wird aber nach meinem Verständnis vielleicht bei IT Admins der Fall sein und nicht bei projektbasierter Programmierarbeit oder? Wobei vereinbaren kann man natürlich viel. Ist die Frage, was man unter "Freelancer" versteht.
Bei allem anderen würde sich Fragen der Scheinselbständigkeit auftun oder habe ich einen Denkfehler?
 
@RobertVox ich schätze eher das es zunimmt. Es kommt natürlich auf das Projekt und die Leistung an die verrichtet werden muss. Je nach Projekt werden zwar ein paar Tage Hotel fällig, aber im groben wird es meiner Einschätzung nach mehr werden. Ist natürlich alles Verhandlungsache mit dem Arbeitgeber. Ich würde mich da definitiv nicht auf z.b. Nürnberg beschränken. Bundes und angrenzende Bundesländer würde ich da schon mit reinnehmen. Bezogen auf Nürnberg würde ich sogar Tschechien Grenzgebiet mit reinnehmen wenn englisch gut genug ist. Wie gesagt kommt natürlich auf das besagte Projekt an.
Ergänzung ()

--//-- schrieb:
Ich meine eher die psychische Belastung.

Pausen werden nicht eingehalten, kein sozialer Kontakt außerhalb der Familie, Gefühl der Überwachung, etc.
Es kommt halt auch immer auf die Person selbst an. Manch einer lebt für die Arbeit und ist sehr gern bereit dies zu vermischen. Andere wollen auf der Arbeit auch keinen Kontakt zu seinen Kollegen. Soziale Kontakte gehen auch nach der Arbeit. Überwachung ? Da bin ich aber im Büro eher überwacht. ( kommt natürlich wieder auf den Arbeitgeber an) HO muss zum Job und einem selbst passen. Und auch der Arbeitgeber muss sich anpassen, Arbeitsabläufe zuändern und teils auch Verantwortung abzugeben. Vor allem sehe ich hier auch Chancen für allein erziehende, oder neben Job und das nicht beschränkt auf den eigenen Wohnort.

wie auch bei Jobs in der Firma, es muss passen für einen sonst klappt das nicht.
 
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Homeoffice macht Sinn wenn es die Tätigkeit zulässt und konsequent so gearbeitet wird wie im Büro. Ich habe es 3 Monate ausprobiert und ganz ehrlich: Es ging mir auf Dauer hart auf die Nerven das Arbeit und Wohnraum ein und das selbe sind. Für kurze Zeiten kann es solange die Arbeitszeit flexibel eingeteilt werden darf, Dinge wie Arztbesuche Nahe des Wohnortes etc. einfacher gestalten.
 
Smartin schrieb:
ich muss mal blöd fragen, hatte das ja oben schon andeutet. Wie ist es denn jetzt? Freelancer sind doch selbständig. ...
Ja ja, es hatte.
Das ist wirklich sehr nett, dass so viele Antworten in so einer kurzer Zeit.
Ich danke Euch herzlich!!
Nach Euren Antworten kann ich mir schon ein besseres Bild davon bauen, was man erwarten kann.
 
Smartin schrieb:
ich muss mal blöd fragen, hatte das ja oben schon andeutet. Wie ist es denn jetzt? Freelancer sind doch selbständig. Der arbeitet doch ohnehin in einem eigenen Büro bzw. im Homeoffice oder nicht? BZw. bestimmt selbst über den Ort der Erbringung seiner Leistungen es sei denn, dieser ist mit dem Auftraggeber vereinbart.
Kenne ich von den Freelancern aus meinem Umkreis auch nur so, dass die Leute sich das frei einteilen und "nur" das Ergebnis für den Auftraggeber zählt.

Als Angestellter hatte ich seit ca. 2019 vorher schon bis zu zwei Tage HO pro Woche. Seit letztem Jahr bin ich quasi zu 100% im HO und muss nur, wenn es unbedingt nötig ist (Tests von Hardware usw.) ins Büro. Nach den Erkenntnissen, dass alles trotz HO immer noch gut oder sogar besser läuft wird es bei uns wohl sogar erweitert. Ich sehe für mich nur Vorteile:
  • Ca. 1,5 Stunden Fahrzeit pro Tag gespart (was auch der Umwelt zugute kommt)
  • Im Gegensatz zu unserem Großraumbüro kann ich auch mal längere Zeit konzentriert durcharbeiten ohne von Kollegen gestört zu werden
  • Mein Tinnitus ist durch die geringere Lautstärke wesentlich besser geworden
  • Ich kann zuhause das Fenster öffnen (im Büro nicht möglich, das gesamte Haus ist klimatisiert)
  • Durch flexible Arbeitszeit kann ich bei gutem Wetter auch mal ne Runde mit dem Rad drehen oder sonstigen Sport am Vormittag machen wenn keine Telkos oder so anstehen
  • Für meinen Arbeitgeber hat es noch den Vorteil, dass in Zukunft wohl ein Desksharingmodell umgesetzt werden soll und damit das Anmieten neuer Räumlichkeiten entfällt und so hohe Kosten spart.
 
