Es ist schon interessant zu beobachten, wie sich hier die Fronten verhärten. Viele Netzteile sind qualitativ augenscheinlich zusammen gerückt. Natürlich entwickelt sich der Markt weiter und es fällt immer einfacher, auch in niedrigen Preisregionen den Spannungsabfall zu minimieren und die Effizienz zu maximieren. Und in den hohen Leistungsregionen haben sich Techniken wie DC-DC etabliert, Ausstattung und active PFC werden immer wichtiger. Aber auch wenn die meisten Netzteile mittlerweile ähnliche Features bieten und man für wenig Geld die Optik aufpoliert, gibt es im Detail immer wieder Unterschiede, die über eine Differenzierung hinaus gehen, ob das Netzteil im Betrieb abraucht oder funktioniert. Das hierbei solche Diskussionen entstehen, liegt wohl genau daran, dass es nahezu alle Hersteller schaffen, im Endkundenbereich Netzteile zu produzieren, die sicher arbeiten und man daher keine dramatischen Auswirkungen sehen kann. Zumindest im normalen Betrieb. Da das aber die einfachste Variante ist, um ein gutes von einem schlechten Netzteil zu trennen und es somit wegfällt, fällt das ganze schwieriger. Jedoch solte man erkennen, dass es mehr als nur schwarz und weiß gibt, sondern mehrere Qualitätsstufen.
Das fängt schon beim Leistungsfaktor an, bei dem es mehr als nur die aktive und die passive Variante gibt. Es kommt bei der aktiven Version darauf an, welche Freilaufdioden man verwendet, wie der Durchlasswiderstand der MOSFET ist, wie die Drossel gewickelt wird und welchen Controller man wählt. Da kann ein ToPower schon mal bei unter 0,6 starten, während besser umgesetzte Methoden auch bei niedriger Last 0,8 im 230V Netz erreichen. Wir haben nichtlückende aber auch lückende Betriebe, bei denen während den Spannungsspitzen kein Strom fließt und mehr Leistungsverluste auftreten.
Das setzt sich bei der Filterung fort. Die meisten Hersteller stellen ausreichend Entstörkomponenten bereit, aber immer wieder gibt es fehlende MOV aufgrund der Kostenreduzierung. Somit hat man im Eingangsbereich keinen passiven Überspannungsschutz, wie man ihn auch in Steckerleisten hat. Und richtig gute Netzteile, die sich abheben wollen, kombinieren ohnehin eigene Bausteine mit gekapselten Netzfiltern, deren Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Nur muss man das mit professionelle Geräten erfassen. Ähnlich ist es beim Wirkungsgrad, dass manche nun mal mehr Verluate produzieren, auch wenn mittlerweile jeder die 80% Marke schafft und sich das in der Realität kaum noch äußert. Trotzdem geht die Qualität weit darüber hinaus, ob 85°C oder 105°C Kondensatoren verwendet werden und es 80Plus Bronze oder Silver bietet. Leitungsquerschnitte, Abschrimmaßnahmen, Boosterschaltungen zur Verstärkung, Sicherheitsabstände und Befestigungen und von mir aus auch die Lötqualität, wo sich Unterschiede bemerkbar machen, die man als Kunde vielleicht nur im worst case bemerkt, die genau da aber entscheidend sind.
Meiner Meinung nach gibt es schon noch Netzteile, die sich abheben, nur ist es schwerer geworden, diese zu lokalisieren. In der Regel sind es Produkte, die am Endkundenmarkt nicht oder nur zu hohen Preisen angeboten werden. Das ist sicher auch bei dem benannten XFX Netzteil der Fall, wobei man dann auch gleich die Originale kaufen kann, zumal einem die Optik zusagen muss. Und Seasonic hält schon ein ungewöhnliches Design bereit, dass diese ablöst. Bei den Signature ist es sicherlich so, dass die Restwelligkeitsanteile gering sind, dafür sind aber die thermischen Eigenschaften idiotisch, da die Kühlkörper wegen des Sandwich-Prinzips sehr klein ausgefallen sind und der Lüfter relativ leise dreht, dank PWM Steuerung. Außerdem, wie erreicht man überhaupt eine geringe Restwelligkeit? Die Glättungskondensatoren überbrücken beim Ladevorgang Spannungstäler und -höhen, sprich bei Spitzen- oder Tiefstwerten wird nach Möglichkeit keine Energie aufgenommen. Das ist aber keine große Kunst, wenn man die zum Schaltkreis passenden wählt. Ob es japanische sind oder nicht, hat in erster Linie mit der Lebensdauer zu tun, aber die Bauteile müssen auf die Umgebungsbedingungen abgestimmt sein. Soll heißen, auch günstige Netzteile können niedrige Ripple & Noise Werte haben, ganz billige verbauen allerdings zu wenige Siebglieder, im Umkehrschluss können High-End Netzteile aber auch Probleme verursachen, weil sich durch vorhergehende Schaltungen Störungen verursachen, die man auch mit guten Filtern nicht mehr kompensieren kann. Da ist ein Feintuning nötig, was in erster Linie Arbeitszeit kostet und weniger vom Verkaufspreis abhängig ist. Selbst die einfachste CWT Basis erreicht teils genauso gute Werte wie das Antec Signature, welches dafür andere Qualitäten bietet. Das liegt daran, weil im konventionelle Aufbau mit CCM-PFC erst garkeine großen Störungen auftreten und das CWT Design einfach strukturiert ist, ohne mit "modernen" Techniken zu arbeiten, die meist ein Problem bekämpfen, um ein anderes zu erzeugen, mit denen dann nachfolgende Filter kämpfen.
