Nachhaltigkeit im Alltag - Erfahrungen der Community

@JMP $FCE2

Bei Temu & Shein kannst du diverse Technik Sachen kaufen mit CE Siegel - keines davon ist aber echt. Die Chinesen drucken es nur drauf. Selbst Kontrollen & Sperren bringen nichts, da Temu & Shein ja nur Plattformen sind - dahinter steht dann immer ein kleiner Händler der den Versand vornimmt.

Wir müssen die Flut von Müll aus China zuerst stoppen - und dann können wir höhere Standards einführen, um die Produktion in der EU zu fördern.
 
_killy_ schrieb:
Bei Temu & Shein kannst du diverse Technik Sachen kaufen mit CE Siegel - keines davon ist aber echt.
War es nicht so, dass der Importeur die Verantwortung dafür übernimmt, das die gesetzlichen Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind? Es steht ihm frei die CE Zertifizierung selbst vorzunehmen.
 
Das CE Kennzeichen ist im Grunde bedeutungslos da es sich Jeder selbst vergeben kann. Außerdem hat China ein nahezu identisches Zeichen das für China Export steht 😉

Screenshot 2025-08-21 at 08-00-55 Differences Between CE (Conformité Européenne) and CE (Chi...png
 
Kassenwart schrieb:
Außerdem hat China ein nahezu identisches Zeichen das für China Export steht 😉
Kann den Smiley nicht ganz deuten, aber das ist ein moderner Mythos: https://de.wikipedia.org/wiki/CE-Kennzeichnung
Dürfte wohl eher mal ein Märchen und/oder Witz gewesen sein, der sich nun beharrlich hält.
Kassenwart schrieb:
Das CE Kennzeichen ist im Grunde bedeutungslos
Auch das ist falsch, siehe selbe Quelle. Es ist zwar richtig, dass es die Hersteller selber anbringen und es somit jeder tun kann. Damit gibt man aber an, dass man gesetzlich Auflagen erfüllt, die auch entsprechend auf Verlangen nachzuweisen sind. Das Thema dürfte vielmehr sein, dass das schlicht zu wenig kontrolliert wird. Ein Problem, dass zu vielen Gesetzen, Vorgaben und Siegeln besteht.
knoxxi schrieb:
War es nicht so, dass der Importeur
Das ist korrekt und gilt auch viele anderen Vorgaben, die Produkte und Verpackungen erfüllen müssen. Gewerblich Agierende haften hier voll und sind in der Prüf- und Nachweispflicht. Merke, die Grenze zum gewerblichen agieren ist manchmal fließend. Wer importiert und weiterverkauft, kann sich selten darauf zurückziehen, dass es nicht im gewerblichem Rahmen stattfindet.
Allerdings sind auch Privatpersonen als Importeure nicht vollständig vor rechtlichen Konsequenzen gefeit, wenn durch sie importierte, nicht konforme Waren, Dritte geschädigt werden. Zivilrechtlich kann man zum Beispiel dann belangt werden in so einem Fall, wenn Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann, man also beispielsweise wusste, dass die Ware nicht den EU Gesetzen entspricht.

In Killys Fall ist die Aussage so auch nicht mehr ganz richtig: Plattformen wie Temu und Shein haben Vertretungen in der EU und sämtliche Gesetze betreffend diese Themen werden oder wurden dahingehend angepasst, dass Plattformen explizit eingeschlossen werden und somit diesen Gesetzen unterliegen. So müssen solche Plattformen aktiv Nachweise einholen und auf verlangen vorlegen, die die Gesetzmäßigkeit innerhalb der EU belegen. Tun oder können sie das nicht, können sie auf Basis dieser Gesetze zur Verantwortung gezogen werden. Beim Produkthaftpflichtgesetz (Deutsch, EU Produkthaftungsrichtlinie) ist diese Änderung zum Beispiel seit Dezember letzten Jahres vorgenommen worden und für das Verpackungsgesetz wird es ab August 2026 spätestens so sein.
 
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Ich habe noch nie bei Temu, Shein, aliexpress oder sonstwo bestellt und kaufe meine Klamotten im allgemeinen vor Ort im lokalen Einzelhandel.

