In Zukunft sind wir nur fähig unseren Lebensstandard in etwa zu halten, wenn wir einem möglichst umfangreichen und starken Binnenmarkt angehören. Das läuft nur über eine Art EU.
Right. Weil sich die Stärke Deutschlands alleine aus dem Handel speist. Kein Land der Welt ist noch in der Lage, alleine eine funktionierende grundsätzliche Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Geschweige denn Wohlstand zu ermöglichen. Deutschland hat das Problem, dass das allgemeine Wohlstandsniveau nicht groß weiter zu steigern ist. Woran wir arbeiten können und müssen, ist dass das permanente Risiko des finanziellen und sozialen Abstiegs massiv verringert wird, und dass die Infrastruktur auf den neuesten Stand der Technik gebracht und gehalten wird, das permanente Klima von Angst und Verachtung überwunden wird.
pilzqualle10 schrieb:
Spätestens seit der Migrationskrise 2015 merkt man doch, dass Deutschland die "Drecksarbeit" machen muss und sich die meisten Länder dafür wenig interessieren. Wird Zeit, dass das endlich aufhört und wir wieder unsere eigenen Entscheidungen treffen können.
Du blendest einen großen Teil des Kontext aus. Dafür müssen wir 10 Jahre in die Vergangenheit gehen, als die Immobilienkrise die Weltwirtschaft destabilisiert hat. Im Großen und Ganzen hat Europa die Sache (du ja nicht hausgemacht) noch gut weggesteckt, nur haben sich die Ratingagenturen in den USA auf Staaten wie Portugal und Griechenland eingeschossen, vermutlich auch um von den eigenen Fehlern der vergangenen Jahrzehnte abzulenken oder im Zuge von Neubewertungen.
Die Folge war, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien über die EU auf die "PIIGS"-Staaten einen massiven Druck ausgeübt haben, den man im Falle Griechenlands durchaus als Verlust der Souveränität bezeichnen kann. Gewisse Maßnahmen kamen so verzögert, dass man fast von Willkür sprechen konnte. Dieser Umgang untereinander hat in der EU das Klima nachhaltig vergiftet. Da wurde aus Solidarität untereinander eine Machtausübung von Mitteleuropa auf Südeuropa. Nehmen wir dazu, dass die Dublin-Verträge die Last der Flüchtlingsströme auf die Länder konzentrieren, in denen sie ankommen (Spanien, Italien, Griechenland...) dann kann man die Geschehnisse von 2015 schon in einem anderen Licht sehen.
Insbesondere, wenn man bedenkt, dass Polen bereits die Zuflucht von über einer Million Ukrainer geworden ist, die in Folge der Krise von dort geflohen ist, im Baltikum lieber aufgerüstet wurde anstatt der russischen Minderheit zumindest mal einen Pass und Bürgerrechte zuzugestehen, man am Mittelmeer mit den Folgen der von mitteleuropa aufgezwungenen Sparmaßnahmen beschäftigt war, und Schweden und Dänemark ebenfalls bereits am Limit waren. Viele Staaten bleiben dann nicht mehr übrig, die in der Flüchtlingskrise noch einen Beitrag hätten leisten können. Dass sich eine Angela Merkel dann erdreistet hat, erst die schnelle Lösung durchzusetzen (was sie im Bezug auf Deutschland ja schon darf), und dann erst den Rest der EU um Hilfe zu beten, dürfte für die meisten Staaten ein Übergriff zu viel gewesen sein.
Feligs schrieb:
Ich bin mir sicher, wenn die EU dabei geblieben wäre, was eigentlich das ursprünglich Ziel war, würden wir mindestens genauso viel Wohlstand haben. Die EU als starkes Wirtschaftsbündnis ist etwas hervorragendes. Ich finde es nur falsch, dass man bei so vielen wichtigen politischen Enstscheidungen nicht mehr für sein Land alleine entscheiden kann, sondern sich erst die Erlaubnis dafür von Brüssel abholen muss.
Gerade im Bezug auf die Freihandelsabkommen JEFTA, CETA und TTIP wurde ja ausgiebig diskutiert, welche real-politischen Auswirkungen nicht nur auf die Wirtschaftspolitik, sondern auch auf die Gesellschaft sich aus den Wirtschaftsbündnissen ergeben.
hallo7 schrieb:
@Feligs Du hast das Gutachten aber gelesen oder? Das vor allem wirtschaftsrelevante Gesetze EU konform beschlossen werden, ist jetzt keine Überraschung. Darum gehts doch und das ist der Vorteil der EU.
[...]
Es macht einfach Sinn gewisse Normen, die ein Staat sowieso umsetzen möchte weil sie sinnvoll sind, auch mit den anderen Ländern abzusprechen und dann gemeinsam zu beschließen.
==> THIS. Hätte ich so ähnlich jetzt auch geschrieben
Feligs schrieb:
Und was ist mit der NATO ?
Die NATO werden derzeit als Machtinstrument der USA eingesetzt, darüber haben gewisse Funktionäre scheinbar noch ihre eigene Agenda. Man muss sich mal vor Augen halten, dass innerhalb der NATO die verhältnismäßig größten Budgets von der Türkei und von Griechenland bereit gehalten werden, weil sich diese Staaten weiterhin im Zustand einer permanenten militärischen Bedrohung über die Zugehörigkeit einiger Inseln und von Teilen Zyperns befinden...und beide sind auf der Ebene der NATO etwas anderes: Partner.