Grundsätzlich ist bei den starken Netzteilen wie den Antec natürlich die Stützzeit höher, weil die Speicher größer dimensioniert wurden. Zudem findet man dort langlebigere Komponenten und die Filterung ist ausgereifter. Aber nur wegen geringen Ripple & Noise Werten muss man sich diese nicht kaufen. Da kommt es auf Balance an. Nur wer die Filterung exakt angleicht und die Störungen des Leistungsfaktor-Vorreglers minimiert, wird eine saubere Spannung erhalten. Präzision ist da teils wichtiger als einfach nur ein hochwertiges Bauteil, das darauf nicht abgestimmt ist. Es haben schon Hersteller versucht auf japanische Kondensatoren zu wechseln, um dann fest zu stellen, dass die im Sekundärschaltkreis alle hochgegangen sind und dieser mit den taiwanesischen besser operieren konnte. Zudem muss man auch Ripple von Noise trennen. Den dB Pegel zu reduzieren ist eine andere Sache genau wie die Schirmung solcher Effekte und der Vermeidung von Kopplungen. Allerdings steht ein geschlossener Aufbau wieder im Gegensatz zur effektiven Kühlung, weshalb es dabei wohl keine perfekte Formel gibt. 105°C Kondensatoren bei active PFC und DC-DC sind meist Marketing, entscheidend ist auch, was dazwischen liegt. Es kommt bei Netzteilen auf die Gesamtkomposition an. Da nützt mir keine gut besetzte EMI-Filterung, wenn ich im zentralen Bereich dafür nur einen einsamen Y-Kondensator gegen die Störungen schalte, wie es fast alle Hersteller machen, obwohl ein Booster mit Komparator und Widerstand bis zu 20 dB minimieren kann. Aber je komplexer das Gebilde, desto teurer wird es und da man einen Kondensator als Eyecatcher verkaufen kann, wird dort meist das hochwertige 105°C Modell gewählt, aber wirklich gute Hersteller dringen viel tiefer in die Materie ein, um ein Gleichgewicht zwischen schnellen Schaltvorgängen und damit hoher Effizienz, aber auch geringen elektromagnetischer Störungen zu halten. Da arbeiten viele Gegensätze, weil das, was beim Netzteil rauskommt, das Gegenteil von dem ist, was reinfließt. So dürfen weder Transienten das Netzteil belasten, müssen abgefedert werden und dürfen die Komponenten des Rechners nicht erreichen, noch dürfen verzerrte Spannungsbilder wieder ins Netz eingespeist werden. Effizienz ist da nicht alles.
Trotzdem kann man schon sehen, wer auf welche Weise einen hohen Wirkungsgrad erzielt. Wenn man mit Gleichstromwandlern einfach die gewünschte Spannung von einer großen runterbricht, entstehen Verluste, um das zu vermeiden, ist ein komplexer Schaltvorgang nötig. Manche bedienen sich dann hohen Frequenzanteilen um schneller zu takten, andere lösen das Problem geschickter. Kurz gesagt gibt es immer noch sehr viele Qualitätsunterschiede bei Netzteilen, da das Marketing nach wie vor noch darauf abzielt, Einfachheit zu vermitteln (105°C ist besser als 85°C). Aber je weiter man vordringt, desto mehr Differenzen kann man erkennen. Trotzdem sind weder Antec noch das XFX schlechte Netzteile. Sie haben verschiedene Fähigkeiten und Schwächen, die austariert werden müssen. Genauso ist das Cougar-S ein sehr gutes Netzteil, aber kein perfektes und für den Preis muss man auch höhere Ansprüche setzen. Dort sind Filtermechanismen gut gelöst, auch wenn man sich sicherlich mit den Intenieuren darüber streiten kann, ob der Kühlblock bei den Gleichrichterdioden sinvoll gesetzt wurde.
Hier empfielhlt jeder ein anderes Netzteil aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen. Manchmal kann man sich auch nicht erklären, warum das eine Netzteil hier und dort kaputt geht und geht auf Nummer sicher. Dann wieder hat man schon öfter von einer Marke gelesen etc. Netzteile, die sich allumfassend abheben gibt es nur wenige und teure, ansonsten haben hier alle genannten sowohl Stären und Schwächen. Der den Alien look mag, soll sich das XFX kaufen, technisch ist es nicht schlecht. Wer schlichte Eleganz mag und den das mäßige Kühlkonzept nicht stört, greift trotz des hohen Preises zu den Antec Signature. Wer das ansprechende Äußere und die hohe Effizienz sucht, wird mit Cougar glücklich. Und wer die geringe Bautiefe mag, kann sich auch die Enermax Modu82+ ansehen. Lange Rede kurzer Sinn: Hier kommt es einfach darauf an, welche Eigenschaften einem zusagen.