Aber ich sehe es einfach nicht mehr ein, für eine Hose €100,- auszugeben, die dann nach 2 Monaten im Schritt aufreißt. Ich habe Hosen, die haben ein Fünftel dessen gekostet, sind aber schon 5 Jahre alt und älter.

Die Billigflut einzudämmen, wird nur gelingen, wenn man für die höheren Preise dann auch eine im Vergleich zum Billigschrott bessere Qualität bekommt.
Ist das nicht so, dann ist genau das die beste Werbung für den "Dicounterschrott".

Wenn ich zwei Tage für das Geld für eine Hose (>€100,-) gearbeitet habe, dann will ich nicht, dass die nach 2 Monaten die Grätsche macht ... bei einer Hose für die ich nur 2 Stunden (knapp €20,-) habe arbeiten müssen, wäre das zu verschmerzen ... aber die Scheißdinger halten bei mir Jahre durch.
Und DAS ist das Problem, gegen das ich mich wehren muss, weil ich auch weiterhin nichts vom onlinehandel halte ... er ist nicht nachhaltig.

Jetzt kommt wieder das Argument, dass die Leute ja ohne onlinehandel in die Stadt fahren würden. Ja das ist wirklich so. Aber man fährt nicht wegen einem paar Socken in die Stadt, um dann 2 Stunden später noch mal wegen eines einzelnen T-Shirts zu fahren, am nächsten Tag für eine neue Armbanduhr, und Nachmittags dann nochmal für eine neue Jacke.
Man fährt hin und wieder in die Stadt, und kauft dort dann alles, was man aktuell braucht oder neu haben möchte. Wenn wir in den 1980ern mit der Familie in die Stadt gefahren sind, dann war das Auto am Ende rappelvoll mit Zeug (Kofferraum UND Fahrgastzelle).
Heute fahren ganze Fahrzeugflotten für einzelne Sockenpaare durch die ganze Republik, und wenn in der Wohnzimmer-Anprobe dann irgendwas nicht passt, wird es gratis zurückgeschickt ... und landet dann in einer südosteuropäischen Müllverbrennungsanlage. Allenfalls die letzte Meile (in DE) ist elektrisch unterwegs, die ganze restliche Logistik läuft mit Diesel.

Die Leute suchen nichtmal mehr nach Händlern, bei denen sie einen Großteil ihrer Bestellung zusammensuchen können ... man bestellt da, wo es am günstigsten ist, und bekommt am Ende dann 15 Kleinteile in 15 Paketen, aus 15 verschiedenen Lagern. Aber so ist das nunmal ... viele machen ja auch die Erfahrung, dass man zwar alles im selben Laden bestellt hat, dann aber trotzdem jedes Teil einzeln verpackt ankommt.

Wie man dem begegnen könnte?
Ein striktes Verbot des kostenlosem Versands und vor allem der kostenlosen Retouren würde da schon sehr viel bringen (gerade im Bezug auf "fast fashion" und China-Müll). Meinetwegen eine untere Schranke für den kostenlosen Versand (Mindestbestellwert) ... aber €5,- wäre ein schlechter Witz ... ich denke da eher an Sumnmen oberhalb von €30,- oder €50,-.
 
DerOlf schrieb:
er ist nicht nachhaltig.
Ich würde behaupten er ist nachhaltiger im Grunde. Zum Einzelhandel muss jeder individuell hinkommen. Das werden die meisten nicht zu Fuß/per Fahrrad tun. Die Ware muss zudem erstmal in die regionalen Geschäfte gebracht werden. Somit bewegt sich sowohl Ware als auch Kunden deutlich mehr als im Onlinehandel, wo die Ware zentral gelagert wird und nur einmal zum Kunden bewegt wird, welcher sich selber, allein für die Beschaffung der Ware, nicht bewegen muss.