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--//-- schrieb:
Man muss eigentlich hoffen, dass Home Office dann wieder abnimmt. Für den AN ist das eine nicht zu unterschätzende zusätzliche Belastung. Auf freiwilliger Basis wäre das Beibehalten natürlich begrüßenswert.

Stimme ich größtenteils zu, denn wenn man sich anfänglich erst mal an die Vorteile gewöhnt hat, fallen einem - mir zumindest - auch eine Latte an Nachteilen auf. Eigentlich müsste man im Homeoffice mehr Gehalt/Lohn bekommen bzw. einen viel höhere Geltendmachung bei vom Lohnsteuerjahresausgleich erhalten, damit sich das rechnet.

Während ich im Büro bin:
  • ist die Temperatur der Heizung in meiner Wohnung abgesenkt (Wohlfühltemp. sonst nur zwischen 17-23, während Homeoffice rund 10h mehr, d.h. mehr als verdoppelt!)
  • verbrauche ich zu Hause keinen Strom für Arbeitsgeräte
  • stellt der AG Kaffee, Wasserspender und Obstkorb
  • habe ich persönlichen Austausch mit den Kollegen
  • habe ich einen eindeutigen Break zwischen Privatem und Beruflichem

Wenn ich im Homeoffice bin, fällt es mir schwerer, mich unterbrechungsfrei auf Projekte zu konzentrieren und meine Arbeitszeit nicht zu weit auszudehnen. Potentiell bewege ich mich dort auch weniger und muss mir feste Zeiten bzw. Erinnerungen setzen, um mal den Platz zu verlassen. In der Firma bewege ich mich allein schon beim Gang zum Klo mehr als zu Hause, vom Gang zu Besprechungen und Kollegen statt Teams-Meetings mal ganz zu schweigen.

Ende letzten Jahres zum Jahresgespräch war das Thema Homeoffice auch Bestandteil und ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könne, keinen festen Arbeitsplatz mehr in der Firma zu haben - habe ich sofort verneint. Arbeitsweg ist mit max. 25 km auch relativ kurz und ich habe einen Firmenwagen mit 1% Regelung, mich kostet die Karre also ohnehin nix, als dass ich da was sparen könnte.

Anfänglich fand ich Homeoffice super und da wir auch Kurzarbeit und einen Auftragseinbruch hatten, habe ich jede Menge Webinare und Trainings absolviert - da war die Situation zu Hause natürlich ideal, da ich schlicht ungestört sein musste. In meiner alltäglichen Arbeit ist das nicht so, aber auch gar nicht nötig, da viele Projekte ohnehin Teamarbeit sind und Kommunikation und Abstimmung erfordern.
 
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acidarchangel schrieb:
Ich sehe für mich nur Vorteile:
  • Ca. 1,5 Stunden Fahrzeit pro Tag gespart (was auch der Umwelt zugute kommt)
  • Im Gegensatz zu unserem Großraumbüro kann ich auch mal längere Zeit konzentriert durcharbeiten ohne von Kollegen gestört zu werden
  • Mein Tinnitus ist durch die geringere Lautstärke wesentlich besser geworden
  • Ich kann zuhause das Fenster öffnen (im Büro nicht möglich, das gesamte Haus ist klimatisiert)
  • Durch flexible Arbeitszeit kann ich bei gutem Wetter auch mal ne Runde mit dem Rad drehen oder sonstigen Sport am Vormittag machen wenn keine Telkos oder so anstehen
  • Für meinen Arbeitgeber hat es noch den Vorteil, dass in Zukunft wohl ein Desksharingmodell umgesetzt werden soll und damit das Anmieten neuer Räumlichkeiten entfällt und so hohe Kosten spart.
Die Vorteile kannst Du auch alle ins Negative drehen.
zu 1. Wenn alle im Homeoffice sind, wozu braucht man dann noch den ÖPNV, Autos etc. Wer soll die ganzen Kosten für die Infrastruktur zahlen? Das würde für diejenigen, die kein HO machen können zu einer unbezahlbaren Belastung werden. Sieht man ja jetzt schon wie, der ÖPNV jammert und dabei zahle ich sogar meine Umweltkarte treudoof seit einem Jahr weiter.
Was ist mit den Restaurants, die vom Mittagstisch der Mitarbeiter leben? Im HO gehst Du wohl Mittags kaum essen. Viele andere könnten ihren Lebensunterhalt nicht mehr erarbeiten.

