Bericht Leitung vorhanden, Anschluss nicht: Wie starre Regeln den Glasfaserausbau auf dem Land erschweren

In diesem undurchsichtigen Chaos wird dermaßen viel Geld sinnlos verbrannt ... Beispiel gefällig? :freak:

Hier bei uns in der Siedlung (nördliches Münsterland, relativ ländlich, nächstes Dorf mit knapp 10k Einwohnern ist 5km entfernt) hat der Kreis 2018 die Straße erneuert. Damals lag ein Kupferdraht in der Erde, der uns anfänglich (ca. 2009) 4MBit geliefert hat, in 2017 waren es nur noch 1,5MBit. Alte Drähte aus den 70ern. Der Kreis fing dann Ende 2017 an die Straße komplett zu sanieren. Im Zuge dessen sollte es auch neue Strom- und Wasserleitungen geben. Ein paar Anwohner haben sich zusammen getan und die Telekom kontaktiert, damit man die Leitung etwas aufwertet. Kein Interesse seitens der Telekom. Es liegt ja schon Kupfer und somit DSL. Die Geschwindigkeit hat niemanden interessiert. Wir haben daraufhin die Westnetz (Betreiber des Stromnetztes) kontaktiert und über Glasfaser gesprochen. Wir sollten eine gewisse Anzahl von Kunden akquirieren, dann könne man das im Detail betrachten. Die gewünschte Zahl von Interessierten hatten wir relativ schnell zusammen. Die Westnetz hat zugestimmt, es waren (je nach Lage des Hauses) 1000-1500€ Anschlussgebühr zu entrichten. Ja, nicht gerade wenig Geld. Aber wenn die Straßenbaustelle wieder geschlossenen ist, wird hier lange Zeit nichts passieren was den Ausbau der nicht geförderten (die es hier zu diesem Zeitpunkt nicht gab) Internetleitung angeht. Pünktlich zu Corona hatten wird dann die Glasfaser im Haus. Eine 300er Leitung statt der zuletzt 1,5Mbit. :cheerlead: Beste Entscheidung ever und gut angelegte 1200€ ... Homeoffice und Home-Schooling mit zwei Teenagern. Der Rest der Siedlung, die die Glasfaser mit den Worten "wir brauchen das nicht, außerdem ist es zu teuer" abgelehnt haben, standen regelrecht auf dem Schlauch (Homeoffice und Schooling mit max. 2MBit? :D). Da wurden dann sogar Richtfunkstrecken zu den Nachbarn aufgebaut, die eine Glasfaser im Haus hatten :rolleyes:

Die Zeit verging, Corona war überstanden. Plötzlich kam der geförderte Glasfaserausbau ins rollen. Die Deutsche Glasfaser wollte nun alle Haushalte ohne Breitbandanschluss (ich meine die Grenze war auf 50MBit festgelegt) versorgen. Natürlich hat die DG eine eigene Leitung verlegt. Tiefbau ist teuer? Egal! Alsbald lag eine zweite Glasfaser über unserer bereits vorhandenen Leitung. Die Deutsche Glasfaser hat aber nur den Bereich versorgt, der relativ günstig anzubinden war. Wir haben hier ein paar Landwirte, deren Höfe etwas abseits liegen. Die wurden natürlich nicht versorgt, weil es sich kostentechnisch nicht lohnte.

Es ging wieder einiges an Zeit ins Land und die Gemeinde entschied, die genannten grauen Flecke (Höfe usw.) auch anbinden zu wollen. Das wurde natürlich erneut gefördert und sollte durch die lokalen Stadtwerke umgesetzt werden. Lange Rede, kurzer Sinn: man hat wieder die Steine des Gehwegs aufgenommen und eine weitere (dritte!) Glasfaser verbuddelt. Hier, wo früher der digitale Fuchs tot über dem Zaun hing, liegen nun mittlerweile DREI Glasfasern in der Erde.

Fun fact: als das Grundstück gegenüber von der Deutschen Glasfaser versorgt wurde habe ich angefragt, ob ich nicht auch in den Genuss kommen könnte (bessere Tarife). Nein, wir hätten ja schon eine Glasfaser! Auch gegen Zahlung von Geld wäre das nicht möglich. Obwohl die Hauptleitung auf unserer Straßenseite liegt und es keine 20m von der Grundstücksgrenze bis zum Haus sind.

Was da an Kohle verbrannt wurde ... alleine die Trupps von Bauarbeitern und Maschinen. Junge Junge Junge!
 
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Micha- schrieb:
Wer will denn noch 10 Stunden Schichten plus Samstag bei Wind und Wetter im Tiefbau kloppen? DU etwa? Wenn alle studieren, auf HomeOffice bestehen und die Work-Life-Balance beachten, dann endet das eben so.
Naja, also bei uns waren das damals alles Menschen, die die Freizügigkeit des europäischen Wirtschaftsraums genutzt haben - mit entsprechenden Deutschkenntnissen.
Haben super Arbeit gemacht & alles funktioniert...