Erst der massive "Missbrauch" des Widerrufsrechts führt zu massiven ökologischen Problemen. Und diesen muss man ja nicht selber mitmachen. für 1000€ Klamotten kommen lassen, wovon 800€ zurückgehen, weil man jedes Teil was einem halbwegs gefällt erstmal lieber live sehen will und dann am besten in 3 Größen und 3 Farben um die volle Auswahl zu haben? Das ist natürlich nicht sinnvoll.

In kurz: Onlinehandel sollte dem gezielten Kauf dienen. Wer bummeln will, stöbern und schauen, der soll in den Einzelhandel gehen.
 
Klamotten kaufen im Internet ist aber auch ohne die Moeglichkeit sachen zurueckzuschicken nicht wirklich sinnig.

Selbst wenn man Markentreu ist, und eigendlich weiss was einem passt, sind selbst bekanntere Marken oft inkonsistent. Und aendern auch gerne mal den Schnitt oder die Namen der Passformen.
Von verschiedenen Marken will ich garnicht erst anfangen... Da ist nix vergleichbar.
 
In der Tat ein Problem. Wollte ich auch nicht unterschlagen, aber nicht noch umfangreicher machen, da es für die Kernüberlegung eher nachrangig relevant vom Grundprinzip ist.

Ich komme inzwischen da recht gut zu recht. Mir helfen inzwischen die Bilder, die Models zeigen und deren Größen und was sie tragen, massiv weiter. Das passt dann deutlich besser als die üblichen rein zahlenbasierten Angaben. Das verbreitet sich immer mehr und scheint mir eine gut funktionierende Lösung zu sein. Aber sicher sind hier die Marken auch verantwortlich wie gut das funktioniert.
 
DerOlf schrieb:
Man fährt hin und wieder in die Stadt, und kauft dort dann alles, was man aktuell braucht oder neu haben möchte. Wenn wir in den 1980ern mit der Familie in die Stadt gefahren sind, dann war das Auto am Ende rappelvoll mit Zeug (Kofferraum UND Fahrgastzelle).
Das war früher vielleicht mal so möglich, ist es jetzt jedoch schon lange nicht mehr.

Ich war vor Jahren auch noch ein Freund solcher "Sammelkaufaktionen", habe aber irgendwann festgestellt, dass das so nicht mehr praktikabel machbar ist.

Wenn ich etwas benötige, sagen wir mal, eine neue Mikrowelle (weil ich die im letzten Jahr neu kaufen musste), dann kann ich mich heute relativ gut vorab informieren, was es auf dem Mikrowellenmarkt gibt und ich finde durchaus auch ein paar aussagekräftige Produkttests, anhand derer ich meine Entscheidung für Produkt X treffen kann. Langzeiterfahrungen sind praktisch nicht in Erfahrung zu bringen, weil es solche Tests kaum gibt und dazu die Produktlebenszyklen in der Regel zu kurz sind.

Wenn ich mir jetzt vornehme, das Produkt X nicht im Online-Handel zu bestellen, sondern im Einzelhandel zu kaufen, dann stehe ich vor dem Problem, dass ich nicht weiß und nicht ohne größeren Aufwand feststellen kann, welcher der gut erreichbaren Einzelhändler denn dieses Produkt X tatsächlich anbietet und auch vorrätig hat. Fahre ich dann los und klappere die Einzelhändler ab, die dann Produkt X vielleicht haben, vielleicht aber auch nicht? Fange ich an, sie vorher abzutelefonieren? Frage ich die Webseiten der großen Einzelhandelsketten ab, ob ich darüber eventuell feststellen kann, welcher vorOrt-Markt das Produkt auf Lager hat? Was mache ich, wenn es für das Produkt X gar keinen Vertrieb über den Einzelhandel gibt?

Diese Problematik lässt sich auf fast alles übertragen. Es gibt halt keine Suchmaschine, mit der ich einfach ermitteln kann: Dein Produkt X gibt es in Stadt Y beim Einzelhändler Z.

