Tulol schrieb:
Naja, KI würde es können. Aber was wir heute als KI bezeichnen ist eigentlich nicht mal Ansatzweise intelligent. LLM sind keine KI im eigentlichen Sinne.
Es ist eher sowas wie eine vorgegebene Inselbegabung. Und damit wir menschen damit gut interagieren können hat das ganze "nebenbei" eine gut funktionierende schnittstelle welche den Eindruck von Intelligenz vorgaukelt.
Ich lese hier öfter, KI sei nur ein Chatbot, der Intelligenz vorgaukelt. Ich beschreibe mal ganz nüchtern, wie das technisch bei meinem Spielprojekt läuft. Danach kann sich jeder selbst überlegen, ob das noch ein Chatbot ist.
Die KI (Claude) arbeitet in einer eigenen Linux-VM in der Cloud, mit vollen Rechten auf der Shell. Dort liegt eine Kopie meines privaten GitHub-Repositorys. Sie liest und ändert den Code, installiert sich fehlende Pakete selbst, baut das Spiel mit einem Python-Bauskript und pusht jeden Stand mit Commit-Beschreibung zurück auf GitHub. Das Projekt hat inzwischen 64 Module mit gut 21.000 Zeilen JavaScript auf Three.js, verpackt mit Electron als Windows-Installer samt Steamworks und als Linux-Build fürs Steam Deck.
Damit eine neue Sitzung nicht bei null anfängt, liegt das Projektwissen in Markdown-Dateien im Repo: Leitlinien mit Fahrplan und Arbeitsregeln, eine Architektur-Datei mit allen Konventionen im Code, ein Änderungsprotokoll pro Version, eine Liste offener Punkte und eine Übergabedatei für neue Sitzungen. Die liest die KI zuerst und arbeitet dann auf dem Stand vom Vortag weiter. Macht sie einen Fehler, wird er als neue Regel in den Leitlinien festgehalten, damit er nicht wieder passiert.
Getestet wird automatisiert. In der VM läuft Playwright mit einem Headless Chromium und Software-Rendering. Die KI startet das Spiel ohne Bildschirm, steuert es per Skript und misst. Gestern hat sie zum Beispiel alle vier Untergangsarten durchlaufen lassen und dabei gezählt, ob jeder Effekt auslöst, ob Shader fehlerfrei kompilieren und ob die neuen Wellen an der Wasseroberfläche wirklich messbar sind. Sie macht Screenshots und wertet sie selbst aus. Vor jeder Auslieferung muss eine feste Prüfung über alle Karten grün sein. Fürs Balancing hat sie einen Simulator geschrieben, in dem die Spiel-KI massenhaft Partien gegen sich selbst spielt.
Was echte GPU-Leistung braucht, läuft auf meiner Workstation mit RTX 5080. Die KI schreibt dafür Prüfseiten und PowerShell-Einzeiler. Ich starte sie, ein lokaler Node-Server liefert das Spiel aus, die Seite rendert jedes Modell aus fünf Blickwinkeln oder misst die Bildrate der Effekte. Die Ergebnisse gehen per Git zurück ins Repo, die KI zieht sie sich in ihre VM und wertet sie aus. So sind auch Trailer-Szenen, Menübilder und Steam-Grafiken auf meiner Karte gerendert worden. Die Flugzeugträger hat sie in Blender nach Risszeichnungen modelliert und als Geometrie ins Spiel exportiert.
Heute Nacht hatte ich einen Totalabsturz, Monitor schwarz. Die KI hat mir PowerShell-Befehle gegeben, um das System-Eventlog, die Windows-Fehlerberichte und die LiveKernelReports auszulesen. Aus den Rohdaten hat sie drei LiveKernelEvents mit Code 141 und die zugehörigen Watchdog-Dumps herausgelesen, also eine hängende GPU mit gescheitertem Treiber-Reset, und daraus die nächsten Schritte abgeleitet.
Fehlerfrei ist das nicht, und am Ende entscheide ich. Aber ein Chatbot, der Antworten vorgaukelt, baut keinen Code, der kompiliert, keine Tests, die durchlaufen, und keine Diagnose, die man im Eventlog nachprüfen kann. Ob man das Intelligenz nennt, ist mir egal. Es arbeitet.
Wenn MICH jemand fragen würde: Es ist gewaltig, was KI Systeme heute können und mit "Vorgaukeln" hat es nichts zu tun.