BTT: Bei uns (Dorf in Niedersachsen, Neubaugebiet), wurde das ganze Baugebiet mit Glasfaser versorgt. So weit so gut.
Anfangs war der Verteiler dann per Richtfunk mit dem nächsten Verteiler verbunden. 50 Mbit, bei ca. 27 Häusern - könnt euch die Performance gerade gegen Abend vorstellen..

Dennoch wurde sukzessive weiter gemacht & ausgebaut, sodass wir seit ca. 2 Jahren komplett ohne Richtfunk angeschlossen sind, mit entsprechend guter Anbindung.

Der einzige Knackpunkt ist aus meiner Sicht das Routing. Wir haben hier einen lokalen Anbieter, der seine Kapazitäten bei einem Carrier in Süddeutschland eingekauft hatte. Packet Loss & Jitter aus der Hölle, Download Raten ok. Hat sicher mittlerweile zum Glück gebessert, da nun ein anderer Carrier am Werk ist.
Will nur sagen: gerade bei "kleineren" Glasfaseranbietern weißt du im Zweifel nicht was du bekommst - mit den Erfahrungen, würde ich, wenn vorhanden, auch erstmal bei DSL bleiben, wenn das 100-200 Mbit aktuell hergibt.
 
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mRcL schrieb:
Naja, also bei uns waren das damals alles Menschen, die die Freizügigkeit des europäischen Wirtschaftsraums genutzt haben
QED
 
DaDare schrieb:
Das Problem bei alte Strukturen aufbrechen: Keiner will die Verantwortung haben, wenn etwas schief geht und vor allem, keiner will "Macht" aufgeben.
Bzw den eigenen Job.
An der Bürokratie in Deutschland hängen viele Arbeitsplätze. Viele sind einfach nur da um sich selbst zu verwalten….
 
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Wir würden nicht in Deutschland leben, wenn es St. Bürokratius nicht gelingen würde, jede Möglichkeit zu finden, die größtmögliche Menge an Hindernissen in den Weg zu stellen.
Was ist weiß, läuft durchs Amt und wiehert? Der Amtsschimmel. Alaaf und Helau!
 
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FeedBag schrieb:
Die Deutsche Glasfaser hat aber nur den Bereich versorgt, der relativ günstig anzubinden war. Wir haben hier ein paar Landwirte, deren Höfe etwas abseits liegen. Die wurden natürlich nicht versorgt, weil es sich kostentechnisch nicht lohnte.
Ja, da hätte die Kommune oder der Kreis letztlich vermutlich Geld sparen können, wenn man nur ein Förderverfahren gemacht hätte und die Höfe schon beim ersten Verfahren mit ausgeschrieben hätte...
 
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LikeHike schrieb:
Absurde Vorgaben, absurde Bürokraten und fehlende pragmatische Entscheidungen bzw. kein Spielraum um diese zu ermöglichen.

Zusammengefasst: Also alles beim Alten.

Besser hätte man es nicht zusammenfassen können
 
DaHans schrieb:
@Termy
Absolut. Bei uns wurde von der Telekom die Kupferüberlandleitung dieses Jahr gegen Kupferleitung im Boden ersetzt. Auf Mails, Anfragen und vor Ort Techniker ansprechen wurde nicht reagiert. Auch nicht ob man dann einfach ein Glasfaser "für später" dazu legt.
Nein wir haben jetzt ganze neue Kupferleitungen.

Wundert mich, da die Telekom eigentlich gar kein Kupfer mehr verlegt.
Aber komplett abstreiten will ich es auch nicht, wäre nicht die erste verrückte Story die sich als wahr herausgestellt hat.
 
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Termy schrieb:
Naja, die Vorgaben und Regularien sind natürlich schon teilweise Absurd.

Aber die Telekom ist dabei auch definitiv nicht unschuldig, sondern versteckt ihre "kein Bock auf Kleinvieh"-Mentalität einfach nur allzu gerne Hinter der Ausrede "uns sind bürokratisch die Hände gebunden"...

Ist nunmal ein privatwirtschaftliches Unternehmen, die bauen nicht aus wenn's sich ganz offensichtlich nicht rechnet.
 
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Den Aero Club könnte die Telekom sehr wohl an dem Strang der da verläuft anbinden.
Einfach als Active Ethernet Anschluss mit bidi optik.
 
Kenn ich.
Haus 2017 gebaut und damals ganz normal mit VDSL angeschlossen. Gleichzeitig wurde ein Glasfaser-Leerrohr bis ins Haus und bis zum Verteiler vorbereitet und auf die gegenüberliegende Straßenseite geführt – genau dorthin, wo auch unser Kupferanschluss liegt.

Das Leerrohr endet dort direkt neben dem Glasfaserverteiler, also technisch an genau der Stelle, an der ein Anschluss ohne weiteren Tiefbau möglich wäre.