Das zentrale Problem beim Thema Nachhaltigkeit ist aus meiner Sicht ein Informationsproblem:
  • Information über die tatsächliche Herstellung und tatsächliche Qualität des Produktes, da der Preis kein Qualitätskriterium mehr ist (wenn er es denn jemals war)
  • Information über die Verfügbarkeit des Produktes (wenn ich explizit Onlinehandel ausschließen will)
 
Erkekjetter schrieb:
Ich würde behaupten er ist nachhaltiger im Grunde.
Er könnte nachhaltiger sein, wenn die Massen darauf irgendeinen Wert legen würden.

Die meisten Kunden schauen aber nur auf die Kohle, die Bequemlichkeit und die Möglichkeiten, die ihnen das bietet. Billigste Partydeko ist doch praktisch ... und wenn man dafür so wenig bezahlt hat, ist es auch kein Problem, wenn das danach dann einfach im Müll landet ... oder in der Pampa um die Partylocation.

Und die selben Leute regen sich dann über Pressemeldungen auf, die ihnen sagen, dass ihr gestriges Pangasius-Steak wahrscheinlich eine ganze Menge Mkcroplastik enthielt und dass nichtmal der Champagner ganz frei davon war.

Trotzdem wird für die nächste Party dann wieder Plastik-Glitzer-Konfetti bei Temu bestellt ... kostet ja nur 50c das Kilo. Die hässliche Aufblaspalme und das Einweggeschirr/-besteck nimmt man dann auch gleich noch mit, damit man über den Mindestbestellwert kommt.
Man könnte auch gleich das Briefkastenschild an die gelbe Tonne heften.
 
DerOlf schrieb:
Aber ich sehe es einfach nicht mehr ein, für eine Hose €100,- auszugeben, die dann nach 2 Monaten im Schritt aufreißt. Ich habe Hosen, die haben ein Fünftel dessen gekostet, sind aber schon 5 Jahre alt und älter.

Engelbert Strauß kann ich an der Stelle empfehlen. Die haben nicht nur Arbeitshosen sondern auch klassische Jeans. Die halten wirklich.

Zur Anprobe - da musst du mal schauen, es gibt immer wieder Pop-Up Stores, die in den Regionen temporär öffnen. Sonst halt Online bestellen.

@knoxxi

Das ist ja mein Problem mit den China Müll. China, chinesische Händler lügen und betrügen wo sie nur können. Wir haben rechtlich kein Zugriff auf die - und sie bieten Waren extrem billig an. Da ist jede Umweltverschmutzung egal - jede Haltbarkeit oder bei technischen Geräten auch jede Sicherheit.

Mein Vorschlag: einfach chinesische Händler konsequent auch dem EU Internet sperren ... dann kann man dort auch nciht mehr so einfach bestellen.
 
_killy_ schrieb:
Da ist jede Umweltverschmutzung egal - jede Haltbarkeit oder bei technischen Geräten auch jede Sicherheit.
Pauschal stimmt das nicht. In China heißt „you get what you pay for“ halt noch genau das. Wenn explizit Müll in Auftrag gegeben wurde, dann wird auch das hergestellt. Ebenso kannst du auch beste Qualität erhalten, die immer noch erheblich günstiger ist, als hier hergestellt.
 
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_killy_ schrieb:
Wir haben rechtlich kein Zugriff auf die - und sie bieten Waren extrem billig an.
Das ist so immer noch nicht richtig. Die Gesetzeslage hat sich dazu geändert. Wo der Händler in China unbekannt oder nicht greifbar sind, tritt der Importeur in die Haftung. Und das umfasst auch Plattformen wie Shein und Temu. Die Rechtsgrundlagen sind NICHT das Problem.
Das Problem ist der politische Wille (beispielsweise auch in Bezug auf billigen Postversand, wo China immer noch als 3. Weltland behandelt wird) und die Kontrolle (letztlich auch politischer Wille, Ohne Geld/Personal kann nicht kontrolliert werden).

Eine komplette Sperre wäre fatal, wirtschaftlich und politisch (die Retourkutsche Chinas wäre 100% vorprogrammiert und das zu Recht), China bietet auch verdammt viel vernünftiges. Man bekommt auch in China das, was man beauftragt und bezahlt.