Ich würde bei einem Desksharingmodell durchdrehen. Dann müsste ich jeden Tag meinen Kram wegräumen und jeden Tag wieder an einen anderen Bereich aufbauen. Klar da kann es sein, dass manche Jobs nicht betroffen sind (Callcenter o.ä.), aber viele Mitarbeiter haben einen festen Arbeitsplatz und brauchen den auch.
Sparen würde er erstmal gar nichts, weil seine Pflicht ist, dafür Sorge zu tragen, dass der HO-Arbeitsplatz den Standards entspricht. Im Grunde müsste er, wenn er die Sache ernst nimmt, 2 Arbeitsplätze unterhalten. Und dort wo er was spart, zahlst Du die Kosten dafür. Klar fallen die dir teilweise ohnehin an, aber dennoch ist das ein anderer Ausgangspunkt. Wenn demnächst alle nur noch zu Hause arbeiten, wird ein Büro/Arbeitszimmer obligatorisch. Flux brauchen alle größere Wohnungen mit teureren Mieten.

Mal eben Sport o.ä. während der Arbeitszeit wird in den meisten Fällen nicht gehen. Denn man hat ja auch Anwesenheits/Erreichbarkeitszeiten. Ist ja schön, wenn Kunden tagsüber den Dienstleister nicht erreichen, weil der im Fitnesstudio schwitzt und lieber abends im HO arbeitet. :) Gleiches gilt für Kollegen, die hinter ihren Kollegen "hinterhertelefonieren" müssen.

Gut die Probleme Klimaanlage unterschiedliche Raumtemperaturvorstellungen etc. kann ich nachvollziehen. Großraumbüro ist halt auch Sch... und meinem Vernehmen nach eine rückläufige Strategie.
 
@TheManneken So unterschiedlich können die Meinungen zu dem Thema sein ;) Bei uns im Großraumbüro ist es durchgehen sehr laut. Es gibt bei uns eine ganze Reihe Kollegen die sowohl beim direkten Kontakt, als auch beim Telefonieren so laut reden (oder eher schreien), dass man es 20m weiter als zu laut empfindet. Zudem werden regelmäßig Türen nicht mit der Klinke geschlossen, sondern zugeknallt und die Techniker fahren mit klappernden Rollwagen am Arbeitsplatz vorbei, wobei man konzentriert telefonieren oder arbeiten muss.
Zu deinen aufgelisteten Punkten mal meine Ansichten:
  • Auf Grund von Fußbidenheizung ist die Temperatur in der Wohnung eh immer konstant und wird nicht runtergeregelt
  • Ich verbrauche mehr Strom, dafür wesentlich weniger Sprit (kein Dienstwagen, Hin- und Rückweg ca. 55km)
  • Kaffee, Wasser oder Obst gibt es bei uns nicht vom AG
  • persönlichen Austausch habe ich durch vermehrtes Telefonieren und Telkos mit den für mich wichtigen Kollegen mehr als ausreichend (bei den o.g. lauten Kollegen bin ich eher froh von denen nix zu hören)
Und wie oben schon geschrieben bin ich zuhause durch konzentrierteres Arbeiten wesentlich produktiver. Ich schaffe hier teilweise in zwei Tagen das Pensum, wofür ich im Büro teilweise drei oder mehr Tagen brauche.

@Smartin Ich beziehe das Ganze auf die Arbeitsplätze bei denen es entsprechend möglich ist von zuhause aus zu arbeiten und auf freiwillger Basis. Wer nicht will, muss nicht von zuhause arbeiten. Es gibt natürlich auch einige Arbeitsplätze bei denen das nicht geht. Auch meinen Sport mache ich natürlich nur in Absprache mit den Kollegen aus meinem Team, bei uns muss niemand jemandem hinterher telefonieren. Laut unserem Arbeitgeber ist das das Desksharingmodell für ihn günstiger als neue Büros anzumieten. Hier soll es verschiedene Modelle geben. Entweder man hat, wie du es interpretiert hast, diverse Arbeitsplätze und jeder sucht sich einfach einen freien Platz. Eine andere Option ist das Desksharing mit ein bis zwei anderen Kollegen aus dem gleichen Team.
Mein Auto schaffe ich zB auch nicht ab, da ich es nicht nur für den Weg zur Arbeit nutze. Essen gehe ich in der Mittagspause äußerst selten, wenn es hoch kommt vielleicht 10 Mal im Jahr. Und damit liege ich im Vergleich zu meinen Kollegen sogar noch über dem Durchschnitt. Unsere Kantine nutze ich aus Selbstschutz seit Jahren nicht mehr. Die schaffen es nicht mal Nudeln warm zu machen :rolleyes: Im Normalfall esse ich erst am späten Nachmittag zuhause, genau wie jetzt.
Ich finde, man kann das alles nicht verallgemeinern, da persönliche Befindlichkeiten und auch der Arbeitsplatz selbst einen großen Einfluss auf die Umsetzung haben.
 
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