Linux Kernel Updates

csx111

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Liebe Forumskollegen,

ich hoffe, meine Frage klingt für die Experten nicht allzu dumm:

Mir ist aufgefallen, dass zeitlich nach Veröffentlichung der Kernel-Version 3.12 trotzdem noch Updates zu älteren Versionen 3.11.x, 3.10.y oder 3.4.z usw. erscheinen. Was steckt dahinter, warum ist das so?

Sollte man nicht davon ausgehen, dass die mit der höchsten Versionsnummer auch die am weitesten entwickelte und hoffentlich beste ist?
 
Vergleiche es in etwa mit Windows. Nur weil Windows 8 erhältlich ist, gibt es immernoch Updates für Windows 7 etc.

Neue Kernel haben durch die Änderungen teilweise ein gravierend anderes Verhalten in dem ein oder anderen Subsystem, was bei einer Distribution bei einem Wechsel auf eine neue Version zu Problemen führen kann. Daher werden "alte" Versionen in gewissem Umfang weiterhin mit Patches etc. versorgt.

Zusätzlich gibt es dann noch sogenannte Longterm Kernel. Diese werden über einen ziemlich langen Zeitraum (mehrere Jahre!?) mit Sicherheitsupdates und teilweise auch unkritischen neuen Funktionen neuerer Kernel versorgt.
 
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csx111 schrieb:
Mir ist aufgefallen, dass zeitlich nach Veröffentlichung der Kernel-Version 3.12 trotzdem noch Updates zu älteren Versionen 3.11.x, 3.10.y oder 3.4.z usw. erscheinen. Was steckt dahinter, warum ist das so?

Ältere Kernel erhalten eine gewisse Zeit Updates, um Sicherheits- und/oder Stabilitätsproblemen zu begegnen. Nicht jeder will oder kann jeden neuen Kernel mitnehmen. Schau Dir mal an, welchen Kernel RHEL 6 verwendet!
 
Stichwort: Stabilität
Welcher Kernel verwendet wird, ist von Distri zu Distri unterschiedlich. Debian verwendet uralte Kernel Versionen die halt "nie" abstürzen, aber ggf. unperformanter gegenüber aktuellen Versionen sind.
Während Ubuntu beispielsweise aktuellere Kernel verwendet, die halt voller Bugs sind.
Herr Torvalds hat dort letzte Woche auch einen Post veröffentlicht zum Thema Bugfix Releases veröffentlicht. Vielleicht können wir da in Zukunft eine Änderung der Release Politik erwarten.
http://www.pro-linux.de/news/1/20430/linux-kernel-312-freigegeben.html
 
Zuletzt bearbeitet:
Hat auch was mit der Kompatibilität zu Drittanbieter-Treibern zu tun. Mit 3.11 wurde z.B. die Grafik-Architektur etwas geändert, jetzt krieg ich unter Ubuntu 12.04 (mit 3.11 LTS Backport Kernel) den proprietären NVidia-Treiber nicht mehr zum Laufen. Genausowenig läuft VirtualBox im Bridge-Modus, weil irgendwas am Netzwerk-Stack verändert wurde.

GNU/Linux fährt ein Prinzip der Nachhaltigkeit. Auch alte Software hat ihre Daseinsberechtigung.
 
Die Major Releases haben neue Features, generelle Codeumbauten usw...
Da kannst ned einfach ein RHEL6 alle 2 Monate mit einem komplett neuen Kernel updaten. Da muesstest unter Umstaenden auch alle 2 Monate komplett neue Versionen von den installierten Programmen mit updaten. Das geht nicht. RHEL6 soll eines sein, stabil. Und das erreicht man nur mit Testen.

Die Kernel Updates fuer "alte" Kernel beinhalten NUR Sicherheitsfixes. Da aendern sich keine Features oder APIs, weil es muss 100% kompatibel sein.
 
Die Frage ist nicht dumm :)

Ich stimme meinen Vorpostern zu. Ich kann mir noch folgendes vorstellen.

Es gibt ja bekanntermaßen zwei Lager die sich mit Linux beschäftigen. Das eine ist das "never change a running system". Hier gehören die schon genannten Distributionen wie Debian oder RHEL.

Auch Leute die einen Server administrieren schätzen Distributionen die nicht so oft neue Kernel in ihre Repositories pflegen. Manche User haben ihren eigenen Kernel gebacken und festgestellt das für ihre Bedrüfnisse Kernel 2.6.x oder 3.2.x besser läuft als der aktuelle. Es ist nicht selten das dann erst mit neuer Hardware ein aktuellerer Kernel eingespielt wird.

Leute wie ich, die ihren PC nur zum surfen, Emailen usw. nutzen und das System weitestgehend out-of-the-box läuft und auf Bleeding Edge stehen nehmen die Kernel updates mit einem Schulterzucken mit. So sehe ich das jedenfalls.

Andere benötigen den neuen Kernel weil sonst keine Kernelkompatibilität mit gewisser Hardware besteht. Je weniger Treiber und Module man braucht desto leichter hat man es bei größeren Distributionsspezifischen Updates.
 
Dank an alle für Eure überzeugenden Hinweise.

Gruß, csx111
 
Ja aber selbst die "bleeding edge" Distro wie Ubuntu waehlt eine Kernel Major Version fuer eine Ubuntu Version, und bleibt bei dieser solange es diese Ubuntuversion gibt. Bei denen kommt halt alle 6 Monate ne neue Ubuntu Version, und damit ein neuer Kernel. ;)
 
Ich hatte eher an Bleeding Edge wie Arch gedacht. Ubuntu ist im Vergleich mit Debian Testing oder Stable frisch aber durch die relativ konservative Update Politik innerhalb eines Release Zyklus würde ich Ubuntu eher zu den Distributionen zählen die als stabil gelten.

Auch wenn es bei den Updates immer mal Probleme auftreten.

Bei Arch gibt es fast immer den aktuellen Mainline Kernel.
 
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