Ein paar Jahre später wurde die komplette gegenüberliegende Straßenseite mit Glasfaser ausgebaut. Unser vorhandenes Leerrohr wurde dabei trotzdem nicht berücksichtigt. Hintergrund ist einfach, dass das Haus formell auf der „anderen Straßenseite“ liegt und daher nicht zum definierten Ausbaugebiet gehört.

GlasfaserPlus sollte die Erschließung übernehmen, aber der Ausbau wurde inzwischen mehrere Jahre hintereinander verschoben.

Als der Ausbau für die Innenstadt damals beauftragt wurde und viele in der Nachbarschaft die entsprechenden Schreiben bekommen haben, habe ich direkt nachgefragt – sowohl bei der Telekom als auch bei der Gemeinde (Der gute Breitbandpate :). Die Rückmeldung war überall ähnlich: ein eher ratloses „geht so nicht“, ohne eine klare, nachvollziehbare Begründung

Unterm Strich habe ich seit Jahren ein vorbereitetes Glasfaser-Leerrohr direkt am Verteiler, komme aber nicht in den Ausbau, weil Zuständigkeiten und Gebietseinteilungen das nicht vorsehen. Verständlich ist das nicht – die komplette Vorbereitung liegt vor –, dennoch bleibt es so, weil der Ausbauplan unser Haus formal nicht umfasst.
 
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Micha- schrieb:
Wer will denn noch 10 Stunden Schichten plus Samstag bei Wind und Wetter im Tiefbau kloppen? DU etwa? Wenn alle studieren, auf HomeOffice bestehen und die Work-Life-Balance beachten, dann endet das eben so.
sorry das ist dummes Gelaber immer. Die armen armen Tiefbau futzis bekommen das auch fürstlich entlohnt gerade gegen Leute die auch was in der Birne haben mittlerweile
Ergänzung ()

duskstalker schrieb:
nein, deshalb gehen hier jetzt auch nach und nach die lichter aus.
Ja es ist Traurig. Ich kuck auch mittlerweile sehr stark wie ich aus dem Land weg kommen kann. Derzeit bin ich auf Zug Fahrten nach über 20 Jahren angewiesen, ich mach 3 kreuze wenn die Phase meines Lebens wieder vorbei ist.

Dreckig, versifft,stinkig, und von den 8 Fahrten bisher- Sagenhafte 6 zu spät. Und dann wollen die Preise, da fällt man ernsthaft vom glauben ab. Eine Haltestelle weiter um zum Arzt zu kommen (1-2 min Zug fahrt) 2,90€, die ham nimmer alle Latten am Zaun
 
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deutschland halt... 3te Welt Land
 
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Dann machts doch mal Nägel mit Köpfen anstatts Maul aufzureißen. Wo die Tür ist wissts Ihr doch sicherlich. Oder brauchts auch dafür ne Anleitung?
 
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"Wenn eine Adresse aber einer falschen Kommune zugeordnet wird, werden bei Hybrid-Anschlüssen die Funkzellen nicht präzise zugeordnet."

Das ist im Gegensatz zum Festnetz kein Problem. Die Telekom kann den Hybridroutern/5G Ausseneinheiten, problemlos ein neues "Zuhause" zuweisen. D.h. die Adresse lässt sich beliebig anpassen und wenn sie unbekannt sein sollte, nimmt man eine bekannte Adresse in der Nähe(3km).
 
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Das ist nur die Spitze des deutschen Eisbergs... oder soll ich eher sagen die Spitze des Schornsteins der Titanic die Deutschland symbolisiert.
Noch wurde der Eisberg nicht gerammt, aber die letzten Kapitäne steuern trotz Warnungen munter drauf zu.

Einfach bekloppt, wenn in einem Ort ausgebaut wird (keine Stadt!) und dann bei bestimmten Straßen aufgehört wird, nur um dann Jahre später wieder alles aufzureißen etc.
 
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LachFlash schrieb:
Das ist doch ein ganz einfacher Fakt in Deutschland.

Das ist zwar "typisch Deutsch", aber woanders ist man in dieser Hinsicht auch kein Stück besser. Starre bürokratische Abläufe gibt es in jedem Land, vor allem dann, wenn es um Fördergelder geht.
 
Hier wurde vor 6-8 Wochen ca. ausgebaut aber nicht von der deutschen Telekom sondern von EON frage ich bei Telekom nach wann ich bei ihnen Glasfaser buchen kann auch ca. 6 Wochen her heißt es aktuell ist in ihrem Gebiet kein Ausbau geplant, ich müsste den teuren EON Tarif nehmen da ich kein EON Strom oder Gas Kunde bin gibts auch keinen Rabatt und EON ist mir enfach für den Spaß viel zu teuer also bleibe ich bei DSL von der Telekom bis Telekom ausbaut oder es nicht anders geht. Von Vodafone bekomme ich ständig Angebote aber Kabel möchte ich auch nicht. Liebe Grüße.
 
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