Ich vergleiche es mit der Situation in meiner Kindheit.
Der selbe Stadtteil in einem 350.000 Seelen Großdorf.
Früher gab es hier 4 kleine Supermärkte, 3 Tante-Emma-Läden, drei Tankstellen, einige Fachgeschäfte, 3 Apotheken, 2 Drogeriemärkte, einen Uhrmacher, mehrere Restaurants, Kneipen, Bäckereien, zwei Floristen bzw. Gärtnereien und 3 Bankfilialen ... alles fußläufig in unter 10 Minuten zu erreichen.
Und heute?
Ich kann mich entscheiden, ob ich mit Bus und Bahn 10 oder 15 Minuten unterwegs sein will, bevor ich bei einer Einkaufsmöglichkeit bin. Brauche ich fachliche Beratung, führt nichts am Weg in die City vorbei ... denn da gibt es noch Fachgeschäfte (ob man da jemanden findet, der auch Beratung kann, ist etwas anderes).
Die eine Apotheke ist nur noch Lager für eine web-Apotheke, die andere ist eine Kindertagesstätte ... die dritte ist tatsächlich noch ganz klassisch Apotheke.
Fachgeschäfte gibts hier keine mehr ... mal abgesehen von einigen wenigen Bäckereien, einem Fahrrad- und einem Comicbuchladen.
Nur die drei Tankstellen haben die letzten 30 Jahre unbeschadet überstanden ... gut, dass man Super und Diesel nicht downloaden kann.
Wird es spezieller (Musikalien), darf ich im Grunde mehrere Stunden mit dem Zug durch die Republik kacheln, wenn ich das nicht bei einem der online-Musikhäuser bestellen will.
Am Beispiel Musikalienhandel kann man noch etwas anderes sehen ... erst konnte man die Sachen online bestellen ... dann haben die Händler gemerkt, dass die Sachen im Laden liegen bleiben, und erst dann haben sie ihr Sortiment auf die absoluten Standards reduziert. Erst seit dem bekommt man im offlinehandel nur noch ein schlechtes Sortiment. Das war mal anders ... aber da hat man sich im Laden nur beraten lassen ... gakauft wurde dann im Internet.
Fazit.
Früher konnte ich ohne Auto binnen 1h alles im Haus haben.
Heute bestelle ich das entweder im Internet, oder fahre mehrere Stunden mit dem Auto (in meinem Fall der ÖPNV) durch die Gegend, bis ich das alles zusammen habe.
Ich fand das früher irgendwie angenehmer ... es war einfacher und es ging schneller ... und vor allem ging es ohne Auto.
Wenn man davon ausgeht, dass jeder EInkauf mit einer Autofahrt verbunden ist, dann ist der onlinehandel natürlich nachhaltiger. Man kann aber auch zu Fuß einkaufen (wenn man das Glück hat, und es tatsächlich noch eine EInkaufsmöglichkeit in fussläufiger Entfernung gibt) ... dann geht man eben häufiger und kauft nur für 2 oder 3 Tage ein.
@_killy_
Ich finde es ziemlich lächerlich, zu behaupten, die deutsche Verkehrsinfrastruktur wäre auf Fussgänger und Radfahrer ausgelegt, nur weil man in deutschen Städten vieles auch ohne Auto erreichen kann.
Nach dem 2. Weltkrieg gab es in der bundesdeutschen Städteplanung nur einen Fokus ... und das war die möglichst autofreundliche Stadt.
Damals hatte man den Platz, weil von den historischen deutschen Städten so gut wie nichts mehr übrig war ... viele Städte konnten sich damals neu erfinden ... und taten das mit Fokus auf den motorisierten Individualverkehr. Vielenorts hat man sogar das existierende ÖPNV-Netz weitestgehend aufgegeben, um den Autos noch ein bisschen mehr Platz gönnen zu können. Man hat sogar versucht, ganze Wohnstädte so zu planen, dass man ausser an den Zufahrtsstraßen komplettz auf Ampeln verzichten konnte ... naja ... auf Ampeln für Autofahrer ... Fussgängerampeln gabs da weiterhin, denn man kann ja nicht zulassen, dass Fussgänger den Verkehrsfluss stören ... die mussten fortan warten, damit die Autofahrer nicht warten müssen.
Auf meinem Weg zur Arbeit muss ich eine Hauptverkehrsstrasse kreuzen ... und wenn ich da an der Fussgängerampel stehe, kommt mir jedes mal der Gedanke, dass ich mit einem Auto wohl schneller auf der anderen Straßenseite wäre.
Die Verkehrsplanung kannte Jahrzehntelang nur eine einzige Priorität ... und zwar das Auto.