PS: Zur Verdeutlichung was eine EU Sperre für chinesische Händler bedeuten würde: Jegliches Dropshipping auch von internationalen Marken wäre dann hinfällig (eine reine Sperre im deutschen EU Internet bewirkt nichts ohne auch eine Sperre der Lieferung, VPNs sind nun echt nicht so unbekannt... ). Die Folge: Entweder wird die Ware deutlich teurer, weil sie erst in das Land der Marke und von dort zu uns transportiert werden muss (auch ökologisch fragwürdig) oder die Marke verkauft ihre Ware gar nicht mehr in der EU. Ich muss dir, leider, mal wieder unterstellen, dass deine Argumente aus dem Fakt erwachsen, dass du von der Thematik keine Ahnung hast...

@DerOlf Dann ist aber das Problem nicht der Onlinehandel..
 
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Ohne den Onlinehandel wären viele meiner Einkäufe gar nicht möglich. Ganz einfach weil ich kein Auto besitze. Alles über x KG oder x Meter Größe lässt sich zu Fuß oder mit dem Rad nicht transportieren. Ich wüsste auch gar nicht wo ich die ganzen Produkte im einzelnen überhaupt finde, da würd es mir wie @Capet gehen.

In den Supermarkt gehe ich z.B. drei mal die Woche zu Fuß um meine Einkäufe aufzuteilen, aber der Rest wird alles Online bestellt.

Ich sehe da auch kein Problem dabei. Die Transporter fahren eh. Und da sind wenigstens hunderte an Pakete drin. Wenn ich alleine fahren würde wäre da genau für mich alleine ein Paket drin. Was jetzt nachhaltiger ist wenn das Jeder machen würde kann man sicherlich ausrechnen. Ich glaube wir brauchen nicht noch mehr Individualverkehr auf den Straßen.

Kostenlosen Versand und Retouren kann man von mir aus aber abschaffen. Meine Rücksendequote liegt vielleicht bei 3 - 5%. Wenn Leute das missbrauchen ist das ihre persönlich Einstellung. Die kaufen auch das Einweg Plastikgeschirr im Einzelhandel.
 
Das gesamte Leben in Deutschland wurde komplett aufs Auto ausgerichtet ... und das war mMn der entscheidende Fehler, der nun dafür sorgt, dass viele schon garnicht mehr an eine Realität ohne Auto denken können.
Tatsächlich hat man mit den Megamalls erst die Notwendigkeit geschaffen, für den Einkauf in ein Auto zu steigen, weil da preislich nunmal kein kleiner Laden mithalten konnte und man das Einkaufen in der Mall direkt als "Erelebnis" vermarktet hat.
Es gibt mittlerweile Wohngegenden, in denen es meilenweit keine anderen Einkaufsmöglichkeiten gibt, als eine Tankstelle, die sich dort auch nur halten kann, weil die Leute nunmal ihre Autos betanken müssen, um irgendwo anders günstig einkaufen zu können ... oder um überhaupt da weg zu kommen.
In Neubaugebieten gibt es schon von vornherein keine Flächen, die für Einkaufsmöglichkeiten oder Versorgungsinfrastruktur vorgesehen wären ... man hat ja eh ein Auto zu haben.

Ich ärgere mich über eine Stellplatzverordnung, die mich zwingt, auf meinem Grundstück einen Autostellplatz vorzuhalten, obwohl ich keines habe, keines nutzen möchte und nie einen Führerschein gemacht habe.
Andere ärgern sich über die gleiche Verordnung, weil da pro Wohnheinheit nur ein Stellplatz vorgeschrieben wird ... eine dreiköpfige Familie braucht heute aber mindestens 5 (ja - das ist durchaus polemisch gemeint).
Ich würde mich von dieser Verordnung befreien lassen ... aber dafür bittet der deutsche Staat einen richtig krass zur Kasse.
Ich darf das auch nicht als Fahrradstellplatz "zweckentfremden" ... da darf nur ein Auto stehen (egal ob imaginär oder echt) ... sonst kriegt irgendein deutscher Bürokrat Plaque.
 
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Kassenwart schrieb:
Alles über x KG oder x Meter Größe lässt sich zu Fuß oder mit dem Rad nicht transportieren.
Wobei sich da natürlich die Frage stellt, wie du es dann ins Auto respektive in die Wohnung bewegst. Den 90" Screen kriegst du wahrscheinlich nicht in den Polo, schon gar nicht allein.

Meinen Alltag inkl. Wocheneinkauf bestreite ich jetzt seit etwa 10 Jahren mit dem Fahrrad. Anfangs mit Packtaschen (für mich allein), später mit einem Fahrradanhänger (für mich und Familie). Zugegeben, der Anhänger ist ein Eigenbau mit mehr Volumen als so mancher Kleinwagen-Kofferraum, aber damit lässt sich eben problemlos ein voller Einkaufswagen nach Hause transportieren. Wobei ich auch kein Problem darin sehe den Inhalt eines Einkaufwagens in einen handelsüblichen Fahrradanhänger zu kriegen.
 
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@DerOlf

Sorry, ich muss dir komplett widersprechen. Das gesamte Leben in Deutschland ist auf Fußgänger und Fahrradfahrer ausgerichtet. Die typischen Städte haben direkte Fußwege in die Innenstadt und du kannst Schule & Co zu Fuß erreichen.

Nur wirklich in sehr großen Städten, ist dies nicht mehr möglich. Aber die klassische deutsche Stadt mit über 1.000 jährige Historie - da bist du als Fußgänger bzw spätestens als Fahrradfahrer schneller als mit dem Auto am Ziel.

Natürlich ist es mit einem Auto bequem. Ausgerichtet ist die städtische Infrastruktur historisch gesehen jedoch nicht aufs Auto. Ganz anders USA - da gibt es teilweise keine Fußwege in den Wohnviertel und wirklich keine fußläufige Infrastruktur wie Schulen oder die Innenstadt kannst du nur per Auto erreichen.
 
Ich vergleiche es mit der Situation in meiner Kindheit.
Der selbe Stadtteil in einem 350.000 Seelen Großdorf.

Früher gab es hier 4 kleine Supermärkte, 3 Tante-Emma-Läden, drei Tankstellen, einige Fachgeschäfte, 3 Apotheken, 2 Drogeriemärkte, einen Uhrmacher, mehrere Restaurants, Kneipen, Bäckereien, zwei Floristen bzw. Gärtnereien und 3 Bankfilialen ... alles fußläufig in unter 10 Minuten zu erreichen.

Und heute?
Ich kann mich entscheiden, ob ich mit Bus und Bahn 10 oder 15 Minuten unterwegs sein will, bevor ich bei einer Einkaufsmöglichkeit bin. Brauche ich fachliche Beratung, führt nichts am Weg in die City vorbei ... denn da gibt es noch Fachgeschäfte (ob man da jemanden findet, der auch Beratung kann, ist etwas anderes).
Die eine Apotheke ist nur noch Lager für eine web-Apotheke, die andere ist eine Kindertagesstätte ... die dritte ist tatsächlich noch ganz klassisch Apotheke.
Fachgeschäfte gibts hier keine mehr ... mal abgesehen von einigen wenigen Bäckereien, einem Fahrrad- und einem Comicbuchladen.
Nur die drei Tankstellen haben die letzten 30 Jahre unbeschadet überstanden ... gut, dass man Super und Diesel nicht downloaden kann.

Wird es spezieller (Musikalien), darf ich im Grunde mehrere Stunden mit dem Zug durch die Republik kacheln, wenn ich das nicht bei einem der online-Musikhäuser bestellen will.
Am Beispiel Musikalienhandel kann man noch etwas anderes sehen ... erst konnte man die Sachen online bestellen ... dann haben die Händler gemerkt, dass die Sachen im Laden liegen bleiben, und erst dann haben sie ihr Sortiment auf die absoluten Standards reduziert. Erst seit dem bekommt man im offlinehandel nur noch ein schlechtes Sortiment. Das war mal anders ... aber da hat man sich im Laden nur beraten lassen ... gakauft wurde dann im Internet.

Fazit.
Früher konnte ich ohne Auto binnen 1h alles im Haus haben.
Heute bestelle ich das entweder im Internet, oder fahre mehrere Stunden mit dem Auto (in meinem Fall der ÖPNV) durch die Gegend, bis ich das alles zusammen habe.
Ich fand das früher irgendwie angenehmer ... es war einfacher und es ging schneller ... und vor allem ging es ohne Auto.

Wenn man davon ausgeht, dass jeder EInkauf mit einer Autofahrt verbunden ist, dann ist der onlinehandel natürlich nachhaltiger. Man kann aber auch zu Fuß einkaufen (wenn man das Glück hat, und es tatsächlich noch eine EInkaufsmöglichkeit in fussläufiger Entfernung gibt) ... dann geht man eben häufiger und kauft nur für 2 oder 3 Tage ein.

@_killy_
Ich finde es ziemlich lächerlich, zu behaupten, die deutsche Verkehrsinfrastruktur wäre auf Fussgänger und Radfahrer ausgelegt, nur weil man in deutschen Städten vieles auch ohne Auto erreichen kann.
Nach dem 2. Weltkrieg gab es in der bundesdeutschen Städteplanung nur einen Fokus ... und das war die möglichst autofreundliche Stadt.
Damals hatte man den Platz, weil von den historischen deutschen Städten so gut wie nichts mehr übrig war ... viele Städte konnten sich damals neu erfinden ... und taten das mit Fokus auf den motorisierten Individualverkehr. Vielenorts hat man sogar das existierende ÖPNV-Netz weitestgehend aufgegeben, um den Autos noch ein bisschen mehr Platz gönnen zu können. Man hat sogar versucht, ganze Wohnstädte so zu planen, dass man ausser an den Zufahrtsstraßen komplettz auf Ampeln verzichten konnte ... naja ... auf Ampeln für Autofahrer ... Fussgängerampeln gabs da weiterhin, denn man kann ja nicht zulassen, dass Fussgänger den Verkehrsfluss stören ... die mussten fortan warten, damit die Autofahrer nicht warten müssen.
Auf meinem Weg zur Arbeit muss ich eine Hauptverkehrsstrasse kreuzen ... und wenn ich da an der Fussgängerampel stehe, kommt mir jedes mal der Gedanke, dass ich mit einem Auto wohl schneller auf der anderen Straßenseite wäre.
Die Verkehrsplanung kannte Jahrzehntelang nur eine einzige Priorität ... und zwar das Auto.
 
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@DerOlf

Aber auch die Zerstörung der Städte nach dem WWII betrifft doch eher die deutlich größeren Städte. Und selbst da muss es ja schon extrem runtergebombt wurden sein, dass du ehem. kleinere Straßen dann doch deutlich breiter ausgebaut hast.

Und dennoch - du kommst zu Fuß und mit dem Fahrrad in den meisten Städten deutlich schneller voran als mit dem Auto. Ja, es gibt auch Straßen für Autos. So what?! Ist halt das neuste Fortbewegungsmittel gewesen, was im letzten Jahrhundert eingeführt wurde.

In den USA kannst du den deutlichen Unterschied sehen zwischen "historisch/organisch gewachsen für Fußgänger" vs "ausschließlicher Fokus aufs Auto". Manchmal hilft da ein bisschen der Perspektiven-Wechsel. Dann weißt du auch zu schätzen, dass man hier diverse Wege ohne Auto erledigen kann.
 
_killy_ schrieb:
Dann weißt du auch zu schätzen, dass man hier diverse Wege ohne Auto erledigen kann.
Ich weiß das zu schätzen, denn ich nutze es täglich.

Ich sehe es allerdings nicht als Luxus, sondern als natürliche Notwendigkeit.

Ich stelle mal die Gegenfrage.
Wie müsste unsere Verkehrsinfdrastruktur aufgebaut sein, damit sie deiner Meinung nach nicht Fussgänger und Radfahrer bevorzugt, sondern alle drei Fortbewegungsarten gleichberechtigt behandelt?
Oder habe ich dich falsch verstanden, und du fühlst dich als Autofahrer garnicht benachteiligt?
 
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